2587349

Morgenmagazin vom Mittwoch, 19. Mai 2021

19.05.2021 | 07:31 Uhr | Peter Müller

Bloomberg: Neuer Mac Mini mit 10 Kernen, Macbooks mit 64 GB Speicher und Mac Pro mit bis zu 40 Kernen in Arbeit +++ Erste Tests des iMac M1 +++ Apple Watch Series 7 soll eckig werden +++ Amazon Music HD jetzt ohne Zusatzkosten +++ EU-weiter Drohnen-Führerschein in Kraft +++ Googles Telefon-App kündigt Anrufer per Sprache an

19. Mai: 20 Jahre Einkaufserlebnis neu definiert

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Die älteren Leser werden sich erinnern: Es gab mal eine Zeit, in der der FC Bayern München nicht in jedem Jahr Meister wurde. Nur in fast jedem. Aber es war zumindest immer recht knapp, Spannung bis zum Schluss. Vor 35 Jahren etwa: am letzten Spieltag noch Werder Bremen überholt. Oder jenes irre Finish heute vor 20 Jahren, als der HSV (!) in der 90sten Minute Schalke (!!) für vier Minuten zum Meister machte, ehe der indirekte Freistoß zwar in Hamburg ins Netz traf, aber in Gelsenkirchen ins Herz. Ironie dabei: genau elf Jahre später klatschte ein Elfmeter in München an den Pfosten und traf den Serienmeister so tief ins Herz, dass wir niemals über das Unglück, das die Schalker, Hamburger und Bremer dieser Tage ereilt, spotten würden. Gibt dann wenigstens eine namhaft besetzte zweite Liga nächstes Jahr, mit Spannung bis zum Schluss.

Was uns vom 19. Mai 2001 sonst noch in Erinnerung blieb, ist etwas, das wir fast schon so lange vermissen wie Schalke die Schale oder der HSV die Bundesliga: An jenem Samstag eröffnete Apple die ersten beiden Filialen seiner eigenen Ladenkette in McLean, Virginia und Glendale, Kalifornien. Orte, die man kaum kennt, die aber in der Nähe weit bekannterer Städte liegen: Washington D.C. und Los Angeles.

Der Apple Store hat also eher klein angefangen, was mit Sicherheit keine schlechte Idee war. Denn so viele Markenshops von Computerherstellern sind mehr oder minder krachend gescheitert, vor Apple etwa Gateway. Warum sollte es Apple nicht genau so gehen? Weil Apple eben ein paar bessere Ideen hatte. Zum einen: Die Apple Stores liegen allsamt in erstklassigen Lagen, entweder direkt in belebten Einkaufsstraßen oder in gut besuchten Einkaufszentren. Die offene Architektur mit den bis an den Boden reichenden Glasfronten - der ganze Laden ein einziges Schaufenster. Und natürlich die Strahlkraft der Marke Apple, die zu jener Zeit, als die Stores eröffneten, aber noch ein ganzes Stück weg vom iPod war und meilenweit entfernt vom iPhone.

Dass die Apple Stores aber schon gut als die eines Computerherstellers funktionierten, war nicht zuletzt einer Idee zu verdanken, die der damalige Retail-Chef Ron Johnson kurz vor der geplanten Vorstellung der neuen Stores im Januar 2001 zur Macworld Expo hatte und die die Sachen nochmals verzögerten: Anstatt den Store nach Produkten zu sortieren - hier iBook, dort iMac und in der Ecke Powerbook - schlug Johnson vor, die Produkte nach Lösungen zu sortieren. Also etwa: Hier digital Hub, dort Office, da drüben Schule und in der Ecke professionelles Desktop Publishing. Ausweislich der Biographie von Walter Isaacson war Steve Jobs über den Last-Minute-Vorschlag Johnsons derart aufgebracht, dass man "zur Schnecke machen" noch als Euphemismus bezeichnen musste. Doch nach einer Nacht des Überlegens ließ Jobs genau das umsetzen, was Johnson vorgeschlagen hatte.

Den Apple Store von heute erkennt man kaum in den kleinen Originalen vom Mai 2001 wieder, im Kern sind sie aber gleich geblieben: lösungsorientiert. Johnsons Nachnachfolgerin Angela Ahrendts, mittlerweile auch wieder aus dem Unternehmen ausgeschieden, wagte die größte Transformation seither: Der Apple Store solle zu einem Treffpunkt werden, von Gleichgesinnten, von Leuten, die etwas über digitale Fotografie erfahren oder von den allgegenwärtigen Genies hinter den Tresen. Der Verkauf des Produktes wird scheinbar zur Nebensächlichkeit.

Und heute? Stehen wir vor meist geschlossenen Türen, haben wir nicht einen Termin vereinbart und eine Bescheinigung über einen Negativtest oder eine zweimalige Impfung dabei. Aber das wird sich auch wieder ändern - und der Apple Store von der bloßen Reparaturannahmestelle oder der zur Abholung neuer und gewarteter Produkte erneut ein Treffpunkt sein, an dem man alles bekommt außer Kaffee.

Lesetipps für den Mittwoch

Weiter geht es: Zwei Jahre will sich Apple nach eigenen Angaben Zeit nehmen, seine Macs von der Intel-Plattform auf das eigene Silizium umzustellen. Letzten November kamen mit Macbook Air M1, Macbook Pro M1 und Mac Mini M1 die ersten Varianten, den iMac M1 vom April, der nun bei ersten Testern aufschlägt, kann man als ersten echten Apple-Silicon-Mac bezeichnen. Die Reise geht weiter, wohin genau die nächsten Schritte führen, zeigt Mark Gurman auf Bloomberg auf. Im Sommer 2021 sollen zunächst zwei neue Macbook Pro mit 14- und 16-Zoll-Gehäuse kommen, mit neu gestalteten Gehäusen, Magsafe und mehr Thunderbolt-Ports als die M1-Rechner, dazu soll es die Rückkehr von SD-Card und HDMI geben. Zwei Chip-Varianten soll es geben, mit acht High-Performance-Kernen und zwei stromsparenden, dazu die Wahl zwischen 16 und 32 Grafikkernen, der gemeinsame Speicher solle bis zu 64 GB betragen. Ähnlich aufgerüstet soll eine weitere Revision des Mac Mini kommen, doch die stehe auf der Kippe. Die neuen Mac Pro sollen indes 20 bis 40 Rechenkerne haben, 16 respektive 32 High-Performance-Kerne und vier respektive acht effiziente Kerne. Das Design soll dem Mac Pro von 2019 ähneln, der seit Monaten entwickelte Rechner aber etwas kleiner ausfallen. Ende des Jahres soll noch ein überarbeitetes Macbook Air kommen - womöglich in Farben, wie andere Quellen behaupten. Dieses soll dann auf einen verbesserten M1-Chip setzen, mit der gleichen Anzahl von Kernen, die aber mit höherer Geschwindigkeit arbeiteten.

Comes in Colors: An die Rollig Stones und eine Apple-Werbung für den iMac des Jahres 2000 erinnert Jason Snells Test des neuen iMac M1 auf Six Colors (nomen est omen …) – "She's a Rainbow". Doch die Farbe ist eben nocht so aufdringlich, wie man vermuten könnte. Sitze man vor der Maschine lenkt die pastelle Variante auf dem Kinn weniger ab auch die eher grauen als weißen Rahmen um den Bildschirm stören nicht. Überraschend fest steckt das Magsafe-Stromkabel an der Rückseite, der Bildschirm liefere die von Apple gewohnte Leistung hinsichtlich Tonumfang, Auflösung, Kontrast und Helligkeit. Die Frontkamera ist die gleiche wie im eingestellten iMac Pro, dank der neuronalen Kerne des M1 liefere sie aber weit bessere Bilder. Die Leistung kennt man im Prinzip schon von den M1-Macs des letzten Herbst, die Benchmarks liegen in der gleichen Größenordnung. Aber gegenüber dem Vorgänger, dem Intel-iMac 21,5 Zoll eben um 50 Prozent höher. Alles in allem ein hervorragender Computer. Und dabei handelt es sich noch um das Low End …

Flach: Die erste Fassung des iMac-Tests hatte Spiegel-Redakteur Matthias Kremp – man kennt ihn noch von der MacUP –  noch recht frech betitelt: Purple to the people. Dabei spielt der Kollege auch auf einen Eyeshader von MAC (sic!) an, und natürlich auf die Farbe seines Testgerätes. Sonderlich viel Neues lernen wir aus dem Testbericht nicht, aber zwei interessante Aspekte: Die Verpackung enthält nun keinerlei Kunststoff mehr und die Mikrofone der flachen Flunder sind vielleicht doch nicht so gut wie Apple das suggeriert: Tonaufnahmen klingen ein wenig hallig. Immerhin lasse der iMac M1 in Sachen Leistung wenig zu wünschen übrig, wie Kremp an einer Logic-Pro-Datei mit einem Projekt von Billie Eilish feststellt. 

Same, but different: Was für Apple die WWDC, ist für Google die I/O, nur dass die Entwicklerkonferenz des Mac-Herstellers mehr Beachtung findet. Interessante Details zu Android 12 hat Google dennoch gestern vorgestellt, vor allem in Sachen Privatsphäre macht Google einen deutlichen  Sprung. Gewissermaßen zieht der Konkurrent nach und folgt Apples Vorbild, wenn auch nicht ganz so konsequent, denn die Ad Tracking Privacy aus Cupertino bleibt unerreicht, trotz der Möglichkeit, Tracking zu unterbinden. Was Google in Android aber recht gut macht, ist ein Dashboard, das genau zeigt, welche Apps zuletzt auf welche Funktionen zugriffen, eine ähnliche Übersicht würde man sich von iOS 15 geradezu wünschen. Ansonsten hat Google von Apple gelernt, lässt Apps viele Berechnungen auf dem Gerät selbst durchführen, was zu Datensparsamkeit führt oder lässt nur ungefähre Ortsinformationen zu, etwa für Wetterapps, welche die genaue Adresse nicht wissen müssen.

Fehlerbehebung: Die Ad Tracking Transparency ist zwar auf allen iPhones mit iOS 14.5 enthalten, doch berichteten manche Anwender, sie könnten sie nicht aktivieren, da der entsprechende Schalter in den Einstellungen ausgegraut sei. Apple scheint diesen Fehler aber allmählich zu beheben, immer mehr der Betroffenen melden nun, dass sich der Schalter bewegen lasse. Was die Ursache war, erklärt Apple nicht, in den Release Notes zu iOS 14.5.1 steht auch nichts dazu.

Eckig in Grün : Die Apple Watch Series 7 soll nach Aussagen des bekannten Leakers Jon Prosser im Herbst sich im Design anderen aktuellen Apple-Produkten anpassen und so eckig werden wie etwa das iPhone 12. Die Änderungen seien aber ansonsten nicht wesentlich, neu werde eine grüne Farboption. Prosser tätigt seine Aussagen in einem Podcast, weitere Informationen zur nächsten Apple Watch werde es in nächster Zeit geben.

Aufgegeben: Windows 10X kommt nicht 2021, sondern später. Oder auch gar nicht. Beziehungsweise in Teilen. Als alter Mac-Anwender mag man sich an Apples gescheitertes Projekt Copland von vor fast 30 Jahren erinnert fühlen, dessen bessere und spannendere Entwicklungen wenigstens Teil von Mac-OS 8 wurden. Windows 10X, vor gut zwei Jahren mit  Dual-Screen-Geräten wie dem Surface Neo vorgestellt, sollte eine sinnvolle Weiterentwicklung des Betriebssystems für mobilere Geräte werden, mit einem reduzierten Design und Feature-Set, hier ähnelt macOS 11 Big Sur dem Konzept, mit seiner Anlehnung an iPadOS und iOS. Doch Windows 10X werde nun nicht wie geplant im Jahr 2021 erscheinen, erklärt John Cable, Microsofts Head of Windows Serving and Delivery: ""Anstatt ein Produkt mit dem Namen Windows 10X im Jahr 2021 auf den Markt zu bringen, wie wir es ursprünglich vorhatten, nutzen wir die Lehren aus unserer bisherigen Reise und beschleunigen die Integration wichtiger grundlegender 10X-Technologie in andere Teile von Windows und Produkte des Unternehmens."

Weitere Nachrichten:

Amazon Music HD jetzt ohne Zusatzkosten

Nahezu zeitgleich mit Apple hat auch Amazon eine wichtige Ankündigung zum Thema Musik-Streaming im verlustfreien Format (Lossless Audio) gemacht. Bei Apple startet es im Juni, bei Amazon geht es sofort los. Amazon Music HD ist jetzt für alle Abonnenten von Amazon Music Unlimited kostenlos erhältlich. Bisher fielen Extra-Kosten in Höhe von 5 Euro an. Amazon Music Unlimited selbst kostet 7,99 Euro beziehungsweise 9,99 Euro (für Familien) monatlich.

 

Amazon Music HD bietet den Nutzern eine verlustfreie Audio-Wiedergabe. Während bei anderen Streaming-Diensten Musik meist nur mit 320 kbps angeboten wird, liefert Amazon Music HD mehr als 70 Millionen Songs mit bis zu 850 kbps (16 Bit, 44,1 kHz) und damit in CD-Qualität aus. Über 7 Millionen Songs sind sogar in "Ultra HD" mit bis zu 3.730 kbps und damit 10-facher Bitrate verfügbar. Außerdem bietet Amazon Music HD auch 3D Audio über Dolby Atmos und dem Sony-360RA-Format an, welches von Geräten wie Echo Studio und diversen Kopfhörern unterstützt wird.

Weitere Anbieter von Musikstreamings in HiFi-Qualität: Tidal Hifi für 19,99 Euro im Monat und Deezer Hifi für monatlich 15 Euro.

Spotify HiFi startet noch in diesem Jahr

Erst im Februar 2021 hatte der Musik-Streaming-Dienst Spotify angekündigt, noch in diesem Jahr Spotify HiFi starten zu wollen. Über diese Abostufe sollen die Nutzer dann die Musik in einer noch besseren Qualität anhören können. Spotify bietet bisher als beste Sound-Qualität 320 Kilobit pro Sekunde (komprimiert). Mit Spotify HiFi gibt es dann künftig Musik in CD-Qualität im verlustfreien Audio-Format (etwa 1.410 Kilobit pro Sekunde) auf alle Geräte und Lautsprecher mit Spotify Connect Unterstützung. Genauere Angaben dazu, wie viel Spotify HiFi kosten und wann das Angebot starten wird, machte der Streaming-Anbieter bisher noch nicht.

 

EU-weiter Drohnen-Führerschein in Kraft

Wer eine Drohne fliegen möchte, die mehr als 500 Gramm wiegt, benötigt in Deutschland und in der EU einen Drohnen-Führerschein, den sogenannten Kompetenznachweis. Einheitliche Regeln dafür sind bereits am 1. Januar 2021 in Kraft getreten. Der „Kleine Drohnenführerschein“ (EU-Kompetenznachweis A1) gilt für Drohnen bis 900 Gramm. Wer schwereres Gerät bis 25 Kilogramm fliegen will, benötigt den Kompetenznachweis A3.

Ähnlich wie bei der PKW-Fahrschule muss für den Drohnen-Führerschein ein Online-Training und ein darauf folgender Online-Test beim Luftfahrt Bundesamt absolviert werden. Hier wird in Multiple-Choice-Fragen, die innerhalb von 30 Minuten beantwortet werden müssen, das Wissen des Drohnenpiloten getestet. Der Test kann beliebig oft wiederholt werden. Bei Anmeldung zur Prüfung erhalten Drohnen-Piloten auch eine Betreiber-ID, die sie an ihrer Drohne anbringen müssen.

Wer sein Drohne näher als 150 Meter an einem Wohn- oder Naherholungsgebiet fliegen lassen will, benötigt den „Großen Drohnenführerschein“, das Fernpiloten-Zeugnis A2. „Hier geht es vor allem darum, zu überprüfen, ob der Pilot das Gerät wirklich ausreichend gut kennt und zum Beispiel seine Tragkraft richtig einschätzen kann, um die Drohen jederzeit unter Kontrolle halten zu können“ , erklärt Jasper Heyden von der Drohnenflugschule Nürnberg. Die Prüfung kann aktuell in Deutschland an zehn vom Luftfahrt Bundesamt zertifizierten Stellen abgelegt werden.

Googles Telefon-App kündigt Anrufer per Sprache an

Wenn das Android-Smartphone einen eingehenden Anruf ankündigt, müssen Nutzer bislang noch auf das Display schauen, um die Identität des Anrufers nachvollziehen zu können. Dies will Google mit einer neuen Funktion in seiner Telefon-App ändern: Ein neues Update der Software sorgt dafür, dass eingehende Anrufe zusammen mit der zugehörigen Telefonnummer und dem Name des Anrufers per Sprache angekündigt werden. Somit kann der Smartphone-Nutzer sofort nachvollziehen, wer hier gerade anruft. Andere Hersteller haben eine derartige Funktion bereits umgesetzt, Googles Vorstoß dürfte jedoch eine größere Nutzerschaft erreichen, denn die Telefon-App von Google ist auf nahezu allen Android-Smartphones vorinstalliert. 

Die Funktion lässt sich nach dem Update in den Einstellungen aktivieren. Dort kann auch eingestellt werden, ob eingehende Anrufe immer oder nur beim Benutzen eines Kopfhörers per Sprache angekündigt werden sollen. Letzteres kann hilfreich sein, wenn nicht alle umstehenden Menschen auf den gerade eingehenden Anruf aufmerksam gemacht werden sollen. Im Zusammenspiel mit der Möglichkeit, bestimmte Anrufe zu blockieren, will Google damit auch das Abwehren unerwünschter Werbeanrufe vereinfachen. Auch Nutzer mit visuellen Einschränkungen könnten von der Funktion profitieren. Bislang bleibt diesen Menschen oft nur die Möglichkeit, die Identität des Anrufers mit einer Annahme des Gesprächs herauszufinden. Das Update für die Telefon-App von Google wird über den Google Play Store angeboten. Nach dem Update können die hierfür notwendigen Einstellungen vorgenommen werden. Ob das Feature in allen Ländern ausgerollt werden soll, ist allerdings noch nicht bekannt.

Macwelt Marktplatz

2587349