2562771

Morgenmagazin vom Freitag, 22. Januar 2021

22.01.2021 | 07:20 Uhr | Peter Müller

Release Candidates für iOS 14.4 und macOS Big Sur 11.2 +++ Analysten erwarten Rekordergebnis für Apple +++ "Servant" verdoppelt Zuschauerzahl +++ Parler scheitert vor Gericht +++ Gesetzentwurf regelt Werbekennzeichnung für Influencer +++ Gabe Newell: Valve will wieder eigene Spiele entwickeln +++ EQA 250: Neuer Elektro-SUV von Mercedes vorgestellt

22. Januar: Der Hammer fliegt

Macwelt wünscht Guten Morgen! Mit Ausnahme der Fans des abgewählten One-Termers hatten in dieser Woche Leute, die sich für die USA interessieren, Tränen in den Augen. Freudentränen. Einige werden indes Anfang nächster Woche Ringe um die Augen haben - die kann man aber weiter gut im Home Office verstecken. Wärend Joe Biden zu einer für europäische Fernsehzuschauer idealen Zeit seinen Eid auf die Verfassung schwor, den Eid, den sein Amtsvorgänger niemals einzuhalten gedachte, treffen sich die letzten vier Teams im Wettbewerb der NFL von 2020/21 am Wochenende mitten in der (hiesigen) Nacht. Unser Tipp: Die Green Bay Packers werden ihren Heimvorteil in Wisconsin nutzen und treffen zwei Wochen später zum Superbowl auf die Buffalo Bills, die ihre Heimstatt in der Hauptstadt des Bundesstaates New York haben - nahe der Niagara-Fälle.

Wenn die beiden Nordstaatenteams tatsächlich ihre Divisionsfinals gewinnen, machen sie sich auf in den sonnigen Süden. In Tampa Bay, Florida, wird es aus bekannten Gründen Anfang Februar keine Zuseher im Stadion geben, aber man hatte ohnehin den Eindruck, das Live-Publikum ist nur Staffage für das größte einzelne Fernsehsportereignis. Wichtiger als das Geschehen auf dem Platz scheint die Halbzeitshow zu sein - und die Werbeunterbrechungen. Respektive das, was dann über die Bildschirme läuft.

Der 22. Januar 1984, der Superbowl-Sonntag jenes Jahres blieb daher auch nicht wegen des klaren 38:9-Siegs der Los Angeles  Raiders gegen das Team aus Washington in Erinnerung in kollektiver Erinnerung. Auch die Halbzeitshow war nicht der Brüller: Kein internationaler Superstar war auf einer hastig errichteten Bühne zu Gast (heuer soll The Weeknd seine Kunst dem Fernsehpublikum in aller Welt darbieten), sondern eine Marchingband lief mit viel Gebläse und Getrommel über den Kunstrasen. Der Superbowl XVIII blieb wegen seiner Refinanzierung via TV-Werbung in Erinnerung. Wegen eines Spots. Des einen Spots.

Das Produkt wurde in dem 60-Sekünder nicht gezeigt, nicht einmal sein Name genannt, erst zwei Tage später sollte es das Licht der Welt erblicken. Und auch der Name des Herstellers erschien erst kurz vor Schluss des Clips, in einem Text auf dem Schirm, den eine dunkle Stimme aus dem Off auch vortrug: "Am 24. Januar wird Apple zeigen, dass 1984 nicht so wird wie '1984'".

Der Bezug zum totalitären Staat nach Orwell'scher Prägung stellte der düstere Kurzfilm des Regisseurs Ridley Scott mit einer von willigen, gleichgeschalteten Untertanen dar, die einer Rede des "Großen Bruders" auf einer Riesenleinwand verfolgten, die zum Ende hin von einer blonden Hammerwerferin, die erfolgreich finsteren Häschern entkommen ist, per Schleuderwurf des Hammers zerfetzt wird.

Oft war der Kurzfilm nicht zu sehen, im Fernsehen nur dieses eine Mal und damit der Spot eine Chance bei der Vergabe von cineastischen Preises hatte, auch einmal in einem kleinen, weithin unbekannten Kino. Das  Weltgedächtnis Youtube hat die 1984-Werbung in die digitale Ära gerettet , das Original hat zwar mit der Zeit sehr gelitten, aber Apple selbst hatte 2004 den Streifen neu aufgelegt, mit einem am Gürtel der Sportlerin baumelnden iPod.

Apples Aufsichtsrat kannte den Spot schon ein paar Tage länger als das beeindruckte Fernsehpublikum des Superbowl XVIII. Und hätte ihn beinahe gestoppt. Vor Entsetzen. Die üblichen Bedenkenträger eben: Warum ist unser Produkt nicht zu sehen? Was soll die düstere Stimmung? Ja, leben wir in der Diktatur, muss das sein? Apples Glück: Für eine Stornierung war es zu spät. Man hätte den Spot zurückziehen können, dann aber die komplette Minute dennoch zahlen müssen. Eine neue Werbung war auf die Schnelle nicht zu produzieren.

So zeigt uns Apple seit 37 Jahren, wo der Hammer hängt, respektive, wohin er fliegt. In der Zwischenzeit sind dummerweise viele der Orwell'schen Dystopien nicht wirklich Realität geworden, aber wir sind nah dran. Nur muss uns keiner einen ständigen sendenden und empfangenden Televisor in die Wohnungen stellen, wir erledigen das freiwillig mit unseren SmartTVs und SmartSpeakern. Wenigstens ist am anderen Ende der Leitung noch keine totalitäre Staatsmacht, sondern nur eines der Unternehmen, die unser Bestes wollen: Unser Geld.

Den Superbowl LIV werden wir uns in der Nacht zum 8. Februar wohl ganz klassisch auf einem unsmarten Fernsehapparat ansehen – und während der Werbepausen abschalten oder gar die Augen für ein kurzes Nickerchen schließen. Denn im deutschen Fernsehen sind keine Perlen zu erwarten.

Lesetipps für den Freitag

Rekordergebnis: In der Nacht zum Donnerstag kommender Woche legt Apple die Bilanz für das erste Quartal seines Geschäftsjahres vor und man muss kein Prophet sein, um außerordentliche Zahlen zu erwarten. Die Morgan-Stanley-Analystin Katy Huberty überschlägt sich aber schier in ihrer Erwartung: Denn während Anleger an sich nur solide Zahlen erwarten würden, stünde Apple doch vor einem Rekordquartal, das mal wieder alle Rahmen sprenge. Nicht nur das iPhnone, das Apple im vergangenen Jahr erst im letzten Kalenderquartal in den Handel brachte, wird durch die Decke gehen, sondern alle fünf Bereiche Apples (neben iPhone noch iPad, Mac, Home & Accesories sowie Services) warteten mit zweistelligem Wachstum gegenüber dem Vorjahr auf. Es sei also an der rechten Zeit, Apple-Aktien zu kaufen, das Kursziel von AAPL hebt Huberty um 8 US-Dollar auf 152 US-Dollar an.

In zwei Stufen: Schon lange nichts mehr von Apples AR/VR-Brille gehört, die ja angeblich Apple Glasses oder ähnliche hießen soll. Bloombergs Mark Gurman, der nicht selten ins Schwarze trifft, will nun einen neuen Stand der Dinge erfahren haben. So soll ein erstes Modell im Jahr 2022 erscheinen, das noch mehr auf virtuelle Realität fokussiert. Das Display, das man sich direkt vor das Gesicht hängt, soll für 3D-Spiele, Videokonsum und Kommunikation geeignet sein und eher eine High-End- Version dessen werden, was dann erst später mit mehr Nutzen für die Allgemeinheit kommen soll: Eine die Realität mit digitalen Informationen anreichert - eben augmented Reality. Apple soll für sein High-End-Modell wesentlich mehr verlangen als die Konkurrenz für ihre Lösungen, wie etwa Facebook (Oculs), Sony (Playstation VR) oder HTC, die zwischen 300 und 900 US-Dollar kosten. Apple rechne auch nicht mit großen Verkaufszahlen, etwa ein Gerät pro Tag und Store sei schon eine akzeptable Zahl, also etwa 180.000 Stück im Jahr.

Fast fertig : Apple hat gestern Abend den Release Candidate von iOS 14.4 für Entwickler und Teilnehmer des Public-Beta-Programs veröffentlicht, mit der finalen Version kann man kommende Woche rechnen. Das jüngste Update für das iPhone-Betriebssystem bringt Neuerungen wie die Möglichkeit, noch kleinere QR-Codes als bisher einzulesen oder die Art eines gekoppelten Bluetooth-Geräts genauer zu klassifizieren. Zudem gibt das iPhone Warnmeldungen aus, wenn bei einer Reparatur ein nicht originales Kameramodul in iPhones ab der Generation 12 eingebaut wurde.

Noch ein Kandidat: Auch für macOS Big Sur 11.2 legt Apple den Release Candidate vor, etwa eine Woche nach der zweiten Beta und einen guten Monat nach der ersten. Neue Funktionen sind nicht zu erwarten, Apple deaktiviert aber wieder die ContentFilterExclusionlIst, die es Apple-Apps erlaubte, Firewalls und VPN-Programme von Dritten zu umgehen - ein potentielles Sicherheitsrisiko. Laut Release Notes will das Update auch Probleme mit Bluetooth beheben und einige weitere kleine Fehler beheben.

Blockbuster : Seit dem letzten Freitag streamt Apple TV+ die zweite Staffel der Mystery-Serie "Servant", die M. Night Shyamalan produziert. Laut Deadline hat Servant gegenüber dem Vorjahr die Zuschauerzahl verdoppelt und gerät nun in Bereiche, die bisher den Hits "Verschwiegen" und "Ted Lasso" vorbehalten war. Im Gegensatz zu 2019/20 hatte Apple TV+ zum Start der zweiten Staffel erst eine Folge online gestellt und nicht deren drei - einige Freunde des gepflegten Horros werden daher erst einmal ein paar Wochen abwarten, um die Geschichte aus Philadelphia in größeren Happen als nur halbstündigen Folgen zu genießen.

Abgewiesen: Das soziale Netzwerk Parler, dessen App Google und Apple aus ihren Stores geworfen haben und dessen Hostingprovider Amazon die Inhalte aus seinen Web-Services (AWS) entfernt hat, konnte  vor Gericht nicht die rasche Wiederkehr zu AWS durchsetzen. Bundesrichterin Barbara Rothstein erklärte in Seattle, Parler habe vor Gericht nicht ausreichend darlegen können, warum Amazon den Service sofort wieder herstellen müsste. Rothstein wies "jede Andeutung zurück, dass das öffentliche Interesse dafür spricht, AWS zu verpflichten, die aufrührerischen Reden "zu hosten, an denen sich Parler-Nutzer  beteiligt hätten. Parler  habe "nur schwache und sachlich ungenaue Spekulationen" über Absprachen zwischen Amazon und Twitter zur Abschaltung von Parler vorgebracht. Amazon hatte den Rauswurf Parlers aus seinen Webservies damit begründet, die Betreiber der App hätten "mangelnde Bereitschaft und Unfähigkeit" gezeigt, eine Reihe von Beiträgen zu entfernen, die zu Straftaten aufforderten, unter anderem Vergewaltigung, Folter und Ermordung von Politikern und Führungskräften der IT-Industrie.

Weitere Nachrichten:

Gesetzentwurf regelt Werbekennzeichnung für Influencer

Das Bundeskabinett hat heute einen neuen Gesetzentwurf verabschiedet. Neben Kaffeefahrten und der Transparenz im Online-Handel regelt dieser Entwurf auch die Kennzeichnungspflicht für Werbung in Beiträgen und Videos. Dieser Punkt dürfte für allem für Influencer in sozialen Netzwerken interessant sein.

Konkret heißt es unter § 5a im Gesetzentwurf: "Ein kommerzieller Zweck liegt bei einer Handlung zugunsten eines fremden Unternehmers nicht vor, wenn der Handelnde kein Entgelt oder keine ähnliche Gegenleistung für die Handlung von dem fremden Unternehmer erhält oder sich versprechen lässt. Der Erhalt oder das Versprechen einer Gegenleistung wird vermutet, es sei denn der Handelnde macht glaubhaft, dass er eine solche nicht erhalten hat."

Betreiber eines YouTube-, Twitter-, Instagram- oder Facebook-Kanals müssen nun nicht mehr alle Beiträge als Werbung kennzeichnen, in denen sie über ein Produkt sprechen, sondern nur dann, wenn sie für ihren Produkt-Beitrag auch eine Bezahlung oder eine Gegenleistung erhalten haben. Unklar bleibt jedoch auch weiterhin, wie es sich verhält, wenn der Influencer Gratis-Muster oder etwa die Rückerstattung von Reisekosten erhält, die nicht in direktem Zusammenhang mit einer Werbe-Vereinbarung bestehen. Im Zweifelsfall müssen Influencer nachweisen, dass sie vom betreffenden Unternehmen keine Gegenleistung erhalten haben, etwa durch die Vorlage von Hotelrechnungen oder Kaufbelegen. Der neue Gesetzentwurf beantwortet zwar nicht alle offenen Fragen, liefert jedoch eine rechtliche Grundlage, wann Influencer ihre Beiträge als "kommerziell" kennzeichnen müssen und wann nicht. Bevor der Gesetzentwurf in Kraft treten kann, muss er noch vom Bundesrat und dem Deutschen Bundestag beraten werden.

Gabe Newell: Valve will wieder eigene Spiele entwickeln

Mit „Half-Life 2“ hat Valve Spielegeschichte geschrieben. In den vergangen Jahren wurden aber nur noch selten Spiele beim Betreiber von Steam selbst entwickelt. Dies könnte sich bald ändern: Firmenchef Gabe Newell gab in einem Interview mit der Webseite 1 News bekannt, dass sich aktuell mehrere Spiele bei Valve in der Entwicklung befinden würden. Mit den Arbeiten am VR-Spiel „Half-Live: Alyx“ habe man sehr gute Erfahrungen gemacht. Es mache Spaß, endlich wieder Singleplayer-Spiele zu veröffentlichen. Der Erfolg des Spiels habe Valve laut Newell dazu beflügelt, an weiteren Spielen zu arbeiten.

Konkrete Angaben zu den neuen Spielen von Valve machte Newell aber nicht. In der Gerüchteküche wird das Projekt namens „Citadel“ schon lange als nächster großer Hit von Valve gehandelt. Im Code der Dota-2-Engine Source 2 entdeckten findige Nutzer Hinweise auf diesen Titel, der Schleichelemente, Wegfindung und eine Minimap enthalten soll. Hierzu wollte sich der Valve-Chef aber nicht äußern. Er beteuerte, noch nie etwas von diesem Projekt gehört zu haben. Intern würde man sehr viele Code-Namen verwenden, die sich auch häufig ändern. Valve will sich offenbar künftig auf Spiele mit einer starken Einzelspieler-Komponente konzentrieren. Dies stellt einen Richtungswechsel dar, schließlich hatte der Konzern in den vergangenen Jahren mit Multiplayer-Titeln wie „Dota 2“ oder „Counter-Strike: Global Offensive“ sehr viele Spieler begeistern können.

EQA 250: Neuer Elektro-SUV von Mercedes vorgestellt

Der Autohersteller Daimler hat mit dem Mercedes-Benz EQA 250 einen neuen elektrisch angetriebenen Kompakt-SUV vorgestellt, der ungefähr auf die Abmessungen eines Mercedes GLA kommt. Damit richtet sich der Hersteller an junge Familien in Großstädten oder Singles. Die Reichweite von 426 Kilometern nach WLTP-Norm soll Reisen von Hamburg bis Frankfurt oder Berlin bis Nürnberg ohne Nachtanken ermöglichen. Der Frontantrieb des Mercedes-Benz EQA 250 verfügt über eine Leistung von 140 kW (190 PS) und ein Drehmoment von 375 Nm. Auf 100 km/h beschleunigt der Elektro-SUV in 8,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Wer die 66,5 kWh große Batterie aufladen will, benötigt bei einer Aufladung von 10 auf 100 Prozent laut Hersteller 5:45 Stunden. An einer Schnelladesäule geht es schneller: In 30 Minuten soll der Akku von 10 auf 80 Prozent geladen sein. Daimler will in den kommenden Monaten weitere EQA-Modelle vorstellen, darunter auch Fahrzeuge mit Allradantrieb oder einer Reichweite von über 500 Kilometern. 

Im Innenraum kommt neben dem serienmäßig verbauten Infotainment-System MBUX auch optional ein Head-up-Display zum Einsatz. Der Einstiegspreis für den Mercedes EQA 250 lieg bei 47.540 Euro. Durch den Abzug des Umweltbonus lasse sich der Preis aber auf knapp 39.000 Euro drücken. Weiterhin kann nach der Anschaffung eines reines Elektrofahrzeugs als Neuwagen die Kfz-Steuer gespart werden. Aktuell ist diese Steuerbefreiung maximal für 10 Jahre Laufzeit vorgesehen. Die Auslieferung der ersten Fahrzeuge des EQA 250 soll im Frühjahr beginnen. 

Macwelt Marktplatz

2562771