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Morgenmagazin vom Mittwoch, 13. November 2019

13.11.2019 | 06:56 Uhr |

Ehemaliger HBO-CEO soll für Apple TV+ produzieren +++ Cook will Trump angeblich Fabriken in Texas zeigen +++ Telekom verkauft recyclete iPhones +++ Microsoft speichert Superman-Film auf Quarzglas +++ Münchens Ex-OB: Ballmer sprang durchs Büro wegen Wechsel zu Linux

13. November: Alles auf Anfang

Wir wünschen allseits Guten Morgen! In aller Unbescheidenheit betrachten wir uns als ihre Morgenzeitung. Naja, als einen Teil davon. Der mit dem Special Interest Apple und Umgebung. Aber immerhin! Natürlich hat das Internet die Konsumgewohnheiten komplett verändert, auch die Mediennutzung. Institutionen wie die Tagesschau um 20 Uhr oder das heute journal um 21.45 können sich eigentlich nur halten, weil sie in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender auch noch um 20.51 Uhr oder kurz vor Mitternacht zu sehen sind - oder die 18-Uhr-Ausgabe der Tagesschau um 19.47, also kurz vor der gewohnten Zeit. In unserem Briefkasten finden wir jeden Morgen immer noch Werbeblätter aller Art, die gedruckte Zeitung haben wir abbestellt. Jetzt laden wir sie am Vorabend auf das iPad und zum Frühstück die Aktualisierung. Und von unseren Lesern hoffen wir, dass sie ausgeschlafen und hungrig nach Unterhaltung und Informationen das Morgenmagazin auf der Website oder als Newsletter in ihrem E-Mail-Client lesen. Es hat sich vor allem die Darreichungsform geändert, aber eben auch das Geschäftsmodell.

Angefangen mit den über das Internet verteilten Informationen hat das heute vor 29 Jahren, am Dienstag, den 13. November 1990. Als erste Website der Welt ging die Adresse http://info.cern.ch online. Ein Abbild der ersten Worlwidewebsite ist heute noch auf den Servern des Forschungsinstituts CERN zu sehen. Aber bitte nicht erschrecken, wenn Sie drauf klicken: Der Server antwortet Ihnen in einer Geschwindigkeit, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann. Alles, was es zu sehen gibt, ist schwarzer Text auf weißem Grund, die Links sind unterstrichen und blau gefärbt. Kein einziges Bild ist zu sehen, nichts zappelt, nichts blinkt. Von Werbebotschaften oder Trackern keine Rede, es sei denn, man betrachtet die hinterlegten Informationen als Werbung für das Projekt von Tim Berners-Lee. Noch obskurer wird die Site aber, klickt man auf die Simulation des Kommandozeilen-Browsers : Grüner Text auf schwarzem Hintergrund, der sich zeilenweise aufbaut. Sieht man heute allenfalls noch in Science-Fiction- oder Action-Filmen, wenn der Regisseur keine bessere Bildidee hat, um Hacker bei der Arbeit zu filmen. So sah es auf Computerbildschirmen aber aus, als das Internet begann.

Erfunden hatte es der britische Physiker in der Schweiz vor allem als Möglichkeit, wissenschaftliche Informationen und Daten auszutauschen. Aber warum sollte das auf Universitäten und Institute beschränkt bleiben? Schon vor dem WWW hatten Leute erkannt, dass die Vernetzung von Computern viel mächtiger als Distributionskanal von Informationen aller Art sein würde, auch im kommerziellen Interesse. Irgendwie scheint das Web aber schneller gewachsen zu sein als passende Geschäftsmodelle - vorher war es vollkommen logisch, dass man für eine Zeitschrift oder Zeitung Geld bezahlt, obwohl da auch Anzeigen drin waren. Heute haben es Bezahlinhalte im Web schwer und die von Werbung finanzierten müssen sich sehr oft hinter all dem Geblinke und Gehupe der Ads verstecken. Wir arbeiten aber weiter dran und erscheinen tapfer jeden Morgen, Sie haben für diesen Inhalt ja bezahlt.

Exakt 40 Jahre ist es nun her, dass die Leser der altehrwürdigen "The Times" – wir meinen das Original aus London – ihre Zeitung wieder im Briefkasten und am Kiosk vorfanden. Schier unglaubliche elf Monate und zwölf Tage konnte wegen eines  Streiks die Zeitung nicht erscheinen, bis sich Arbeitgeber und Gewerkschaften endlich einigen konnten. Heute unvorstellbar: Server streiken zwar auch manchmal, aber mit denen braucht man nicht verhandeln, meist reicht ein Neustart. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Mit Sicherheit : Bereits auf der WWDC Anfang Juni hatte Apple die neue Option "Anmelden mit Apple ID" vorgestellt, die einen bequemen und sicheren Login gewähren soll. Bequem wie verglecihbare Angebote von Google und Facebook, aber ohne deren Implikationen - Anbieter von Internet-Services sollen nicht mehr über ihre Nutzer erfahren, als diese preis geben möchten, vor allem nicht das Einkaufsverhalten. In iOS 13, iPadOS 13 und macOS Catalina ist der Login mit der AppleID mittlerweile aktiv, es wird aber noch eine Weile dauern, bis dieser im Web und im Appiversum weit verbreitet ist. Zumindest auf letzteres hat Apple direkten Einfluss: Entwickler, die den Login mit Facebook, Google oder beiden anbieten, müssen ab April 2020 auch auf Anmelden mit Apple ID setzen. Glenn Fleishman erklärt in seiner aktuellen Kolumne Mac 911 im Detail, wie die Anmeldung funktioniert und welche Optionen man hat

Recycling: Laut einer Studie, die die Deutsche Telekom zitiert, würden in Deutschland 124 Millionen ausrangierte Handys herumliegen. Diese Rohstoffe will nun auch der Mobilfunkprovider schürfen, berichtet iFun, und ab dem 20. November auch gebrauchte und wiederaufbereitete Smartphones unter dem Motto "We care" verkaufen. Die Telekom nimmt alte Smartphones in Zahlung, solche, die keinen Wert mehr haben, wollen die Bonner dem fachgerechten Recycling zuführen. Zum Start der Aktion werde es unter anderem iPhone 7 , iPhone 8 und iPhone X mit einem neuen oder einem verlängerten Vertrag geben.

Auf der falschen Seite: Ob Goldman Sachs absichtlich Frauen einen geringeren Kreditrahmen einräumt oder ob in den Tiefen der Algorithmen sich irgendwelche Vorurteile niederschlagen - die Regeln für die selbst lernenden Prozesse haben schließlich Menschen festgelegt - wird wohl letztlich ein Gericht entscheiden müssen. Apple hängt aber mit drin, meint Dieter Bohn für The Verge. Der Mac-Hersteller stehe zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit auf der falschen Seite einer moralischen Trennlinie, vor Wochen ging es noch um die nicht erfolgte Zulassung der App HKlive.map, nun eben um eine Benachteiligung der Kundinnen der Apple Card. Denn diese sei ja nicht einmal von Apple, erklärt Bohn, sondern eine Goldman-Sachs-Karte, für die Apple das Logo und die Software bereit gestellt hat. "Created by Apple, not a bank", sagt hier ebenso nur einen Teil der Wahrheit wie "Designed in California, assembled in China", was die Produktionsbedingungen an den Rand dränge. Es ist aber Goldman Sachs, das über den Kreditrahmen entscheidet und seine Maßstäbe anlegt und nicht die Apples, das sich glaubwürdig und auch erfolgreich für die Gleichstellung von Frauen und Minderheiten einsetzt. Goldman Sachs, dürfe man nicht vergessen, sei einer der Verursacher der Finanzkrise, die 2008 mit geplatzten Hauskrediten ihren Anfang nahm und bis heute nicht wirklich überwunden ist. Apple hat sich wohl den falschen Partner ausgesucht, der von der Strahlkraft der Marke mit dem angebissenen Apfel mehr profitiert als es umgekehrt der Fall ist.

Ausbau : Wie der Hollywood Reporter berichtet, wird demnächst ein Prominenter dem Service Apple TV+ zuarbeiten. Letzte Details müssten mit Richard Plepler, dem ehemaligen CEO von HBO noch geklärt werden, der das Kabelnetzwerk im Februar nach 30 Jahren verlassen hatte. Seine Produktionsfirma RLP & Co werde für Apple Shows produzieren, sobald die Vereinbarung finalisiert ist. Apple hat jeglichen Kommentar zu der Geschichte verweigert. Plepler habe im Frühjahr HBO verlassen, weil er fürchtete, nach der Übernahme der Konzernmutter Time Warner durch AT&T und der Umbenennung in WarnerMedia an Autonomie zu verlieren. HBO bereitet indes mit HBO Max einen weiteren Streamingdienst vor, der Mit Netflix, Amazon, dem gestern gestarteten Disney+ und nicht zuletzt Apple TV+ konkurrieren will.

Einladung: Apple-CEO Tim Cook will dem US-Präsidenten Trump auf einer Tour durch Texas die Fabriken zeigen, in denen Apple den Mac Pro produziert und auch andere Jobs in den USA geschaffen und vor allem gehalten hat, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Eine offizielle Bestätigung der Wahlkampfhilfe steht noch aus, weder das Weiße Haus noch der Apple Park haben sich dazu geäußert. Trotz der liberalen Enklave Austin, in deren Nähe Apple seine Fabrik betreibt, dürfte der Bundesstaat Texas auch ohne Apples Unterstützung an den republikanischen Kandidaten fallen, daran ändert auch die knappe Niederlage des Demokraten Beto O'Rourke bei der Gouverneurswahl vor einem Jahr nichts.

Weitere Nachrichten:

Microsoft speichert Superman-Film auf Quarzglas

Microsoft meldet einen neuen Erfolg bei seinem Project Silica: Den Forschern ist es gemeinsam mit Warner Bros gelungen, den kompletten ersten Superman-Film aus dem Jahr 1978 auf einer nur 2,5 Zentimeter dicken Scheibe zu speichern, die 7,5 x 7,5 groß ist und aus dem Material Quarzglas besteht. Insgesamt konnten über 75,6 Gigabyte an Daten auf so engem Platz abgelegt werden. 

Anders als bei anderen Speichermedien werden bei Quarzglas die Daten nicht auf, sondern im Datenträger gespeichert. In Tests, so die Microsoft-Forscher, habe das Quarzglas allen Versuchen widerstanden, es zu zerstören. Die Daten konnten weiterhin ausgelesen werden, nachdem das Material beispielsweise in einen heißen Ofen oder in eine Mikrowelle gelegt wurde. Auch Kratzer mit einer Stahlwolle zerstören die Daten nicht. 

Quarzglas wird auch als „Superman-Kristall“ bezeichnet. Nicht nur, weil es so widerstandsfähig ist, sondern weil in den Superman-Filmen die Speicherkristalle erwähnt werden. 

An dem Quarzglas arbeiten die Microsoft-Forscher schon seit vielen Jahren. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines neuen, langlebigen Speichermediums, mit dem möglichst viele Daten auf kleinem Platz abgelegt werden können. Notwendig ist die Entwicklung neuer Speichermedien, weil die Menschheit immer mehr Daten erzeugt, die gespeichert werden müssen.

Microsoft setzt dabei die Hoffnung auf Quarzglas, welches besonders langlebig Daten speichern kann. Das Material übersteht selbst hohe Temperaturen und widrigste Umstände. „Die Speicherung des gesamten Superman-Filmes in Glas (…) ist ein wichtiger Meilenstein“, kommentiert Microsofts Azure-CTO Mark Russinovich den Erfolg. Und fügt hinzu: „Ich sage nicht, dass wir damit eine vollständige Antwort auf alle Fragen liefern, aber es sieht so aus, als befänden wir und jetzt in einer Phase der Verfeinerung und des Experimentierens, anstatt uns die Frage zu stellen: ‚Können wir es tun?‘“

Erste Erfolge mit Quarzglas hatten Forscher bereits vor einigen Jahren gemeldet. Laut Angaben von Microsoft wurde auch Warner Bros. auf diese Berichte aufmerksam und kontaktierte Microsoft. Grund dafür ist, dass sich Warner Bros. grundsätzlich für alle neuen Speichertechnologien interessiert, um seine wachsende Bibliothek an Inhalten langlebig speichern zu können. 

Im Quarzglas werden die Daten in Schichten von Nanostruktur-Punkten abgelegt, die jeweils durch etwa fünf Mikrometer große Abstände getrennt sind. Die Enkodierung der Daten erfolgt mittels der drei Dimensionen Breite, Höhe und Tiefe. Hinzu kommen zwei weitere "Dimensionen", mit denen die Größe der Daten-Punkte und deren Ausrichtung festgelegt werden können.

Im konkreten Fall ist jede Bildinformation des Superman-Films im Quarzglas als "Voxel" gespeichert, also in Form eines dreidimensionalen Pixels. Die Informationen können über einen Infrarot-Laser ausgelesen werden. Dabei werden die Voxel übereinander geschichtet. Bereits auf eine 2 Millimeter dicke Quarzglas-Scheibe passen 100 Voxel-Schichten.

Münchens Ex-OB: Ballmer sprang durchs Büro wegen Wechsel zu Linux

München war einmal IT-Pionier: Als die Bayerische Landeshauptstadt ab 2003 mit dem Projekt Limux ihre Rechner von Windows auf Linux umstellte und damit Microsoft die Rote Karte zeigte. Doch das ist lange her, München wechselt(e) zurück zu Windows und Microsoft hat bereits vor einigen Jahren seine deutsche Unternehmenszentrale nach München verlegt. Jetzt erzählt Christian Ude, damals Oberbürgermeister von München, in einem Interview mit dem Linux-Magazin, wie Microsoft mit aller Macht versuchte den Umstieg auf Linux zu verhindern.

Mindestens 14.000 PCs in der Münchner Verwaltung mussten ab 2003 von Windows auf Linux umgezogen werden. Denn Microsoft hatte den Support für Windows NT eingestellt und München wäre damit gezwungen gewesen auf eine neue kostenpflichtige Lizenz für eine modernere Windows-Version zu wechseln, um weiterhin Support und Sicherheits-Updates zu bekommen. Ude ärgerte sich darüber, dass Microsoft München faktisch zu kostenpflichtigen Upgrade zwingen wollte. Obwohl München gar nicht wechseln wollte. Ude sah in der Vorgehensweise des Quasi-Monopolisten einen „skandalösen Umgang mit der Kundschaft“ – das würden seinen Worten zufolge mit einigem zeitlichen Abstand sogar Microsoft-Repräsentanten mittlerweile zugeben. Ude wirft Microsoft zudem „Machtmissbrauch“ und eine „Friss oder stirb“-Politik vor. Das wollte der resolute OB, der in München damals überaus beliebt war, nicht akzeptieren. Ude zog also die Box-Handschuhe an und die Münchner Verwaltung machte sich an den Umstieg auf Limux. Um unabhängig von einem Monopolisten zu werden und die Datensicherheit zu gewährleisten. Finanzielle Überlegungen spielten laut Ude dagegen weniger eine Rolle.

Das rief den damaligen Microsoft-CEO Steve Ballmer auf den Plan. Er unterbrach seinen Ski-Urlaub in der Schweiz und flog eigens nach München, um Ude umzustimmen. Ballmer sprang Ude zufolge in dessen Amtszimmer herum, pries die Schönheit Münchens – und senkte mehrmals die Kosten für den Umstieg. Um 35 Prozent war das letzte Angebot Ballmers schließlich günstiger geworden – doch Ude blieb hart.

Daran konnte auch Bill Gates nichts ändern, der ebenfalls mit Ude während einer Autofahrt zum Flughafen sprach. Gates verstand Udes Wunsch nach Unabhängigkeit offensichtlich überhaupt nicht und war fassungslos.

Zur Rückwärtsrolle, die ausgerechnet Udes Parteigenosse und Nachfolger als OB Dieter Reiter durchführte, äußert sich Ude ebenfalls. Demnach war es überraschenderweise die damalige OB-Kandidatin der Grünen, die zurück zum Monopolisten wollte. Die Grünen folgte ihrer OB-Kandidatin allerdings nicht und hielten Limux die Treue. Nicht so Reiter: Er trieb als neuer Oberbürgermeister von München zusammen mit seinem Koalitionspartner CSU (die bereits 2003 gegen Linux und für Windows war) die Rückkehr zu Windows voran. Datensicherheit und Unabhängigkeit spielten plötzlich keine Rolle mehr, so Ude. Von den Kosten ganz zu schweigen.

Ude bringt am Schluss des Interviews noch einen wichtigen Hinweis dazu, wieso einige Nutzer in der Münchner Verwaltung mit ihren Arbeitsplatzrechnern unzufrieden waren: München hatte nämlich zunächst einmal nur die Software ersetzt, aber viele Mitarbeiter mussten nach wie vor mit alter Hardware arbeiten. Vielleicht wäre der Unmut vieler Mitarbeiter viel geringer gewesen oder sogar ganz verschwunden, wenn diese vor schnelleren, nagelneuen Linux-Rechnern gesessen wären und nicht vor uralten PCs, auf denen nun Linux statt Windows lief. Denn das führte dazu, dass Unzulänglichkeiten der Hardware dem Linux-Betriebssystem angelastet wurden…

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