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Morgenmagazin vom Freitag, 29. Januar 2016

29.01.2016 | 06:55 Uhr | Peter Müller

USA: Geldautomaten für Apple Pay +++ Potentielles Sicherheitsrisiko für iOS-Apps +++ Interview mit Angela Ahrendts bei Fast Company +++ Apple ruft Netzadapter zurück +++ Gema verliert erneut gegen Youtube vor OLG München +++ Microsoft Edge Browser speichert wohl private Browsing-Daten +++ Spiele im Google Play Store: Vorsicht Abo-Falle!

29. Januar 2016: Von Grantlern und Drummern

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Und schon wieder Freitag, noch dazu ist nach dem Wochenende der Januar vorbei. Also kein Grund, Trübsal zu blasen. Zu granteln. Den Miesepeter zu geben. Ganz im Gegenteil. Doch unglücklicher Weise fällt der alljährliche Miesepeter-Tag am 29. Januar heuer auf einen Freitag. Geehrt wird mit diesem Gedenktag nicht nur der Grantler in uns, sondern vor allem der US-amerikanische Filmkomiker W.C. Fields, der heute vor 136 Jahren zur Welt kam. Fields war in seinen Rollen auf den liebenswürdigen Grantler abonniert, zynisch, streitlustig und vor allem komplett inkorrekt gegenüber seinen Mitmenschen.

Man sagt ja den Bayern nach, der Grant wäre ihr ureigener Charakter. Das stimmt aber genau so wenig wie andere nationale Stereotype, der Schwabe und der Schotte sind nicht geizig, der Engländer nicht verstockt und der Italiener nicht sorglos. Zumindest nicht alle und jederzeit. Wenn der Bayer grantelt, dann hat das seinen Grund. Meist ist der Föhn dran schuld, der warme Fallwind aus den Alpen, der den Schädel schmerzen lässt. Man könnte meinen, so oft wie der bayerische Ministerpräsident derzeit Richtung Berlin grantelt, müsse in München und Ingolstadt derzeit permanent Föhn herrschen.

Kommen wir aber zu etwas erfreulicherem. Phil Collins wird am Samstag 65 Jahre alt und hat erst vor kurzem angekündigt, aus seiner selbst erklärten Rente zurückzukehren und ein neues Album aufzunehmen. "Das soll erfreulich sein?", grantelt da der Miesepeter vor sich hin, "der soll doch da bleiben, wo der Föhn weht!"

Der Grant kommt zu Unrecht. Der kürzlich verstorbene Lemmy Kilmister - der nur wie ein Grantler aussah, aber freundlich, höflich und korrekt war wie der Brite im nationalen Klischee – lobte in einem Interview mit der Süddeutschen den ehemaligen Genesis-Drummer über den grünen Klee . Er könne sofort einspringen und ein Motörhead-Konzert unfallfrei spielen, wenn Not am Mann sei. Außerdem habe er ein paar großartige Songs geschrieben, was ja nur wenige von sich behaupten können.

Das hätten wir zu gern erlebt: Collins sitzt an den Drums von Motörhead - oder Lemmy singt auf Collins' neuer Platte ein Duett mit Phil. Oder wenigstens ein Motörhead-Cover von einer Collins- oder Genesis-Nummer, von einer der schnelleren, etwa "Sussudio" oder "Land of Confusion". So freuen wir uns aber wenigstens auf ein neues Collins-Album und - wenn es sein Gesundheitszustand zulässt - auf die "Second Final Farewell Tour". Die erste finale Abschiedstournee hatte er ja schon vor etlichen Jahren gegeben. Wenn dann auch noch der Rest der Genesis-Besetzung der Jahre 1971 bis 1975 zusammen käme, dann würden wir auch nie wieder granteln. Auch nicht bei Föhn. Nicht einmal am 29. Januar. Versprochen. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

Mit dem Handy abheben: Das Bezahlen per NFC soll dereinst das Bargeld überflüssig machen, doch will nicht jeder auf Scheine und Münzen verzichten. Nach einem Bericht von TechCrunch planen in den USA die Banken Wells Fargo und Bank of America, Geldautomaten mit NFC-Lesegerät auszustatten. So werde man an den Maschinen per Apple Pay Geld abheben können. Wells Fargo setze dabei zunächst auf Android Pay, zeigt sich aber auch Apples System gegenüber offen. Die Bank of America ist seit Anfang an Partner von Apple Pay. Auch die Bank Chase soll Interesse an Geldautomaten für das iPhone haben.

History repeating: Apple hat am Dienstag Abend zwar ein neues Rekordquartal bilanziert, warnt aber vor  schwierigen Geschäften in den kommenden Monaten. Das war zwar keine börsenrechtlich geforderte Gewinnwarnung, hat aber dennoch den Aktienkurs auf Talfahrt geschickt, derzeit ist AAPL nur noch um die 93 US-Dollar wert. Kein Grund zur Panik, meint unser Macworld-Kollege und erinnert an die (offizielle) Gewinnwarnung im September 2000, als die Apple-Aktie binnen Stunden die Hälfte ihres Wertes verlor. Auch damals sei Apple an die Grenzen seines Marktes gestoßen, habe aber das nächste große Ding schon in petto gehabt: Den iPod. Was denn diesmal die völlig neue Produktkategorie sein könnte, lässt Simon aber offen.

Direkter Upload: Das Flirtportal Tinder hat bisher das Facebook-Profilbild genutzt und keine weiteren Fotos zugelassen. Damit ist jetzt Schluss, Nutzer können in Tinder beliebige Bilder hochladen. In der integrierten Messaging-App lassen sich nun auch GIFs verwenden.

Interview: Fast zwei Jahre lang ist die ehemalige Burberry-Chefin Angela Ahrendts für die Apple Stores zuständig. In einem längeren Interview mit Fast Company erklärt Ahrendts, für wie wichtig sie die Angestellten in den Stores hält und was sich seit ihrem Antritt verändert hat.

Potentielles Sicherheitsrisiko: Mit dem Tool JSPatch können Entwickler ihre iOS-Apps im laufenden Betrieb aktualisieren. Das Tool lädt JavaScript von einem externen Server nach und interpretiert den Code als ObjectiveC. Der Vorteil: Ohne einen langwierigen Freigabeprozess können App-Entwickler ihre Programme stats auf dem aktuellen Stand halten. Sicherheitsexperten warnen jedoch davor, dass sich auf diese Weise auch Schadcode in vermeintlich harmlose Apps nachträglich einschmuggeln ließe.

Apple ruft Netzadapter zurück

In den mit einigen Macs und iOS-Geräten zwischen den Jahren 2003 und 2015 ausgelieferten Steckeradaptern könnten zwei Stifte brechen und somit die Gefahr eines Stromschlages auslösen. Die fehlerhafte Konstruktion tritt nur bei Adaptern auf, die für Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Neuseeland, Südkorea und Kontinentaleuropa gebaut wurden. Bei den Steckern für Nordamerika, Großbritannien, Japan und China gebe es keine Probleme.Betroffen sind auch die dem Reise-Adapter-Kit beigelegten Stecker.

Weltweit seien bereits zwölf Vorfälle mit zerbrochenen Adaptern bekannt. Apple startet daher eine freiwillige Rückrufaktion. Ob der eigene Adapter betroffen ist, erfährt man auf einer von Apple eingerichteten Webseite (http://www.apple.com/support/ac-wallplug-adapter/) . Ist der abnehmbare Stecker innen mit einem Regionskürzel wie EUR versehen, ist alles in Ordnung, nur bei einer anderen oder einer fehlenden Beschriftung sollte man sich Sorgen machen. Der Austausch erfolgt im nächsten Apple Store oder per Post, wenn man sich auf Apples Website dafür anmeldet.

Gema verliert erneut gegen Youtube vor OLG München

Seit Jahren streitet die Musik-Verwertungsgesellschaft Gema vor Gericht, weil sie von Youtube Lizenzgebühren für die von den Nutzern hochgeladene Videos erhalten will, wenn in den Videos lizenzrechtlich geschützte Musik oder Texte verwendet werden. Am Donnerstag hat die Gema nun erneut vor dem Oberlandesgericht München eine Niederlage hinnehmen müssen.

Das OLG München bestätigte das Urteil des Landgerichts München I vom Juli 2015. Das Gericht hatte damals entschieden, dass Youtube als Host-Provider fungiere und damit nicht direkt für die Inhalte verantwortlich sei, die die Youtube-Nutzer beim Online-Videodienst hochladen. Der Streitwert der Klage hatte die Gema mit 1000 exemplarisch ausgewählten Titel auf 1,6 Millionen Euro festgesetzt.

Die Entscheidung am Donnerstag begründete der Richter des Oberlandesgerichts München erneut damit, dass "ein Automatismus" vorliege. Sobald die Youtube-Nutzer ihre Videos hochladen, seien diese sofort öffentlich zugänglich, ohne das Youtube eingreifen müsse. Youtube stelle damit als Plattform nur die "Werkzeuge zur Verfügung". Die Gema vertritt dagegen die Ansicht, dass Youtube für die "dauerhafte Bereitstellung" der Inhalte verantwortlich sei.

Der Rechtsstreit dürfte mit der Entscheidung des OLG München nicht beendet sein. Der Fall dürfte nun vor dem Bundesgerichtshof landen. Sollte die Gema hier erneut verlieren, wäre noch eine Verfassungsbeschwerde möglich.

Youtube blendet in Deutschland seit Jahren eine Sperrtafel bei Videos ein, die Gema-geschützte Inhalte enthalten.

Die Gema vertritt in Deutschland die Rechte der Komponisten und Textautoren. Sie verlangt laut Medienberichten von Youtube pro Aufruf bestimmter Musik-Videos einen Betrag in Höhe von 0,375 Cent. Youtube wäre bereit zu zahlen, allerdings nur in Form einer Beteiligung der Gema an den Werbeeinnahmen. Der Betrag pro Aufruf dürfte damit deutlich niedriger liegen.

Microsoft Edge Browser speichert wohl private Browsing-Daten

Laut Fossbytes hat nun eine neue Studie ergeben, dass der InPrivate-Mode des Microsofts Edge Browsers weniger Privatsphäre bietet als bisher gedacht. Demnach könne man ganz einfach an Browser-Informationen der Anwender, wie beispielsweise besuchte Webseiten, gelangen. Somit bietet gerade der Edge-Browser ein attraktives Ziel für Hacker, die an bestimmte Daten ihrer Opfer gelangen möchten.
 
Ein Microsoft-Sprecher versicherte, dass das Unternehmen über das Problem Bescheid wisse und bereits an einer Lösung des Sicherheitslacks arbeitet. „Wir haben Kenntnis über die Tatsache, dass InPrivate Tabs nicht auf die Weise funktionieren, wie sie einst konzipiert wurden und wir werden das Problem so schnell wie möglich beheben.“
 

Spiele im Google Play Store: Vorsicht Abo-Falle!

Laut G DATA Sicherheitsexperten kursiert momentan eine bisher unbekannte Art von Abo-Falle, auf die mehr als 50.000 Android-Nutzer reingefallen sind. Die Spiele-App namens Blend Color Puzzle existiert seit dem 3. November 2015. Anfangs machte die App noch einen vertrauenswürdigen Eindruck. Wie sich jedoch jetzt herausstellte, schloss die App ohne jegliche Kenntnis des Nutzers und ohne dessen Einverständnis unbemerkt Abonnements bei niederländischen Firmen ab. Da die Abrechnung der Abos über eine Vermittlerfirma erfolgte, geht G DATA davon aus, dass ein größeres internationales Firmengeflecht dafür verantwortlich ist.
 


„Diese Art des Angriffs stellt für uns ein neues Phänomen dar. Wir beobachten eine Masche, die mit sehr viel Aufwand inszeniert wurde, um eine breite Masse von Nutzern zu schaden. Legitime Anwendungen verweisen auf die schadhafte App, die persönliche Daten sammelt, im Hintergrund Abos abschließt und in die mobilen Übertragungswege eingreift. Betroffene Anwender sollten sich unbedingt Hilfe holen und dagegen vorgehen.“
 

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