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Morgenmagazin vom Mittwoch, 17. August 2016

17.08.2016 | 06:54 Uhr |

Tim Cook in China +++ Apple gewinnt Berufung im Prozess um Time Machine +++ Apple Music kuratiert Lyrics selbst +++ +++ Google Duo: Neue App für 1-zu-1-Videoanrufe erscheint +++ Cookies: Peer-to-peer Bezahl-App startet in Deutschland +++ DDoSCoin: Crypto-Währung belohnt Nutzer für DDoS-Attacken

17. August: Eine Frage des Formats

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Friedrich II. von Preußen, genannt "Friedrich der Große" oder auch "Der Alte Fritz" verstarb heute vor 230 Jahren auf seinem Schloss Sanssouci. Bis sein letzter Wille auch tatsächlich geschah und er zu seiner letzten Ruhe in der Gruft auf der Terrasse des Schlosses bei Potsdam gebettet wurde, vergingen indes 205 Jahre. Erst nach etlichen Kriegen und Umbettungen wurde Friedrichs Sarg heute vor 25 Jahren endlich dort bestattet, wo es sich der Monarch gewünscht hatte.

Geburts- und Sterbedaten nicht nur großer Persönlichkeiten sind genau definiert, bei technischen Geräten ist vor allem der Zeitpunkt des Ablebens nicht so scharf zu definieren. Sicher, der Apple I ist schon seit dem Jahr 1977 aus der Produktion gegangen, aber auch fast 40 Jahre danach tauchen immer mal wieder gut erhaltene Sammlerstücke auf, die tatsächlich noch funktionieren. Technik ist eben langlebig, eben weil sie nicht selbst lebt, sondern von ihren Anwendern mit Leben gefüllt und zum Leben benutzt wird. Sage also niemand vorschnell, diese oder jene Technik sei tot. Man sieht das etwa sehr gut an der Vinyl-Schallplatte, die derzeit eine Renaissance erlebt und von Musikliebhabern zu neuem Leben erweckt wird. Nur die Audio-CD, die scheint nun wirklich tot zu sein.

Denn die fröhlichen Urständ, die Vinyl feiert, haben vor allem mit dem Argument zu tun, dass analog einfach "echter" sei. Tatsächlich ist die auf Schallplatte nicht digitalisiert und von Algorithmen komprimiert, man braucht aber schon sehr gute Audiogeräte und noch bessere Ohren, um den Unterschied zu hören. Analog gewinnt gegen digital auch nur dann, wenn die Schallplatte nicht zerkratzt ist und man vor lauter Knistern kaum noch etwas Singen, Klopfen und Dudeln hört.

Worin aber nun noch der Daseinszweck der Audio-CD bestehen soll, in Zeiten, in denen auch in hochauflösenden Audio-Codecs gespeicherte Songs schnell über die Leitung kommen und immer ausreichend Speicher zur Verfügung steht? Allenfalls im Auto kann man noch etwas mit den Scheiben anfangen, wenn sich dieses nicht mit einer vernünftigen und für Carplay geeigneten Anlage nachrüsten lässt. Der Audio-CD war also ein kurzes Leben beschieden, dabei hatte am 17. August 1982 alles so verheißungsvoll angefangen, für Musikliebhaber und noch mehr für Musiker. Das erste auf CD gepresste Album war ABBAs letztes Studiowerk "The Visitors" und zeigte gleich einen Vorteil: Auf die CD passte einfach mehr drauf, in dem Fall vier weitere Stücke, fast so etwas wie eine dritte Seite. Apropos Seite: Das Umdrehen entfiel natürlich auch und dank der neuen Technik konnte man die Stücke auch in einer anderen Reihenfolge abhören als der, in der sie der Künstler gedacht hatte - das war aber eigentlich schon der erste Frevel. Der zweite folgte auf dem Fuß: Da nun mehr Stücke drauf passten, kamen auf in den 80ern und 90ern veröffentlichte CDs auch mehr Stücke drauf - oft wertloses Füllmaterial, über das man sich gewaltig ärgerte, wenn man 30 oder mehr Mark für die Disk ausgegeben hatte. Immerhin ist ein Versprechen einigermaßen aufgegangen: Das Medium erweist sich als robuster als die kratzempfindliche Schallplatte. Völlig unzerstörbar sind CDs indes auch nicht und wenn es stimmt, dass die durchschnittliche Lebensdauer der "Silberscheibe" um die 30 Jahre beträgt, werden heute immer mehr Musikfreunde enttäuscht, die ihre Altbestände nun doch noch zu digitalisieren versuchen - das CD-Laufwerk ihres Rechners dürfte dann immer seltener das Werk erkennen, sofern der Rechner überhaupt noch ein optisches Laufwerk besitzt. Aber wann genau denn nun die Audio-CD ihr unvermeidliches Hinscheiden erfuhr, lässt sich eben nicht festlegen. Vielleicht kann man ja den 30. Juni 2015 als Todestag ansehen, der Tag, an dem Apple Music an den Start ging. Spätestens mit dem Musikabo entfällt nun auch der Grund, Altbestände von CDs in die digitalen Formate der Jetzt-Zeit zu überführen. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Cook in China: Apple-CEO Tim Cook ist dieser Tage zum neunten Mal in China unterwegs und hat auf seiner Geschäftsreise weitere Investitionen Apples angekündigt. So soll in China Apples erstes Forschungs- und Entwicklungszentrum im asiatischen Raum entstehen, bis Ende des Jahres soll es fertig sein.

Für eine handvoll Dollar: Der Analyst Horace Dediu (Asymco) hat in einer interessanten Auswertung dargelegt, womit Apple sein Geld verdient und wie viel. Ergebnis: Insgesamt bekommt Apple von jedem Kunden an jedem Tag einen US-Dollar. Während aber die Tage des Jahres abzählbar endlich sind, wächst die Kundschaft stetig an...

Statt Bluetooth: Microsoft will das proprietäre drahtlose Signal seiner Xbox One für Dritthersteller lizenzieren. Peripherie wie Gamecontroller, Tastaturen und Kopfhörer sollen dann über Bluetooth die Microsoft-Technik Xbox Wireless benutzen. Dabei sollen auch PCs mit einbezogen sein.

Urteil: Apple hat vor einer Berufungsinstanz in einem Patentprozess gegen den Kläger Farstone gewonnen. Dieser hatte behauptet, die in OS X integrierte Backuptechnologie verletze ein Patent des Serviceproviders für Backups. Apple hatte im Jahr 2013 sich geweigert, Lizenzgebühren auf das Patent zu bezahlen, wohin Farstone Klage eingereicht hatte. Apple konnte nun das Gericht erfolgreich davon überzeugen, Time Machine verletze das fragliche Patent nicht.

Stellenangebot: Apple Music bekommt ab iOS 10 und macOS Sierra eine neue Funktion, zu den Songs werden auch die Texte angezeigt. Apple greift dabei anscheinend nicht auf Dienste Dritter zurück, sondern baut eine eigene Abteilung auf, die Lyrics kuratiert. Dies lässt sich aus entsprechenden Stellenangeboten auf der Apple Website schließen.

Weitere Nachrichten

Google Duo: Neue App für 1-zu-1-Videoanrufe erscheint

Google hatte Mitte Mai auf der Google I/O 2016 neben der Messenger-App Allo mit Google Duo auch eine neue App für 1:1-Videogespräche vorgestellt. In dieser Woche beginnt Google nun mit der Auslieferung von Google Duo an Besitzer von Android- und iOS-Geräten.

Deutsche Anwender müssen sich noch etwas gedulden: Im Google Play Store ist für Google Duo aktuell nur eine Vorregistrierung möglich, über die man bei Verfügbarkeit der App informiert wird. Der Link für die iOS-Version von Google Duo führt derzeit noch ins Leere. Die App, so heißt es seitens Google, werde "in den nächsten Tagen weltweit verfügbar sein."

Viel Wert legen die Entwickler auf einfache Nutzbarkeit der App. "Alles, was ihr braucht, ist eine Telefonnummer und schon könnt ihr alle eure Kontakte anrufen. Ihr braucht dafür kein separates Konto. Meldet euch einfach nur an und schon geht's los", so Google.

Google Duo wird von Googles WebRTC-Team entwickelt. Es kommt ein neues Protokoll zum Einsatz, das auch bei schlechteren Mobilfunkverbindungen eine gute und stabile Videoqualität bieten soll. Dabei passt sich die Anrufqualität den sich verändernden Netzbedingungen an. Wird die zur Verfügung stehende Bandbreite geringer, reduziert Duo beispielsweise automatisch die Videoauflösung. Außerdem kann Duo zwischen WLAN- und Mobilfunkverbindungen hin und her schalten, ohne dass währenddessen der Anruf abgebrochen werden muss.

Eine der Funktionen von Google Duo haben die Entwickler auf den Namen Kuckuck getauft. Über diese Funktion erhält der Angerufene eine Live-Videovorschau vom Anrufer noch bevor er den Anruf annimmt.

Was das Thema Sicherheit angeht betont Google, dass alle Anrufe, die über Google Duo laufen, Ende-zu-Ende verschlüsselt sind.

Cookies: Peer-to-peer Bezahl-App startet in Deutschland

Fast alle Apps mit Bezahlfunktionen funktionieren nur innerhalb der USA. Hierzulande ist das Bezahlen per Smartphone noch recht umständlich. Ganz ohne IBANs und TANs will die neue und kostenlose App Cookies auskommen.

Die für Android und iOS erhältliche Software des deutschen Startup-Unternehmens Cookies Labs aus Berlin steht seit heute zum Download bereit und erlaubt Zahlungen an andere Nutzer. Dazu wird direkt das Konto des Nutzers angezapft, eine vorherige Aufladung der App ist nicht nötig. Cookies unterstützt 4500 Banken in Deutschland, als direkter Partner konnte die DKB gewonnen werden.

Zahlungen können an Telefonnummern oder E-Mail-Adressen erfolgen. Gleichzeitig wird mit jeder Überweisung auch ein Chat eröffnet. Mit sogenannten Paymojis lassen sich Zahlungen beschleunigen. Ein Blitzsymbol sorgt beispielsweise dafür, dass die Zahlung innerhalb von maximal zwei Stunden abgewickelt ist.

DDoSCoin: Crypto-Währung belohnt Nutzer für DDoS-Attacken

Die beiden Forscher Eric Wustrow von der University of Colorado Boulder und Benjamin VanderSloot von der University of Michigan beschreiben in ihrer aktuellen Forschungsarbeit die Idee zu einer neuen Crypto-Währung. Die DDoSCoin soll Nutzern für die Teilnahme an DDoS-Attacken ausgezahlt werden.

Die in der Forschungsarbeit beschriebene Währung soll als Proof-of-Concept dienen, wie Nutzer die Teilnahme an einer DDoS-Attacke nachweisen können. Dieser Nachweis soll laut den Forschern über die Nutzung von Bandbreite zur anvisierten Domain erbracht werden.

Die DDoSCoin funktioniert mit einem ausgelobten Kopfgeld und einer Liste mit potenziellen Opfern für DDoS-Attacken. Hacker starten daraufhin eine große Anzahl an TLS-Verbindungen zum anvisierten Server. Die signierten Antworten dieses Servers dienen dann als Verbindungsnachweis und bestimmen die Höhe der ausgezahlten DDoSCoin-Summe.

Die Crypto-Währung belohnt nur diejenigen, die DDoS-Attacken gegen Hosts mit aktiviertem TLS unternehmen. Laut aktuellen Alexa-Zahlen sind das derzeit rund 56 Prozent der Top-Websites. Ihre Zahl soll Branchenexperten zufolge künftig weiter steigen.

Die Forscher sind sich eigenen Aussagen zufolge darüber bewusst, dass ihre Idee kriminelles Verhalten fördern könnte. Aus diesem Grund haben Wustrow und VanderSloot auch einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So sei keine funktionierende Version der Crypto-Währung veröffentlicht worden, lediglich das Konzept. Website-Betreiber können sich schützen, indem sie TLS 1.2 deaktivieren.

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