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Morgenmagazin vom Mittwoch, 17. März 2021

17.03.2021 | 07:10 Uhr | Peter Müller

Prosser fürchtet um Wetteinsatz +++ Apple Maps zeigt Impfposten in den USA +++ Apple geht gegen Nachahmerprodukte auf Facebook und Instagram vor +++ Small Business Progtramm kostet kaum Umsatz +++ Amazon will Lager-Mitarbeiter mit Mini-Spielen motivieren +++ Dating-App: Tinder ermöglicht Background-Check +++ Ladezeiten-Bug in GTA: Fan erhält 10.000 Dollar für Hinweis

17. März: Paderborn, Cupertino, München

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Im Jahr, das nun mit der Pandemie vergangen ist, hat man ja so einiges in virtuelle Räume verlegen können. Oktoberfest, Weihnachtsmärkte, Karnevalsumzüge sind zwar allsamt ausgefallen, und zum heutigen St. Patricks Day wird es auch keine Paraden in Dublin, Boston und anderen irischen Städten gehen. Dafür ein paar virtuelle Veranstaltungen, die wir uns grüngewandetet und mit einem leckeren Stout, etwa von der Guinness-Brauerei, heute natürlich ansehen werden. Iren sind menschlich und trinkfest, Guinness schmeckt weit besser als Corona, mit oder ohne Zitronenschnitze.

In der Vergangenheit war die Zeit um den St.-Patricks-Day auch immer die der Cebit in Hannover, auf der man auch meist recht trinkfest sein musste, mit Iren und anderen Menschen zusammen. Die Messe ist Geschichte, wofür man die Pandemie nun wirklich nicht verantwortlichen machen kann. Und auch nicht dafür, dass Cupertino das Zentrum der Welt des Computers (also des einen speziellen) ist – und nicht Paderborn.

Denn der  heutige Tag steht für ein besonders trauriges Ereignis auf der damals noch jungen Leitmesse: Der Paderborner Computerpionier Heinz Nixdorf erlitt bei einem Kundentermin am 17. März 1986 auf der Messe seinen zweiten und letzten Herzinfarkt, wenige Wochen später wäre er 61 Jahre alt geworden.

Nun ist der Computer keine originär deutsche Erfindung, die Ehre den ersten elektrischen Rechenapparat gebaut zu haben, gebührt aber immerhin Konrad Zuse. Heinz Nixdorf wiederum hatte sich unwidersprochene Verdienste um die Miniaturisierung und vor allem die kommerzielle Verwertung des Apparats erworben. Stark vereinfacht gesagt, hatte Zuse als Nutzer den Ingenieur oder Wissenschaftler vor Augen, Nixdorf aber den Buchhalter.

Nur fehlte ihm anscheinend ein wenig die Phantasie dafür, wie multifunktional der Computer werden und nicht nur als Rechenknecht dienen könnte. Sein etabliertes und auch in den USA populäres Unternehmen aus der deutschen Provinz soll eine Kooperation mit dem jungen aufstrebenden Unternehmen aus der kalifornischen Provinz namens Apple ausgeschlagen haben, vom PC im Allgemeinen und dem Mac im Speziellen hielt Nixdorf nicht viel. "Wir bauen doch keine Goggomobile", soll er gesagt haben - damit meinte er einen Kleinstwagen aus dem bayerischen Dingolfing, der zu Beginn der Computerära schon längst Geschichte war.

Den Trend zum PC hatte Nixdorf nicht nur als Unternehmer verschlafen, auch das gleichnamigen Unternehmen überrollten die als Goggomobile geschmähten kleinen und wendigen Firmen aus dem Silicon Valley, das nun - anstatt Paderborn - zum Nabel der Computerwelt wurde. Siemens übernahm Nixdorf, baut aber längst keine eigenen Computer mehr. Auch nicht solche, die man nebenbei zum Telefonieren nutzen kann. Aber wie die Welt nun mal so spielt: Im Jahr 1999 hat Siemens sein Halbleitergeschäft als Infineon ausgegliedert, dessen Wireless Solution Business übernahm im Jahr 2010 Intel, das wiederum seine damit aufgebaute Modemsparte im Sommer 2019 an Apple verkaufte. Es liegt nicht nur an der Schönheit Münchens, dass Apple eine Milliarde US-Dollar plötzlich in Oberbayern investieren will, einige Mitarbeiter waren schon immer da - und ein kleiner Teil von Nixdorf lebt so in Apple weiter.

Lesetipps für den Mittwoch

Wetten, dass…?: Der 23. März gilt an sich als Termin für Apples Frühjahrskeynote als gesetzt, doch da Apple sonst eine Woche vorher Einladungen verschickt und die gestern ausblieben, wackelt der Termin bedenklich. Der Leaker Jon Prosser hatte so fest auf den Termin gewettet, dass er versprach, sich die Augenbrauen zu rasieren, wenn er falsch läge. Gestern Abend hat Prosser nun ein Bild gepostet, das ein wenig nach Apple-Keynote-Einladung anmutet, aber mit "See you hair" betitelt ist - keine Anspielung an  Craig "Hairforce One" Federighi, sondern an den Einsatz des Prosserschen Rasierapparates. Was ihm noch die Haare retten könnte: Für virtuelle Keynotes braucht es keine so langen Vorlaufzeiten wie für solche, bei denen Pressevertreter aus aller Welt anreisen. Eine echte Einladung Apples könnte heute erfolgen. Aber vielleicht hat sich Cupertino entschieden, fällige Neuerungen per einfacher Pressemitteilung in der kommenden Woche anzukündigen, Prosser läge mit dem kolportieren Termin vom 23. März dann nur halb falsch - und könnte sich eine Braue erhalten.

Wo geht es nach Impfing: Ab April sollten hierzulande die Hausärzte impfen, sofern sich die Erkenntnis durchsetzt, dass AstraZeneca weit mehr Chancen als Risiken birgt. Wo der seine Praxis hat, weiß  man auch so, beim Arzt oder der Ärztin des Vertrauens kann man auch erfragen, wie denn das eine Impfzentrum im Landkreis oder der Stadt zu erreichen ist. Anders ist die Lage in den USA, die schnell und unbürokratisch impfen lässt und dabei offenbar keine Angst vor Fehlern hat: Praktisch jeder, der eine Spritze verabreichen kann, darf und soll einen der zugelassenen Impfstoffe verabreichen, in Arztpraxen, Apotheken und Notaufnahmen – selbst Veterinäre ruft der Präsident zum Einsatz. Apple Maps bekommt  in den USA daher eine nützliche zusätzliche Information und zeigt die jeweils nächste Impfstation an. Wer die Wahl hat, hat weniger Qual. Die Daten stammen laut Apple von dem VaccineFinder der Bostoner Kinderklinik.

Austausch: Der alte Mac ist doch immer zu langsam, sobald neue erscheinen. Das liegt nicht an einer geplanten Obsoleszenz, sondern an technischen Entwicklungen. Die machen manchmal Sprünge, vor allem, wenn Apple wie zuletzt die Architektur des Systems ändert. Mir der Zeit werden Macs aber auch wegen zunehmender Belegung des Speichers langsamer oder weil neue Software mehr Arbeitsspeicher benötigt und diesen auf die langsame Festplatte oder das Fusion Drive auslagert. Mehr RAM ist für einige Intel-Macs möglich und hilft in dem Fall weiter, noch schneller wird die alte Mühle aber, wenn man die interne Festplatte - oder den Festplattenteil des Fusion Drives durch eine schnelle SSD austauscht. Auch dies ist nicht bei allen Modellen möglich, wessen iMac oder Mac Mini den Austausch aber zulässt, sollte sich den Ratgeber von Glenn Fleishman auf Macworld aber genauer ansehen.

Günstig: Im Rahmen seines im vergangenen Jahr gestarteten Small Business Programms verlangt Apple von Entwicklern mit weniger als einer Million US-Dollar Jahresumsatz nur mehr 15 statt 30 Prozent Beteiligung für die Services des App Store. Google hat in dieser Woche ein ähnliches Programm für seinen Play Store angekündigt. Die Marktforscher von Sensor Tower haben nun ausgerechnet, dass diese Imagepolitur den Unternehmen wenig koste. Apple müsse nur auf etwa 2,7 Prozent seines Umsatzes für den App Store verzichten, den Sensor Tower auf 21,7 Milliarden US-Dollar im Jahre 2020 schätzt. Das Small Business Programm koste Apple gerade einmal 595 Millionen US-Dollar, bei Google dürften ähnliche Verhältnisse bestehen.

Betrugsdezernat: Apples Zubehör ist teuer, aber in der Regel hochwertig – nur bei den Lightning-Kabeln scheiden sich die Geister. Weit günstigere Kabel, Ladegeräte, Adapter, Hüllen und  Ohrhörer bieten vertraute Marken an, nicht selten zahlen sie Lizenzgebühren an Apple, weshalb die Preise bei Belkin, Anker, Mophie und Konsorten eine Untergrenze haben. Was geradezu unverschämt günstig aussieht, ist dann meist gefälschte Billigware, die unter Umständen brandgefährlich ist oder nichts taugt: Kaum Power vom Ladegerät, windige Kabel und knarzende Kopfhörer. Gerne wird solche Ware via Facebook und Instagram angeboten. Und genau hier setzt laut Bloomberg eine Truppe bei Apple an, die solche "Angebote" aufspürt und für die Löschung der Beiträge sorgt. Dabei Apples Betrugsdezernat Facebook geradezu antreiben, trotz entsprechender Policies gegen gefälschte Produkte reagiere das soziale Netzwerk träge bei Beschwerden. Die meist gefälschten Produkte sind Airpods und Magsafe-Ladegeräte, gerade letztere sind eine Gefährdung der Sicherheit. Apples Maßnahmen sind aber erfolgreich, laut eines Statements eines Sprechers habe man im vergangenen Jahr eine Million gefälschter Produkte aus dem Verkehr ziehen können.

Weitere Nachrichten:

Amazon will Lager-Mitarbeiter mit Mini-Spielen motivieren

Amazon Lagerhaus-Mitarbeiter sollen mit Mini-Spielen unterhalten werden, wie Engadget berichtet. Die Spiele, die zunächst nur in einem Lagerhaus stattgefunden hatten, sollen nun auf Lagerhäuser 20 weiterer Staaten in den USA ausgeweitet werden.

Bereits 2017 berichtete die Washington Post, dass Amazon versuche, die Arbeit in den eigenen Lagerhäusern mithilfe von sozialen Mini-Spielen zu "gameifizieren". Danach wurde es allerdings still um das Thema.

Wie nun bekannt wurde, will Amazon genau diese Mini-Spiele auch auf Lagerhäuser in 20 weiteren Staaten in den USA anbieten. Das Programm mit dem Namen "FC Games" soll bei Mitarbeitern auf geteilte Meinungen stoßen.

Mitarbeiter haben die Möglichkeit, eines von sechs Mini-Games an Stationen zu spielen, an denen sie die Bestellungen vorbereiten. Dabei können sie eine digitale Währung verdienen, die für virtuelle Güter verwendet werden kann. Letztlich ziemlich belanglos - Mitarbeiter sollen so allerdings produktiv bleiben.

"Die Mitarbeiter haben uns gesagt, dass sie es genießen, die Möglichkeit zu haben, an diesen Arbeitsplatzspielen teilzunehmen, und wir freuen uns, ihr Feedback zu nutzen und das Programm auf noch mehr Gebäude in unserem Netzwerk auszuweiten", erklärt Amazon. "Auch mit dieser Erweiterung bleibt das Programm für die Mitarbeiter völlig optional; sie können je nach Vorliebe in verschiedene Spiele ein- oder aussteigen, anonym spielen oder überhaupt nicht spielen - sie haben die Wahl."

"Die Spiele sind nicht besonders gut, obwohl einige Leute es mögen, weil es hilft, die stumpfsinnige Langeweile einer 10-Stunden-Schicht zu vertreiben" , sagte ein Amazon-Mitarbeiter. Andere gaben jedoch an, dass sie die Spiele nicht spielen, weil sie zu schnellerem Arbeiten ermutigen, was zu Verletzungen führen könne.

Amazon steht in den USA  wegen seiner unsichereren Arbeitsbedingungen in den eigenen Lagerhäusern seit Längerem unter Beschuss. Erst letzten Monat hat der Staat New York Amazon verklagt, weil das Unternehmen während der COVID-19 eine "eklatante Missachtung" der Arbeitssicherheit an den Tag legte.

Unsere Meinung: Amazon scheint das Prinzip "Brot und Spiele" in spätkapitalistischer Dekadenz völlig neu zu denken: Spiele statt Brot. Anstatt in Arbeitssicherheit zu investieren, Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter ernst zu nehmen, Tätigkeiten weniger stumpfsinnig anzulegen und die Belegschaft anständig zu entlohnen, eben "gameifizieren". In den USA ist die Macht der Arbeitnehmervertretung nicht sonderlich weit gediehen, aber auch in Deutschland lässt Amazon seine Angestellten gerne am langen Arm verhungern und zahlt einen schlechteren Tarif. Streiks haben aber kaum Wirkung, man müsste Amazon dort treffen, wo es dem Unternehmen am meisten weh tut: beim Umsatz. Das können aber nur aufgeklärte Kunden, die sich nach alternativen Einkaufslösungen umschauen müssten, die vielleicht etwas weniger bequem sind.

Dating-App: Tinder ermöglicht Background-Check

Tinder und weitere Apps der Match Group wollen ihren Nutzern in den USA künftig ermöglichen, einen Background-Check bei potenziellen Partnern und Dates vorzunehmen. Das Unternehmen hat in die gemeinnützige Organisation Garbo investiert . Mit diesem Schritt soll die Überprüfungstechnik von Garbo für die Dating-Apps der Match Group zugänglich gemacht werden. Den Anfang macht Tinder.

Garbo sammelt in den USA öffentliche Aufzeichnungen und Anzeigen wegen Gewalt und Missbrauch, darunter Verhaftungen, Gerichtsurteile, einstweilige Verfügungen, Belästigungen und andere Gewaltdelikte. Diese Dokumente können dann auf der offiziellen Garbo-Website eingesehen werden, indem der Vorname und die Telefonnummer oder der Vor- und Nachname einer Person eingegeben werden. Durch die Verknüpfung mit Tinder könnten Nutzer in Zukunft nachschauen, ob ihr potenzielles Date eine Gewaltdelikt begangen hat. Da das Hauptaugenmerk von Garbo darauf liegt, Nutzer vor möglichen Gewaltverbrechen zu schützen, erfasst die Organisation weder Drogen- noch Verkehrsdelikte.

Der Background-Check bei Tinder könnte maßgeblich beeinflussen, wer auf der Dating-Plattform Erfolg hat und wer nicht. Außerdem könnten sich Nutzer bei Tinder nicht mehr so anonym fühlen wie zuvor. Die App hatte bislang weitgehend auf persönliche Details wie Nachnamen oder zusätzliche Angaben in den Profilen verzichtet. Die Funktion wird für Nutzer der Dating-App aber nicht kostenlos zur Verfügung stehen. Derzeit befindet sich Match noch in Gesprächen mit Garbo, um eine mögliche Bezahlmethode und Gebühren auszuarbeiten. Garbo soll in den nächsten Monaten in Tinder integriert werden. Im Anschluss sollen weitere Apps der Match-Group wie OkCupid und Hinge folgen.

Ladezeiten-Bug in GTA: Fan erhält 10.000 Dollar für Hinweis

Rockstar wird die Ladezeiten von GTA Online auf dem PC reduzieren, wie PC Gamer berichtet. Die Lösung kam dabei von einem Fan, darüber berichteten wir auch schon am Anfang des Monats.

So behauptete der Github-Nutzer t0st, einen Weg gefunden zu haben, die Ladezeiten von GTA Online um bis zu 70 Prozent zu reduzieren. Er machte die Verlangsamung durch einen "Single-Thread-CPU-Engpass beim Starten von GTA Online" aus und wollte sogar einen inoffiziellen Fix bereitstellen. Dazu hat er sogar eine ausführliche Analyse bereitgestellt, diese können Sie hier einsehen.

Inzwischen hat sich Rockstar bei t0st für die Mühen bedankt und angekündigt ein offizielles Update bereitzustellen. " Nach einer gründlichen Untersuchung können wir bestätigen, dass der Spieler t0st tatsächlich einen Aspekt des Spielcodes in Bezug auf die Ladezeiten der PC-Version von GTA Online aufgedeckt hat, der verbessert werden könnte" , sagte ein Sprecher von Rockstar. "Als Ergebnis dieser Untersuchungen haben wir einige Änderungen vorgenommen, die in einem baldigen Titel-Update implementiert werden."

Wie inzwischen bekannt wurde, hat t0st 10.000 US-Dollar durch das Bug-Bounty-Programm von Rockstar erhalten. Normalerweise erhält man diese für Entdeckungen von Sicherheits- oder Datenschutzproblemen, aber das Studio entschied sich, das Bounty in diesem Fall "ausnahmsweise" so zu vergeben.

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