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Morgenmagazin vom Mittwoch, 1. Juli 2020

01.07.2020 | 07:00 Uhr | Peter Müller

Irres Gerücht: macOS für das iPhone +++ Apple will angeblich Apple Arcade umbauen +++ Weitere Apple Stores müssen wieder schließen +++ Patent will Airdrop verbessern +++ WD Red: Amazon verschickt falsche Festplatten +++ Hey Google: Smart-Home-Event für Juli angekündigt +++ Amazon Prime Video: Watch Party mit bis zu 100 Nutzern

1. Juli: Außerhalb der Reihe

Macwelt wünscht Guten Morgen! Seitdem Horst Köhler im Frühsommer 2010 plötzlich keine Lust mehr auf das Amt des Bundespräsidenten hatte, ist das Antrittsdatum des Staatsoberhaupts aus dem Takt geraten. Bis einschließlich Köhler - und der gleich zwei mal - begann die Amtszeit eines Bundespräsidenten immer am 1. Juli. Köhlers Demission machte eine Neuwahl außer der Reihe notwendig, bei der der zweite Kandidat der Kanzlerin erst im vierten Wahlgang die erforderliche Mehrheit erreichte. Für Christian Wulff war dann aber auch schon bald Schluss, erst Joachim Gauck konnte fünf Jahre lang der Republik als oberster Repräsentant dienen. Aber eben auch außerhalb der Reihe, beziehungsweise in einer neuen Ordnung. Er und Frank-Walter Steinmeier traten ihre Ämter jeweils im Spätwinter an.

Horst Köhler hätte schon in seiner ersten Amtszeit die Geschichte der Bundesrepublik nachhaltig verändern können, in Folge des 1. Juli 2005. Exakt ein Jahr nach Köhlers Amtsantritt, der überhaupt erst den Mehrheitsverhältnissen im Bundesrat und schlussendlich der Bundesversammlung entsprang, zog Kanzler Gerhard Schröder die Konsequenzen aus den geänderten Mehrheitsverhältnissen in der Länderkammer und wollte schon ein Jahr vor dem geplanten Termin die Bürger an der Wahlurne um ein neues Votum bitten. Wahlkämpfen konnte er ja wie kaum ein Zweiter oder eine Zweite, lieber gleich in die Offensive gehen, als sich noch anderthalb Jahre von der Opposition via Bundesrat kujonieren lassen. Doch sind der Auflösung des Bundestags und der Ausrufung vorzeitiger Neuwahlen gewisse Grenzen gesetzt, der Kanzler kann das Parlament nicht auflösen –  das kann nur der Bundespräsident in einem engen verfassungsrechtlichen Rahmen.

Schon einmal war es in der Geschichte der Bundesrepublik zu vorzeitigen Neuwahlen gekommen, kurz nach dem Amtsantritt via konstruktivem Misstrauensvotum suchte Schröders Vorgänger Helmut Kohl trotz komfortabler Mehrheit im Bundestag und sogar dem Bundesrat das Votum des Wahlvolkes: Also stellte er dem Parlament die Vertrauensfrage, verlor sie gemäß der Absicht und bat den Bundespräsidenten Karl Carstens um eben die gewünschten Neuwahlen. Schröder suchte den gleichen Weg, verlor am 1. Juli 2005 die Vertrauensfrage und bat Präsident Köhler um Auflösung des Bundestages und den Startschuss zum Wahlkampf. Doch Köhler zögerte, merklich länger als sein Vorgänger, bis er dem Plan nachkam. Schröders Kalkül ging beinahe auf, beinahe hätte seine im Sommer 2005 noch hoffnungslos abgeschlagene Partei die stärkste Fraktion gestellt und dann wohl auch weiter den Kanzler, nicht einmal ein Prozentpunkt fehlte in der Endabrechnung.

Sein Vorgänger - und hinsichtlich Vertrauensfrage auch Vorbild - Helmut Kohl hatte vor seiner zweiten Wiederwahl (die dann auch erfolgte) im Sommer ein ähnliches Problem: Kaum jemand setzte auf den Kanzler. Doch im Herbst 1989 war die Mauer gefallen, im Frühjahr gewann eine von Kohls Partei geschmiedete Allianz die Volkskammerwahl (auch dank einer Jungpolitikerin, die letztlich Schröder ins Amt folgen sollte) und am 1. Juli 1990 trat das in Kraft, was die Bürger der DDR von ihren Brüder und Schwestern in Bonn und Umgebung gefordert hatten: Käme die D-Mark nicht zu ihnen, würde sie zu ihr kommen.

Politisch war das vermutlich ohne Alternative, ökonomisch aber der Wahnsinn, da den meisten Betrieben der siechenden DDR mit einem Schlag die Kundschaft aus den Ländern des zu Ende gehenden Ostblocks wegfielen. Die DDR konnte auch nicht mehr ihre Währung abwerten, um konkurrenzfähig zu bleiben, die Einheit, das wussten viele, würde teuer werden. Wenn auch – alternativlos. Nur gesagt haben das damals nur Leute, die anschließend die Wahlen verloren, andere versprachen blühende Landschaften. Auch in funktionierenden Gemeinwesen mit funktionierender Gewaltenteilung und einer freien Presse hören die Leute anscheinend nur das, was ihnen gefällt.

Lesetipps für den Mittwoch

Aus beiden Welten: Als der Mac einen Intel-Chip bekam, konnte man Windows nativ auf ihm ausführen. Jetzt bekommt der Mac ARM-Chips, die Apple selbst entwickelt: Apple Silicon. Jede iPhone- und iPad-App wird sich auf diesen Maschinen der nahen Zukunft ausführen lassen, der Gedanke lag schon lange nah, dass iPadOS auf den Mac kommen würde, wenn denn der Umstieg abgeschlossen ist. Falsch gedacht, behauptet ein Leaker, es sei komplett anders: Auf dem iPhone werde man in Zukunft eine Version des macOS für Apple Silicon laufen lassen können. Damit würde man ein iPhone in ein Dock stecken können, das mit einem Monitor verbunden ist und an dem Tastatur und Maus oder Trackpad hängen: Echte Desktoperfahrung mit dem Mac. Apple arbeite bereits an Prototypen, die womöglich wie Intel-Macs zwei unterschiedliche Betriebssysteme booten könnten. Zu 95 Prozent sei das sicher, behauptet der Leaker, der den Anschein erweckt, selbst in dem Projekt bei Apple involviert zu sein. Unser Höllenkolumnist Macphisto hätte jetzt auch das passende Zitat bereit: "Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube."

Strategiewechsel: Laut eines Bloomberg-Berichts will Apple seinen Spiele-Service Apple Arcade umbauen. Einige Entwickler hätten bereits im April Kündigungen erhalten. Der Grund dahinter sei, dass viele der Spiele, gerade die aufwendigeren, die Kunden nicht so fesseln würden wie erhofft. Etwa Oceanhorn 2, das zu  viel Aufmerksamkeit erfordere und mit seinen kleinen Bedienelementen eher nach einem großem Bildschirm verlange und nach der Steuerung mit dem Controller. Doch mit den wirklich bedeutenden Konsolen-Spielen könnten auch diese Titel nicht mithalten. Ein positives Beispiel für ein Arcade-Spiel sei hingegen Grindstone, bei dem man immer nun simpel drei passende Objekte miteinander verknüpfen muss. Apple wolle mehr solcher Spiele und überdenke auch seine bisherige Strategie, nur exklusive Inhalte in Apple Arcade zu bieten. Z gerne hätte man auch Titel wie Threes oder Altos Odyssey im Angebot, die einerseits fesseln und sich andererseits auch so nebenbei vor dem Fernseher auf dem Mobilgerät zocken ließen.

Reaktion : Apple muss in Folge wieder zunehmender Corona-Infektionen in den USA etliche Stores ab heute wieder schließen. Betroffen sind Niederlassungen vor allem in Texas, wo gleich zehn Läden wieder dicht machen, aber auch die Bundesstaaten Florida, Mississippi und Utah. In anderen Landesteilen kann Apple einzelne Stores wieder eröffnen. Bisher vereinbarte Termin werden bis 2. Juli auch noch wahrgenommen, neue Kunden dürfen nicht mehr rein und dann niemand mehr. Wie lange die neuen Schließungen dauern, ist offen. Auch in Australien und UK müssen einzelne Apple Stores wieder schließen.

Mehr Licht: Wir schreiben das Jahr 2020 und es gibt weder fliegende Autos, noch Raketenrucksäcke oder bemannte Marsmissionen. Noch nicht einmal das Lichtschwert haben sie erfunden. Den Patentantrag, den Apple nun gestellt hat, kommt dem nicht einmal nah, obwohl Laser mit im Spiel sind. Genau, Laser. Deren Strahlen kehren aber nicht nach einem guten Meter wieder aus unerfindlichen Gründen um und bringen die Luft um sie herum zum Leuchten, sondern emittieren Licht im Infrarotbereich, das eine Laserdiode absorbiert. Dabei geht es um Datenübertragung von großen Dateien von iPhone zu iPhone auf möglichst sichere Weise, wie Patently Apple erklärt. Mit kohärentem und gebündeltem Licht kann man nicht nur weit mehr Informationen in gleicher Zeit übertragen als heute per WLAN und Bluetooth oder früher per Infrarotdiode, sondern den Strahl auch genau ausrichten. So werden "man in the middle"-Attacken enorm erschwert, da das Lichtfeld auf einen kleinen Bereich konzentriert ist und nicht weit in die Umgebung strahlt. Wie bei allen Apple-Patenten gilt: Wann daraus ein Produkt wird oder überhaupt, ist ungewiss. Für Airdrop wäre eine derartige Technologie aber eine Erweiterung oder Ablösung unter einem anderen Namen.

Fortschritt: Apples App Sprachmemos bekommt unter iOS 14 und macOS Big Sur deutliche Verbesserungen. Vor allem bei der Aufnahme soll man nun auf Knopfdruck bessere Ergebnisse erhalten, da die Software Hintergrundgeräusche und Raumhall ausblendet. Intelligente Ordner sollen das Sortieren von Aufnahmen erleichtern, einzelne Aufnahmen lassen sich als Favoriten markieren und so später besser auffinden.

Hell und heller: Beteigeuze (oder Betelgeuse), der linke Schulterstern des Orion, ist ein Roter Riese, ein Stern, dessen Wasserstoff längst verbrannt ist und der sich zu enormer Größe aufgebläht hat, während er Helium zu schwereren Elementen verbrennt. Von Oktober 2019 bis April 2020 waren deutliche Helligkeitsschwankungen aufgefallen, für Rote Riesen an sich normal, aber selten in der Amplitude. Beteigeuze könnte daher kurz vor einer Supernova stehen, deren Leuchtkraft am Nachthimmel die des Vollmondes übertreffen würde. Sogar tagsüber wäre der Stern für einige Tage oder gar Wochen zu sehen - momentan steht Orion wieder hinter der Sonne, die "Hundstage" werden ihn wieder in den sichtbaren Bereich bringen. Eine mögliche Erklärung für die Helligkeitsschwankungen wollen nun Forscher um die Astronomin Thavisha Dharma­wardena vom Max-Planck-Institut für Astrophysik gefunden haben. Diese seien auf eine stark gesunkene Temperatur an der Sternoberfläche zurückzuführen, die von Flecken ausgelöst wurde – ähnlich wie Sonnenflecken, aber bis zu 70 Prozent der Sternoberfläche bedeckend. Der Fleckenmechanismus unserer Sonne und vor allem dessen elfjähriger Zyklus ist noch nicht hinreichend verstanden, weitere Beobachtungen der Beteigeuze könnten hier die Forschung vorantreiben. Eine Supernova in nächster Zeit ist aber unwahrscheinlich, die kann noch hunderttausende Jahre auf sich warten lassen.

WD Red: Amazon verschickt falsche Festplatten

Wer aktuell auf der Suche nach einer neuen Festplatte für sein NAS-System ist und bei Amazon einkaufen möchte, sollte die Lieferung genau in Augenschein nehmen. Denn es mehren sich die Beschwerden über fehlerhafte Bestellungen bei Festplatten der Serie WD Red. Diese werden in zwei Versionen mit unterschiedlicher Technik angeboten: Die Version mit dem Kürzel EFRX setzt auf CMR (Conventional Magnetic Recording), die EFAX-Version nutzt hingegen SMR (Shingled Magnetic Recording). Mehrfach erhielten Kunden anstatt der bestellten CMR-Version die SMR-Version der WD Red. Dies ist aus mehreren Gründen ärgerlich. Einmal kostet die SMR-Version meist weniger und überschreibt alte Daten langsamer als die CMR-Version. Außerdem eignet sich das SMR-Modell aufgrund des Aufzeichnungsverfahren nicht für den RAID-Betrieb, andernfalls kann Datenverlust beim Ausfall einer Platte drohen.

Bestellungen der WD Red bei Amazon sollten von Käufern entsprechend genau geprüft werden. Liegt anstatt der bestellten SMR-Version die CMR-Version im Paket, sollte der Support kontaktiert werden. Auf die mitgelieferte Luftpolsterfolie sollte man sich hingegen nicht verlassen. Auf dieser sei oft die falsche Modellbezeichnung zu finden. Western Digital ist hierfür nicht verantwortlich, Verkauf und Versand übernimmt Amazon selbst. 

 

Hey Google: Smart-Home-Event für Juli angekündigt

Als Ersatz für die in diesem Jahr abgesagte Google I/O Konferenz will Google im Juli ein Online-Event abhalten, das sich mit dem Thema Smart Home befasst. Der sogenannte "Hey Google" Smart Home Virtual Summit findet am 8. Juli 2020 statt.

Der Event startet mit einer Keynote von Michele Turner, der Senior Direktorin von Googles Smart Home Ecosystem. Sie wird laut Google die neuesten Smart-Home-Entwicklungen des Internet-Konzerns präsentieren. Ebenfalls auf dem Plan steht die Vorstellung neuer Tools, die die Entwicklung von Anwendungen für den Google Assistant erleichtern sollen.

Nach der Keynote plant Google beim Smart Home Virtual Summit noch einen Partner Panel, bei dem unterschiedliche Unternehmen darüber sprechen, wie sie mit der Covid-19-Pandemie umgehen und welche Erfahrungen sie in den vergangenen Monaten sammeln konnten. Auf der offiziellen Website zum Event können sich Nutzer und Entwickler kostenlos registrieren und den detaillierten Veranstaltungsplan einsehen. Die Keynote mit Michele Turner startet um 19:00 Uhr und endet 19:45 Uhr. Der Partner-Panel beginnt im Anschluss um 20:00 Uhr.

Amazon Prime Video: Watch Party mit bis zu 100 Nutzern

Aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie mussten in den vergangenen Monaten viele Kinos vorübergehend schließen. Amazon Prime Video will Kinostimmung nun im heimischen Wohnzimmer aufkommen lassen. Mit dem neuen Modus Watch Party können bis zu 100 Prime-Video-Nutzer gleichzeitig einen Film oder eine TV-Serie anschauen und dabei miteinander chatten.

Das Feature ist aktuell nur für Prime-Mitglieder in den USA verfügbar und funktioniert nur über Amazon Prime Video im Web-Browser. Davon ausgenommen ist Apples Safari. Wann und ob der Modus auch nach Deutschland kommt, ist noch unklar. Die Watch Party kann über das entsprechende Icon in jeder TV-Serien-Episode und jedem Film auf Amazon Prime Video gestartet werden. Im Anschluss können Nutzer einen Chat-Namen auswählen und schließen mit einem weiteren Klick die Vorbereitungen für die Watch Party ab. Mit einem Link können bis zu 100 Freund und Bekannte eingeladen werden. Sie müssen lediglich auf den Watch-Party-Link klicken und gelangen damit automatisch zum Film oder TV-Serie sowie zum zugehörigen Chatroom. Der Chatverlauf wird rechts neben dem Film-Fenster angezeigt. Der Nutzer, der die Party gestartet hat, kann den Film jederzeit Starten und Pausieren.

Aktuell befindet sich der Watch Party Modus noch in der Beta-Phase. Es bleibt abzuwarten, ob das Feature in naher Zukunft auch für Apples Safari-Browser sowie für andere Systeme wie Smart-TVs, Amazons Fire TV, Spielkonsolen, Smartphones, Tablets oder Media Player verfügbar sein wird.

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