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Morgenmagazin vom Mittwoch, 2. Dezember 2015

02.12.2015 | 06:56 Uhr |

2. Dezember 2015 +++ Adobe benennt Flash CC in Animate CC um +++ Zuckerberg stiftet sein Vermögen +++ Mac-OS auf dem Raspberry Pi +++ Youtube Red mit gutem Start +++ Sony erlaubt Zugriff auf siebten Kern der PS4 +++ OnePlus bietet eine Anti-iPhone-Hülle an +++ 4K-Kopierschutz angeblich schon geknackt +++ Apple zahlt 1.700 Euro für gelöschte iPhone-Daten +++ Google Street View dokumentiert Klimawandel +++ Mit dem Air Pencil malen wie Picasso

Was heute wichtig wird: 2. Dezember 2015

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Hamburg hat am Sonntag Olympischen Spielen zwar nicht krachend aber immerhin klar eine Absage erteilt. Mal davon abgesehen, dass die Hansestadt gegen Los Angeles, Paris und Rom weder 2024 noch 2028 eine realistische Chance gehabt hätte, ist die Ablehnung der Spiele verständlich. Zu intransparent, feudalistisch und korrupt sind trotz großspuriger Versprechen zur Verbesserung die Vorgänge im IOC, zu teuer wären Durchführung und Baumaßnahmen gekommen. Hamburg und vergleichbare Großstädte stehen vor anderen Strukturmaßnahmen, die für die Spiele notwendigen wären wohl eher kontraproduktiv gewesen.

Dennoch ist im Fall Hamburg die Ablehnung genau so schade wie es vor zwei Jahren das Nein zu Winterspielen im Jahr 2022 in München und Umgebung war. Das IOC hätte derartige Austragungsorte womöglich nötiger als München und Hamburg das IOC, es wären sowohl am Alpenrand als auch an der Waterkant heiter, beschwingte, fröhliche und coole Spiele geworden. Vor 2032 wird es damit aber nichts mehr. Derweil sieht der Sportsfreund Großveranstaltungen in zweifelhaften Demokraturen entgegen, Fußball-WM 2018 in Russland, Winterspiele 2022 in Peking, noch ein Fußball-WM 2022 in Katar. Der international bekannte Menschenrechts- und Compliance-Experte Franz B. aus K. will bei einem Besuch im Emirat vor ein paar Jahren bekannterweise keine Sklaven gesehen haben. Niemand sei dort in Ketten oder im Büßergewand herumgelaufen.

Franz B. ist in den letzten Wochen ein wenig ruhiger geworden und beruft sich in einer anderen Affäre auf das schlechte Gedächtnis des 70-Jährigen. Vielleicht sollte er noch einmal genauer hinschauen. Man muss keine Ketten oder Büßerkappen sehen, um Sklaverei als solche zu erkennen. Katar ist gewiss nicht der einzige Staat, bei dem am heutigen Internationaler Tag zur Abschaffung der Sklaverei das Hinschauen lohnt. Auch an den Werkbänken der Welt, an denen schlecht bezahlte Arbeiter unsere Luxusartikel zusammenschrauben, ist Lohnabhängigkeit  nur ein anderes Wort für Sklaverei. Es wäre dennoch grundfalsch, Apple für die Zustände in Chinas Fabriken allein verantwortlich zu machen und ein wenig naiv, von Tim Cook und seinen Mitarbeitern das Ende der Lohnsklaverei zu erhoffen. Apple lässt nur verdammt viele Geräte in China fertigen - und behandelt nach halbwegs unabhängigen Untersuchungen seine Lohnabhängigen aber vergleichsweise gut. Ketten und Büßerkappen sind Vergangenheit, die Sklaverei leider nicht. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Apps für Apple TV: Amazon Instant Video soll nun bald auch auf das Apple TV kommen, was sicherlich Sinn ergibt. Doch es gibt noch weitere Apps, die dem Apple TV gerade noch gefehlt haben. Unsere Kollegen der Macworld haben 12 Stück zusammengetragen die es bald für tvOS geben sollte.

Guter Start: Youtube bietet mit Red seit kurzem eine kostenpflichtige App, mit der man Videos ohne Werbung anschauen und Musik aus dem Google Play Store streamen kann. Der erste Monat, in dem man den Service erst einmal gratis ausprobieren kann, ist vorbei - und Youtbie Red taucht in den USA -  wo sie bisher exklusiv erhältlich ist - in den App Store Charts auf dem fünften Platz unter den umsatzstärksten  Apps auf. Im App Store kostet Red aufgrund der von Apple geforderten Umsatzbeteiligung 13 US-Dollar, was der derzeitige Platz in monatlichen Umsätzen bedeutet, lässt sich nur schätzen. Die Schätzungen variieren dabei von 50.000 bis 300.000 US-Dollar täglich, was etwa 5.000  bis 27.000 Abo-Abschlüsse täglich bedeuten würde.

Neuer Name, alte Probleme: Flash ist nicht tot aber zumindest riecht es recht streng und das nicht erst, seitdem Steve Jobs in einem offenen Brief finstere "Gedanken zu Flash" äußerte und darin erklärte, warum es nie auf iOS-Geräte kommen werde. Unflexible, langsam, CPU-hungrig und vor allem unsicher waren die Argumente, die auch heute noch gelten. Bei Adobe ist die Botschaft längst angekommen und die Entwicklung für mobiles Flash eingestellt, nun geht es auch der Software an den Kragen, mit der bewegte Inhalte für den unsicheren Flash-Player erzeugt. Doch stellt Adobe Flash CC nicht ein, sondern benennt es in Animate CC um. Der neue Name soll der Tatsache Rechnung tragen, dass Flash CC  längst auch andere Formate beherrscht. Laut Adobe entstehe schon mehr als ein Drittel der von Flash CC erzeugten Inhalte als HTML 5.

Charity: Facebook-Gründer und -CEO Mark Zuckerberg will seinen enormen Reichtum nicht mehr. 99 Prozent seines Vermögens, geschätzte 45 Milliarden US-Dollar, will Zuckerberg wohltätigen Zwecken zuführen. Anlässlich der Geburt ihrer Tochter überführen Zuckerberg und seine Frau Chan den Großteil ihres Vermögens in die Stiftung Chan Zuckerberg Initiative, die laut Ankündigung, das "Potential der Menschheit erhöhen und den Kindern der nächsten Generation Chancengleichheit bringen" soll. Erste Maßnahmen sollen besseres Lernen, das Heilen von Krankheiten und die "Bildung starker Gemeinschaften" sein, heißt es noch ein wenig inkonkret. Geld alleine schießt keine Tore und heilt die Welt nicht, es kommt darauf, wer was damit macht. Insofern darf man gespannt sein, was aus der Initiative wird, die als Vorbild die Bill-and-Melinda-Gates-Foundation haben dürfte.

Think Retro: Der Raspberry Pi ist in aller Bastler Munde, die mit dem Billig-Computer die irrsten Sachen anstellen. Christopher Phin hat sich nun entschlossen, auf den Raspberry Pi das (klassische) Mac OS zu installieren, ein Projekt, das einfacher klingt als es sich in der Umsetzung herausstellte. Phin verglich seine Anstrengungen mit denen der Apple-Gründer, Software auf ihre Maschinen Apple I und Apple II zu bekommen...

Weitere Nachrichten:

Sony erlaubt Zugriff auf siebten Kern der PS4

Seit gut zwei Jahren steht Sonys Konsole PlayStation 4 schon in den Händlerregalen. Die Hardware der Plattform scheint gebändigt, aus diesem Grund erlaubt Sony den Spieleentwicklern immer tiefer gehende Eingriffe.

Der in der PS4 verbaute AMD-Prozessor verfügt über acht Kerne, zwei davon waren bislang für Hintergrunddienste reserviert. So zeichnet die Konsole beispielsweise kontinuierlich die letzten Spielminuten als Video auf, um spezielle Momente auf YouTube teilen zu können.

Laut einem Entwicklerdokument wird nun der siebte Kern für Spieleentwickler freigegeben, die die zusätzliche Rechenleistung für ihre Titel verwenden können. Microsoft ging diesen Schritt bei seiner Xbox One bereits. Dort war der siebte Kern vorher für Berechnungen der Kinect-Kamera zuständig.

OnePlus bietet eine Anti-iPhone-Hülle an

Das chinesische Unternehmen OnePlus baut normalerweise eigene Smartphones, die ab Start nur per Invite-System erhältlich sind. Jetzt bietet OnePlus laut eigener Aussage "aus Spaß" eine iPhone-Hülle mit der bekannten Sandstone-Oberfläche der eigenen Flaggschiff-Modelle an. Die Hülle ist für das iPhone 6 sowie das aktuelle iPhone 6s verfügbar.

Doch ganz ohne eigennützig startet selbst OnePlus eine solche Aktion nicht. Jedem iPhone-Case liegt ein physischer Invite-Code für das kürzlich vorgestellte OnePlus X  bei. Geben Sie diesen Code auf der Webseite https://oneplus.net/de in Ihrem Store-Account ein. Sie erhalten daraufhin ein Invite für ein normales OnePlus X mit Glas-Gehäuse oder sogar einen Invite für die limitierte Keramik-Edition. Diese Version ist derzeit allerdings nicht verfügbar. Oder der Code führt Sie zu einem Invite, über den Sie ein OnePlus völlig kostenfrei bestellen können.

Das limitierte iPhone-Case geht am 1. Dezember in den Verkauf und wird direkt über den OnePlus-Store vermarktet. Die iPhone-Hülle kostet 19,99 Euro und ist nur für das iPhone 6 und das iPhone 6s verfügbar.

4K-Kopierschutz angeblich schon geknackt

Der Kopierschutz für 4K-Inhalte ist noch relativ neu, könnte aber schon wieder wirkungslos sein. Darauf deuten zumindest viele in Torrent-Tauschbörsen angebotene Videos hin, die eigentlich nur auf Netflix und Amazon Prime laufen dürften . Unter den Inhalten finden sich brandneue Serien wie "Jessica Jones", wobei eine Folge aufgrund der hohen Auflösung schon mal an der 10-GB-Marke kratzen kann.

Wie genau die Piraten den von Amazon und Netflix verwendeten Kopierschutz HDCP 2.2 umgehen konnten, bleibt unklar. Normalerweise schützt das Protokol alle über HDMI, DVI, DisplayPort oder USB übertragenen Streams. In vielen Windows-10-Rechnern ist der Kopierschutz sogar auf Hardware-Ebene integriert.

Für Hollywood könnte das Knacken von HDCP 2.2 einen schweren Schlag bedeuten. Schließlich ist das Protokoll noch so neu, dass es von vielen 4K-Fernsehgeräten und auch vielen PCs noch gar nicht unterstützt wird.

Apple zahlt 1.700 Euro für gelöschte iPhone-Daten

Ein Rentner aus Großbritannien vermisst nach einem Apple Store Besuch wertvolle Daten auf dem iPhone: die Kontakte, angesammelt in den fünfzehn Jahren, aber auch Fotos und Videos aus den Flitterwochen . Die Vorgeschichte: Deric White schaute im letzten Dezember in einem Apple Store in London vorbei und brachte sein iPhone 5 zur Reparatur. Erst am nächsten Tag, nachdem ein Mitarbeiter sein iPhone wieder ausgehändigt hat, bemerkte der Rentner, dass das Gerät komplett gelöscht und auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt wurde. Alle Daten waren weg.

White sah Apple Mitarbeiter als Schuldige, sie hätten demnach nicht vorgewarnt und die Daten wurden gelöscht. White verlangte vom iPhone-Hersteller eine Kompensation in Höhe von 7.000 Britische Pfund, Apple wollte sich außergerichtlich nicht einigen, so zogen die beiden Parteien vor Gericht. Nach der gestrigen Sitzung hat die Richterin Ruth Fine entschieden : Deric White erhält von Apple für seine gelöschten Daten eine Entschädigung in Höhe von 1.200 Pfund (umgerechnet 1.700 Euro), dazu übernimmt der Beklagte die Gerichtskosten in Höhe von 773 Pfund. Das Gericht hat der Argumentanion des Klägers stattgegeben: "Die Angestellten des Beklagten haben fahrlässig gehandelt, was zu dem Verlust seiner Kontakte und Daten vom hohen emotionalen Wert führte." Apples Anwältin Victoria Nottage argumentierte damit, dass White das Risiko des Datenverlustes bewusst gewesen sein musste, bevor er das iPhone in die Reparatur übergab. Er hatte kein Backup gemacht und seine Daten wissentlich diesem Risiko ausgesetzt.

Google Street View dokumentiert Klimawandel

Der Google Maps Blog verwies auf viele verschiedene Orte auf der Welt, bei denen die Folgen des Klimawandels dank Google Street View deutlich zu sehen sind . Mithilfe der 360 Grad Kamera ließen sich die Aufnahmen aus allen Blickwinkeln gut vergleichen – mit schockierenden Ergebnissen. Unter anderem zeigte ein Bild einen Eisbär am Rande der Hudson Bay, dessen natürlicher Umgebungsraum nicht mehr aus Schnee, sondern größtenteils aus Schlamm und Erde besteht.

Außerdem verfügt Google mit dem sogenannten Street View Trekker über die Technik, auch den Zustand der Blaueichen in Kalifornien zu überprüfen, deren Bestand auf Grund der steigenden Temperaturen und der damit verbundenen Dürre gefährdet ist. Für Wissenschaftler, Studenten oder Schüler, aber auch für interessierte Umweltschützer bietet Google somit eine optimale Plattform, um das brisante Thema leichter zugängig zu machen.

Mit dem Air Pencil malen wie Picasso

Mit der Vorstellung des Air Pencils von der Firma Adtile Technologies, einem ein auf Bewegungstechnologie spezialisiertes Unternehmen, soll es möglich sein, Bewegungen mit Hilfe seines Smartphones festzuhalten und somit Bildaufnahmen mithilfe von Licht aufzunehmen. Was auf den ersten Blick vielleicht wie ein neues Produkt von Apple aussieht, stellt sich als eine App heraus, die über den Webbrowser funktionieren soll.

Auch wenn sich Picassos Hilfsmittel von dem Air Pencil sehr unterscheiden, bleibt die Art und Weise der Anwendung gleich: Laut Adtile Technologies soll man das Smartphone durch die Luft „bewegen, schwingen und gleiten“, sodass die Bewegungen festgehalten werden können – zwar nicht auf einer Kamera, sondern auf dem Bildschirm. Ein weiterer Unterschied ist, dass Picassos und Milis Lichtbilder zweidimensional sind. Air Pencil hält die Bewegungen fest, wobei man die Aufnhamen später auch dreidimensional und somit aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln erleben kann.
 
Wenn man die App startet, soll im unteren Bereich eine kleine Menüleiste erscheinen, mit der man später durch das 3D-Bildnis navigieren kann. Außerdem markiert ein kleiner roter Punkt den Anfang der Bewegung. Um mit der Aufnahme zu beginnen, berührt man einfach den Bildschirm, soll die Aufzeichnung beendet werden, nimmt man den Finger vom Screen wieder weg. Natürlich kann man sein „Kunstwerk“ auch mit seinen Freunden teilen: Über soziale Netzwerke oder Textnachrichten lassen sich die Bilder verschicken.
 
Wie man sich vielleicht vorstellen kann, erfordert das Programmieren einer App, wie der von Air Pencil, höchste Präzision. Immerhin muss das Programm unterschiedliche Bewegungen in einem dreidimensionalem Raum erkennen - malt man beispielsweise einen kleinen oder doch einen großen Kreis?
 
Doch wofür kann man den Air Pencil überhaupt gebrauchen? Laut Entwickler soll man die Applikation in der Schulausbildung, aber auch für Kunst und gemeinsame Arbeiten gebrauchen können. Außerdem können mehrere Anwender zusammen mit Air Pencil malen. Die Bewegungen sollen später durch verschiedene Farben dargestellt werden. Um die Beta-Version der App nutzen zu können, muss man sich allerdings auf der Website des Herstellers anmelden.

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