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Morgenmagazin vom Freitag, 24. Juli 2020

24.07.2020 | 07:09 Uhr | Peter Müller

Intel muss 7-nm-Prozess weiter verschieben +++ Dritte Public Betas von iOS 14, iPadOS 14 und tvOS 14 +++ Corning zeigt Gorilla Glass Victus +++ Corona-Warn-App: Quellcode der Covid-19-Schnittstelle von Google und Apple ist da +++ LTE-M: Deutsche Telekom startet neues Mobilfunknetz +++ App Lock: Facebook Messenger mit Face ID freischalten +++ China stürmt zum Mars: Mit Orbiter, Lander und Rover

24. Juli: Schöner Götterfunken

Macwelt wünscht Guten Morgen! Heute ist der Internationale Tag der Freude. Klar, werden Sie jetzt sagen, es ist ja endlich Freitag. Aber der 24. Juli ist in jedem Jahr "Tag der Freude", selbst wenn er auf einen Montag fällt. Dummerweise weiß anscheinend keiner mehr, wer wann genau den 24. Juli dazu ausgerufen hat. Angeblich soll das um das Jahr 1981 herum geschehen sein.

"Happiness is Easy" heißt ein fünf Jahre später auf der LP "The Color of Spring" veröffentlichter Song der britischen Band Talk Talk. Die Wege zur Freude, dem schönen Götterfunken, sind mannigfaltig, wir wollen Ihnen hier keine Tipps geben, sie kennen Ihren Weg zur Tochter aus Elysium selbst am besten. Meistens hilft ja vor die Tür gehen und sich bewegen, aber da hört dann die Gemeinsamkeit auch gleich wieder auf. Denn der eine klagt über zu hohe Temperaturen, die andere über zu niedrige und so manchem oder mancher werden die Temperaturen heute einfach immer noch zu mittel sein – besonders wenn die Sonne mal wieder in Strömen scheint.

Einen besonderen Anlass zur Freude gab heute vor sechs Jahren unser Lieblingscomputerhersteller aus Cupertino. Am 24. Juli 2014 gab Apple erstmals eine Public Beta eines kommenden Betriebsystems heraus, vor OS X 10.10 Yosemite hatten nur registrierte Entwickler das Vergnügen oder auch die Last gehabt, Vorabversionen ausprobieren zu dürfen oder zu müssen.

Für Apple ist das seither eine Win-Win-Situation: Je mehr Tester, desto mehr Erkenntnisse über Fehler im System und ihre Häufigkeit. Daraus lässt sich prima eine Priorisierung ableiten: Welche Baustellen muss man zuerst schließen? Für den Teil der Kunden, der sich als Fan begreift und der nicht auf die alljährlich im Frühsommer angekündigten neuen Features warten will, ist das ebenso ein Vorteil: Zufrieden installieren sie das neue System vor den meisten anderen, der ab und an eintretende Frust über Probleme mit Betasoftware ist insgesamt nicht so groß wie die Freude am Neuen. In diesem Jahr gibt Apple erstmals auch eine Public Beta von watchOS heraus. Im Jahrgang 2020 haben die Betatests von iOS 14, iPadOS 14 und watchOS 7 bereits begonnen, auf tvOS 14 und macOS 11 Big Sur Public Beta muss man noch etwas warten – "bald" sei es soweit, verspricht beta.apple.com.

Kluge Beta-Tester haben natürlich vorher ein Backup angefertigt und installieren das neue System auf einem Zweitgerät. Wenn demnächst auch eine Vorabversion von macOS 11 Big Sur bereit steht, landet diese wenigstens in einem zweiten Container oder auf einer externen Festplatte. Damit die Freude möglichst lang anhält.

Lesetipps für den Freitag

Update I: Der öffentliche Beta-Test von macOS 11 Big Sur hat noch nicht begonnen (siehe oben), aber lange kann es nicht mehr dauern. Seit gestern können registrierte Entwickler die bereits dritte Developer Preview des kommen Mac-Betriebssystems laden. Nicht auszuschließen, dass diese Version identisch mit der ersten Public Beta sein wird. Die Kollegen von 9to5Mac haben die DP 3 bereits installiert und einige Änderungen entdeckt. So bekommt das Batteriesymbol ein neues, etwas zarteres Design, dafür fehlt in der Akkuanzeige die verbleibende Zeit – hier kann es sich aber um einen Fehler handeln, den Apple in den nächsten Versionen korrigiert. Auch die Musik-App bekommt nun ein neues Symbol, das dem unter iPadOS 14 verwendeten mehr ähnelt. Den Soundeffekt beim Erstellen von Screenshots hat Apple weiter verändert, ein wenig weg vom akustischen Skeuomorphismus des Kameraverschlusses.

Update II: Entwickler haben schon etwas länger Zugriff, Apple hat gestern Abend nun auch die dritten Public Betas von iOS 14 und iPadOS 14 veröffentlicht. Neu ist das Icon für die Musik-App und ein Widget der Uhr. Nach dem ersten Start bekommt man in einem Popup Erklärungen über den neuen Home Screen. Auch für tvOS 14 liegt nun die dritte Public Beta vor, wesentliche Neuerungen gegenüber den vorherigen Betas gibt es hier keine.

Später: Die für Montag angesetzte Anhörung von Tech-CEOs wie Tim Cook, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und anderem vor dem Kartellausschuss des US-Repräsentantenhauses wird womöglich verschoben, berichtet CNBC. Grund ist eine Gedenkfeier für den letzte Woche verstorbenen Abgeordneten John Lewis, die zu einem Terminkonflikt führen würde. Die Verschiebung muss noch bestätigt werden, der neue Termin ist noch offen.

Noch später: In seiner Bilanzpressekonferenz zum zweiten Quartal hat Intel bekannt gegeben, im 7-Nanometer-Verfahren hergestellte Chips um ein weiteres halbes Jahr verschieben zu müssen. Damit verzögern sich die Pläne insgesamt um mindestens zwölf Monate, 7-nm-Chips hatte Intel ursprünglich im Jahr 2021 bringen wollen, nun wird es Ende 2022 oder gar erst Anfang 2023 werden. Grund sind Qualitätsprobleme, die 7-nm-Chips erfüllen bisher nicht die Anforderungen. Indes werde es nicht mehr lange bis zur Veröffentlichung der im 10-nm-Verfahren hergestellten Tiger-Lake-CPUs dauern, die Server-CPU Ice Lake komme in der zweiten Jahreshälfte 2020. In der zweiten Jahreshälfte 2021 werde es die 10-nm-Desktop-Chips Alder Lake geben. Intel hat seit Jahren Problem mit dem Ertrag neuer Herstellungsverfahren, das dürfte für Apple mit ein Grund gewesen sein, auf ARM-basierte CPUs umzusteigen, die der Mac-Hersteller Apple Silicon nennt.

Härter: Der Hersteller Corning hat eine neue Version seines in Smartphones und Tablets verwendeten Glases vorgestellt. Das Gorilla Glass Vitus soll nun noch resistenter gegen Stürze und Kratzer sein als das aktuelle Gorilla Glass 6. Im Labor habe das neue Glas eine Sturz aus zwei Metern überstanden, im Kratztest habe es 8 Newton widerstanden - andere Gläser vertragen im Schnitt 2 bis 4 Newton. Völlig resistent gegen Bruch und Kratzer ist auch das Gorilla Glass Victus nicht, doch reduziert die neue Version diese Gefahren. Das könne nicht nur zu haltbareren Smartphones führen, eine andere Option wäre es, die Geräte dünner zu konzipieren. Samsung sei der erste Hersteller der in Kürze ein Produkt mit Gorilla Glass Victus bringe, von Apples Plänen für das iPhone ist bisher nicht die Rede.

Weitere Nachrichten:

Corona-Warn-App: Quellcode der Covid-19-Schnittstelle von Google und Apple ist da

Während die Corona-Warn-App und deren Entwicklung von Anfang an als ein Open-Source-Projekt betrieben wurde, waren die Hintergründe der Schnittstelle, die Apple und Google vorbereitet haben, nicht einsehbar. Die beiden Unternehmen haben bei der Ankündigung der Exposure Notification, so heißt die Schnittstelle, auf ihren Portalen nur allgemeine Infos zu der Funktionsweise veröffentlicht, der Code war dagegen nicht bekannt. Dies war einer der Hauptkritikpunkte an der deutschen Corona-Warn-App: Die App an sich sei ja harmlos, die Hauptarbeit erledige ja die neue Tracing-Schnittstelle der beiden Hersteller aus den USA, und man wisse  nicht, was sie genau macht.

Vor einigen Tagen haben Google und Apple jedoch den Quellcode ihrer Varianten von Exposure-Notivication-Schnittstelle zur Verfügung gestellt. Bei Apple findet sich der Quellcode auf dem Developer-Portal im Bereich " Exposure Notification ". Neben dem eigentlichen Quellcode , der ab iOS 13.5 auf den iPhones zu finden ist, gibt es auf der Seite genaue Hinweise für Entwickler zu den neuen APIs, die in die App einfließen sollen, und ein Formular zur Freigabe der künftigen App. Zur Info: Apple lässt Corona-Tracing-Apps in seinem App Store nur von einer offiziellen Instanz zu.

Google hat seine Dokumentation gleich auf Github veröffentlicht. Die Unterlagen sind wohl gleichzeitig mit Apples Veröffentlichung im Developer-Portal erschienen. Google gibt damit Einblicke, wie Exposure-Notification-APIs als Google-Play-Schnittstelle funkitonieren. Anders als bei iOS war bei Android kein Betriebssystem-Update benötigt, sondern nur noch die Aktualisierung von Google Play Services, die unter mehreren, auch älteren Android-Versionen funktionieren.

Die Veröffentlichung von Quellcode der Exposure Notification APIs ist der nächste Schritt in Sachen Offenheit der Corona-Tracing-Apps. Mittlerweile gibt es innerhalb der EU Pläne, die nationalen Corona-Apps auch im EU-Ausland funktionieren zu lassen, mehr dazu hier .

LTE-M: Deutsche Telekom startet neues Mobilfunknetz

Die Deutsche Telekom hat mitgeteilt, dass sie den Ausbau des LTE-M-Netzes in Deutschland abgeschlossen hat. Der neue Technologie-Standard LTE-M („Long Term Evolution for Machines“) ist ab sofort in Deutschland verfügbar und lässt sich jetzt über die Telekom Tarife Business Smart Connect und M2M buchen. Zudem ist LTE-M-Roaming ab sofort mit dem Roaming-Partner Orange in Frankreich möglich. Belgien soll in Kürze beim gegenseitigen Roaming folgen.

Als wesentliche Vorteile für LTE-M nennt die Telekom geringe Latenzzeiten, einen niedrigeren Energieverbrauch und hohe Verfügbarkeit in Innenräumen. Die Modulkosten sollen außerdem um bis zu 50 Prozent sinken.


LTE-M ist speziell auf IoT-Konnektivität ausgelegt. LTE-M soll die Lücke zwischen dem bestehenden 4G-Angebot und NarrowBand-IoT überbrücken und beim IoT schließlich 2G und 3G ersetzen, die nach und nach zurückgebaut werden. Im Vergleich zu NB-IoT bietet LTE-M laut Telekom höhere Datenraten (bis zu 350 kbit/s). Außerdem geringere Latenzzeiten und SMS-Unterstützung. LTE-M basiert auf dem LTE 3GPP-Standard und ist 5G-tauglich. Dafür sei nur ein Software-Update im Netz erforderlich.  Vor allem für die Bereiche Smart City, Wearables, E-Health und Smart Tracking soll LTE-M interessant sein.

"Mit LTE-M können unseren Kunden neue Lösungen dort entwickeln, wo frühere Technologien ihre Grenzen hatten", sagt Rami Avidan, Geschäftsführer der Deutschen Telekom IoT GmbH. "Die Technologie ist ein fester Bestandteil unseres IoT-Netzangebotes. Sie ist 5G-tauglich und damit zukunftssicher: also ideal, um die anstehenden Innovationen für das Internet der Dinge zügig voranzutreiben".


App Lock: Facebook Messenger mit Face ID freischalten

Facebook spendiert seinem Messenger in dieser Woche mit mehreren kleinen Änderungen zusätzliche Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen . Auf dem iPhone und iPad können Nutzer nun vom neuen App-Lock-Feature profitieren. Dieses zusätzliche virtuelle Schloss wird auf Wunsch aktiviert, sobald der Messenger auf dem Smartphone oder Tablet geschlossen wird. Bei aktiviertem App Lock, ist für die Freischaltung des Facebook Messengers eine zusätzliche Authentifizierungsmethode wie Face ID oder Touch ID notwendig. Der Hintergrund: Wenn sich Freunde kurz das iPhone oder iPad ausleihen wollen, haben sie keinen Zugriff auf die privaten Chats des Besitzers. App Lock ist nicht nur für iOS geplant, sondern soll laut Facebook in den nächsten Wochen auch für Android-Smartphones und -Tablets verfügbar sein.

Ebenfalls neu ist der Menüpunkt Privatsphäre in den Messenger-Einstellungen. Hier kann unter anderem App Lock aktiviert werden. Weitere relevante Funktiontionen für Sicherheit und Privatsphäre werden ebenfalls in diesem Bereich zusammengefasst. Für die Zukunft plant Facebook weitere Sicherheitsfeatures. So werden beispielsweise auf Wunsch Fotos von Nutzern unkenntlich gemacht, die Nachrichten schreiben, ohne mit dem Nutzer befreundet zu sein. Wann diese neue Funktion verfügbar sein wird, verrät Facebook allerdings noch nicht.

China stürmt zum Mars: Mit Orbiter, Lander und Rover

Nicht nur die NASA will einen neuen Rover zum Mars schicken, auch China will den Roten Planeten erforschen. Die Volksrepublik hat ihre rund 5 Tonnen schwere Mars-Mission jetzt gestartet, wie The Verge berichtet .

Bei der Marsmission Tianwen-1 („Himmelsfrage“) handelt es sich um die erste Mission einer chinesischen Rakete zu einem anderen Planeten. Im Februar 2021 soll die chinesische Sonde die Umlaufbahn um den Mars erreichen. Weitere zwei oder drei Monate später soll der Lander dann auf der Ebene Utopia Planitia aufsetzen. Diese befindet sich auf der nördlichen Halbkugel des Mars.

Tianwen-1 besteht auf einem Mars Orbiter (der den Mars in einer Umlaufbahn umkreist), einem Mars Lander (der auf dem Mars aufsetzt) und einem Mars Rover (der aus dem Länder heraus und dann auf dem Mars herum fährt und mit diversen Instrumenten diesen erforscht). Die drei Fahrzeuge sollen die Geologie des Mars erkunden und vor allem erforschen, was sich unter der Marsoberfläche befindet. Der Orbiter soll den Mars zudem fotografieren und kartografieren.

Diese drei Fahrzeuge befinden sich an Bord einer Long March 5 Rakete, die jetzt von der Wenchang Spacecraft Launch Site auf der Insel Hainan abgehoben hat. Die Long March 5 gehört zu Chinas leistungsfähigsten Raketen, der heutige Start ist erst der vierte Start dieses Raketentyps.

Sofern alles glatt geht und die chinesische Sonde unfallfrei auf dem Mars aufsetzt und danach arbeitet, ist China nach den USA erst das zweite Land, das erfolgreich auf dem Roten Planeten gelandet ist. Die Europäische Weltraumbehörde ESA hatte zwar zwei Mal ebenfalls eine Landung auf dem Mars versucht, war aber beide Male gescheitert. Die Sowjetunion wiederum war bereits 1971 tatsächlich auf dem Mars gelandet, doch das sowjetische Mars-3-Raumschiff konnte nur wenige Sekunden lang zur Erde funken, dann brach der Kontakt für immer ab.

Neben der NASA und der Volksrepublik China schicken übrigens auch die Vereinigten Arabischen Emirate eine Sonde zum Mars. Deren Rakete startete am 19. Juli 2022. Der Orbiter dieser Mission hört auf den Namen Hope und er soll das Wetter auf dem Mars erkunden. Einen Lander oder einen Rover beinhaltet diese Mission nicht.

Falls Sie sich jetzt fragen, warum ausgerechnet in diesem Sommer so viele Raketen zum Mars starten: Da der Abstand zwischen Erde und Mars derzeit vergleichsweise gering ist.

Das NASA-Mars-Projekt unterscheidet sich aber in einem wichtigen Detail grundlegend von der chinesischen Mission: Die NASA will nämlich Bodenproben vom Mars zurück zur Erde bringen.

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