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Morgenmagazin vom Mittwoch, 21. August 2019

21.08.2019 | 07:04 Uhr |

Apple Card gestartet: Wer sie wirklich braucht +++ CNBC: Spannungen in Apples Health-Team +++ Apple verbessert Jugendschutz: Glücksspiel-Apps erhalten 17+-Einstufung +++ Spotify plant angeblich Stories für Künstler +++ Umweltbundesamt veröffentlicht Luftqualität-App +++ Telekom startet "Wir jagen Funklöcher"-Aktion

21. August: King of Uncool

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Kaum eine Serie von TV-Spots hat das von Apple-Produkten transportiere Lebensgefühl besser vermittelt als "Get a Mac". Zumindest war das die Intention Cupertinos. Sie erinnern sich? Justin Long, der spätere "iSteve" als cooler Mac und John Hodgman als verkrampfter Windows-PC, das absolute Gegenteil von cool. Mitte der 2000er war Apple gewiss auch der Inbegriff von cool in der Computerindustrie, vor allem im Vergleich zu Microsoft. Der iMac hatte Ende der Neunziger den Desktopcomputer neu definiert, der iPod wenig später die Welt der Musik revolutioniert. Das iPhone schließlich setzte dem ganzen ab 2007 die Krone auf. Und Microsoft? Versucht sich an Me-Too-Produkten wie dem Zune oder dem Windows-Phone. Zwar baute Redmond auch schon früh Tablet-Computer, die waren dank Windows und Eingabestift aber so uncool, dass sie bald wieder in der Versenkung schwanden. Bis Apple ab 2010 dann mit dem iPad zeigte, wie das wirklich geht.

Windows Vista (aka Longhorn) war gegenüber dem schicken Mac-OS X Panther, Tiger, Leopard eine einzige Zumutung. Kein Wunder, dass Microsoft als uncool galt - und die witzigen "Get a Mac"-Spots mitten ins Schwarze trafen.

Aber da müsse man doch etwas dagegen unternehmen? Vielleicht mit Hilfe eines coolen Prominenten? Die Wahl fiel am 21. August 2008 auf den Stand-Up-Comedian Jerry Seinfeld, dessen selbst betitelte Serie seinerzeit aber schon seit zehn Jahren eingestellt war. Klar, Seinfeld ist immer noch prominent und cool, das war damals gewiss kein großer Fehler, einen Star aus den Neunzigern zu nehmen. Dabei hätte Microsoft aber eine Kleinigkeit bedenken sollen: Seinfeld war und ist ein Macianer. Die in der Serie "Seinfeld" zu sehende Wohnung war wie ein Museum komplett mit Macs vollgestopft, auch privat bevorzugt der Comedian Produkte aus Cupertino. Nun kommt es auch in den USA vor, dass Prominente spektakulär wechseln, die Basketballprofiliga NBA hat es diesen Sommer vorgeführt. So hätte man Seinfeld durchaus auch als reuigen "Switcher" vorführen können. Stattdessen beriet der echte Seinfeld den echten Bill Gates in einem echt bescheuerten Werbespot beim Schuhkauf. Die Offensive "wir können auch cool!" ging nach hinten los. ZDnet etwa kam zu dem Schluss , dass Microsoft es verlernt habe, zu seinen Kunden zu sprechen. Immerhin hat Redmond die Sinnlosigkeit des Seinfeld-Vorhabens schnell erkannt und die Spots bald eingestellt.

Die Zeiten haben sich geändert, wenngleich es Apple immer noch schafft, die interessanteren und cooleren Promis für sich zu gewinnen. Damals als Testimonial in der Werbung die Schauspieler Jeff Goldblum und Richard Dreyfuss (Sprecher des "Crazy Ones"-Spots), heute als Gesichter für Apple TV+ Leute wie Jennifer Aniston, Oprah Winfrey und Steven Spielberg. Microsoft hat es aber aufgegeben, mit Apple direkt zu konkurrieren. Produkte wie das Surface sind nicht einmal uncool, aber stellen sich nicht wirklich gegen das iPad. Das Windows Phone ist längst Geschichte. Und auf Prominente in nur witzige gemeinten Werbespots kann man gut verzichten. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Fünf Fragen : Natürlich, da draußen gibt es Leute, die alles kaufen, auf dem ein Apple-Logo prangt. In gewisser Weise gehören wir von der Macwelt auch zu denen, wir müssen ja alles ausprobieren, damit wir sagen könne, ob es was taugt und wenn ja, wie sehr. In Sachen Apple Card sind wir allerdings erst einmal skeptisch - und heilfroh, dass unsere Kollegen in der USA den Service schon einmal ausprobieren und ihre Erkenntnisse mit uns teilen. Die Kollegen der Macworld sehen die Apple Card bisher ja eher kritisch – sie sei nichts Besonderes, trotz der guten Software, die mit ihr verknüpft ist. Trotzdem noch Interesse, die Amex oder Visa zu kündigen? Dann sollte man sich die fünf Fragen stellen und ehrlich beantworten, die Jason Cross als Grundlage für die Kaufentscheidung herausgearbeitet hat. Ist man etwa in der Lage, die mit Apple Card bezahlten Einkäufe jeden Monat auch auszugleichen? Wenn nicht, sollte man die Kreditzinsen zwischen 13 und 24 Prozent in Betracht ziehen. Will man wirklich eine neue Kreditlinie aufziehen oder kann man gegebenenfalls eine ersetzen? Verwaltet man seine Finanzen bereits mit Apps wie Mint oder YNAB? Dann kann man die vergessen, denn eine Exportmöglichkeit dafür bietet die Apple Card derzeit nicht. Reisen Sie viel? Dann sollten Sie eher zu einer Karte greifen, die sie mit entsprechenden Rewards belohnt. Und, ganz wichtig: Bezahlen Sie überhaupt öfter mit Apple Pay? Denn nur damit bekommen Sie anständige 2 Prozent Reward bei jedem Kauf gut geschriebenn, mit der Titankarte sind es nur ein Prozent. Die Apple Card ist mittlerweile in den USA für das allgemeine Publikum freigegeben , in den letzten beiden Wochen konnte man nur auf Einladung sich für den Service registrieren.

Rechtsweg vorbehalten : Wie viele andere Unternehmen auch für ihre Services schreiben Goldman Sachs und Apple in die Nutzungsbedingungen der Apple Card eine Klausel, die im Streitfall den Gerichtsweg ausschließt. Stattdessen werde eine Schlichtung eingeleitet, den Schlichter bestimmen in der Regel die Unternehmen. Vorteil für diese: Man spart sich den oft langen Rechtsweg. Verbraucherschützer sehen damit freilich die Rechte der Nutzer eingeschränkt. Doch lässt Apple die Möglichkeit offen, der Schlichtungsklausel zu widersprechen und sich damit Klagen nicht zu verbauen. Das geht relativ unkompliziert aus der Wallet App heraus, mittels iMessages Business Chat mit dem Kundendienst. Dabei landet man zunächst bei Apple, informiert man den Serivcemitarbeiter über sein Anliegen, wird man zu Goldman Sachs vermittelt, die sich diesem annehmen und die Klausel individuell streichen.

Sicherheit : Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist ein Muss, doch hat sie Grenzen. Denn durchaus könnten Identitätsdiebe die an die als zweiten Faktor dienende Telefonnummer gesandte Nachrichten abfangen und so in diverse Konten einbrechen. Mehr Sicherheit verspricht der Lightning- und USB-C-Dongle YubiKey 5Ci von Yubico, der gewährleistet, dass der zweite Faktor immer nur an das dafür vorgesehene Gerät geschickt wird. Dabei setzt das Gerät auf das WebAuthn-Protokoll, das eben eine sichere Zweifaktor-Authentifizierung gewährleisten will. Der YubiKey arbeitet derzeit aber nur mit einigen Apps und dem Browser Brave auf dem iPhone zusammen, der USB-C-Stecker funktioniert zwar am Desktop, aber nicht mit dem iPad Pro von 2018. Auch ist das WebAuthn-Protokoll noch nicht so weit verbreitet. Doch das wird sich ändern, im Macworld-Test hat Glenn Fleishman den YubiKey als eine zukunftssichere Lösung ausgemacht.

Spannungen : In Apples Team, das sich um  Gesundheitsthemen kümmert, soll es laut einem CNBC-Bericht rumoren, zahlreiche wichtige Angestellte sollen in jüngster Zeit das Unternehmen frustriert verlassen haben. Der Grund seien Diskrepanzen um die Ausrichtung der Apple Watch. Die ambitionierten Mitarbeiter wollen die Uhr noch konsequenter als Medizingerät ausrichten, während die Hauptrichtung der Entwicklung eher dahin gehe, die Apple Watch als Wellnessgerät für gesunde Nutzer zu positionieren. Diverse Wechsel in der Führung hätten ebenso zum Frust der Mitarbeiter beigetragen. Doch räumt CNBC auch ein, dass man keinen Vergleich habe, wie hoch die Fluktuationen in anderen Abteilungen bei Apple seien - und ob die Informationen der acht befragten Mitarbeiter ausreichend Aufschluss geben können.

Verschoben : Im Juni hatte Apple strengere Regeln bezüglich Ad-Tracking für Apps für Kinder angekündigt, die ab dem 3. September greifen sollten. Um die Daten der Kinder zu schützen, dürfen Kids-Apps keine Analytics- und Tracking-Software von Dritten erhalten und auch keine Daten an Dritte übermitteln. Das gilt seit Juni für alle neuen Apps, Entwickler sollten bestehende Programme bis zum Stichtag anpassen. Wie die Washington Post berichtet, hat Apple diese Frist nun unter Rücksprache mit zahlreichen Entwicklern verschoben. Denn diese sehen die Maßnahmen als zu restriktiv an. Um einigen schwarzen Schafen das Handwerk zu legen, stelle man ehrliche App-Entwickler vor zu hohe Hürden, um ihre Gratis-Apps mit Werbung finanzieren zu können. Apple wolle aber nicht von seinem Vorhaben zurück treten, sondern Entwicklern dabei helfen, das Ziel zu erreichen, erklärt Apple-Sprecher Fred Sainz der Post. Wie Apples Marketing-Vorstand Phil Schiller weiter ausführt, habe man Entwickler und Werbetreibende kontaktiert und gebeten, unangemessene Werbung aus Kids-Apps zu entfernen, dieser Ansatz brachte aber keinerlei Erfolg. Man habe ausreichend Daten gesammelt, um zu wissen, dass man das richtige tue.

Apple verbessert Jugendschutz: Glücksspiel-Apps erhalten 17+-Einstufung

Apps mit Glücksspiel-Charakter sind für Apple ein Problem, da der App Store besonders sicher für Kinder und Jugendliche sein soll. Gerade Glücksspiele auf Smartphones werden aber von Fachleuten sehr kritisch gesehen, da die so genannte Einstiegsschwelle sehr niedrig ist. Ab 20. August erhalten deshalb alle Apps mit „Freqent/Intense Simulated Gambling“ weltweit die Einstufung 17+ und sind nicht mehr für jüngere Nutzer verfügbar, wie Apple nun seine Entwickler informiert .

Komplizierter wird es auch, wenn man seine Glücksspiel-App im App Store von Südkorea veröffentlichen will. Dazu benötigt ein Entwickler nun eine so genannte Rating Classification Number der Behörde Game Rating and Administration Commitee . Verlangt wird diese Einstufung bei allen Casino-App mit der Alterseinstufung 17+ sowie Apps mit Inhalten aus den Kategorien Sexualität, Gewalt, Kriminalität und Drogen, Vulgärsprache und Kraftausdrücke sowie Glücksspiel. Spiele mit Glücksspielcharakter sind in Korea grundsätzlich erst ab 18 Jahren erlaubt.

Einen ausführlicheren Artikel zu diesem Thema lesen Sie hier .


Spotify plant angeblich Stories für Künstler

Die ursprünglich von Snapchat eingeführten Stories sind mittlerweile in fast allen sozialen Netzwerken zu finden. Unter anderem auf Facebook und bei Instagram werden die Beiträge, die nur 24 Stunden lang sichtbar sind, rege genutzt. Nun könnte auch der Musik-Streaming-Dienst Spotify Stories einführen.

Hinweise darauf hat Jane Manchun Wong im Code der Spotify-Android-App gefunden. Spotify plant demnach, Playlisten von Künstlern um das neue Stories-Feature zu erweitern. Nutzer können damit – während sie die Playlist hören – gleichzeitig kurze Foto- und Video-Stories vom entsprechenden Künstler anschauen. Im Spotify-Code hat Wong erste Beispiele für Stories gefunden. Sie könnten künftig unter anderem genutzt werden, um Interview-Fragen und deren Antworten einzublenden. Auf diese Weise könnten auf Spotify vertetene Künstler besser mit ihren Fans in Kontakt treten. 

In der App gab es unter anderem Hinweise auf eine Kollaboration mit der norwegischen Sängerin Sigrid. Aufgerufen werden die Stories durch einen Fingertipp auf das Profilbild der entsprechenden Playlist. Wann und ob Spotify die neuen Künstler-Stories offiziell starten wird, ist bislang noch unklar. Eine offizielle Ankündigung gibt es noch nicht.

Umweltbundesamt veröffentlicht Luftqualität-App

Das Umweltbundesamt hat heute seine App Luftqualität veröffentlicht . Die werbefreie Software steht ab sofort für iOS und Android zum kostenlosen Download bereit. In der Software werden stündlich aktuelle Daten zu den gesundheitsgefährdenden Schadstoffe Feinstaub (PM10), Stickstoffdioxid und Ozon veröffentlicht. Die Werte stammen von mehr als 300 Luftmessstationen in ganz Deutschland.

Nutzer wählen die Station aus, die ihrem Wohngebiet am nächsten ist. Der Luftqualitätsindex (LQI) der App zeigt dann, mit Einstufungen, die von „sehr gut“ bis „sehr schlecht“ reichen, wie gut die gemessene Luftqualität in der Region ist. Er errechnet sich aus den gemessenen Konzentrationen der drei Schadstoffe Feinstaub (PM10), Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon (O3). Der Schadstoff mit der schlechtesten Einzelbewertung bestimmt dabei jeweils das Gesamtergebnis des LQI. Je nach Einstufung bewertet die App, ob die Luftverschmutzung gesundheitlich bedenklich ist oder Aktivitäten im Freien empfehlenswert sind.

Neben der neuen App Luftqualität hat das Umweltbundesamt auch das Internet-Luftdatenportal überarbeitet. Hier wird wie in der App der Luftqualitätsindex angezeigt. Zusätzliche Diagramme zeigen außerdem die Entwicklung des LQI in vergangenen Zeiträumen bis zum aktuellen Zeitpunkt. Anhand von Konzentrationskarten können Nutzer außerdem sehen, wie fünf auswählbare Schadstoffe (PM10, NO2, Ozon, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid) regional und zu bestimmten Terminen in Deutschland konzentriert waren. Je nach Schadstoff stehen Karten und Statistiken bis zurück ins Jahr 2000 zur Ansicht und zum Download zur Verfügung.

Telekom startet "Wir jagen Funklöcher"-Aktion

Die Deutsche Telekom hat am Dienstag die Aktion "Wir jagen Funklöcher" gestartet und die dazugehörige Website findet sich auf telekom.com/wirjagenfunkloecher. Mit dieser Aktion, so die Telekom, wolle man neue Wege im Netz-Ausbau gehen. Sie richtet sich daher an Kommunen, die beim bisherigen Mobilfunk-Ausbau zu kurz gekommen sind.

Die Kommunen werden dazu aufgefordert sich bis zum 30. November 2019 zu melden, falls sich in ihrem Gebiet ein Funkloch befindet beziehungsweise keine LTE-Versorgung vorliegt. Es muss sich nicht die Kommune selbst melden, sondern es können auch Personen oder Gruppen sein, die in der Kommune leben. Ansprechpartner wird für die Telekom aber die Kommune.

Der "Knackpunkt" der Aktion: Letztendlich werden von der Telekom nur 50 Kommunen ausgewählt, in denen die Funklöcher geschlossen werden. Die Telekom betont allerdings in dem Zusammenhang, das es sich bei der "Wir jagen Funklöcher"-Aktion schließlich um einen Zusatz zum regulären Ausbau-Programm handle und erklärt: "Wir planen in den Jahren 2019 und 2020 über 4000 Mobilfunk-Standorte zu errichten. Außerdem geht es bei „Wir jagen Funklöcher“ nicht darum, Auszeichnungen oder Preise zu verteilen. Wir bringen wirklich Stahl aufs Dach und schalten einen Standort ein. Deshalb ist das Projekt sehr ambitioniert."

Tatsächlich verpflichtet sich die Telekom bei den 50 ausgewählten Orten auf eigene Kosten eine "zeitgemäße Mobilfunk-Versorgung" mit LTE und GSM anzubieten. Diese Standorte werden dann auf eigene Kosten betrieben, wofür das Unternehmen eine marktgerechte Miete zahle. Die für den Mobilfunk-Standard-Ausbau notwendige Fläche muss die Kommune dann zur besagten marktgerechten Miete der Telekom anbieten und für eine Stromversorgung sorgen.

Außerdem sollen mit dieser Aktion Gebiete ausgewählt werden, die bisher aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht mit Mobilfunk versorgt werden können, weil die Kosten hierfür zu hoch wären. Gemeinsam mit dem Engagment der Kommunen soll so ein neuer Weg geschaffen werden, die Funklöcher zu schließen. Sollte es bis Ende 2020 gelingen, 50 Funklöcher zu stopfen, dann will die Telekom die ganze Aktion als Erfolg einstufen.

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