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Morgenmagazin vom Freitag, 23. April 2021

23.04.2021 | 07:08 Uhr | Peter Müller

Was dem iMac M1 fehlt +++ Konzept: Macbook Air im iMac-Look +++ Patent: Blutdruckmessung mit Wearables +++ Neue Siri Remote ohne Accelerometer und Gyroskop +++ Netflix will Account-Sharing vorerst nicht härter bestrafen +++ Tesla eröffnet Supercharger am OEZ München

23. April: Bier her!

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Eine anstrengende Woche geht zu Ende, Apple hat uns genügend Material gegeben, um ganze Bücher voll zu schreiben. Haben wir auch gewissermaßen getan, schließlich ist heute ja der Welttag des Buches, jetzt steht aber allmählich das Wochenende an, endliche runter vom Schreibtischstuhl und raus an die frische Luft, den rechten Abstand aber nicht vergessen. Gestern Abend haben wir uns schon mal ein bisschen die Beine vertreten und haben nun ein weiteres Apple-Watch-Badge erhalten.

Wir hoffen ja sehr, dass auch in Ihrer Aktivitäten-App seit gestern eine neue Auszeichnung prangt, die Sie für ein mindestens 30 Minuten lang andauerndes Training am gestrigen Earth Day erhalten haben. Auch wenn für viele die Wege zur und von der Arbeit wegfallen, auf denen man locker auf 30 Minuten Training kommt, war die halbe Stunde ja nicht zu viel verlangt. Wir fragen uns nur, wer nur 30 Minuten lang wandert? Die Tour rund um den Großen Home-Ortler oder was?

Aber sehen wir in den Kalender, erfahren wir nicht nur Vorfreude auf zwei freie Tage vor uns, sondern erkennen auch einen inoffiziellen bayerischen Feiertag. 505 Jahre ist es nun her, dass die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt (München war damals ein eher unbedeutendes Provinznest)  eine neue Landesordnung erließen, in der auch das steht, was viele heute für das älteste Lebensmittelgesetz halten: Das Reinheitsgebot. Darin hieß es, Bier dürfe nur aus Gerste, Hopfen und Wasser gebraut werden, sonst nichts. Immerhin schützt das Gesetz in seiner modernen Zeiten angepassten Version immer noch vor Gepansche, hat aber seine Fehler. Denn nähme man es wortgenau, gäbe es heute nicht nur kein Weizenbier. Und da von der vor 505 Jahren nicht bekannten Hefe keine Rede ist, eigentlich gar kein Bier.

Das Reinheitsgebot von 1516 ist nicht einmal das älteste seiner Art, schon zuvor war es unter Strafe verboten, Bier mit allerlei giftigem Zeugs zu strecken und zu würzen. Tollkirsche oder Bilsenkraut waren zu jener Zeit sehr beliebt, man sagte den Substanzen aphrodisierende Wirkung nach - eine Überdosis bedeutete dann aber eher den Flirt mit dem Tod. Aber wenn die Brauer auf derartige Experimente verzichteten, war das relativ dünne Bier meist gesünder als das nicht immer saubere Wasser aus dem Stadt- oder Dorfbrunnen.

Die Verordnung von 1516 war mutmaßlich einfach nur ein protektionistisches Gesetz der bayerischen Herzöge zur Abwehr der immer populärer werdenden Weizenbiere (auch als Weißbier bekannt), die eben nicht vom Hause Wittelsbach gebraut wurden. Schutz- oder Strafzölle haben nichts genutzt, wenn Brauer im eigenen Herrschaftsgebiet ihre Konkurrenzprodukte erzeugten. So steht explizit "Gerste" in der Urfassung des Reinheitsgebotes. Gegen die Marktkräfte hatten die Wittelsbacher aber nur wenige Chancen, das obergärige Weißbier schmeckte immer mehr Biertrinkern, weswegen die Regelung des Reinheitsgebotes alsbald in "Hopfen, Wasser, Malz" geändert wurde: Nun waren prinzipiell alle Getreidesorten erlaubt, konkret neben der Gerste auch der Weizen und der Roggen. Von der Hefe aber nach wie vor keine Spur, die ihrer Entdeckung noch ein paar Jahrhunderte harren musste, bis dahin aber brav beim Brauen und Keltern half.

Neben Hefe sind heute noch viele andere Hilfsmittel erlaubt, die meisten werden wieder herausgefiltert, etwa Kieselgur oder Aktivkohle. Nach wie vor dürfen keine Gewürze in das Bier, was so mancher innovative Brauer bedauert. Anis, Vanille und Chili im Bier? Nun ja, sicher gewöhnungsbedürftig, aber warum eigentlich nicht?  Bis dahin behelfen sich Craft-Beer-Brauereien vor allem mit der Hefe und dem Hopfen, der nicht nur schon bei der Gärung eingesetzt wird, sondern auch später hinzukommen kann - das Bier ist dann „kaltgehopft“. Was aber nach wie vor gegen das Reinheitsgebot verstößt: Während des Brauvorgangs etwa andere Früchte hinzuzufügen und mit zu vergären, wie etwa Gurken. Das Erzeugnis, ein mit Hilfe von Milchsäurebakterien fermentiertes Sauerbier namens Gurken Gose darf wegen EU-Rechts zwar in Deutschland verkauft werden, aber nicht als Bier, sondern eben als importiertes alkoholisches Getränk.

So kommt die Gurken Gose recht teuer, so wie auch andere experimentelle Porters, Pale Ales oder andere Köstlichkeiten. Anderseits: Pils, Helles, Dunkles, Weißbier - die Auswahl ist immer noch sehr groß. Und da es um den Genuss geht und nicht um den Rausch, kann es auch mal fünf Euro für einen Drittelliter sein. Prost!

Lesetipps für den Freitag

Genug ist nicht genug: Doch, auch Macworld-Chefredakteur Michael Simon würde den iMac M1 gegenüber allen anderen iMacs zum Kauf empfehlen. Aber es fehlt seiner Ansicht der Maschine noch so einiges. Der M1-Chip könnte für einen Desktop dieser Ansprüche etwas zu schwachbrüstig sein, das Display lässt sich zwar wie üblich kippen, aber eben nicht in der Höhe verstellen, das Design geht einfach nicht weit genug. Dafür fehlt es an Ports und der Face-ID und überhaupt bringt der iMac M1 kein Killerfeature.

Hinkend: Aber sicher doch, man kann Äpfel mit Birnen vergleichen, ist ja beides Obst. Dabei wird man aber vor allem große Unterschiede feststellen, und wer in einen McIntosh beißen will, gibt sich mit einer Abate nicht zufrieden - und umgekehrt. So ergibt es auch nur bedingt Sinn, wenn man die neuen iMacs M1 hinsichtlich ihrer Spezifikationen gegen Abates und Williams-Birnen, pardon, Windows-PCs antreten lassen möchte. Unser PC-World-Kollege Gordon Mah Ung, den wir sonst sehr schätzen, hat das versucht. Und scheitert gnadenlos. Wobei, nicht er scheitert, sondern der Windows-PC als solcher, der gegen den iMac M1 jetzt noch älter aussieht als je zuvor. Oder hat Gordon doch den ein oder anderen Punkt? Ach, lesen Sie selbst …

Geht schon los: Nächste Woche kommt dann endlich die finale Version von iOS 14.5, nach einer langen Betaphase mit acht Vorabversionen. iOS 15 wird Apple Anfang Juni auf der WWDC zeigen und gleich als Developer Preview herausgeben, dann sind wieder größere Neuerungen zu erwarten. Dazwischen wird es aber noch ein weiteres Update für das iPhone-Betriebssystem geben, gestern hat Apple die erste Entwicklerversion von iOS 14.6 veröffentlicht, eine Public Beta könnte heut oder Anfang nächster Woche folgen. Neue Funktionen sind bisher nicht bekannt.

Träumen erlaubt: Der iMac ist wieder bunt geworden, wäre es dann nicht an der Zeit, das Macbook Air im Design anzupassen? Im November war das Einsteiger-Notebook Apples unter den ersten Macs mit M1-SoC, äußerlich aber unverändert. 9t05Mac hat ein Konzept für die Zukunft des Macbook Air erstellt, das sich an der Vergangenheit orientiert. So wie das iBook im Jahr 1999 als "iMac to go" kam, mit Plastikgehäuse und bunten Deckel, könnte ein neues Macbook Air das Design des iMac M1 aufnehmen und vor allem dessen Farbvielfalt, lautet die Überlegung. Und in der Tat sähe ein buntes Macbook Air mit weißer Tastatur und buntem Alugehäuse sowie dünneren Rändern um den Bildschirm erfrischend anders aus.

Systole und Diastole: Von einer Apple Watch, die Blutdruck ohne eine Manschette messsen kann und das auch dauerhaft, träumen wir schon lange. Mit optischen Methoden ist das prinzipiell möglich, offen bleibt, wie weit sich die Technik miniaturisieren und effizienter machen lässt. Apple arbeitet laut eines nun veröffentlichten Patents aber auch an anderen Technologien zur Erfassung des Blutdrucks. Dabei nutzte man ein tragbares Gerät, das sich mit der Apple Watch oder dem iPhone koppeln lasse und aus seismokardiografischen Daten und der Hilfe neuronaler Netzwerke den Blutdruck ermitteln kann. Wo genau das Wearable die Erschütterungen durch den Herzschlag messen soll, ist offen, derartige Techniken für Brustgurte gibt es bereits.

Entfernt: Die Siri Remote der zweiten Generation wie Apple die neue Fernbedienung für das Apple TV nennt, kommt entgegen der Vorabspekulationen ohne einen U1-Chip, der die Remote in das System "Wo ist?" hätte einbinden können. Das helle Gehäuse sollte man aber eher im dunklen Wohnzimmer finden als die erste Siri Remote. Wie Digital Trends aber herausgefunden hat, enfernte Apple zwei Sensoren aus der Siri Remote: Das Gyroskop und den Beschleunigungssensor. Das macht sie inkompatibel zu einigen Spielen auf dem Apple TV. Apple scheint damit aber die potenziellen Spieler darauf zu bringen, zum Apple TV besser einen Konsolencontroller zu nutzen, das Apple TV lässt sich auch mit denen für Xbox und Playstation nutzen.

Weitere Nachrichten:

Netflix will Account-Sharing vorerst nicht härter bestrafen

Netflix erlaubt in seinen unterschiedlichen Abo-Modellen, dass mehrere Nutzer gleichzeitig auf unterschiedlichen Geräten einen Stream starten können. Dieses Feature nutzen viele zahlende Kunden, um ihren Netflix-Account mit Freunden und Familienmitgliedern zu teilen, die nicht in ihrem Haushalt leben. Auf diese Weise können diese die Abo-Gebühren für Netflix sparen. Gern gesehen ist diese Praktik bei Streaming-Anbieter Netflix nicht. Vor einigen Monaten hatte das Unternehmen bereits härtere Maßnahmen angekündigt, mit denen Account-Sharing unterbunden werden soll.

Wie Co-CEO Reed Hastings in dieser Woche in einem Interview erklärt, testet das Unternehmen viele unterschiedliche Techniken. Hastings beteuert jedoch, dass Netflix nie eine Maßnahme ergreifen würde, die Nutzern das Gefühl gebe, ihnen würden Daumenschrauben angelegt. Dennoch wolle Netflix sicher gehen, dass diejenigen die den Netflix-Account benutzen auch die sind, die dafür zahlen.

Um Menschen dazu zu bewegen, ein Netflix-Abo abzuschließen, will das Unternehmen zudem neue Abo-Modelle einführen. Diese könnten Netflix erschwinglicher machen. Derzeit zählt Netflix 208 Millionen zahlende Abonnenten weltweit. Laut dem Citibank-Analyst Jason Bazinet entgehen Netflix durch Account-Sharing jedoch jährlich bis zu sechs Milliarden US-Dollar.

Tesla eröffnet Supercharger am OEZ München

Tesla hat am Olympia-Einkaufszentrum München (OEZ) den deutschlandweit dritten innerstädtischen Supercharger eröffnet. Tesla-Fahrer, die das OEZ besuchen, können am OEZ-Supercharger ihre Fahrzeuge aufladen, während sie ihren Terminen nachgehen oder ihre Erledigungen machen.

Die zwölf Tesla-Schnellladesäulen sind rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche erreichbar. Diese neueste Generation von Teslas Superchargern erreicht Tesla zufolge Spitzenladeraten von rund 120 km elektrischer Reichweite in fünf Minuten.

Die beiden anderen innerstädtischen Supercharger in Deutschland befinden sich am Berliner EUREF-Campus sowie in den Pasing Arcaden in München-Pasing.

Tesla baut seine Supercharger-Ladenetz rasant aus. Mittlerweile stehen in Europa 6039 Supercharger an 601 Standorten in 27 Ländern zur Verfügung. Zur Einordnung: Im Juli 2020 gab es weltweit 2000 Superchargerstandorte mit zusammen 18.000 Ladesäulen. In Europa gab es damals wiederum 526 Standorte mit mehr als 5.000 Ladeplätzen.

Tesla stellte den ersten europäischen Supercharger mit dem Eintreffen des Model S in Europa im Jahr 2013 in Norwegen auf. Zum Marktstart des Model X 2016 standen Tesla-Kunden in Europa 1267 Supercharger zur Verfügung. Bei den ersten Auslieferungen des Model 3 2019 verteilten sich 3711 Supercharger über große Teile des Kontinents.

In den letzten zwei Jahren ging der Ausbau des Supercharger Netzwerks sehr schnell voran, bis hin zum jüngsten Meilenstein von über 6000 Superchargern in 27 europäischen Staaten. Von Nordnorwegen bis Südspanien, von Irland bis Bulgarien. Als jüngste Erweiterung kam die griechische Hauptstadt Athen als Superchargerstandort hinzu.

In Deutschland betreibt Tesla aktuell über 900 Supercharger an 85 Standorten. Im Juli 2020 gab es dagegen nur 72 Standorte mit 660 Schnellladeplätzen in Deutschland. Hier finden Sie eine Liste aller Supercharger in Deutschland.

 

Als Tesla das Supercharger-Netzwerk im Jahr 2013 öffnete, lag die durchschnittliche Größe eines Supercharger-Standorts bei rund sieben Superchargern. In den letzten Jahren wuchs diese Zahl deutlich, wie Tesla betont. Heute umfasse Teslas größter Standort in Europa in Nebbenes in Norwegen 44 Supercharger, gefolgt von Rygge und Liertoppen (beide ebenfalls Norwegen) mit 42 beziehungsweise 40 Ladesäulen. Im deutschen Oberhonnefeld südöstlich der Region Köln-Bonn stehen Tesla-Kunden 40 Schnelllade-Säulen zur Verfügung.

 

Tesla steigert zudem stetig die Ladeleistung. Die aktuell europaweit am weitesten verbreiteten V2-Supercharger laden mittlerweile mit 150 kW. Um sicherzustellen, dass die Teslas mit der optimalen Ladetemperatur an den Superchargern ankommen, werden Batterie und System per entsprechender Funktion auf der Langstrecke ideal vorklimatisiert. Das soll die durchschnittlichen Ladezeiten bereits um rund 25 Prozent reduziert haben.

Mit den neueren V3-Superchargern will Tesla die Ladegeschwindigkeit auf bis zu 1600 km pro Stunde nochmals erhöhen. Das Model 3 mit der großen Batterie (Long Range, Performance, wie sie unser Testwagen besaß ) lade in der Spitze rund 120 km Reichweite in 5 Minuten nach. So schnell ging das Laden während unseres Tests im Sommer 2020 allerdings nicht.

Tesla stellt hier eine Liste aller Supercharger zur Verfügung. Diese Liste ist allerdings nicht auf dem aktuellen Stand, so fehlt zum Beispiel Athen als Superchargerstandort. Ein Verzeichnis aller Supercharger in Deutschland finden Sie wiederum auf dieser Seite.

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