2194855

Morgenmagazin vom Freitag, 6. Mai 2016

06.05.2016 | 07:12 Uhr |

Apple kooperiert mit SAP +++ Bürgermeister von Cupertino beschwert sich über Apple +++ Haut als Tocuhscreen +++ 18 Jahre iMac +++ Drohnen: Amazon fordert neue Luftraumregulierung +++ Tesla-Chef schläft in der Fabrik +++ iPhone – einflussreichstes Gadget aller Zeiten

6. Mai: 18 Jahre iMac

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Na, gut erholt von den gestrigen Feierlichkeiten? Wir meinen nicht nur Christi Himmelfahrt in seiner Form als Vatertag, sondern auch den Cince de Mayo, der in Mexiko ein hoher Feiertag in Erinnerung an den Sieg gegen die Franzosen im 19. Jahrhundert ist. Außerdem auch den Tag der Befreiung in Belgien und den Niederlanden, die beiden Nachbarn im Nordwesten gedenken des Kriegsendes, das für sie drei Tage vor der bedingungslosen Kapitulation des Nazireichs kam. In Österreich gedenkt man am 5. Mai an die Opfer des Nationalsozialismus - vielleicht hat das der ein oder andere Nachbar noch im Hinterkopf, wenn er am kommenden Sonntag an die Urne zur Stichwahl geht. Die Japaner feierten gestern an Kodomo no Hi gewissermaßen auch Vatertag, nur eben umgekehrt: Es sind die Kinder, die gefeiert werden und nicht ihre Erzeuger. In Thailand erinnerte man sich indes am Krönungstag an die Thronbesteigung von König Bhumibol im Jahre 1950, er ist somit das dienstälteste Staatsoberhaupt der Welt - und ebenso schnell beleidigt wie andere Staatsoberhäupter, die noch nicht so lange an der Spitze stehen. Aber ganz vorne steht natürlich der Europatag, der an die Gründung des Europarates im Jahr 1949 erinnert. An jenem 5. Mai, kaum vier Jahre nach Kriegsende, waren sich die Europäer einig, dass sie in Zukunft nur miteinander können, um weitere derartige Katastrophen zu verhindern. Ein kluger Gedanke, der 67 Jahre später aber allmählich von einem dumpfen Zorn verdrängt wird. Es ist aber nicht zu spät: Auch für Europa haben wir gestern das Glas erhoben.

Vor allem aber haben wir heute einem guten Freund zur Volljährigkeit zu gratulieren, der uns täglich vom Schreibtisch aus anlächelt: Am 6. Mai 1998 zeigte Steve Jobs den iMac auf der Entwicklerkonferenz WWDC, die damals noch in San Jose stattfand. Der iMac läutete die Wende des Konzerns ein, den viele Ende der Neunziger schon abgeschrieben hatten. Doch erneut gelang es der Obstfirma aus Cupertino, dem Computer ein freundliches Gesicht zu geben, in Referenz an den Original-Macintosh begrüßte der iMac mit einem sanft lächelndem „Hello again“ die Welt. Das, wie es Apple nannte „transluzente“ Plastik fand rasch seine Nachahmer, phantasielose beige Kisten gehören nun der Vergangenheit an. Im Rückblick war für Apple selbst der Farbrausch der iMac-Jahre aber nur eine Phase, schon 2002 löste nüchternes weiß das bunte Gehäuse ab und auch heute ist der iMac in allen Farben zu bekommen, solange es Aluminium und Glas mit schwarzem Rahmen ist. Entscheidender ist ja, was auf dem Bildschirm passiert.

Und auch das zeigte Apple auf der WWDC vor 18 Jahren: Mac-OS X, wie damals das neue, von NeXT übernommene Betriebssystem hieß. Es würde zwar noch fast drei Jahre dauern, bis die finale Version mit dem Codenamen Cheetah es endlich auf die Macs dieser Welt geschafft hat, doch war Entwicklern nach einer langen Zeit der Verwirrung endlich klar, wohin Apple mit seinem Betriebssystem wollte. Nichts mehr mit den Yellow- und Blueboxes des Rhapsody-Konzepts, nur noch das „klassische“ Mac-OS würde in einer eigens geschaffenen Umgebung laufen. Kluge Leute hatten damals auch schon erkannt, dass Mac-OS X flexibel skalierbar ist und deshalb auch für weit mobilere Geräte geeignet ist, als den damals per Henkelgriff nur halbwegs transportable Bondi-Blue-iMac. Den Erfolg des iPhone und des iPad konnte man damals nur schwerlich voraussagen, doch präsentierte Apple an jenem 6. Mai 1998 das Fundament dafür. Peter Müller

Lesetipp für den Freitag

Neuer Partner: Apple will sich verstärkt an Unternehmenskunden richten und geht zu diesem Zweck eine Partnerschaft mit dem Softwarehersteller SAP ein. Die beiden Firmen werden native Apps für iOS entwickeln, die sich an die Hana-Plattform von SAP richten und dazu auch ein SDK. SAP sei der ideale Partner, Apple dabei zu helfen, das Business weltweit auf iPhone und iPad zu bringen, freut sich Apple-CEO Tim Cook. SAP werde bei der Entwicklung seiner Unternehmenslösungen Apples Programmiersprache Swift einsetzen. Im Sommer 2014 hatte Apple bereits eine Business-Partnerschaft mit IBM eingegangen, in deren Folge zahlreiche Business-Apps entstanden. Die Hoffnung, IBMs starkes Vertriebsnetz werde auch dem iPad zu neuem Wachstum verholfen, hat sich bisher nicht erfüllt.

Beschwerde: Der Bürgermeister der Stadt Cupertino, Barry Chang, hat sich über das prominenteste Unternehmen seiner Gemeinde beim Guardian beklagt. "Apple missbraucht uns". Der Grund zur Klage: Die Stadt mit ihren 60.000 Einwohnern platzt dank der boomenden IT-Firmen in der Umgebung aus allen Nähten und hat mit ihrer veralteten Infrastruktur mit massivem Verkehrsproblemen zu kämpfen. Die gewünschte Lösung: Apple müsse mehr Steuern zahlen. Doch sei kürzlich ein Gesprächsversuch an der Apple-Security gescheitert, die den verdutzten Bürgermeister aus der Lobby am Infinte Loop 1 heraus begleitete, Chang habe keine Einladung gehabt. Unterstützung des Stadtrates bekomme er auch nicht, dieser wolle Apple nicht zu nahe treten und habe gegen eine Sindersteuer in Höhe von 100 Millionen US-Dollar für Infrastrukturmaßnahmen gestimmt. Auf der anderen Seite machen Bürger auf den erst im Dezember 2015 gewählten Bürgermeister Druck, er würde seine Aufgaben in Sachen Steuereintreibung nicht erledigen.

Die Bürgerrechtsorganisation Citizens for Tax Justice hat vorgerechnet, dass Apple dem Staat fast 60 Milliarden US-Dollar an Steuern schulden würde, hätte der Mac-Hersteller nicht seine Gewinne im Ausland gelagert und dort über gewisse Maßnahmen Steuern vermieden. Apple seinerseits dementiert den Missbrauch mit dem "Double Irish"-Konstrukt und stellt sich auf den Standpunkt, jeden Dollar Steuern zu zahlen, den das Unternehmen der Gemeinschaft schulde.

Die Haut als Touchscreen: Forscher der Carnegie Mellon Universität haben ein Konzept namens Skin Track vorgestellt, das die Haut des Trägers dazu nutzt, ein Wearable wie eine Smartwatch zu bedienen. Skin Track besteht aus einem Ring der elektrische Signale in hoher Frequenz emittiert und eine mit Elektroden vollgepacktes Armband, welche die Spannungsunterschiede misst, die sich je nach Auflage des Fingers auf dem Unterarm ergeben, an denen Ring und Armband angelegt sind. Der gesamte Unterarm wird damit zum Trackpad, für eine Interaktion mit dem Bildschirm der Smartwatch muss man diesen nicht mehr berühren und hat somit stets den Blick auf die Inhalte frei.

Erfolg ist relativ: Apple nennt nach wie vor keine Verkaufszahlen für die Apple Watch, doch kann man davon ausgehen, dass im ersten Jahr etwa 12 Millionen Uhren aus Cupertino den Weg an die Handgelenke der Käufer fanden. Das ist weit mehr, als Apple im ersten Jahr iPhones verkaufte und erreicht in etwa das Volumen, welches das iPad erreichte - damals waren es 14 Millionen Geräte im ersten Jahr. Mit der Verkaufskurve des iPad werde man die der Apple Watch auch weiterhin vergleichen können, meint unser Macworld-Kollege Jeff Carlson. Vor allem die für dieses Jahr zu erwartende zweite Generation erreiche mit ihren vermuteten Verbesserungen bei Hardware und Software zahlreiche neue Käufer, denen das erste Modell noch zu unausgereift erscheint. Doch dann werde sich die Nachfrage auf einem Plateau bewegen und womöglich mit der Zeit wieder zurückgehen und nicht wie beim iPhone ewig - also gut acht Jahre - weiter anwachsen.

Lücke geschlossen: Apple hat immerhin anderthalb Monate gebraucht, aber jetzt sind zwei Lücken in der Entwicklungsumgebung Xcode geschlossen, die den Client zum Management von Git-Code betroffen hatten. Dieser ist nun auf Version 2.7.4 aktualisiert und die bekannten Fehler CVE‑2016‑2324 und CVE‑2016‑2315 behoben.

Weitere Nachrichten

Drohnen: Amazon fordert neue Luftraumregulierung

Online-Händler Amazon, dessen eigene Drohne eher einem Pferd ähnelt , hat auf der Drohnenkonferenz Xponential Forderungen für eine weltweite Luftraumregulierung formuliert. Die aktuelle Luftraumverwaltung in den USA und Europa ist dem Unternehmen bei der Umsetzung seines Drohnen-Lieferdienstes Amazon Prime Air ein Dorn im Auge.

Aus diesem Grund fordert Amazon-Manager und Leiter des Amazon-Drohnenprogramms Gur Kimchi laut einem Bericht von heise.de eine einheitliche Regelung. Diese sieht eine Aufteilung der Luftbereiche in mehrere Zonen vor. Die Höhe zwischen 61 und 122 Metern soll nur Drohnen vorbehalten bleiben, die auf langen Strecken hohe Geschwindigkeiten fliegen.

Hobby-Drohnenpiloten sollen auf einer Höhe von unter 61 Metern Platz finden. Flughäfen will Amazon in der neuen Regulierung als Flugverbotszonen für Drohnen einrichten. Temporäre Flugverbote für Drohnen sieht Amazon für temporäre Einsätze etwa für Rettungshubschrauber vor.

Tesla-Chef schläft in der Fabrik

Tesla-Chef Elon Musk zieht selbst in die Fabrik, um den bisher größten Produktions-Schub des Elektroauto-Spezialisten zu überwachen. "Mein Schreibtisch steht am Ende der Fertigungslinie. Ich habe einen Schlafsack in einem Konferenzraum daneben, den ich recht häufig nutze", erzählte der Milliardär Branchenanalysten nach Vorlage aktueller Zahlen am späten Mittwoch.

Mit diesen Worten wollte Musk vor allem unterstreichen, wie weit jeder bei Tesla gehen würde, um den auf 2018 vorgezogenen Sprung auf 500000 Autos pro Jahr zu schaffen. Zugleich illustrierte er damit aber auch, wie weit der Weg für Tesla noch ist.

Nicht nur, dass die Firma aus dem Silicon Valley im vergangenen Jahr erst etwas über 50000 Fahrzeuge auslieferte. Die Produktion des um mehr als ein Jahr verzögerten SUV Model X lief bis zuletzt auch nach Monaten noch holprig. "Diesen Freitag um 3.00 Uhr morgens haben wir unsere erste makellose Produktion des Model X geschafft, bei dem wir ohne Probleme durch den ganzen Fertigungsprozess gekommen sind", sagte Musk. "Das war ein großartiger Meilenstein", fügte er hinzu - und in seiner Stimme schien Selbstironie durchzuklingen.

Die Elektroautos von Tesla haben die Branche aufgemischt, die rund 400000 Vorbestellungen bei dem für Ende 2017 angekündigten günstigeren Wagen Model 3 binnen weniger Wochen sind ein Zeichen für das Interesse der Verbraucher. Doch jetzt steht Tesla vor ihrer größten Herausforderung: Der fehlerfreien Massenproduktion.

Das Ziel von 500000 Fahrzeugen pro Jahr zog Musk nun kurzerhand von 2020 auf 2018 vor. Wer jetzt ein Fahrzeug des Model 3 bestelle, sollte es 2018 bekommen, versprach er. In vier Jahren könne Tesla bereits auf die Kapazität von einer Million Autos kommen.

Dabei darf sich Tesla dann aber auch nicht die Qualitätsprobleme erlauben, über die zuletzt einige Neubesitzer des Model X klagten. Bei manchen gingen die markanten Flügeltüren nicht mehr auf, andere kritisierten die Verarbeitung. Und das sind Leute, die schmerzfrei über 100000 Dollar hinblätterten und bereit waren, jahrelang zu warten. Die Toleranzschwelle der Model-3-Käufer dürfte da eine andere sein, vom größeren Ausmaß einer Rückrufaktion ganz zu schweigen. Musk ist das bewusst: "Wir sind versessen darauf, der beste Hersteller der Welt zu werden", betonte er.

Helfen soll auch, dass beim Model 3 auf unnötigen technischen Schnickschnack, der die Produktion komplizierter und anfälliger für Fehler mache, verzichtet worden sei. Eine Fliege könne man mit einer Atombombe, einer Maschinenpistole oder einer Fliegenklatsche töten, erklärte der für markante Worte bekannte Tesla-Chef als Vergleich. Die Botschaft: Beim Model 3 will Tesla nach den teuren Flügeltür-Experimenten auf dem Boden bleiben.

Zugleich sind die grundsätzlichen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Elektrofahrzeuge nicht ausgeräumt. "Wo sind Elektroautos erfolgreich? In den Märkten, in denen es staatliche Eingriffe gibt", sagt etwa der Branchenexperte Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture. Die Kosten pro gefahrenen Kilometer inklusive Anschaffung, Wartung und Strom bzw. Sprit seien beim Elektrofahrzeug höher als beim Verbrennungsmotor - "und dann gehört angesichts der praktischen Einschränkungen im Alltag sehr viel Idealismus dazu, wenn Sie auf ein solches Fahrzeug umsteigen". Erst wenn es in einigen Jahren die erwarteten Fortschritte bei Batterie-Technologien gäbe, "dann ist das ein anderes Spiel".

In einigen Märkten wie Norwegen profitierte Tesla von staatlicher Förderung Elektrofahrzeuge. In Deutschland sind aber die beiden aktuellen Modelle des Konzerns wegen ihres Preises von der geplanten Kaufprämie von 4000 Euro ausgeschlossen. Es gibt eine Obergrenze von 60000 Euro - und bei Tesla kostet die günstigste Version des Model S gut 88000 Euro. Tesla kritisiert die Schwelle als willkürlich und verweist nebenbei darauf, dass die Vorschläge zusammen mit den Chefs der deutschen Konkurrenten entworfen worden seien. (dpa/rs)

iPhone – einflussreichstes Gadget aller Zeiten

Die Redakteure des Time Magazine aus dem Ressort Technik haben eine Liste der Gadgets erstellt, die am meisten die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten beeinflusst haben. Bewusst haben Lisa Eadicicco, Matt Vella und Kollegen von den eher abstrakten Technologie-Konzepten abgesehen wie Elektrizität, Schrift oder dergleichen, sondern konkrete Gegenstände herausgepickt, die diese Konzepte in den Alltag bringen. Fünfzig Geräte haben es auf die Liste geschafft, vier davon stammen aus dem Hause Apple.

Am weitesten unten auf der Liste landet das iPad immerhin auf dem Platz 25. Demnach ist das iPad das erste Tablet, das die wichtigsten Eigenschaften in einem vereint: (damals relativ geringes) Gewicht, Displaygröße (Die Vorgänger waren kleiner) und das Betriebssystem, das an Touch-Eingaben ausgelegt war. Die nächsten Produkte von Apple schafften es allsamt in die Top-Ten der Liste, auf dem Platz neun gleich das iPod . Der Musik-Player beschritt gleich in drei Richtungen neue Wege: Einerseits förderte der iPod die Piraterie, da er Platz für Tausende Songs schaffte, andererseits wies er auch der Musikindustrie zukünftige Vertriebsmöglichkeiten – 2003 ist der iTunes Store gestartet , 2015 - Apple Music . Drittens war der iPod ein Türöffner für Apple bei einer neuen Nutzergeneration: Wer sich damals ein iPod kaufte, griff ein paar Jahre danach zum Macbook, rund ein Jahrzehnt später wechselten viele iPod-Käufer zum iPhone.

Auf dem Platz drei landet der Macintosh , der erste Rechner mit einem menschlichen Gesicht. Zwar hat Windows als Betriebssystem die Erfindung von Apple bald abgehängt, der erste Macintosh änderte aber für immer die Vorstellung, wie ein Rechner mit dem Menschen kommunizieren sollte.

Auf dem Platz eins landet wenig überraschend das iPhone. Nicht mal die ersten drei Funktionen, die Steve Jobs bei der Macworld Expo angepriesen hat (Telefon, Musikplayer und Internet-Browser), sind ausschlaggebend. Das iPhone hat laut Time für immer Art und Weise geändert, wie die Menschen kommunizieren, einkaufen, spielen, Alltagsaufgaben erledigen. Nach dem Motto "There is an app for that" brachte der App Store eine komplett neue Kategorie der Software, die sich seitdem fest etabliert hat. Das iPhone änderte das Verhältnis der Nutzer zur Kommunikation und der Technologie, diese ist deutlich näher und inniger geworden. Laut Time wird diese Änderung uns noch weitere Jahrzehnte, vielleicht in anderen Ausprägungen, begleiten.

2194855