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Morgenmagazin vom Mittwoch, 18. Januar 2017

18.01.2017 | 07:05 Uhr |

Sicherheitsupdate für El Capitan +++ Qualcomm von FTC verklagt +++ Apple erhöht App-Preise in UK, Türkei und Indien +++ USB-Stick mit 2 Terabyte Speicherkapazität +++ Netzagentur zieht knapp eine Mio. Produkte aus dem Verkehr +++ Gericht: Dürfen Gefangene im Internet surfen? +++ AMDs Zen-Prozessor Ryzen auf Augenhöhe mit Intel Core i7

18. Januar: Schneemann im Sturm

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Ist schon wieder der 18te des Monats, das neue Jahr erscheint uns schon fast wieder ein altes zu sein. Die 18 hat ja nun eine gewisse Symbolkraft, seit dem 1. Januar 1975 ist man mit Vollendung des 18ten Lebensjahres in Deutschland volljährig. Man erhält damit unter anderem das Wahlrecht, nicht nur das aktive, sondern auch das passive, zumindest in den meisten Fällen. Erst mit 21 kann man in Hessen Abgeordneter werden und mit 40 bayerischer Ministerpräsident oder gar Bundespräsident - die Kandidaten dafür sind aber meist deutlich älter. Jürgen Klinsmann trug während seiner aktiven Karriere die 18 auf dem Rücken, die er bei seinem ersten bedeutenden Turnier, der Euro 88 in Deutschland (der Autor war damals 18...) verpasst bekam. Der mittlerweile ehemalige Coach der DFB- und der US-Auswahl schaffte damals gleichwohl den internationalen Durchbruch - dabei war er eher als Ersatzspieler in das Turnier gegangen, was in der vergleichsweise hohen Rückennummer ihren Ausdruck fand. Wir wollen nicht verschweigen, dass in gewissen Kreisen die 18 für den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets stehen, aber es steckt bei weitem nicht hinter jeder 18 diese üble Absicht.

Mit Absicht ist aber der 18. Januar als Welttag des Schneemanns auserkoren und in diesem Jahr mag uns der Bau einer solchen flüchtigen Skulptur gelingen. Die 1 repräsentiert dabei den Stock oder Besen, den der Schneemann in der Hand hält, die 8 spielt auf die beiden übereinander liegenden Kugeln an. Und da der 18. Februar der Tag des Weintrinkens ist, es am 18. März meist schon zu warm und am 18. Dezember in der Regel immer noch grün ist, bleibt nur der 18. Januar. In Deutschland war der 18. Januar gar eine zeitlang offizieller Feiertag, hatte aber nichts mit Schneemännern zu tun, sondern mit jenen Männern, die am 18. Januar im Spiegelsaal des Schlosses Versailles das Deutsche Reich ausriefen und den darob eher begrenzt amüsierten preußischen König Wilhelm I. zum Kaiser erhoben. 17 (und nicht 18!) Jahre später sollten ihm Sohn und Enkel auf den Thron folgen, die Gründerzeit schleichend in eine Vorkriegszeit übergehen und ein Sturm anheben, von dem sich Europa lange nicht erholen würde.

Ein ganz anderer Sturm - nämlich ein atmosphärischer und damit gewissermaßen echter - fegte am 18. Januar 2007, also heute vor zehn Jahren über das Land. Kyrill hieß das Tiefdruckgebiet und damit auch der mit ihm verbundene Orkan, der etwas mehr als sieben Jahre nach Lothar mal wieder zeigte, welche Kräfte die Natur entfesseln kann. Der Druckunterschied zwischen dem Minimum im Tief und dem zwischen Kyrill und einem weiterem Tief eingequetschen Hoch betrug bis zu 50 hPa, die Böen erreichten an der Küste und auf Mittelgebirgsgipfeln an die 190 km/h, im Flachland waren es auch bis zu 130 km/h. An den Bau eines Schneemanns war aber auch schon wegen des bis dahin herrschenden milden Wetters mit Temperaturen bis zu 14 Grad nicht zu denken. Insofern freuen wir uns heute über das kühle, aber ruhige Winterwetter und schauen im Keller mal nach Kohlen, einer Karotte und einem Zylinder. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Sicherheitsupdate: Apple hat in der Nacht eine neue Fassung eines Sicherheitsupdates  für OS X El Capitan nachgeschoben. Laut Hersteller behebe dieses ein Problem mit dem Kernel, welches dazu führen könne, dass der Mac ab und an nicht mehr reagiere. Das ursprüngliche Update hatte Apple bereits im Dezember veröffentlicht und nun eine neue Version auf seine Server gestellt. Wer noch nicht auf macOS Sierra aktualisiert hat, sollte das Update in jedem Fall installieren.

Klage: Die US-Behörde FTC (Federal Trade Commission) erhebt in einer Kartellklage gegen Qualcomm schwere Vorwürfe gegen den Chip-Hersteller. So habe Qualcomm etwa Apple dazu gezwungen, exklusiv seine Chips in iPhones und iPads zu verwenden und im Gegenzug dabei Apple günstigere Lizenzgebühren eingeräumt. Das habe laut der Klageschrift die Absicht gehabt, Konkurrenten schwach zu halten. Konkret habe Qualcomm damit verhindert, dass Apple den konkurrierenden 4G-Standard WiMax nutze, hinter dem Intel steckte. Auch andere Maßnahmen habe Qualcomm ergriffen, um seine Stellung zu einem Monopol auszubauen. Im Dezember hatte bereits Südkorea das Unternehmen wegen derartiger Praktiken auf einen Schadensersatz von 890 Millionen US-Dollar verklagt.

Auf die harte Tour: Wohl hat schon jeder, der die iCloud-Fotomediathek nutzt, den Fehler gemacht, diese an einer seiner Maschinen abzuschalten und wieder zu aktivieren. Das Problem dabei: Apples App Fotos ist nicht in der Lage, vor dem Upload einen Abgleich der Bilder durchzuführen und lädt einfach noch einmal alles hoch. In der iCloud selbst entstehen dann zwar keine Doppler, aber gerade wenn man eine langsame Internetverbindung und dafür eine große Mediathek hat, nervt das doch gewaltig. Einen echten Ausweg aus dem Dilemma gibt es nicht, nur einen Aufschub. So kann man natürlich die iCloud-Mediathek wieder ausschalten oder in den Programmeinstellungen auf "Einen Tag pausieren" klicken, wenn man die Gelegenheit hat, den Rechner an einen Platz mit einem schnelleren Internet zu verfrachten. Aber auch in dem Fall sollte man sich darauf gefasst machen, den Patienten über Nacht dort zu belassen. Mal sehen, ob macOS 10.13 im Herbst ein anderes, besseres Verhalten in diesen Fällen zeigt.

Folgen: Prime Minister Theresa May hat gestern endlich dargelegt, wie sie sich den Brexit genau vorstellt - der Kurs des britischen Pfundes hat daraufhin wieder ein klein wenig zugelegt. Gleichwohl hat die Währung des Vereinigten Königreiches seit dem Votum im Juni gut 14 Prozent ihres Wertes eingebüßt, Folgen der Entscheidung sind also bereits jetzt spürbar. So reagiert nun Apple mit einer Preisanpassung im britischen App Store, um die Verluste zu kompensieren und setzt die Preise für Apps und andere Inhalte um teilweise mehr als 25 Prozent hoch. Die niedrigste Preisstufe steigt von 79 Pence auf 99 Pence, statt bei 1,49 Pfund steht die nächste Stufe nun bei 1,99 Pfund - also jeweils im Einklang mit den Beträgen in US-Dollar und Euro. Auch In-App-Käufe werden teurer, die Preise für Abos sollen aber bestehen bleiben. Wie Apple Entwicklern erklärt, werden die Änderungen binnen sieben Tagen wirksam. Auch Filme und Musik sollen im UK demnächst teurer werden. Währungsschwankungen und lokale Steuern müsse Apple bei seiner Preisfestlegung berücksichtigen und die Beträge gegebenenfalls anpassen, erklärte das Unternehmen der BBC. Die Preise nach oben angepasst hat Apple in diesem Zug zudem in der Türkei und in Indien.

Prognose: Der Analyst Ming-Chi Kuo legt dar, wie Apple seiner Ansicht nach in diesem Jahr seine Mobilrechner aufstellen wird. In der Prognose ist nicht viel überraschendes, so meint Kuo, im vierten Quartal werde ein 15-Zoll-Macbook-Pro mit Kaby-Lake-CPU und 32 GB RAM herauskommen. Schon im dritten Quartal werde es neue Modelle mit Kaby Lake in 13 und in 15 Zoll geben aber eben mit maximal 16 GB wie heute. Im Frühjahr seien die Macbooks dran, die mit Kaby Lake ebenso eine neue RAM-Option erhielten, maximal 16 GB anstatt heute 8 GB. Unabhängig davon werde Apple die Preise für das Macbook Pro 13 Zoll ohne Touchbar senken, das neue Modell soll damit endgültig das Macbook Air ersetzen. Apple hatte im vergangenen Jahr die Reihe nicht mehr weiter aktualisiert und das kleinere der MAcbook Air ganz aus dem Sortiment genommen.

USB-Stick mit 2 Terabyte Speicherkapazität

Der Hersteller Kingston hat mit dem DataTraveler HyperX Predator USB 3.0 seit einiger Zeit einen 1-Terabyte-USB-Stick im Portfolio. Kürzlich hat Kingston nun ein noch "fetteres" Exemplar präsentiert: Der USB-Stick trägt den Namen DataTraveler Ultimate Generation Terabyte und bietet eine Speicherkapazität von satten 2 Terabyte. Der USB-Stick nutzt zum Anschluss an einen Rechner die USB 3.1 Schnittstelle.

Der 2-TB-USB-Stick ist 72 x 27 x 21 Millimeter groß und damit deutlich größer "normale" USB-Sticks. Dafür bietet er aber eben ein Vielfaches an Speicherplatz. So passen auf den USB-Stick beispielsweise etwa 70 Stunden Videos im 4K-Format oder 256.000 Fotos in der 16-MB-Variante, wie Kingston vorrechnet.

Der USB-Stick mit 2 TB Speicherkapazität soll ab Februar erhältlich sein. Einen Preis verrät der Hersteller nicht. Die bereits seit einiger Zeit erhältliche 512-GB-Version des USB-Sticks kostet aktuell bei Amazon im Angebot etwa 390 Euro (UVP: 569 Euro). Im US-Shop listet Amazon den Stick mit 1 Terabyte mit einem Preis von 2.670 US-Dollar (etwa 2.500 Euro). Entsprechend hoch dürfte also der Preis für das neue 2-TB-Modell ausfallen...

Netzagentur zieht knapp eine Mio. Produkte aus dem Verkehr

Es ist heute kein Problem, ein Elektronikprodukte direkt aus China zu beziehen. Viele dieser Produkte wie FM-Transmitter, Drohnen und Funkkopfhörer entsprechen aber nicht den EU-Vorschriften. Wie die für die Marktüberwachung zuständige Bundesnetzagentur jetzt berichtet, hat sie 2016 insgesamt 986 000 Produkte aus dem Verkehr ziehen müssen, die im Internet angeboten wurden. Immer mehr davon stammten aus China. Durch die Nutzung zu hoher Sendeleistung oder unzulässiger Frequenzen können sie Funkstörungen und elektromagnetische Unverträglichkeiten verursachen –  Beispiele für solche Unverträglichkeiten sind „Prasseln“ im Radio, ein fehlerhaftes Billig-Netzteil stört die DSL-Verbindung oder man sieht Streifen im TV-Bild. Aber auch der Funksprechverkehr von Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehr kann beeinträchtigt werden. Das CE-Zeichen soll die Einhaltung der entsprechenden Normen und Standards gewährleisten.

Bei 537 Internetanbietern hat die Bundesanetzagentur im letzten Jahr deshalb den Verkauf von Produkten untersagt, dazu gehörten allein 744 000 FM-Transmitter mit falschen Frequenzen und zu hohen Sendeleistungen. Von einigen Geräte sei außerdem Stromschlaggefahr ausgegangen, so die Behörde. Wegen Nutzung sicherheitsrelevanter Funkfrequenzen sperrten die Prüfer außerdem 201 000 Funkkopfhörer, wegen "administrativer Mängel" zusätzlich 21 000 Drohen. Aber auch Handfunkgeräte, QI-Wireless-Ladegeräte, Funsteckdosen und Ultraschallgeräte waren betroffen.

Nicht nur der Onlinehandel selbst wird in Form von Stichproben überprüft, die Bundesnetzagentur arbeitet außerdem mit dem Zoll zusammen, der auffällige Produkte meldet. Etwa 10 000 Warensendungen mit ungefähr 270 000 Produkten habe der Zoll von der Agentur prüfen lassen, von denen nur 12 Prozent eine Freigabe erhielten.

Weitere Informationen zum Thema Funkstörungen sind hier verfügbar .

Gericht: Dürfen Gefangene im Internet surfen?

Bislang dürfen Strafgefangene nicht auf das World Wide Web zugreifen. Das Menschenrechtsgericht in Straßburg muss nun klären, ob Internet im Knast als Grundrecht angesehen werden muss. Anlass für die Prüfung gab ein Gefangener aus Litauen. Er wollte sich über Weiterbildungsmöglichkeiten informieren, konnte dies mangels Internetzugang aber nicht tun.

Nun muss sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrecht mit der Frage beschäftigen, ob ein Internetverbot im Gefängnis eine Verletzung der Informationsfreiheit darstellt. Auch hierzulande dürfen Gefangene nicht ins Internet . Zwar gibt es Pilotprojekte mit lokal gespiegelten Versionen von Wikipedia oder dem Aufritt des Arbeitsamtes. Grundsätzlich vertritt die Justiz jedoch die Meinung, dass ein freier Internetzugang gefährlich sein könnte.

Gegner dieser Ansichten sehen einen Internetzugang als wichtigen Punkt für die spätere Resozialisierung an. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten könnte sich indes einen beschränkten Zugriff auf bestimmte Seiten sowie eine kontrollierte Nutzung von E-Mails vorstellen.

AMDs Zen-Prozessor Ryzen auf Augenhöhe mit Intel Core i7

Bis zu 40 Prozent mehr Recheneffizienz: Schon im Vorfeld hatte AMD angekündigt, dass die Zen-Architektur circa 40 Prozent mehr Befehle pro Taktrate abarbeiten kann als die Vorgängergeneration. Diese Leistungseinschätzung scheint sich jetzt auf dem hauseigenen Tech Summit zu bestätigen:

Danach ist der AMD Ryzen mit einem Basistakt von 3,4 GHz beim Transcodieren eines UHD-Videos ins Full-HD-Format mit der Software Blender einen Tick schneller als Intels Core i7-6900K mit 3,2 GHz - und das bei einer nahezu identischer Leistungsaufnahme von 180 Watt von beiden Systemen. Auf Augenhöhe rechneten die beiden CPUs auch unter Battlefield 1 und lieferten im Zusammenspiel mit einer Titan X rund 60 bis 70 Bilder/s (hohe Details, UHD-Auflösung). In anspruchsvollen Szenen lag das Ryzen-System sogar einen Tick vor dem Intel-Prozessor.

Natürlich sind solche einzelnen, von AMD ausgewählten Benchmarks, mit Vorsicht zu genießen. Aber trotz aller Skepsis kann man sagen: So nah am Platzhirsch Intel war AMD schon lange nicht mehr dran. Zumal der AMD Ryzen - im Gegensatz zum Core i7 in dem Test noch ohne Turbotakt lief. Wie hoch die Boost-Leistung beim Desktop-Zen sein soll hat AMD übrigens noch nicht verraten.

AMD Ryzen könnte für einen CPU-Preissturz sorgen

AMDs Ryzen könnte also tatsächlich den Wettbewerb bei Desktop-CPUs beleben. Vor allem im Highend-Bereich diktiert Intel mangels Konkurrenz seit Jahren die Preise und kassiert für seine Extreme-Edition-Modelle Mondpreise von 1000 Euro und mehr. Wieviel AMD für seine Ryzen-Modelle verlangt, die im ersten Quartal 2017 auf den Markt kommen, steht zwar noch nicht fest. Nimmt man AMDs bisherige Preispolitik als Maßstab, könnte das Ryzen-Spitzenmodell bis zu 500 Dollar günstiger sein als Intels 6900K - die Spekulationen unserer US-Kollegen von pcworld.com gehen ebenfalls in diese Richtung.

Die Octa-Cores im direkten Vergleich: AMD Ryzen 3,4 GHz vs Intel Core i7-6900K

AMD Ryzen kommt in drei Modell-Reihen

Wie bei Mikroprozessoren üblich schwankt die Produktionsqualität eines Wafers. Das gilt auch für die Ryzen-Fertigung. Nur ein Teil der Dies kann AMD als voll funktionsfähige Octa-Cores verkauften. Der „Ausschuss“ kommt als Sechs- oder Vierkerner auf den Markt. Entsprechend will AMD Ryzen-Modelle mit 4, 6 und 8 CPU-Kernen und unterschiedlichen Taktraten anbieten.

Entsprechende Abstufungen dürften auch beim Pufferspeicher zu sehen sein, der beim Spitzenmodell 20 MB groß ist und sich aus 512 KB L2-Cache pro Kern sowie 16 MB L3-Cache zusammensetzt. Auf der Hand läge die Positionierung: Ryzen-Quadcores gegen Core i3, Hexacores gegen Core i5 und Octacores gegen Core i7. Im Bereich zwischen 150 bis 250 Euro könnte AMD also zwei CPU-Kernen mehr als Intel zu einem ähnlichen Preis anbieten. Wählt AMD diese Strategie, müsste Intel mit Preissenkungen gegensteuern.

AMD Zen: 14 nm, 1331 Pins, AM4-Sockel und drei spezialisierte Chipsätze

Die im 14-Nanometer gefertigte Xen-Generation schließt auch bei der Leistung/Watt zu Intel auf. War der FX-Vorgänger noch als Heizlüfter verschrien, so scheint AMD auch hier einen guten Job gemacht zu haben: So gibt der Hersteller die TDP (Thermal Design Power) des Ryzen-Spitzenmodells mit 95 Watt an. Das wäre eine rund 30 Prozent geringere Leistungsaufnahme als beim direkten Konkurrenten Intel Core i7-6900K und böte genügend Reserve, um sogar den etwas energieeffizienten Kaby-Lake-CPUs von Intel - die Anfang 2017 auf den Markt kommen - noch Paroli zu bieten.

Neue Architektur, neuer Sockel: AMD hat bei der Zen-Architektur vieles radikal verändert. Ein neuer CPU-Steckplatz ist hier de facto unvermeidlich - zumal sich hier die Gelegenheit bietet, das Tempo, die Anzahl der Datenleitungen und den Funktionsumfang zu erhöhen. Unter anderem wandert PCI Express 3.0 direkt in die CPU. Im Vergleich zum „AM3+“-Steckplatz mit 942 Pins erhöht sich die Anzahl der Signalkontakte beim AM4 um mehr als 40 Prozent auf 1331. Zudem kehrt AMD vom Sockel-Typ Zero Insertion Force (ZIF) zum rasterförmig angeordneten Pin Grid Array (PGA) zurück.
 
Neue Architektur, neue Chipsätze: Ein neuer Prozessorsockel bedarf logischerweise auch neuer Chipsätze, damit das höhere Tempo auch bei der Controller-Peripherie ankommt. Seinen Xen-Prozessoren spendiert AMD gleich drei davon: Den Brot-und-Butter-Chipsatz stellt der B350 dar. Er erlaubt das Übertakten des Ryzen, allerdings nicht den Crossfire- respektive SLI-Betrieb von zwei Grafikkarten. Zudem bringt der B350 USB-Controller für bis zu 2x USB 3.1 G2, 2x USB 3.1 G1 und 6x USB 2.0 sowie 2x SATA 3 und 2x M.2 mit.

An Sparfüchse richtet sich die A320-Variante, der die OC-Funktion fehlt und die Anzahl der USB-Ports auf 1x USB 3.1 G2, 2x USB 3.1 G1 und 6x USB 2.0 limitiert ist. Hinzu kommen 2x SATA 3 und 2x M.2 sowie der für alle Ryzen-Chipsätze obligatorische Raid-Controller, der die Modi 0, 1 sowie 10 beherrscht.

Für Gaming-Systeme ist der X370-Chipsatz gedacht, der den Crossfire- oder SLI-Betrieb von zwei Grafikkarten beherrscht und das Übertakten der Ryzen-CPU erlaubt. Zudem bringt der AMD X370 USB-Controller für bis zu 2x USB 3.1 G2, je 6x USB 3.1 G1 und USB 2.0 sowie 4x SATA 3 und 2x M.2 mit.

Neue Architektur, neue Mainboards: Neue Chipsätze erfordern auch neue Hauptplatinen. Hier nutzt AMD die Gelegenheit, die Xen-Plattform auf den Stand der Technik zu bringen. Dazu gehört beispielsweise der Wechsel von DDR3- auf DDR4-Speicher. Mainboard-Hersteller wie Asrock, Asus, Biostar, Gigabyte und MSI haben bereits diverse AM4-Modelle für den AMD Ryzen zur Marktreife entwickelt. PCs mit dem Ryzen-Prozessor sollen ab Februar 2017 etwa von Caseking, Mindfactory, Medion und PC Spezialist erhältlich sein.

Komplett umgekrempelte Microarchitektur

Mit dem Zen führt AMD das Simultaneous Multithreading (SMT) ein, das es jedem Kern erlaubt, zwei Aufgaben gleichzeitig abzuarbeiten. Intel hat diese flexible Nutzung der Rechenleistung von Mehrkern-CPUs schon vor Jahren mit "Hyperthreading" etabliert. Damit der Zen SMT beherrscht, dürfen jetzt wieder alle Kerne ihre eigenen Recheneinheiten exklusiv nutzen - vom L3-Caches einmal abgesehen - und müssen sie nicht wie bei der Vorgängergeneration mit anderen Kernen teilen.

Eine gewisse Verwandtschaft zu Intels Ring-Bus-Konzept kann der Data Fabric des Zen nicht verleugnen. Über diesen Datenbus kommunizieren alle Prozessorkerne direkt miteinander. Der Data Fabric geht aber noch einen Schritt weiter. AMD will den aufgebohrten Hypertransport auch nutzen, um die Zusammenarbeit der CPU- und GPU-Kerne bei Xen-Prozessoren mit integrierte Radeon-Grafik (APU) zu verbessern. Durch einen kombinierten HBM2-DDR4-Controller verspricht sich AMD auch einen deutlich schnelleren Datenaustausch zwischen Grafik- und Arbeitsspeicher.

Höhere Recheneffizienz pro Watt durch SenseMI

Unter dieser Technik fasst AMD fünf Maßnahmen zusammen, die Hand in Hand greifen.
Pure Power soll fortlaufend die Taktfrequenz, Spannungsversorgung und Temperaturentwicklung in einer Zen-CPU überwachen. Laut AMD ist es so möglich, ein konstant hohes Tempo in den gerade genutzten Recheneinheiten zu halten und dabei die Leistungsaufnahme des Zen-Prozessors zu senken.

Precision Boost erlaubt die Regulierung der Taktfrequenz in 25-Mhz-Intervallen. Laut AMD lässt sich so die zur Verfügung gestellte Leistung besser an die in Echtzeit benötigte Rechenpower anpassen.
Extented Frequency Range (XFR) erhöht - eine entsprechend gute Kühlung vorausgesetzt - den Spielraum für kurzfristig auftretende Übertaktungsspitzen. Wer also in seinem Zen-System statt einer Luft- eine Wasserkühlung einsetzt, wird mit höheren und längeren Turbo-Taktraten belohnt.

Neural Net Prediction ist laut AMD eine optimierte Sprungvorhersage, bei der nicht nur Befehlsverzweigungen, sondern auch -abhängigkeiten miteinbezogen werden, um die vermeintlich schnellsten Rechenweg vorherzusagen.
Smart Prefetch soll ein effizienteres Vorhalten von Daten im Prefetch-Puffer für wahrscheinlich stattfindende Berechnungen erlauben.

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