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Morgenmagazin vom Freitag, 5. Juli 2019

05.07.2019 | 07:00 Uhr |

Neue Bildschirmschoner in Catalina +++ Samsung kopiert EKG und Sturzsensor der Apple Watch Series 4 +++ App Store mit 13 Prozent mehr Umsatz +++ Chat-Nachricht crasht iPhone: Update auf iOS 12.3 beseitigt den Fehler +++ Delft: Erste Hyperloop-Röhre in Europa +++ Broadcom will offenbar Symantec übernehmen +++ 3G-Abschaltung: 53 Prozent der Mobilfunk-Nutzer surfen bald im Schneckentempo

5. Juli: Music is King

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Freitag, Zeit für den Mix „Neue Musik“ von Apple Music. Immer spannend, was da drin landet. Selten gefällt alles, skippen ist ja sonst verpönt, hier aber an manchen Stellen angebracht. Dann wieder wunderbare Songs und Interpreten, die man neu oder wieder entdeckt und deren Album, von dem der Track stammt ja am liebsten sofort der Musikbibliothek  hinzufügt.

Der Musikbibliothek der Welt wurde heute vor 65 Jahren ein ganz besonderer Künstler hinzugefügt: Am 5. Juli 1954 nahm ein Lastwagenfahrer namens Elvis Presley in einem Studio in  Memphis den Blues-Song „That’s All Right, Mama“ auf - der zu einem sofortigen Hit wurde und Elvis zum Weltstar.

Der gerade einmal 19-jährige riss damit Grenzen nieder, die sich in Köpfen der Musikhörer manifestiert hatte. Später warfen ihm ja einige vor, er sei der „weiße Junge gewesen, der den Schwarzen den Blues geklaut hat“. Aber eher ist das Gegenteil richtig: Durch Presley wurde der Blues erst dem Rest Amerikas und der Welt als innovative Musik bekannt. Der King of Rock’n Roll war nicht der Vater dieser Musik - als solcher muss Chuck Berry gelten - aber vielleicht sein wichtigster Pate.

Aber lassen Sie uns an dem heute recht nachrichtenarmen Morgen nach dem Independence Day in den USA an dieser Stelle Schluss machen, mal hören, was uns Apple Music aus den Tiefen seiner Bibliothek in die aktuelle Wiedergabeliste gespielt hat. Am Ende ist da etwas völlig Neues und Unerhörtes dabei, das uns neue Musikwelten entdecken lässt. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

Augenschmaus: Während der Beta-Phase der Hauptupdates von macOS und iOS kommen öfter von Fassung zu Fassung neue Inhalte hinzu, nicht nur Fehlerbereinigungen und Optimierungen. In der dritten Developer-Beta respektive der zweiten Public Beta von macOS 10.15 Catalina haben die Kollegen von 9to5Mac eine neue Option für den Bildschirmschoner gefunden: Drift. Diese besteht aus einer Anordnung von bunten Lichtspuren, die sich sanft in 3D-Anmutung wie im Wind oder einer Strömung bewegen und dabei ihre Farben ändern. Ein wenig erinnert das an Seegras, das im Meer sanft vor sich hinschaukelt. Die Bilder werden in Echtzeit von der GPU gerendert, bei der Konfiguration hat man mehrere Farboptionen zur Auswahl. Diese orientiert sich entweder an den Farben des Hintergrundbildes, an Themen wie "Space Gray" oder "Silber" oder dem Regenbogen, der ja auch einst dem Apple-Logo zur Colorierung diente.

Boom: Der App Store ist für Apple und Entwickler eine weiterhin gut wachsende Goldgrube. In der ersten Jahreshälfte haben nach einer Analyse von SensorTower iOS-Nutzer weltweit 25,5 Milliarden US-Dollar für Apps und Inhalte ausgegeben. Das sind 13,2 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2018. Android-Smartphones gibt es zwar etwa dreimal so viele wie iPhones, deren Nutzer scheinen aber weniger bereit zu sein, Geld für digitale Güter auszugeben, 14,2 Milliarden US-Dollar haben die Kunden im Google Play Store gelassen, der App Store hat also rund 80 Prozent mehr eingenommen. Dazu muss man aber auch erwähnen, dass unter Android der Google Play Store nicht die exklusive Softwarequelle ist und es darin auch nicht alle Apps zu laden und zu kaufen gibt, Fortnite steht hier als Beispiel.

Sklavische Kopie : Die Apple Watch Series 4 wird laut eines Berichts von Sammobile nicht mehr lange das einzige Wearable sein, das ein EKG seines Träger erstellen kann. Samsung will in die Galaxy Watch Active 2 demnach die gleiche Funktionalität einbauen, die Apple seiner Smartwatch im letzten Jahr spendiert hatte. Dazu gehört auch, dass die Samsung-Uhr Vorhofflimmern erkennen soll, es ist zudem ein Sturzsensor eingebaut, der im Fall des Falles den Notruf auslösen kann. Mal sehen, mit welchen Neuerungen Apple in der für den Herbst erwarteten Apple Watch Series 5 die Sache weiter vorantreibt.

Ursprung: Von wegen Käsereibe - das Lochmuster des neuen Mac Pro soll vor allem dafür sorgen, dass ein steter Luftstrom die im Inneren entstehende Wärme abführt. Vermutlich lag der Entscheidung über die genaue Form aber kein physikalisches Argument zugrunde, von wegen möglichst laminarer Strömungg, sondern ein Design. Dieses hat offenbar bereits ein Journalist des New Yorker im Jahr 2015 erstmals zu Gesicht bekommen, ohne dabei zu wissen, was daraus würde. Aber vermutlich wusste das Apple selbst nicht. In einem Portrait über Johny Ive und dessen Team erklärte einer der Designer, es sei sein Hobby, morgens schon um sechs Uhr im Büro zu erscheinen und geometrisch komplexe Designs zu entwerfen, die er dann die Werkstatt umsetzen lasse. Eines der Ergebnisse sei ein in eine Kunststoffplatte geschnittenes Lochmuster gewesen, das so beschrieben ist: "Ein Sechseckmuster von negativen Formen, die von der einen Seite vom Material abgezogen werden, und dann gibt es das gleiche Muster, von der anderen Seite vom Material abgezogen. Aber es ist versetzt, so dass der Schnittpunkt zwischen den beiden Subtraktionen interessante Formen ergibt." Der Unterschied zum "Käsereibendesign": Die Löcher sind nun rund und nicht mehr sechseckig, ansonsten trifft es das aber.

Anlage : Apple hat seine Steuerschuld gegenüber der Republik Irland in Höhe von 14,3 Milliarden Euro auf ein Treuhandkonto eingezahlt, die Berufung gegen die Anordnung der EU-Kommission läuft aber noch. Fondsmanager versuchen daher den Wert des Geldes zu erhalten und haben es in mittel- und kurzfristige Staatsanleihen investiert. Wie die irische Zeitung RTE berichtet, läuft die Anlage nicht so gut und hat an Wert verloren, 16 Millionen Euro. Die Zahlen bedürfen jedoch eines genaueren Blicks, denn die Zeitung gibt den Wert des Investments zum Zeitpunkt 31. Dezember 2018 an - das ist dann doch schon eine Weile her. Zudem mögen 16 Millionen Euro sehr viel Geld sein, machen aber nur etwas mehr als ein Promille der Gesamtsumme aus - noch lange keine Grund zur Besorgnis, dass die Republik Irland im Falle einer letztinstantzlichen Entscheidung zu Gunsten Apples mehr zurückzahlen müsste, als noch auf dem Konto ist.

Weitere Nachrichten:

Chat-Nachricht crasht iPhone: Update auf iOS 12.3 beseitigt den Fehler

Das Problem erinnert an frühere Probleme mit präparierten iMessage-Nachrichten: Sendet man eine speziell präparierte Nachricht an ein iPhone oder iPad mit älterer iOS-Version, kann diese das Gerät einfrieren lassen. Die von Natalie Silvanovich vom Google Projekt Zero entdeckte neue Sicherheitslücke wurde von Apple mit dem Update auf iOS 12.3 bereits geschlossen. Erst jetzt wurde sie deshalb veröffentlicht. Verheerend ist das Ergebnis: Die präparierte Nachricht blockiert die Systemkomponente Springboard, wodurch die Oberfläche nicht mehr angezeigt wird und das iPhone nicht mehr auf Eingaben reagiert. Um das iPhone wieder funktionsfähig zu machen, hat man laut dem Bericht drei Möglichkeiten: Man kann man das iPhone per „Find my iPhone“ löschen, das System in den Recovery-Modus versetzen und aktualisieren oder man entfernt die SIM-Karte, unterbricht die WIFI-Verbindung und löscht das Gerät.

Der Angriff ist gefährlich, da er nicht nur für das böswillige Sperren eines Gerätes verwendet werden kann. Der Systemfehler könnte potentiell auch für Angriffe eines Hackers verwendet werden. Nutzer sollten deshalb möglichst bald auf iOS 12.3 aktualisieren.

Zumindest ist die Erstellung der Nachricht nicht ganz so einfach wie in früheren Fällen, bei denen eine simple Textnachricht genügte. Der technische Hintergrund: Man kann laut Bericht eine so genannte NSException auslösen, indem man eine fehlerhafte Nachricht mit dem Schlüssel IMExtensionPayloadLocalizedDescriptionTextKey versendet, der einen Wert enthält, der kein NSString ist. Der Angriff kann auch unter macOS durchgeführt werden, hier sind die Folgen aber harmlos. Empfängt die Desktop-Version von iMessage die präparierte Nachricht, stürzt nur der Prozess soagent einmal ab und das System ist weiter nutzbar.

Delft: Erste Hyperloop-Röhre in Europa

Nun hat auch Europa seine erste Hyperloop-Teströhre: Im niederländischen Delft hat das Startup Hardt Hyperloop eine 30 Meter lange Röhre installiert, in der alle Komponenten des Transportmittels getestet werden sollen. Teil dieser Tests ist auch die Hyperloop Lane Switch (HLS) getaufte Weiche, mit der die Kapseln später ohne Geschwindigkeitsverlust und bewegliche Teile in eine zweite Röhre abbiegen können. Die Teststrecke soll gleichzeitig als Vorlage für den Bau eines European Hyperloop Centres dienen. Das Forschungszentrum mit einer drei Kilometer langen Hyperloop-Strecke soll aber erst 2021 eröffnet werden.

Langfristig will Hardt Hyperloop ein 10.000 langes Netz in Europa aufbauen. Dank der enormen Geschwindigkeit von bis zu 1000 Kilometern pro Stunde sind damit Reisen wie im Flugzeug möglich. Als Beispiel nannte der Betreiber die über 500 Kilometer weite Fahrt von Amsterdam nach Paris, die per Hyperloop-Technik in einer halben Stunde möglich sein soll. Konkurrenz bekommt Hardt Hyperloop in Europa durch Hyperloop TT. Die Firma will in Toulouse in Südfrankreich ebenfalls ein Forschungszentrum mit einer 320 Meter langen Teströhre aufbauen. Das erstmals 2013 in einem White Paper von Elon Musk vorgestellte Hochgeschwindigkeitsverkehrssystem Hyperloop nimmt langsam Form an. Der Traum des Tesla- und SpaceX-Gründers scheint also in Erfüllung zu gehen.

Broadcom will offenbar Symantec übernehmen

Der US-amerikanische Chiphersteller Broadcom will den Sicherheitssoftware-Hersteller Symantec übernehmen. Wie Medien aus den USA berichten, befänden sich die beiden Unternehmen dazu bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen. Eine Einigung könnte dabei schon in Kürze erfolgen.

Broadcom hatte im vorherigen Jahr bereits den Softwarehersteller CA für 19 Milliarden US-Dollar erfolgreich übernehmen können. Symantecs Wert werde auf rund 15 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Nach dem gescheiterten Versuch, den Konkurrenten Qualcomm zu übernehmen, versucht sich Broadcom nun an Software. Die erfolgreiche Übernahme verlief positiv, der Softwarehersteller CA floriere unter dem Dach von Broadcom. Symantec als weltgrößter Hersteller von Sicherheitssoftware könnte ebenfalls gut in die Unternehmensstruktur passen. Symantec-Produkte wie die Produkt-Familie Norton werden von rund 350.000 Unternehmen und Organisationen und 50 Millionen Menschen genutzt.

Gescheiterte Qualcomm-Übernahme

2018 hatte Broadcom den Versuch gestartet, mithilfe einer milliardenschweren Offerte den Konkurrenten Qualcomm zu übernehmen. Der Übernahmeversuch wurde von US-Präsident Donald Trump wegen nationaler Sicherheitsbedenken verhindert. Dabei sollen Verbindungen nach China der Grund für Trumps Entscheidung gewesen sein. Broadcom zog sein Angebot daraufhin zurück. Mehr zu diesem Thema:

3G-Abschaltung: 53 Prozent der Mobilfunk-Nutzer surfen bald im Schneckentempo

Bei aller Euphorie um den zu erwartenden Tempo-Boost durch 5G - die Deutsche Telekom hat gestern ihre ersten beiden 5G-Tarife vorgestellt - sollte man eine Gruppe von Mobilfunknutzern nicht vergessen, die vielleicht bald in weiten Teilen Deutschlands fast ohne Mobilfunk dastehen beziehungsweise nur noch im Schneckentempo surfen können: Die Rede ist von 3G/UMTS-Nutzern.

Denn die Mobilfunkprovider werden nach und nach die 3G-Frequenzen abschalten. Unter anderem deshalb, weil die Mobilfunkprovider einige bisher für 3G/UMTS genutzten Frequenzbereiche für das neue 5G benötigen. So hat beispielsweise 1und1 Drillisch bei der 5G-Auktion der Bundesnetzagentur einige Frequenzbereiche, die bisher für UMTS genutzt werden, ersteigert, um diese ab dem Jahr 2026 für 5G zu verwenden. Laut Spiegel Online führt aber auch eine Vorgabe der Bundesnetzagentur dazu, dass die Mobilfunkbetreiber 3G bald abschalten werden: Bis Ende 2019 müssen die Provider für mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland eine Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde bereitstellen. Das ist mit 3G technisch nicht möglich, dafür ist zwingend LTE oder künftig eben 5G erforderlich.

Nun stellt sich die Frage, wer denn ausschließlich auf 3G/UMTS angewiesen ist. Denn bisher sind doch die meisten Mobilfunknutzer ohnehin schon mit 4G/LTE unterwegs, oder? Mitnichten. In Gebieten, in denen es noch kein 4G gibt, müssen die Mobilfunknutzer derzeit auf 3G ausweichen. Und es gibt durchaus populäre Mobilfunkanbieter, die LTE gar nicht erst anbieten, beispielsweise Lidl Connect. Lidl Connect nutzt zwar grundsätzlich das gut ausgebaute Vodafone-Netz, doch eben ohne dessen 4G/LTE-Frequenzen. Werden nun nach und nach die 3G-Frequenzen abgeschaltet, so schaut der Lidl-Connect-Nutzer in die Röhre.

Tipp: Bei vielen anderen Mobilfunkanbietern ist das anders, Tchibo Mobile oder Aldi Talk zum Beispiel verwenden zwar das etwas schlechter ausgebaute O2-Netz, dafür aber mit dessen 4G/LTE-Frequenzen. Diese Nutzer wären somit von der 3G-Abschaltung nicht derart heftig betroffen wie es beispielsweise nach derzeitigem Stand Lidl-Connect-Nutzer wären. Besonders in ländlichen Gegenden dürfte die 3G-Abschaltung viele Nutzer hart treffen, weil dort mitunter 4G/LTE noch nicht verfügbar ist: Diese Nutzer könnten dann nur noch das langsame 2G-Netz nutzen, worüber Datenverbindungen aber nicht sinnvoll möglich sind.

Doch wie viele Mobilfunknutzer sind denn nun nur mit 3G unterwegs? Laut dem aktuellen Bericht der Bundesnetzagentur (Seite 56) waren Ende 2018 in Deutschland nur 47 Prozent aller ausgegebenen SIM-Karten für Mobilfunknutzer LTE-fähig (50,5 Millionen SIM-Karten). Der Rest, also 53 Prozent oder 57 Millionen, ist tatsächlich noch mit 3G-SIM-Karten im Internet unterwegs (5G spielt derzeit ja noch keine Rolle). Insgesamt gab es Ende 2018 107,5 Millionen aktive SIM-Karten für den Handybetrieb in Deutschland.

Laut Spiegel Online haben einige Mobilfunkprovider bereits konkrete Zielvorgaben für die Einstellungen von 3G genannt: Vodafone will demnach zwischen 2020 und 2021 3G abschalten und die Deutsche Telekom will die 3G-Versorgung nur bis Ende 2020 garantieren.

Wer dagegen bereits mit LTE unterwegs ist, muss so bald keine Abschaltung befürchten. Ganz im Gegenteil bauen die Mobilfunkprovider ihre LTE-Netze weiter aus, wie diese Beispiele von Telekom und O2 exemplarisch zeigen. Und das uralte 2G-Netz (auch als GPRS oder Edge bezeichnet) bleibt für den Versand von SMS und für Sprachanrufe ebenfalls noch bis auf weiteres bestehen.

Ende 2018 gab es laut Bundesnetzagentur 54.911 LTE-Basisstationen. Bei der auf Einwohner bezogenen LTE-Netzabdeckung Ende 2018 erreichten die Deutsche Telekom AG 98 Prozent, Vodafone 93 Prozent und Telefónica Germany 88 Prozent, wie die Bundesnetzagentur mitteilt.

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