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Morgenmagazin vom Mittwoch, 10. April 2019

10.04.2019 | 07:05 Uhr |

Kuo: Neues Macbook Pro erst 2021, 31,5-Zoll-Monitor schon bald +++ AAPL wieder auf dem Weg zur Billion +++ Apple bietet 0-Prozent-Finanzierung an +++ Apple will Apps auch abseits des Mac App Store überprüfen +++ China will Kryptomining verbieten +++ Go Europe: Mozilla ruft zur Teilnahme an der EU-Wahl auf +++ Digitales Vermummungsverbot: Kommentare in Österreich nur noch mit Handy-Nummer

10. April: Tief in der Krise

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Der Mac, wie wir ihn kennen und schätzen, hat die Welt des Computings ein für alle mal verändert. Seit seinem Start im Januar ging es nur nach oben. Fehlschläge kennt Apple keine.

Ganz so stimmt das auch wieder nicht. Ja, der Mac hat mit seiner grafischen Benutzeroberfläche und seinem Sinn für Kompaktheit und Design den Anwender dazu gebracht, den Computer völlig neu zu denken. Er hatte einen gewiss spektakulären Auftritt, der vieles überstrahlte. Aber Apple führte er erst einmal in die die Krise.

Wer sich heute einen neuen Mac kauft, staunt auf den ersten Blick darüber, mit wie wenig RAM die Maschinen ausgestattet sind, selbst der neue iMac kommt ab Werk nur mit 8 GB daher. Auf den zweiten Blick staunt man, wie teuer das Upgrade ist und auf den dritten, dass 8 GB meist doch ausreichen, vor allem, wenn man ein Modell mit einer schnellen SSD im Einsatz hat. Es scheint aber, dass das Knausern beim RAM bei Apple Tradition hat - und hier kommen wir wieder zum originalen Mac von 1984 zurück. Denn dieser brachte gerade einmal 128 Kilobyte Arbeitsspeicher mit. Das war vor allem ein Problem beim Installieren und Ausführen von Software von Drittherstellern - aber genau auf diese Vielfalt war Apple angewiesen. So stapelten sich im Weihnachtsgeschäft unverkäufliche Macs, erst das Upgrade auf 512 Kilobyte ROM half dabei, einen Flaschenhals im System zu beseitigen.

Zu spät, das 1985 im Spot von Tony Scott vollmundig angepriesene "Mac Office" war auch mehr Vision als Produkt, im April 1985 musste Apple erstmals in seiner Geschichte einen Quartalsverlust bilanzieren. Vielleicht stammt die ewige Geschichte "Apple is doomed" ja aus dieser Zeit, böse Zungen behaupten aber, die Erzählungen von Apples Niedergang hätten bereits am 2. April 1976 begonnen, am Tag nach dem Eintrag in das Handelsregister.

Am 10. und 11. April 1985 traf sich Apples Aufsichtsrat zu einer schier nicht enden wollenden Krisensitzung, in der dieser schließlich das Hauptproblem identifizierte: Steve Jobs. Zumindest gelang es John Sculley, das Gremium davon zu überzeugen, dass der Gründer und Vice President und General Manager der Macintosh-Abteilung sich doch besser aus dem Tagesgeschäft zurückziehe und das lieber Profis wie ihn machen lasse. "Er oder ich", lautete die kaum verklausulierte Drohung. Ende Mai 1985 verlor Steve Jobs schließlich seine Posten und verließ das Unternehmen im September des gleichen Jahres. Sculley indes leitete Apple zur Profitabilität, vor allem mit dem gut laufenden Geschäft des Apple II. Doch auch der von Jobs von Pepsi nach Cuperino geholte Manager sollte sich verzetteln, mit dem News, sieben Jahre nach Steve Jobs' Abgang.

Mittlerweile ist Steve Jobs seit sieben Jahren verstorben, seinem Nachfolger Tim Cook schimpften Besserwisser schon am Tag von dessen Beförderung zum CEO hinterher, er sei doch nur ein Buchhalter und kein Visionär. Zweifelsohne hat er Apple nach Jobs zu einer Geldmaschine gemacht, seit dem iPhone ist Apple aber keine echte Produktrevolution mehr gelungen. Wobei, wenn wir ehrlich sind: Vor dem iPhone waren es auch nur überschaubar viele und was Apple heute alles im Verborgenen entwickelt, entzieht sich unserer Kenntnis. Tim Cook muss nun aber nicht mehr wie sein Vorgänger die ganze Firma auf ein Produkt verwetten, es wird auch in Zukunft mehr Evolution als Revolution geben.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Apple Watch, die Cupertino konsequent an ihren Lebensraum angepasst hat. Vermutlich kannte Steve Jobs noch die ersten Pläne für die Uhr, vorbestellten konnte man das erste wirklich neue Produkt der Cook-Ära am 10. April 2015, 30 Jahre nach jener dramatischen Krisensitzung. Damals wartete die Welt auf den großen Wurf, herausgekommen ist ein Produkt, von dem offensichtlich sogar der Hersteller nicht genau wusste, was er davon halten soll. Modeaccessoire? Hochleistungscomputer am Handgelenk? Ultimatives Fitness- und Gesundheitsgerät? Genau in letztere Richtung scheint sich nun die Apple Watch tatsächlich zu entwickeln. Auch wenn Tim Cook manchmal etwas euphorisch klingt und der Uhr Eigenschaften zuspricht, die sie (noch) nicht hat - und der Mann soll keine Visionen haben? Natürlich kann die Apple Watch keinen Krebs heilen oder dergleichen, die EKG-Funktion hilft aber bei der Früherkennung von Herz- und Kreislaufkrankheiten. Und was das schicke Teil am Handgelenk für die Motivation von Couch-Potatoes leistet, kann man nicht hoch genug schätzen. Wenn dann eines Tages auch noch die Messung von Blutdruck und -zucker hinzukämen, wäre das zwar keine technische Revolution mehr, aber eine sehr hohe Stufe der Evolution: Die Apple Watch würde zu einem absoluten Must-Have für den Gesundheitsbereich.   Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Später: Neues Macbook Pro im Herbst 2019? Mit neuem Design, vor allem bei der Tastatur, eventuell wieder ohne Touchbar? Und das Ganze optional auch wieder in 17 Zoll? Ming-Chi Kuo hatte vor kurzem mit einer derartigen Prognose aufhorchen lassen. Nun aber rudert der meist gut aus Zuliefererkreisen informierte Analyst zurück und verschiebt den prognostizierten Termin. Das neue Macbook Pro mit 15 und 17 Zoll werde erst in der ersten Hälfte 2021 erscheinen - dazwischen wird es also noch ein Update für das aktuelle Modell geben. Schon bald werde aber das neue Profi-Display in 31,6 Zoll geben, Kuo erwartet es für das zweite oder dritte Quartal 2019.

Klarer Unterschied : Wir haben es in unserem Test des iMac 2019 angemerkt: Der T2 fehlt, was sich besonders beim Videoencoding bemerkbar macht. Apple Insider hat nun genauer verglichen, welchen Einfluss der auf ARM-Architektur basierende Co-Prozessor hat. Gegeneinander angetreten sind der iMac 4K von 2019 gegen den kleinsten Mac Mini von 2018, die beide mit einem Core i3 der achten Generation ausgestattet sind. Nur der T2 macht hier den Unterschied, der ist aber gewaltig. Ein Grund mehr, Apples Entscheidung, auf den T2 im neuen iMac zu verzichten, anzuzweifeln. Aber das nächste Modell kann das wieder ändern.

Erfolgsaussichten : Apple TV+ muss nicht innovativ sein, um erfolgreich zu werden, meint Jason Cross. Apples Streamingdienst bringt nichts Neues, was man nicht schon von Amazon und Roku kenne. Es sind aber die Inhalte, welche die Leute dazu bringen, Abos abzuschließen und nach einem Jahr wieder zu erneuern. Als Beispiel nennt Cross HBO und dessen Blockbuster "Game of Thrones" . Die achte Staffel beginnt an diesem Freitag und schon kann sich HBO über einen merklichen Anstieg der Aboerneuerungen freuen. Das hat Ttradition: Seit vor gut zwanzig Jshren die Sopranso bei HBO starteten, hat der Anbieter immer wieder Serien gezeigt, die man sehen muss , da kann das restliche Programm dagegen abfallen und der Service als solcher wenig innovativ sein. Ähnlich ist es bei Netflix: Eine handvoll herausragender Serien, unter denen jeder Zuschauer etwas findet, der Rest ist dann nicht mehr so wichtig. Die Inhalte sind also entscheidend, und um dutzende Millionen von Abos zu verkaufen, muss Apple die richtigen bieten. Ein halbes Dutzend solcher Blockbuster würden genügen, und die Show mit Jennifer Anniston, Reese Witherspoon und Steve Carrell sollte einer der attraktivsten Kandidaten sein. Eine Herausforderung bleibt: Apple verweist zwar stolz auf eine Milliarde Geräte, auf denen die TV-App vorinstalliert ist, es ist aber zweifelhaft, ob das iPhone den ersten Zugang zu den exquisiten Serien bietet. Denn diese wolle der Zuseher eher an einem großen Bildschirm genießen. Immerhin bringt Apple seine TV App auch auf die Geräte von Roku und Amazon, so dass die potentielle Kundschaft nicht erst den richtigen Smart-TV finden muss, der per Airplay Strewams vom iPhone empfängt.

Risiken und Nebenwirkungen : FaceID erkennt das Gesicht des legitimen iPhone- oder iPad-Pro-Besitzers nicht immer, wenn dieser eine Sonnenbrille trägt. Entscheidend dabei ist, dass die TrueDepth-Kamera erkennt, ob der Anwender beim Entsperren auch tatsächlich auf das iPhone schaut, durch spiegelnde Gläser ist das nicht zu verifizieren. Diese Aufmerksamkeitsprüfung lässt sich in der FaceID-Einstellung aber auch abschalten. Nachteil: Das iPhone entsperrt sich zwar nach wie vor nur dann, wenn es das registrierte Gesicht erkennt, aber nun auch bei geschlossenen Augen. Wenn also Dritte das iPhone nehmen und vor das Gesicht des schlafenden Eigentümers halten genügt das, um es zu entsperren. Sonnenbrillen haben durchaus ihre Risiken und Nebenwirkungen.

Langer Weg zurück : Die Verluste der Apple-Aktie seit dem Allzeithoch im letzten Oktober waren nicht unbeträchtlich, aber an sich nicht so schwerwiegend, dass die Abgesänge auf den Konzern angebracht gewesen wären. Nun aber ist Apple zurück auf dem Weg zur "Trillion-Dollar-Compay", also einer Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar. Seit neun Wochen gewinnt AAPL permanent dazu, virtuell ist der iPhone-Hersteller derzeit wieder 940 Milliarden US-Dollar wert, der gestrige Schlusskurs betrug 199,50 US-Dollar. Zuletzt war Apple am 1. November mehr als eine Billion US-Dollar wert, Analysten haben in der Zwischenzeit aber wieder deutlich positivere Aussichten für Apple gegeben, vor allem Apples Fokus auf Services war Grund für deren Optimismus.

Aufgeteilt : iTunes, Apples einst genialer Einstieg in die Medienverwaltung auf dem Mac, hat sich in den letzten Jahren zu einem unübersichtlichen Monster aufgebläht, meinen viele Anwendern. Musik, gerippt, als Kaufdownload und jetzt im Abo, neben Podcasts, Serienfolgen und Filmen. Apple kann es auch keinem mehr Recht machen, die Entscheidung, die Verwaltung von externen Geräten auf deren Backups zu reduzieren und keine Apps mehr zu pflegen, kam gar nicht gut an. So hört man schon seit Jahren Stimmen, Apple solle iTunes zerschlagen und in seine Einzelteile aufspalten - so wie es unter iOS seit Anfang an unterschiedliche Apps für Musik, Videos und den App Store gibt. Genau das wird mit dem Herbst-Update von macOS 10.15 passieren, ist sich der Entwickler Steve Troughton-Smith sicher. Er habe Beweise, die er noch nicht offenlegen kann, dass Apple für sein Mac-Betriebssystem neue Anwendungen für Musik, Podcasts und sogar Bücher bringen werde. Hierbei handele es sich vermutlich um die nächste Fuhre von Marzipan-Aps, Anwendungen, die Apple von iOS auf macOS portiert. Für iTunes würde das nach fast 19 Jahren das Aus bedeuten.

Weitere Nachrichten:

Apple bietet 0-Prozent-Finanzierung an

Vom 08. April bis 27. Juni. bietet Apple eine 0-Prozent-Finanzierung im eigenen Apple Store an. Ab einem Betrag von 249 Euro können private Käufer Produkte aus allen Sparten des Apple-Kosmos finanzieren. Das Angebot umfasst sowohl iPads , iPhones , MacBooks und iMacs . Die Laufzeit beträgt nach Wahl entweder 12 oder 24 Monate. 

So lässt sich zum Beispiel das neu vorgestellte iPad Air mit 64 GB (Kaufpreis 549 Euro) für monatlich 91,50 Euro (Sechs Monate Laufzeit) oder 45,75 Euro (Zwölf Monate Laufzeit) finanzieren. Der Kredit wird über die CreditPlus Bank AG in Stuttgart abgewickelt. Zur Abwicklung der Finanzierung erhält der Käufer einen Kreditvertrag, den er innerhalb von zehn Tagen ausgefüllt an die Bank zurücksenden muss. Weitere Informationen über die Finanzierung erhalten Sie  hier.

Apple will Apps auch abseits des Mac App Store überprüfen

Um seinen Kunden mehr Sicherheit bei den Apps und Programmen zu bieten, führt Apple ein neues Prüfsystem ein. Bevor Entwickler neue Apps selbst über eigene Webseite zum Download anbieten, können sie diese zuvor von Apple verifizieren lassen. Apple will damit nicht nur das Vertrauen der Kunden gewinnen, sondern gleichzeitig auch mögliche Malware von den Macs verbannen. Auch der Missbrauch des Apple Enterprise Certificate, wie erst kürzlich wieder bei Porno- und Glücksspielen festgestellt wurde, soll damit minimiert werden.

Die Verifizierung soll als Gütesiegel dafür gelten, dass Apple die Apps auf bösartige Inhalte überprüft habe, erklärt Apple. Jedoch sei die Beglaubigung keinesfalls als App Review zu verstehen. Somit versucht Apple, das notwendige Maß an Objektivität beizubehalten. Darüber hinaus überprüfe der hauseigene Notardienst die Applikationen auf Code-Signaturprobleme. Liegen keine Probleme vor, erhalten die Entwickler ein Ticket – eine Art digitaler Urkunde – welches die Kunden beim Download angezeigt bekommen und über die vorgenommene Überprüfung aufklärt. 

Der Schritt ist an sich bemerkenswert, denn Apple versucht mit dem neuen Notar-Dienst zumindest automatisch Installationsdateien auch abseits des Mac App Store zu überprüfen. Es ist nach wie vor möglich, neue Apps mit dem eigenen Entwicklerzertifikat, ausgestellt von Apple, abzuzeichnen und dann das Programm zum Download anzubieten, nur die neu registrierten Entwickler müssen ihre Apps direkt bei Apple beglaubigen. Es ist aber gut möglich, dass Apple diese Art der "Beglaubigung" auch für alle anderen Apps einführt. Schon jetzt ist die Installation der Mac-Programme direkt aus dem Internet nur über den Rechtsklick auf die Install-Datei im Finder möglich, ein einfaches Öffnen bringt meist nur die Warnmeldung "Diese Datei wurde aus dem Internet heruntergeladen". Apple schränkt also "das unbeaufsichtigte Installieren" weiter ein.

China will Kryptomining verbieten

Die chinesische Regierung will Kryptomining und Kryptwährungen komplett aus dem Land verbannen. Die National Development and Reform Commission (NDRC) hat in dieser Woche einer Liste mit Industriezweigen veröffentlicht , die in China gefördert, beschränkt oder verboten werden sollen. Die Bevölkerung hat nun bis zum 7. Mai 2019 Zeit, ihre Stimme für oder gegen diese Pläne abzugeben. Die Liste stammt ursprünglich aus dem Jahr 2011, wurde nun jedoch um neue Industriezweige erweitert. Darunter findet sich auch Kryptomining von Kryptowährungen wie etwa Bitcoin oder Ethereum. Diesen Wirtschaftszweig will die chinesische Regierung aus dem Land verbannen.

Als Gründe gegen Kryptomining führt die chinesische Regierung unter anderem die Verschwendung von Ressourcen, Umweltverschmutzung und die Unsicherheit von Kryptowährungen an. Die Meinungsumfrage in der chinesischen Bevölkerung legt keinen Plan vor, wie genau China Kryptowährungen und Kryptomining loswerden will. Ein konkretes Datum legt die Behörde ebenfalls nicht vor. Laut der Nachrichtenagentur Reuters könne ein fehlendes Datum in der vorgelegten Liste jedoch darauf hindeuten, dass man diesen Wirtschaftszweig mit sofortiger Wirkung eliminieren wolle.

Go Europe: Mozilla ruft zur Teilnahme an der EU-Wahl auf

Die für die Entwicklung des Browsers Firefox verantwortliche Mozilla Foundation ruft Nutzer unter dem Motto „GO, EUROPE!“ zur Teilnahme an der Europa-Wahl zwischen dem 23. und 25. Mai 2019 auf. Gleichzeitig wolle man über Manipulationsversuche aufklären, mit denen in den kommenden Wochen verstärkt zu rechnen sei. Die Wahl der MdEPs (Mitglieder des Europäischen Parlaments) sei in Anbetracht von Themen wie Hate Speech, Cyber-Bullying oder Regelungen für autonomes Fahren sehr wichtig. 

Manipulationsversuche seien primär durch Tracking, undurchsichtige Werbung oder automatisierte Stimmungsmache zu erwarten. Mozilla empfiehlt neben einer eigenen Hintergrundrecherche auch technische Lösungen wie den „Privaten Modus“, der das Sammeln von Daten und die zielgerichtete Werbung unterbinden soll. Facebook sollte man nach Ansicht von Mozilla in einen Facebook Container verbannen. Die entsprechende Erweiterung sorgt für eine Trennung zwischen dem sozialen Netzwerk und den übrigen Aktivitäten im Internet. Mit dem Add-on Who Targets Me können Nutzer die Wahlwerbung im sozialen Netzwerk transparenter machen. Die Erweiterung botcheck.me könne hingegen Propaganda-Accounts bei Twitter sichtbar machen. 

Digitales Vermummungsverbot: Kommentare in Österreich nur noch mit Handy-Nummer

Österreich plant die Einschränkung der Anonymität im Internet. Der Ministerrat fordert in einem Gesetzesentwurf, dass Kommentare nur noch in Verbindung mit einer Handynummer möglich sein sollen. Das als digitales Vermummungsverbot  bekannte Gesetz soll Hasskommentare im Internet eindämmen. Dafür sollen Nutzer im Netz weiterhin unter einem Pseudonym Beiträge verfassen können, ein Klarname wird nicht gefordert. Dafür sollen Plattformbetreiber die Nutzer anhand ihrer Handynummer jederzeit identifizieren können. Nach einer Registrierung samt Handynummer können Plattformbetreiber in bestimmten Fällen zur Herausgabe der Identität gezwungen werden.

Das von der konservativen ÖVP geforderte Gesetz erhielt auch vom Koalitionspartner FPÖ grünes Licht. In Österreich wird der Vorschlag kontrovers diskutiert. Teils wird eine unabhängige Behörde gefordert, die die erhobenen Daten verwaltet. Einen Schritt weiter ist Südkorea, im asiatischen Land wird eine User-Identifikationsnummer bei der Registrierung gefordert. Dadurch sank die Zahl der Hasskommentare kurzzeitig, stieg dann aber wieder auf das alte Niveau an. Die Beiträge sind nun jedoch vorsichtiger formuliert, so dass sie nicht zur einer Verfolgung führen. Ähnlich könnte es auch in Österreich laufen, befürchten Kritiker des Gesetzesentwurfs.

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