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Morgenmagazin vom Freitag, 24. Januar 2020

24.01.2020 | 07:03 Uhr | Peter Müller

Einheitliche Ladegeräte: Apple argumentiert gegen EU +++ Außenminister der Ukraine trifft Apples Lisa Jackson in Davos +++ Apple kooperiert mit Fitnessstudios +++ Motorola Razr erscheint am 6. Februar in den USA +++ Potsdam: Stadt schaltet Server nach Angriff ab +++ Google-Suche: Werbung sieht nun weniger werblich aus

24. Januar: Revolutionen kommen in Farbe

Macwelt wünscht Guten Morgen! "Sorry, no beige": So offensiv und farbenfröhlich bewarb Apple seien iMac ab 1998. Warum mussten Rechner eigentlich alle die gleiche Farbe haben? Gute Frage. Die Antwort: Weil Apple diesen Farbton beige etabliert hat und zum Quasistandard machte. Schon mit dem Apple II, der diesen damals ungewöhnlichen und später verpönten Farbton zeigte und noch mehr mit dem Macintosh, heute vor 36 Jahren, am 24. Januar 1984. Nun soll man Regeln erst dann brechen, wenn man bessere zu bieten hat - und die neue Regel, dass Consumerrechner knallbunt sein sollten, hatte erneut Apple ein paar Jahre später wieder kassiert respektive in die heutige mit dezenten Eloxierungen für Aluminiumgehäuse übersetzt.

Regeln brach der Mac aber noch viele weitere - und diese nachhaltig. Dass ein Computer auf dem Schreibtisch nur in Zusammenarbeit mit einem Mainframe funktionieren kann, beispielsweise. Oder dass man zur Bedienung des persönlichen Rechners jede Menge Befehle eintippt, die man am Besten alle auswendig kann. Oder dass man zu einer bestimmten Stelle auf dem Bildschirm nur mit den Pfeiltasten kommt, die auf jeder Tastatur ihren Platz hatten. Oder dass ein Computer einfach nur still ist, ein totes Stück Plastik, Metall, Glas und Elektronik.

Heute ist es also 36 Jahre her, als der damals nicht ganz 29-jährige Steve Jobs den Macintosh aus seiner unspektakulären Hülle zog und ihn zum versammelten Publikum der Apple-Aktionärsversammlung im Flint-Center zu Cupertino sprechen ließ. Der alle Regeln brechende Rechner versprach nicht weniger als eine tief greifende Revolution, der Computer solle nun in die Hände von jedermann kommen und sich ohne langwierig zu erwerbende Kenntnisse bedienen lassen. "Big Brother" aus dem Werbespot vom Sonntag davor, das war ein Symbol für das große, unflexible, ja, als diktatorisch empfundene Unternehmen IBM, dessen Rechner nur von Spezialisten bedienbar waren und von Lohnsklaven an Terminals mit Daten gefüttert wurden.

Nun, ganz so war es ja dann doch nicht – nur passte Apple dieses Bild wunderbar in den Kram. IBM hatte zu jener Zeit längst auch persönliche Computer herausgebracht und den Begriff des PC damit überhaupt erst geprägt. Der IBM-PC war jedoch eine Reaktion auf den Apple II, mit dem das Start-Up aus Kalifornien schon sieben Jahre vor dem Macintosh das Weltbild des Computings auf den Kopf gestellt – und die Farbe beige eingeführt hatte.

Der Mac war aber nun endlich die wirklich persönliche Maschine, die man sich im Silicon Valley und anderswo erträumt hatte. Die Rede des Computers zu seiner Geburt war aber nicht von der künstlichen Intelligenz der Maschine erzeugt, sondern von seinen Entwicklern um Andy Hertzfeld geschrieben, so richtig spricht der Mac erst heute via Siri mit seinen Nutzern - auf einem immer noch überschaubaren Niveau.

Aber anders als ein Jahr zuvor mit der Lisa war es Apple mit dem Mac gelungen, das Konzept der grafischen Oberfläche zu einem vernünftigen Preis auf den Markt zu bringen. Man musste nicht mehr stunden-, tage- und wochenlang Befehle lernen, um mit der Maschine etwas anfangen zu können, sondern blickte sich auf dem Bildschirm einfach um und erkannte die Ähnlichkeit zum Schreibtisch, zu Aktenschränken und -ordern - sogar an dem im Büro einfach unvermeidlichen Papierkorb hatte Apple gedacht. Der Preis: 2.500 US-Dollar. Klingt erst einmal nicht so teuer, aber im Jahr 1984 war der US-Dollar so stark wie kaum seit dem zweiten Weltkrieg, in Deutschland kostete die Maschine so um die 10.000 Mark - so viel zum Thema "Jedermanncomputer".

Der Mac hätte indes sogar nur um die 500 US-Dollar kosten dürfen, war der ursprüngliche Gedanke des Apple-Ingenieurs Jef Raskin. Aber seit Steve Jobs das Projekt an sich gerissen hatte, wurden die Anforderungen an die Maschine immer größer - aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung. 36 Jahre ist kein Alter, nicht einmal für eine Maschine. Daher sagen wir heute: Happy Birthday Macintosh! Auf die nächsten 36 und noch viel mehr!

Lesetipps für den Freitag

Statement: Apple hat sich gegen das Gesetzesvorhaben der EU ausgesprochen, einheitliche Ladegeräte und -stecker für Smartphones vorzuschreiben. Das würde nach hinten losgehen, argumentiert der iPhone-Hersteller und den Wettbewerb nicht fördern, sondern behindern. Verbraucher wären in keiner Weise durch einen einheitlichen Stecker erleichtert, im Gegenteil würde ein vorgeschriebener Standard riesige Mengen an Müll erzeugen. Apple führt dabei die rund eine Milliarde iPhones mit Lightning-Steckern an und das reichhaltige und intensiv genutzte Angebot von Zubehör: Dieses müsste auf dem Müll landen. Schon vor mehr als zehn Jahren hatte es erste Initiativen zur Vereinheitlichung von Ladelösungen gegeben, die EU hatte seinerzeit der Industrie die Möglichkeit gelassen, eigene Standards zu entwickeln anstatt etwa MicroUSB verpflichtend vorzuschreiben. Laut Apple hat das geholfen, statt damals rund 30 Schnittstellen gibt es heute nur nicht deren drei - neben Micro-ISB eben Lightning und USB-C. Apple unterstützt seine Argumentation mit Ergebnissen einer Studie von Copenhagen Economics, aus der auch hervorgeht, dass bei der Produktion eines Kabels mit zwei USB-C-Steckern 20 Prozent mehr CO 2 anfallen würde als bei der des von Apple dem iPhone beigelegten Kabels, das Lightning mit USB-C oder USB-A verbindet. Ebenso sei es heute für Verbraucher kein Problem mehr, passende Ladegeräte zu finden, dank Adapatern und Kabeln, vor 2009 war das gewiss noch ein größeres Problem, führt Apple aus, das die EU-Kommission auffordert das Thema Ladestandards weiterhin Industrieverbänden zu überlassen und auf Innovationen des Wettbewerbs zu setzen. Aus dem Statement kann man aber auch einen interessante Schluss für die iPhones von 2020 und darüber hinaus ziehen: Apple wird bis auf Weiteres bei Lightning bleiben, anstatt wie beim iPad Pro die eigene Schnittstelle durch USB-C zu ersetzen. Eher scheint wahrscheinlich, dass Apple die Buchse komplett weglassen würde und auf drahtloses Laden mittels Qi-Standard setzte.

Zurückgerudert: Sonos hatte am Dienstag angekündigt, nach dem Mai 2020 bestimmte ältere Produkte wie Lautsprecher, Verstärker oder Soundbars nicht mehr mit Firmware-Updates zu unterstützen – an sich ein normaler Vorgang bei Legacy-Produkten. Doch hatte der Hersteller in diesem Zuge auch angekündigt, dass auch neuere Geräte auf Updates verzichten müssten, sofern sie in einem gemischten Netz mit den alten Boxen agierten. Das hat einen Sturm der Entrüstung bei den Kunden ausgelöst, Sonos rudert nun mit kräftigen Schlägen zurück. Wie CEO Patrick Spence im Firmanblog ankündigt, werde man Lösungen entwickeln, mit denen man in heterogenen Umgebungen die alten von den neuen Geräten isolieren kann, um letztere weiter mit neuer Firmware ausstatten zu können.

Treffen : Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos traf sich der Außenminister der Ukraine Vadym Prystaiko mit Apples Vorstand Lisa ´Jackson, die sich in Cupertino nicht nur um Umweltfragen kümmert, sondern auch um "Policy und Social Initiatives" – sie ist damit vermutlich die richtige Ansprechpartnerin, um über die Färbung der Krim auf den Landkarten von Apple Maps und Weather zu sprechen, die Apple im November für russische Nutzer so angepasst hatte, als würde die völkerrechtswidrig annektierte Halbinsel zur Russischen Föderation gehören. In seinem Tweet über das vermutlich erste Treffen eines Regierungsmitglieds mit einem Apple-Vorstand seit Beginn der Affäre gab Prystaiko lediglich offiziell bekannt, mit Jackson vorwiegend über die nächsten Schritte Apples auf dem ukrainischen Markt gesprochen zu haben, in dem es immer mehr loyale Kunden und kreative Entwickler gebe und sich das Investitionsklima verbessere. Zudem spreche man auch über den Graumarkt und darüber "einige offene Angelegenheiten politischer Natur" lösen zu wollen. Business Insider hat sowohl im Außenministerium der Ukraine als auch bei Apple nach weiteren Informationen gefragt, bis dato aber keine Antworten erhalten.

Wechsel: Aus seiner Haut kommt man nicht heraus, aus angenommen Identitäten – von denen man ja auch mehrere haben kann – aber schon. Natürlich kommt man auch aus einer AppleID heraus, wenn es sein muss. Das kann beispielsweise eine sein, die man beruflich nutzt - und nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen (Jobwechel oder Ruhestand), Daten, Abonnements und Softwarelizenzen an die nachfolgenden Kollegen übergeben will. Glücklicherweise ist das nicht sonderlich kompliziert, wie Glenn Fleishman in seiner jüngsten Kolumne Mac911 ausführt. Das ist besonders dann der Fall, wenn die AppleID nicht auf eine der Apple-eigenen Domains wie mac.com, me.com oder icloud.com lautet. Beim Umzug der Adresse sollte man aber vorsichtig sein und zuallererst die 2FA deaktivieren, hat man sie eingeschaltet. Und damit die Nachfolger bei der Übergabe an die Nachnachfolger nicht gleich die gleichen Probleme bekommen, wählt man am besten gleich eine möglichst generische Adresse wie entwicklerteam_firma_xxx@icloud.com.

Verbindung: Apple-Watch-Besitzer wollen vor allem ihre Fitnessringe schließen, jeden Tag. Insofern wäre es ein feiner Zug von der Uhr, auch die Aktivitäten im Fitnessstudio genau auszumessen. Genau das ist eines der Ziele der Initiative "Apple Watch Connected"; die Apple gestern vorgestellt hat. In Kooperation mit zunächst vier Fitnessstudio-Ketten in den USA, das sind Basecamp, Crunch Fitness, Orange Theory und YMCA, bietet Apple seinen Kunden in ausgewählten Studios Vergünstigungen an - und eben die Möglichkeit, mit den Apps der Studios die Aktivitäten an Geräten und auf dem Parkett zu vermessen und zu protokollieren. Studios, die sich daran beteiligen wollen, müssen nicht nur eine App für iPhone und Apple Watch anbieten, sondern auch Bezahlung per Apple Pay akzeptieren.

Zehn Jahre: Das iPad wird in diesem Jahr zehn Jahre alt – am Montag jährt sich die Vorstellung des Gerätes zum zehnten Mal, Anfang April der Erstverkaufstag in den USA und Ende Mai der hiesige. Jason Snell nutzt in dieser Woche  seine Macworld-Kolumne "More Color", um auf die erste iPad-Dekade zurück zu blicken. Es seien vor allem die Apps gewesen, die den Erfolg des Tablets ausmachten, nicht nur größere und leichter bedienbare Varianten von Safari, Mail, iCal oder Adressbuch, sondern auch die Produktivitätsanwendungen der iWork-Suite. Das iPad ist heute schon längst kein zu groß geratenes iPhone, sondern weit mehr.

Weitere Nachrichten:

Motorola Razr erscheint am 6. Februar in den USA

Die Markteinführung des faltbaren Smartphones Razr von Motorola steht kurz bevor. Eigentlich war der Verkaufsstart schon deutlich früher geplant. Nun soll der Vorverkauf am 26. Januar 2020 beginnen, regulär soll es ab dem 6. Februar erhältlich sein. In den USA ist das Motorola Razr ausschließlich über Verizon verfügbar. Motrola will das Smartphone aber auch über seine eigene Webseite verkaufen. Der Preis für das schicke Klapp-Handy liegt bei 1.500 US-Dollar. Hierzulande ist mit einer Veröffentlichung wohl erst im Verlauf des ersten Halbjahres 2020 zu rechnen.

Als Grund für die Verschiebung gibt Motorola die hohe Nachfrage an. Die Produktion im gewünschten Umfang sei durch die Zulieferer vorher nicht zu bewältigen gewesen. Wer schon jetzt unbedingt ein faltbares Smartphone nutzen möchte, ist auf das Galaxy Fold von Samsung beschränkt. Zwar hat auch Huawei mit dem Mate X ein ähnliches Gerät im Angebot, dieses ist allerdings nur in Asien erhältlich. Der große Vorteil des Motorola Razr: Im zugeklappten Zustand ist das Haupt-Display vor äußeren Einflüssen geschützt. Dann ist nur noch das kleinere Frontdisplay anfällig gegen Kratzer in der Tasche. Der Falz zwischen den beiden Bildschirmen ist zudem weniger stark zu erkennen als bei anderen Geräten. 

Aus Galaxy Fold wird Samsung Galaxy Bloom

Potsdam: Stadt schaltet Server nach Angriff ab

Die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam hat am gestrigen Mittwoch die Server für die Stadtverwaltung abgeschaltet. „Wir haben unsere Systeme aus Sicherheitsgründen offline gestellt, weil wir von einer illegalen Cyberattacke ausgehen müssen“ , erklärt Oberbürgermeister Mike Schubert in einer offiziellen Mitteilung .

Die Stadtverwaltung kann aus diesem Grund seit gestern Vormittag keine E-Mails mehr empfangen oder versenden. Der Bürgerservice der Stadt Potsdam ist nur noch eingeschränkt nutzbar. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die betroffenen Systeme der Verwaltung baldmöglichst wieder eingeschaltet werden und wir wieder sicher arbeiten können,“ so Schubert weiter. Laut dem aktuellen Stand bleiben die Leitungen auch heute weiter offline. Wie lange es dauert, bis die Stadtverwaltung wieder online ist, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden.

Die KfZ-Behörde von Potsdam kann aufgrund der Abschaltung keine Leistungen anbieten, Terminvereinbarungen im Bürgerservice sind ebenfalls nicht möglich und im Standesamt werden keine Beurkundungen mehr vorgenommen. Anträge von Personalausweisen und Reisepässen sowie An- und Ummeldungen werden derzeit nicht bearbeitet. Laut der Stadtverwaltung sind Telefon und Fax jedoch ohne Probleme nutzbar.

Wie die Verwaltung in ihrer offiziellen Mitteilung erklärt, seien zahlreiche Ungereimtheiten bei den zentralen Netzzugängen der Landeshauptstadt der Grund für die Server-Abschaltung. Über eine Schwachstelle im System eines externen Anbieters hätten Angreifer versucht, Daten der Stadtverwaltung abzugreifen und Schadsoftware zu installieren. Aktuell arbeiten externe IT-Forensiker und IT-Sicherheitsfirmen an der Aufklärung des Vorfalls. Potsdam hat eigenen Angaben zufolge Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Google-Suche: Werbung sieht nun weniger werblich aus

Google hat in den letzten Tagen hier und da das Aussehen der Suchergebnisse geändert. Größter Unterschied zu bisher: Werbung in den Suchergebnissen wird nicht mehr farblich hervorgehoben wie bisher. Stattdessen erscheint jetzt nur ein fettgedrucktes "Anzeige" über dem Titel des Eintrags, gefolgt von der URL. Bei nicht-werblichen Suchergebnissen wird anstelle von "Anzeige" beispielsweise das Favicon der betreffenden Seite gefolgt von der URL angezeigt.

Damit ähneln die werblichen Suchergebnisse bei Google nun optisch stärker allen normalen Suchergebnissen. Ein naheliegender Verdacht, warum Google diese Änderung gemacht hat: Die Klickrate auf kommerziellen Links in den Google-Suchergebnissen soll erhöht werden, was natürlich die Kunden von Google freuen dürfte. Nutzer müssen dagegen genauer hinschauen, ob Google ihnen ein konkretes Suchergebnis vielleicht nicht auch aus kommerziellen Gründen anzeigt.

Überraschend kommt die Änderung nicht, denn Google hatte sie bereits im Mai 2019 in einem Blog-Eintrag angekündigt. Damals noch für die mobile Version der Google Suchergebnisse. Vor noch einigen Jahren hatte Google die Anzeigen noch deutlicher von den restlichen Suchergebnissen unterschieden: Diese hatten nämlich früher eine eigene Hintergrundfarbe und waren damit für Nutzer deutlich besser identifizierbar.

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