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Morgenmagazin vom Freitag, 26. Juni 2020

26.06.2020 | 07:00 Uhr | Peter Müller

Was iOS 14 von Android gelernt hat – aber besser macht +++ Was die WWDC für neue Apple-Hardware bedeutet – jenseits des Mac +++ Was die Crew von Mythic Quest den Entwicklern erzählt hat +++ Safari 14 bietet Anmeldung per Face ID und Touch ID +++ Amazon startet eigene Abteilung im Kampf gegen Produktfälscher +++ Google News: Google will Verlage für News bezahlen +++ Studie: Tesla baut die Autos mit den meisten Fehlern

26. Juni: 75 Jahre gegen den Krieg

Macwelt wünscht Guten Morgen! Und schon wieder vorbei, die WWDC, die uns diese Woche in Atem gehalten hat und noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Wir durchforsten die Developer Betas nach neuen Erkenntnissen und werfen erste Blicke auf iOS 14, iPadOS 14, macOS 11, tvOS 14 und watchOS 7, Entwickler passen ihre Software an, probieren Mac Catalyst aus, falls nicht schon längst geschehen oder überlegen allen Ernstes, dem Apple-Ökosystem den Rücken zu kehren. Aber diese Gruppe dürfte recht klein sein.

Wenn nicht das Virus dazwischen gekommen wäre, hätten wir nach der WWDC ja noch ein paar Abstecher gemacht. Sicherlich in den Süden, Big Sur ansehen, eventuell sich auch noch nach einer kurzen, aber lustigen Seefahrt von Catalina Island verabschiedet. Aber heute hätte es eigentlich San Francisco sein müssen, nicht nur, weil von dort aus der Flieger in die Heimat gegangen wäre. Denn just an diesem Ort, just an diesem Datum vor 75 Jahren gründete sich die United Nations Organisation (UNO), kurz die Vereinten Nationen.

Der Krieg war in jenen Juni-Tagen zwar schon gewonnen, in Europa war es den Alliierten gelungen, die Kriegsmaschine der Nazis zu stoppen, in Japan stand das faschistische Regime des Tenno vor der Kapitulation - leider akzeptierten Kaiser und seine Generäle das erst im August, als eine an sich gegen die Nazis entwickelte Waffe zum Einsatz kam.

Die Lehre aus dem fast sechs Jahre andauernden Schlachten – respektive dem zweiten 30järigen Krieg, wenn man den ersten Weltkrieg und die recht unfriedliche Zwischenkriegszeit dazu nimmt – war einfach auf den Punkt zu bringen und doch so schwer zu erreichen: Nie wieder Krieg. Fast auf den Tag genau fünf Jahre später mündete ein Konflikt der Nachkriegsordnung in den nächsten Waffengang, am 24. Juni 1950 begann der Korea-Krieg.

Und dennoch war die UNO lange eine Erfolgsgeschichte - und ist es trotz allgegenwärtiger Krisen immer noch. Was vor allem daran gelegen haben mag, dass die USA, seit dem Ende des ersten Weltkriegs eine neue Weltmacht, ihrer Verantwortung gerecht wurde und in die UNO eintrat - im Gegensatz zum Völkerbund, der sogar noch eine ganze Weile neben der UNO dahin dümpelte, ohne irgendeine Art von Relevanz zu haben.

Umso erschreckender ist es, dass sich die USA immer mehr aus internationalen Vereinbarungen und Gremien zurückziehen, die WHO etwas könnte weit wirkungsvoller sein, wenn die USA (und auch andere Weltmächte) die globale Organisation zur Gesundheitsvorsorge ernster nähmen und sie unabhängiger arbeiten ließen und die Beiträge nicht an Bedingungen knüpften oder nach Gutdünken vollkommen aussetzten.

Das könnte aber die Lehre aus der immer noch wütenden Corona-Krise sein: Nie wieder Pandemie. Dazu müsste man nicht einmal neue Organisationen gründen, sondern bestehende einfach besser organisieren. Das amerikanische Jahrhundert ist vorbei, das 21ste muss kein chinesisches sein, sonder besser ein globales Zeitalter der Vernunft und des Ausgleichs. Die Arbeit daran wird uns aber weit länger beschäftigen als die an macOS 11 und Konsorten.

Lesetipps für den Freitag:

Abwarten und Tee trinken : Keine Frage – wer heute einen Mac braucht, beruflich oder privat, sollte ihn kaufen. Apple hat zwar in dieser Woche angekündigt, von der Intel-Plattform auf eigene Chips zu wechseln, der Umstieg wird aber zwei Jahre dauern. Und auch dann sind die Intel-Macs von heute und morgen noch nicht reif für den Wertstoffhof. Wer aber etwas Geduld aufbringen kann, bis zum Ende des Jahres oder Frühjahr 2021, sollte ruhig warten, mit welchen ARM basierten Produkten Apple zuerst aufwarten will. Sicher: Wer einen iMac benötigt, wird sich nicht mit einem neuen Macbook zufrieden geben können.

Ausblick: Neue Apple-Hardware wird noch auf sich warten lassen, doch lässt sich aus den Neuerungen der WWDC einiges auf die Pläne Apples schließen – nicht nur bezüglich Mac. So zeigt etwa die Handschriftenerkennung Scribble, dass Apple den Apple Pencil als wichtiger erachtet als Tastaturen für das iPad - neue Gesten sucht man in iPadOS 14 vergeblich. Wer immer noch an ein Apple-Auto glaubte, dürfte sich durch iOS 14 und Carplay eines besseren belehrt fühlen, Apple interessiert sich für Navigation und all die anderen Dinge, die es durch CarPlay in den Fahrzeugen erreicht. Umgekehrt lassen die Neuerungen in ARKit 4 an sich nur den Schluss zu, dass es bis zu einer Apple Brille nicht mehr lange dauern werde. Das Schlaftracking in watchOS 7 lässt zudem auf eine signifikant gesteigerte Akku-Laufzeit in der Apple Watch Series 6 hoffen. Die Airpods entwicklen sich zu einem Wearable, das immer an ist und das iPhone 12 dürfte dann endlich einen schnellen Bildschirm mit bis zu 120 fps bekommen, erkennt man in iOS 14.

Inspiriert: Langjährige iPhone-Nutzer sind erfreut über neue Features wie die App Library, die Widgets oder App Clips, wer aber zuletzt Android nutzte, kommen die Features recht bekannt vor. Wie Michael Simon für PC World ausführt, mag Apple zwar etwas später dran sein, hat aber bei der Umsetzung der Konzepte für einen aufgeräumteren Bildschirm und schlankere Apps den weit besseren Job erledigt.

Ausgeschlafen: Auch beim Schlaftracking hat sich Apple ausführliche Gedanken gemacht und nicht einfach nur eine App in watchOS 7 und iOS 14 eingebaut, die den Beginn und das Ende des Nachtschlafes erkennt und protokolliert. Stattdessen entwickelte Apple ganze Routinen, die schon weit vor der Schlafenszeit einsetzen und die User langsam herunter bringen und bettfertig machen: Wind down. Die Kollegen von Apple Insider haben probegelegen, und dabei auch gesehen, wie Apple das Problem mit dem Akku angeht: Ist vor der geplanten Ruhephase der Akku auf 30 Prozent oder weniger entladen, gibt das iPhone rechtzeitig eine Warnung aus.

Fragestunde: Wenn Entwickler auf Schauspieler und Autoren treffen, die Entwickler spielen respektive beschreiben – so ließe sich etwa die Fragestunde zusammenfassen, die Apple auf der WWDC mit den Produzenten und dem Cast von "Mythic Quest" organisierte. In der Corona-Zeit hatte Apple TV+ eine Sonderfolge veröffentlicht, die in Quarantäne mit iPhones und Airpods gedreht worden war und die das Unternehmen für den Fernsehpreis Emmy einreichen will. Die Fragen der Entwickler an Rob McElhenney, der die Show produziert und die Hauptrolle des Ian spielt und Darsteller wie Charlotte Nicdao (Poppy), Imani Hakim (Dana) oder Danny Pudi (Brad) drehten sich um den Realismus der Serie. Die Crew habe dabei Beratung von Ubisoft bekommen und sich auch selbst weiter gebildet, Nicdao, die die Chef-Entwicklerin spielt, schnupperte auch in einen Programmierkurs hereisn, ehe sie sich an die Darstellung der leicht neurotischen Poppy machte.

Weitere Nachrichten:

Safari 14 bietet Anmeldung per Face ID und Touch ID

Eine Besonderheit der neuen Safari-Version Safari 14 wurde bei der WWDC-Keynote nicht erwähnt: Unter Big Sur und iOS 14 wird sich ein Nutzer bei einem Webdienst per Face ID oder Touch ID anmelden. Die neue Option wurde in einem eigenen Video präsentiert, das sich an Webentwickler richtet.

Hat ein Webseitentreiber die dazu nötige Technologie für seine Plattform integriert, gewinnt der Endkunde dadurch aber deutlich an Bedienkomfort. Aktuell melden sich viele Surfer bereits per Touch ID oder Face ID an, eigentlich werden vom System aber nur automatisch Benutzername und Kennwort eingegeben und bestätigt – wobei man den Zugriff auf diese Passwörter per Touch ID und Face ID erlauben muss und meist einige Eingaben machen muss. Bei besonders geschützten Accounts ist außerdem eine zusätzliche Freigabe (2FA) per SMS oder ein anderes System nötig.

Bei der neuen Anmeldevariante läuft der komplette Anmeldevorgang im Hintergrund ab: Bei Aufruf der Anmeldeseite wird automatisch Face ID oder Touch ID aktiviert und man ist fast sofort angemeldet. Auf Wunsch kann man sogar die Felder für die Kennwörter ausblenden. Hintergrund ist ein neues Web Authtentication API, das auf der plattformübergreifend nutzbaren Technologie von FIDO basiert und bereits von einigen Anbietern wie Ebay und Google Mail unterstützt wird. Die Plattform hatten wir bereits vor Kurzem ausführlicher vorgestellt.

Amazon startet eigene Abteilung im Kampf gegen Produktfälscher

Amazon versteht sich nicht nur als Online-Händler, sondern betreibt mit dem Amazon Marketplace auch einen Marktplatz für Drittanbieter, die dort ihre Produkte veräußern können. Hier finden sich jedoch immer häufiger Produktfälschungen, denen das Unternehmen bereits vor einigen Jahren den Kampf angesagt hat. Um die Zahl enttäuschter Kunden, die den Fälschern auf den Leim gegangen sind, möglichst gering zu halten, hat das Unternehmen nun eine eigene Abteilung ins Leben gerufen, welche die Produktfälscher ins Visier nimmt.

Die sogenannte Counterfeit Crimes Unit setzt sich laut dem Unternehmen aus erfahrenen Ermittlern, Datananylsten und ehemaligen Bundesstaatsanwälten zusammen. Anstelle der bisherigen Strategie bei der Produktfälschungen auf dem Marketplace erkannt und gesperrt wurden, will Amazon mit seinem neuen Team nun in die Offensive gehen. Das Team soll es Amazon erleichtern, zivilrechtliche Verfahren gegen die Fälscher einzuleiten, geschädigten Marken bei ihren Ermittlungen zu helfen und den Behörden bei der Identifizierung von Fälschern zu unterstützen.

Amazon zufolge hat das Unternehmen allein 2019 mehr als 500 Millionen US-Dollar in den Kampf gegen Produktfälscher investiert. Durch mehr als 8.000 Mitarbeiter wurden 2,5 Millionen verdächtige Accounts gesperrt und sechs Milliarden Artikel daran gehindert, bei Amazon über die virtuelle Ladentheke zu wandern. Amazon fordert Regierungen weltweit dazu auf, den Kampf gegen Produktfälschungen ernst zu nehmen und die Strafverfolgungsbehörden zu unterstützen.

Google News: Google will Verlage für News bezahlen

Kehrtwende in der Google-Strategie im Umgang mit Verlags-Inhalten: Google will Verlage stärker finanziell unterstützen, die mit ihren Informationen und Inhalten auch für eine Bereicherung des Angebots von Google bei Google News sorgen. Wie Google Deutschland in einem Blog-Beitrag am Donnerstag ankündigt, will Google im Rahmen einer neuen Initiative dazu die Verlagsinhalte für ein "neues Nachrichtenformat" lizenzieren.

Konkret sollen die Gelder an Verlage und Medienunternehmen gehen, die "qualitativ hochwertige Inhalte" erstellen. Das neue Programm, so heißt es seitens Google, werde den teilnehmenden Verlagen dabei helfen, die Sichtbarkeit ihrer Inhalte "durch ein verbessertes Storytelling-Erlebnis" zu vergrößern. "Durch das neue Format können Leser tiefer in anspruchsvolle Geschichten eintauchen, auf dem Laufenden bleiben sowie neue Themen und Interessen entdecken", erklärt Google.

Zum Start wird Google das Programm zunächst nur Verlagen in Deutschland, Australien und Brasilien anbieten und es auf diesen Märkten testen. In Deutschland gehören zu den ersten Partnern unter anderem der Spiegel, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Zeit und der Tagesspiegel.

Google will zur Unterstützung der Verlage über all dort, wo es möglich ist, im Rahmen der Initiative die Verlage für den kostenlosen Zugriff von Nutzern auf kostenpflichtige Artikel der Websites bezahlen. Letztendlich bezahlt Google also die Verlage, wenn sie ihre Paywall für Google-Nutzer öffnen. Gleichzeitig sollen die Verlage, die solche Paywalls einsetzen, ihre Reichweite erhöhen können, ohne finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen.

"Wir haben intensiv mit unseren Partnern an diesem neuen Produkt gearbeitet, das zuerst auf Google News und Discover starten wird. Unser Ziel ist es, in den kommenden Monaten weitere Partner in mehr Ländern zu gewinnen", so Google.

Wie wichtig Google News und Discover für Verlage sind, zeigen auch die Zahlen, die Google in seinem Blogbeitrag nennt: Konkret heißt es dort, dass Google im Monat die Nutzer 24 Milliarden Mal auf die Nachrichtenseiten der Verlage weiterleitet. Was bei den Verlagen wiederum für eine höhere Reichweite und mehr Einnahmen sorgt. Mit dem neuen Programm sollen die Verlage finanziell noch besser unterstützt werden, ihr Angebot auch zu finanzieren.

"Zwar gab es bereits vorher einzelne Programme zur Lizenzierung spezifischer Inhalte, doch dieses neue Programm ist ein bedeutsamer Schritt bei der Förderung von Qualitätsjournalismus", betont Google und verweist auch in seiner Mitteilung darauf, dass eine "vitale Verlags- und Nachrichtenbranche" wichtiger denn je sei, wie auch die aktuelle Coronakrise und die jüngsten Proteste gegen Diskriminierung zeige. Die Menschen seien auf eine Versorgung mit Informationen angewiesen, zeitgleich befände sich die Medienbranche unter Druck. Umso wichtiger sei es für Google, hier eine Unterstützung zu leisten und gleichzeitig den Nutzern den Zugang zu relevanten Informationen zu ermöglichen.

Studie: Tesla baut die Autos mit den meisten Fehlern

Ein US-Studie von J.D. Power hat untersucht die Zahl der Mängel bei Neuwagen. Dabei wurden Fahrzeuge von 32 in den USA verkauften Marken untersucht. Auf dem letzten Platz landet Tesla - für keine andere Automarke berichten die Neuwagenbesitzer so viele Mängel.

Laut CNBC berichten Besitzer eines neuen Teslas vor allem über Lackmängel und schlecht sitzende Karosserieteile beziehungsweise ungleichmäßige Spaltmaße. Die Kofferraumhauben lassen sich oft nur schwer öffnen und schließen. Viele Tesla-Fahrer klagen über laute Windgeräusche. Außerdem quietscht und klappert es häufig in Teslas. Kunden beklagen auch, dass die Reichweite niedriger als erwartet sei oder die Reichweite falsch angezeigt werden würde.

Die Studie J.D. Power’s 2020 Initial Quality Study erfasste Mängel, die während der ersten 90 Tage nach Auslieferung der Fahrzeuge von den Besitzern entdeckt wurden. Der Vergleich erfolgt auf der Angaben der durchschnittlichen Mängelanzahl pro 100 Fahrzeuge einer Marke. Im Durchschnitt wurden von den Neuwagenbesitzern 166 Probleme pro 100 Fahrzeuge gemeldet. Tesla allerdings erreichte einen Wert von 250 Problemen auf 100 Fahrzeugen. Am besten schnitten Dodge und Kia ab mit jeweils 136 Problemen auf 100 Fahrzeuge.

 

Tesla nimmt allerdings nicht offiziell an der Studie teil, weil Tesla in 15 US-Bundesstaaten J.D. Power keinen Zugriff auf die Daten der Kunden erlaubte. J.D. Power konnte eigenen Angaben zufolge aber trotzdem rund 1250 Teslabesitzer in 35 anderen US-Bundesstaaten kontaktieren und deren Erfahrungen für die Studie auswerten. Die meisten der befragten Teslakunden fahren ein Model 3.

Erst vor wenigen Tagen machten Berichte über viele Fehler beim neuen Model Y die Runde: Tesla liefert viele Model Y mit schweren Fehlern aus.

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