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Morgenmagazin vom Mittwoch, 22. Januar 2020

22.01.2020 | 07:00 Uhr | Peter Müller

Apple will iCloud-Backups doch nicht verschlüsseln +++ Bei den Digitalforensikern in New York +++ Cook trifft Trump zum Frühstück in Davos +++ iPad Pro 2020: Smart Keyboard mit Scherentastatur +++ Disney+ startet eine Woche früher in Deutschland +++ BMW i3 versagt als Streifenwagen: Ganoven sitzen zu eng +++ Telekom: Diese Orte bekommen jetzt 100Mbit/s +++ Wieder Spam-Werbung im iCloud-Kalender – wie man sie löscht +++ Diese Nutzerdaten können Behörden von Apple erfahren +++

22. Januar: Auf die Freundschaft!

Macwelt wünscht Guten Morgen! Heißer Kandidat für die Oscars, zumindest für technische Kategorien wie Kamera und Schnitt: Das Weltkriegsdrama "1917". Sam Mendes lässt das Ganze so aussehen, als hätte es keinen einzigen Schnitt gegeben. Es könnte also ein Cutter dafür den wichtigsten Filmpreis bekommen, die Aufnahmen so bearbeitet zu haben, dass sie so aussehen, als sei er gar nicht am Werk gewesen. Das Drehbuch ist ja auch beinahe eines, das nicht erfunden werden musste, der Regisseur erzählt von den Kriegserlebnissen seines Großvaters. Die besten - oder in dem Fall die fürchterlichsten - Geschichten schreibt ja angeblich das Leben. Eine weitere Plattitüde: Die Geschichte ist der beste Lehrer - hat aber die unaufmerksamsten Schüler.

Zumindest eines haben aber die wesentlichen Kriegsparteien der Schlachterei von 1914 bis 18 und des darauf folgenden noch verheerenderen Waffengangs von 1939 bis 1945 gelernt: Nie wieder Krieg. Sagt sich so leicht, ist aber sehr schwer umzusetzen. Länder können nicht miteinander befreundet sein, sie können aber Interessen teilen - und daran interessiert bleiben zu kooperieren und sich nicht zu bekriegen.

Einen wesentlichen Schritt, damit der Frieden in Europa nicht mehr nur die Phase zwischen zwei Kriegen sein wird, unternahmen Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle am 22. Januar 1963, als sie im Élysée-Palast zu Paris den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit unterzeichneten. Aus Feinden können Freunde werden, aus konfrontativen Staaten kooperierende. 56 Jahre nach der Unterschrift in Paris erneuerten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron das Versprechen, sich nicht mehr an die Gurgel zu gehen: Der Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration wurde nicht von ungefähr vor einem Jahr exakt am 22. Januar unterschrieben und der Ort war auch nicht zufällig gewählt: Aachen, Residenzstadt des Vaters beider Nationen: Karl der Große respektive Charlemagne. 

Frankreich hat gewiss wirtschafltlich-soziale Probleme zu lösen, Deutschland auch, nur eben etwas andere. Doch nicht einmal diese lassen sich im nationalen Alleingang anpacken und schon gleich gar nicht die großen Probleme, die ganz Europa und sogar die ganze Welt betreffen. Die deutsch-französischen Beziehungen sind zwar nicht alles, aber ohne sie, ohne diesen Kern der friedlichen Einigung Europas, wäre alles nichts.

Lesetipps für den Mittwoch:

Übernahme: Eine der Säulen von Apples Privacy-Philosophie ist es, möglichst viele Berechungen bereits auf den Geräten durchzuführen. Das limitiert die Anforderungen an Datentransfers an entfernte Server, die abgefangen respektive gehackt werden könnten. Apple ist aber noch nicht perfekt, hat mit der Übernahme des schier unaussprechlichen Start-ups aus Seattle Xnor.ai aber einen wesentlichen Schritt zu mehr künstlicher Intelligenz auf dem iPhone und iPad selbst unternommen, analysiert Michael Simon auf Macworld. Die Edge AI genannte Technologie von Xnor.ai ist etwa Basis der kleinen und günstigen IP-Kamera Wyze, die gerade einmal 20 US-Dollar kostet, aber selbst berechnen kann, ob eine Person oder ein Tier ihr vor die Linse gekommen ist. Andere, weit teurere Systeme, benötigen dafür eine Verbindung zu einem Server mit allen bekannten Nachteilen. Laut Xnor.ai ist Edge AI dabei auch noch zehnmal schneller als Cloud-basierte Systeme. Siri hat aber auf eine solche On-Device-Technik ja gerade zu gewartet, um den vermeintlichen oder auch tatsächlichen Rückstand auf Konkurrenten wie Alexa oder Google Assistant aufzuholen. Wenn Edge AI Gesichter unterscheiden kann, dann dürfte es auch nicht mehr so schwer sein, auch Stimmen differenzieren zu können. Generell dürfte Xnor.ai Siri auf die Sprünge helfen, ob die Technologie schon Bestandteil der iPhone 12 des Herbstes 2020 sein wird darf man bezweifeln.

Versprechen gebrochen : Apple verschlüsselt Daten auf den Geräten so sicher, dass es auch selbst nicht mehr herankommt - eine weitere Säule der Sicherheitsphilosophie. Doch hält das Unternehmen die Schlüssel für die iCloud-Backups in den Händen, das hilft etwa den Anwendern weiter, die sich selbst und versehentlich aussperren. Kommt ja vor, wenn auch selten und vor gut zwei Jahren hatte Tim Cook in Aussicht gestellt, die iCloud-Backups komplett verschlüsseln zu lassen. Von diesen Plänen nimmt Apple nun laut der Nachrichtenagentur Reuters Abstand, wie mehrere Quellen berichtet haben sollen. Dies geschieht, während die Strafverfolgungsbehörden im Fall des Penscola-Shootings erneut eine Hintertür in iOS fordern und FBI wie Weißes Haus Apple vorwerfen, nicht substantiell bei der Aufklärung zu helfen. Apple verweist aber auf die nach richterlicher Anordnung ausgehändigten iCloud-Daten des Attentäters. Nach Apples ursprünglichen Plänen wäre derartige Unterstützung der Staatsanwaltschaft und Polizei aber nicht mehr möglich.

Forensik : Apple verweigert Hintertüren in iOS, was es Ermittlern schwer macht, an GPS- oder Kommunikationsdaten zu gelangen, die bei der Aufklärung von Verbrechen helfen könnten. Das ist dem New Yorker Generalstaatsanwalt Cyrus Vance ein Dorn im Auge, der fürchtet, Verbrecher frei herumlaufen zu lassen, während Leute für Vergehen bestraft werden, die sie nicht begangen haben. Zudem bezweifelt Vance gegenüber Fast Company an, dass Apple keine Hintertüren habe: Sie würden ihm ja auch ständig Mitteilungen schicken und Updates installieren. Vance gabe dem Magazin einen ausführlichen Einblick in das 10 Millionen US-Dollar kostende Forensik-Labor seiner Behörde, in denen Experten versuchen, in konfiszierte iPhones (und auch Android-Smartphones) von Verdächtigen zur Beweissicherung einzudringen. Dies geschieht hinter dicken Metalltüren – damit die Eigentümer der Telefone keine Verbindung aufbauen können, um sie aus der fern zu löschen – mit Hilfe leistungsstarker Computer, die Brute-Force-Methoden ansetzen, also alle möglichen Codes ausprobieren. Die Strafverfolger setzen dabei aber auch auf Social Engineering, da Apple die rasche Eingabe von vielen Codes blockiert und versuchen anhand der Persönlichkeiten der Verdächtigen das Passwort zu raten. Mit den üblichen Daten und Vorlieben: Hochzeitstag, Geburtstag, Name des Haustiers und des bevorzugten Baseballclubs. Bis zu 3000 konfiszierte Telefone untergehen den Prozeduren. Das ist manchmal auch vom Erfolg gekrönt, etwa im Fall von E’Dena Hines, Enkelin des Schauspielers Morgan Freeman. Auf dem iPhone der 33-jährigen fanden die Ermittler ein Video das zeigt, wie sie ihr Freund erstochen hat.

Frühstück, da, wo's schön ist: Auf seinem Weg aus Irland zurück nach Kalifornien schaut Apple-CEO Tim Cook noch beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorbei. Wie Bloomberg berichtet, trifft sich Cook zusammen mit der IBM-Chefin Ginn Rommety mit dem POTUS 45 zu einem Arbeitsfrühstück, dabei wollen die beiden Industrieführer dem stabilen Genie eine Initiative vorstellen, die Menschen in den USA zu mehr Bildung verhelfen soll. An sich könnte Cook ja auch das Thema Hintertüren, Sicherheit und Privatsphäre ansprechen – was die Herren und die Dame zum Frühstück zu sich nehmen, ist nicht bekannt.

Zukünftige Produkte : Wie jedes Jahr sind die Erwartungen an das iPhone 2020 hoch, doch hat Apple auch noch andere Produkte, für die Updates anstehen. Vor allem das iPad Pro sollte noch deutlich vor dem Herbst eine neue Fassung bekommen. Die taiwanische Publikation Digitimes, die mit ihren Spekulationen gerne mal weit daneben liegt, will nun wissen, dass Apples das zum iPad Pro passende Smart Keyboard wie das Macbook Pro 16 Zoll aus dem vergangenen Herbst mit einer Tastatur mit Scherenmechanismus ausstatten werde. Das widerspricht der Einschätzung des meist recht treffsicheren Ming-Chi Kuo, der glaubt, Apple werde hier am bewährten Design mit Gummikuppeln festhalten. Weitere Gerüchte um das iPad Pro drehen sich um eine Triple-Kamera auf der Rückseite und 3D-Time-of-Flight-Sensoren.

Weitere Nachrichten:

Disney+ startet eine Woche früher in Deutschland

Ursprünglich sollte der neue Streaming-Dienst Disney+ am 31. März 2020 launchen. Der Starttermin wurde heute jedoch von Disney eine Woche nach vorn gezogen. Wie der Konzern in einer Pressemeldung bekannt gibt, nimmt Disney+ in mehreren europäischen Ländern bereits am 24. März 2020 seinen Dienst auf. Der vorgezogene Start gilt für Großbritannien, Irland, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Österreich und die Schweiz. Weitere westeuropäische Länder wie Portugal, Skandinavien und Belgien sollen im Sommer 2020 folgen. Disney hat heute außerdem die Preise für den Streaming-Dienst bestätigt. Ein Monat kostet demnach 6,99 Euro. Ein Jahresabo steht für 69,99 Euro zur Auswahl.

Mit Disney+ bringt Disney einen eigenen Streaming-Dienst an den Start. Die Plattform gibt Nutzern unter anderem Zugriff auf Serien- und Film-Inhalte der Marken Disney, Pixar, Marvel, Star Wars und National Geographic. Aktuelles Zugpferd ist die Sci-Fi-Serien The Mandalorian, die von den Reisen eines Kopfgeldjägers aus dem Star-Wars-Universum erzählt. Die erste Staffel umfasst neun Episoden und konnte auf in der Filmdatenbank IMDB.com ein sehr gutes User-Rating von 8,8 aus 10 möglichen Sternen einfahren.

BMW i3 versagt als Streifenwagen: Ganoven sitzen zu eng

Im Herbst 2015 begann die bayerische Polizei damit das Elektro-Auto BMW i3 als Streifenwagen zu testen. Jetzt ziehen die bayerischen Gesetzeshüter ein negatives Fazit: Der kleine Stromer taugt nicht für die Verbrecherjagd.

Die Nürnberger Nachrichten berichten in ihrer Online-Ausgabe, dass das bayerische Innenministerium während der Testphase etliche Defizite beim BMW i3 festgestellt habe. So sei dessen Reichweite mit realen 160 Kilometern zu gering und es fehle in dem Kleinwagen ausreichend Platz für die Ausrüstung der Streifenpolizisten beziehungsweise die Nutzlast des i3 sei zu gering. Das Laden des Elektro-Kleinwagens dauere zu lange, so ein weiterer Kritikpunkt. Ein 24-Stunden-Dauereinsatz ist deshalb unmöglich. Zum Reichweitenproblem muss allerdings angemerkt werden, dass BMW seit 2015 die Akkus und damit die Reichweite des i3 verbessert hat.

Fast schon kurios liest sich ein weiteres Manko, das den bayerischen Beamten auffiel: Festgenommene Ganoven, die im BMW i3 auf der Rückbank mitfahren müssen, würden sehr eng sitzen. Das Fazit des Innenministeriums lautet deshalb: "Das Fahrzeug eignet sich nicht als Standardstreifenwagen". Nicht erwähnt wird in dem Bericht, ob die Polizisten die hervorragenden Sprinteigenschaften des 170 PS starken Elektro-Autos erfolgreich bei der Gangsterjagd einsetzen konnten.

Ganz unbrauchbar ist der BMW i3 im Polizeieinsatz aber nicht. Denn für Einsätze im Rahmen der Verkehrsprävention oder Verkehrserziehung sowie für Ermittlungsdienste eigne sich der Stromer durchaus.

Telekom: Diese Orte bekommen jetzt 100Mbit/s

Die Deutsche Telekom hat im Rahmen des Ausbaus ihres Glasfasernetzes mehr als 60.000 Haushalte in 59 Kommunen mit Internetanschlüssen bis zu einer Bandbreite von 100 Mbit/s versorgt. Das teilte das Unternehmen heute mit.

Für die jetzt angeschlossenen Haushalte steigt das maximale Tempo beim Herunterladen auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s). Beim Hochladen von Daten sind in den jetzt angeschlossenen Haushalten wiederum bis zu 40 MBit/s möglich.

Die neu erschlossenen Haushalte befinden sich in folgenden Orten: Aukrug, Berlin, Bexbach, Bielefeld, Böblingen, Chemnitz, Crimmitschau mit 4.800 Haushalten, Dietenheim, Dülmen, Eisenbach, Emden Stadt, Fallingbostel, Frankfurt/Main, Grafing, Gröbzig, Hagen, Halle (Saale) mit 5800 Haushalten, Herzogenaurach mit 5.000 Haushalten, Homberg, Ingelheim, Köln, Konstanz mit 5.600 Haushalten, Krefeld, Lamspringe, Langenberg, Laupheim, Lauterstein, Lenzen (Elbe), Limbach-Oberfrohna, Malente, Menden, Mössingen, Mühlacker, Neresheim, Neuenbürg, Neuhausen, Neulingen mit 3.100 Haushalten, Neumark, Neumünster, Nürnberg, Oberstdorf, Oberteuringen, Olbernhau, Ostrach, Pfeffenhausen, Recke, Rochlitz, Salzkotten, Stuttgart, Todtnau, Trendelburg, Velbert, Vetschau, Villingen, Waldenburg, Wesseling, Wettin-Lobejün, Wriezen und Zörbig mit 2.800 Haushalten.
 
Weitere Informationen zum Ausbaustatus erfahren Sie unter www.telekom.de/schneller . Dort können sich Kunden auch registrieren und werden automatisch benachrichtigt, sobald neue Geschwindigkeiten an ihrem Wohnort verfügbar sind.

Die Deutsche Telekom betreibt laut eigenen Angaben in Deutschland ein Glasfasernetz mit mehr als 500.000 Kilometer. Für 2020 ist geplant, dieses Glasfasernetz um weitere rund 60.000 Kilometer auszubauen.

Wieder Spam-Werbung im iCloud-Kalender – wie man sie löscht

Das Problem ist alt und hatte schon vor einigen Jahren viele Nutzer der Kalender-App geärgert: Spammer nutzen immer wieder die Einladungs-Funktion um Nutzer mit Werbung zu belästigen. Auch aktuell berichten wieder viele Anwender von diesen lästigen Kalender-Einträgen. Hat man sie angenommen, lassen sie sich im Kalender zwar löschen, von dieser Aktion wird aber der Absender benachrichtigt. Der Spammer erhält so die Bestätigung, dass ein Kontakt gültig ist und kann so weitere Aktionen starten. Oft geht es den Spammern ja nur darum, eine iCloud-Adresse zu bestätigen.

Apple empfiehlt in diesen Fällen, per Desktop-Browser auf die Seite iCloud.com zu gehen und die Webversion des Kalenders zu öffnen. Per iPhone oder iPad ist dies leider nicht möglich. Nur in der Webversion des Kalenders gibt es nämlich eine Funktion, Termine später noch als Spam zu markieren. Die Termine werden dann auf allen Geräten gelöscht und der Absender davon nicht benachrichtigt.

Ideal ist es aber, wenn man die Einladungen gar nicht erst annimmt und bereits beim Empfang unschädlich macht. Dies ist immer dann möglich, wenn der Absender nicht in der Kontaktlisten aufgelistet ist. Apple blendet dann nämlich die Option "Werbung melden" ein.

Bekommt man nämlich eine Einladung von einer Adresse, die sich nicht in der Kontaktliste befindet, erscheint nach dem Klick auf ebendiese Einladung noch eine Warnung "Dieser Absender ist nicht in deiner Kontaktliste. Werbung melden." Folgt man dem Aufruf und aktiviert diese Meldung, schickt man die lästige Adresse an Apple. Dazu werden die Einladungen aus allen Kalendern gelöscht, ohne dass der Absender etwas mitkriegt.

Eine weitere Lösung, die ein Anwender bei Stackexchange vorschlägt: Man erstellt einen neuen „Spam-Kalender“ und sortiert die Spam-Einladung dort ein. Das funktioniert auch ohne Antwort. Nun löscht man diesen neu erstellen Kalender und entfernt so auch die Einladung. Zusätzlich kann man über seinen Webaccount unter iCloud.com die Voreinstellungen des Kalenders öffnen. Hier gibt es nämlich die Option, alle Einladungen nur noch per E-Mail zu erhalten. Spam kann man dann in Mail bequem löschen.

Diese Nutzerdaten können Behörden von Apple erfahren

In regelmäßigen Abständen veröffentlicht Apple seinen Transparenzbericht zu Regierungsanfragen . Dieser wird von Jahr zu Jahr ausführlicher. Auch wachsen die Daten der Anfragen darin . Traditionell steht Deutschland an der Spitze für die Geräteanfragen: 13 558 Geräte haben die Anfragen der LKA im vergangenen Halbjahr (Januar bis Juni 2019) betroffen. Diese hohe Anzahl stammt nach Erklärungen Apples durch die Behördenanfrage nach gestohlenen oder verlorenen iPhones. Wenn man sich jedoch die historischen Daten anschaut, bleiben die Anfragen von deutschen Behörden zu den Geräten auf dem gleichen Niveau: So hat Apple in der zweiten Jahreshälfte 2018 12 343 Behördenanfragen bearbeitet, in der ersten Hälfte 2018 – 13 708, also um knapp 150 Geräte-Anfragen mehr als im aktuellen Zeitraum.

Was dagegen relativ schnell gewachsen ist, sind die sogenannten Financial-Anfragen, diese betreffen nach Erklärung Apples die Daten zu iTunes-Gutscheinen. Apple hat in der zweiten Hälfte 2016 begonnen, diese Daten zu berichten. Damals waren aus Deutschland 270 Anfragen eingegangen. Seitdem steigert sich die Zahl: in der zweiten Hälfte 2018 waren es 1327 iTunes-Anfragen, also mehr als das Zehnfache der ersten Meldung, in der ersten Hälfte 2019 ist die Zahl jedoch gesunken, auf 1027 anfragen. Die Anzahl der Account-Anfragen, also zu iCloud-Daten, wächst ebenfalls kontinuierlich, allerdings in einer etwas kleineren Größenordnung: Pro Jahreshälfte fragen die deutschen Behörden die Infos zu 200 bis 500 iCloud-Konten ab. Zuletzt waren es 459 Anfragen, Apple hat davon 35 komplett abgelehnt, den 344 Non-Content Anfragen stattgegeben, es gab keine Anfragen in Deutschland, die dann die herkömmlichen Nutzerdaten aus iCloud wie Fotos etc. betrafen.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, was kann Apple überhaupt an die Behörden in Deutschland und anderswo ausliefert. Dazu hat der Hersteller im für rechtliche Fragen reservierten Bereich der Website eine ausführliche Anleitung für Polizisten und andere Behörden erstellt. Dieser umfasst die Adressen von Apples Rechtsabteilung, die die Anfragen prüft und entweder diesen statt gibt oder sie ablehnt. Dazu eine Liste mit möglichen Geräte-, Nutzer- oder Account-Daten, sowie Fristen, wie lange diese Daten Apple vorliegen. Apple verfügt über folgende Informationen:

  • Geräteregistrierung

  • Kunden-Serviceeinträge

  • iTunes

  • Transaktionen im Apple Store

  • Einkäufe im Apple Online Store

  • Geschenkkarten

  • iCloud

  • Mein iPhone suchen

  • Extrahieren von Daten aus mit Code gesperrten iOS-Geräten (nur bis iOS 7)

  • MAC-Adresse

  • Videoüberwachungsdaten aus Apple Stores (bis 30 Tage gespeichert, in manchen Fällen aber nur 24 Stunden, je nach Rechstlage).

  • Game Center

  • iOS-Geräteaktivierung

  • Authentifizierungsprotokolle (IP-Adresse)

  • Protokolle für „Meine Apple-ID“ und iForgot

  • FaceTime

  • iMessage

Die ausführlichste Datensammlung beinhaltet logischerweise iCloud. Dort stehen beispielsweise E-Mails, gespeicherte Fotos, Fotostream, Dokumente, Kontakte, Kalender, Lesezeichen, Safari-Browserverlauf, Karten-Suchverlauf, Nachrichten oder Backups von iOS-Geräten. Die Daten sind am Serverstandort verschlüsselt, aber die Server werden ja von Apple betrieben.

Bei Facetime und iMessage weist Apple darauf hin, dass die Kommunikation zwischen den Nutzern verschlüsselt abläuft. Den Zugriff auf die Chats oder Video-Unterhaltung hat selbst der Hersteller nicht. Was den Behörden zur Verfügung stellt, sind die Meta-Daten, also Verbindungsversuche über Apples Server zwischen zwei Nutzern. Aber auch hier kann der Hersteller nicht sagen, ob die Kommunikation stattgefunden hat oder nicht.

Apple weist in seiner FAQ-Liste darauf hin, dass man keinen Zugriff auf den von Nutzer eingerichteten Passcode hat.

Der Hersteller ist außerdem behilflich, wenn man ein gestohlenes oder verloren gemeldetes iPhone seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben will. Dazu ist eine Serien- oder IMEI-Nummer des Geräts notwendig, wenn verfügbar, alle weiteren sachdienlichen Informationen. Wenn der Nutzer bei seiner Apple ID seine Kontaktdaten hinterlassen hat, wird Apple ihn kontaktieren, damit dieser sich an die entsprechende Dienststelle wendet, um sein Gerät wieder zu erhalten.

Apple benachrichtigt übrigens die Nutzer, dass eine Behördenanfrage zu seinem Konto bzw. seinem Gerät vorliegt. Eine Ausnahme bilden die Fälle, wenn eine Vertraulichkeitsverfügung vorliegt oder die geltenden Gesetze dies verbieten.

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