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Morgenmagazin vom Mittwoch, 22. Juli 2020

22.07.2020 | 07:07 Uhr | Peter Müller

iOS 14: Das ist neu in Nachrichten +++ Jamf geht an die Börse +++ Forrester: Nur Apple war auf Covid-19-Pandemie vorbereitet +++ So wird die Corona Warn App überall in der EU funktionieren +++ Amazon Prime Day noch im August? +++ SpaceX holt zum ersten Mal zwei Verkleidungen zurück +++ BKA kann Whatsapp-Chats abhören - dieser Trick wird genutzt

22. Juli: Quadratur des Kreises

Macwelt wünscht Guten Morgen! In dieser Woche sind wir mittendrin – und an diesem Mittwoch nähern wir uns dem Irrationalen, dem Transzendenten gar.  Thema ist die irrationale und sogar transzendente Zahl π, die das Verhältnis des Kreisumfangs zu seinem Durchmesser beschreibt. Dieser Zahl kann man sich mit rationalen Zahlen nur nähern, am dichtesten dran ist der Bruch 22/7, etwa 3,14286. Sehen Sie auf das Symbol der App Rechner in ihrem Dock, dies zeigt die ersten Ziffern der unendlichen Reihe an: 3,141593.

Dass 22/7 π ganz gut beschreibt, hatte in der Antike bereits Archimedes herausgefunden, sich damit aber nicht zufrieden gegeben. Es müsse doch einen Bruch natürlicher Zahlen geben, der das Verhältnis von Kreisumfang zu Kreisdurchmesser besser wenn nicht gar exakt beschreibt. Dabei war in der Antike bereits bekannt, dass es Zahlen gibt, die sich nicht als Bruch darstellen lassen. Die Quadratwurzel aus zwei ist so eine oder die dritte Wurzel aus neun.

Euklid etwa konnte schon per Widerspruch beweisen, dass es für die Quadratwurzel aus 2  keine rationale Entsprechung geben kann, also kein Verhältnis zweier natürlicher Zahlen. Archimedes war das vermutlich bekannt und doch träumte er davon, π sei anders und somit fassbar. Die Quadratur des Kreises gelang ihm nie und nicht nur, weil jemand seine Kreise störte. Der endgültige Beweis der Irrationalität von π gelang erst im 19. Jahrhundert.

Nun ist das mit der Rationalität aber so eine Sache, dass π und √2 keine solche besitzen, ist zweifelsfrei bewiesen. Doch bedeutet "ratio" im mathematischen Sinne einfach nur "Verhältnis". Während die aus dem lateinischen abgeleitete Ratio vorwiegend "Vernunft" bedeutet. Wenn also heute Mathematikfans ob des Datums 22/7 den Pi Approximation Day feiern, geschieht das zwar zu Ehren einer an die Irrationalität und Transzendenz angelegte Berechnung aber eben nicht aus Unvernunft.

Lesetipps für den Mittwoch

Bessere Kommunikation : Was ist die wichtigste App auf dem iPhone? Jason Cross ist sich sicher: Messages, das im Apple-Deutsch "Nachrichten" heißt und längst den Ursprüngen als iChat entwachsen ist. In iOS 14 bekommt Nachrichten einige neue Funktionen, die teils längst überfällig waren und die Anwendung auf ein neues Niveau heben. Da ist etwa die Möglichkeit, unbekannte Anrufer respektive Texter in einem eigenen Tableau zu halten oder die Option, Chats in der Liste ganz oben fest zu halten. Weit hilfreicher könnte aber die direkten Antworten sein, Threading ist nun auch in Nachrichten möglich, man weiß nun besser, welche Sprechbalse sich auf welche andere bezieht. In die gleiche Kerbe schlagen die Erwähnungen, so weiß im Gruppenchat ein jeder Teilnehmer, wer gemeint ist. Chatgruppen lassen sich nun benennen und ein Gruppenbild wählen, in der immer umfangreicheren Liste von Emojis kann man nun suchen.

Alles steht Kopf II : Mac Mini oder Mac Pro können das Bild auf dem Monitor kippen, um 90, 180 oder 270 Grad, das haben wir diese Woche (wieder) gelernt. Was aber, wenn der Monitor, den man an den Desktop angeschlossen hat, sich nicht drehen lassen will, weil sein Standfuß auf das Querformat besteht? Unter Umständen hilft es, den Ständer zu tauschen, erklärt unser Macworld-Kollege Glenn Fleishman. Denn viele Monitore unterstützen den VESA-Standard - und an entsprechenden Ständern lässt sich ein Monitor montieren, wenn an der Rückseite des Bildschirms die dafür notwendige Vorrichtung angebracht ist. Auf dem Markt gibt es etliche Lösungen, die gar nicht teuer sein müssen.

Nachahmer : True Wireless Kopfhörer, die ein wenig so aussehen wie die Airpods, mindestens genau  so gut klingen und Funktionen wie Geräuschunterdrückung und Wasserresistenz nach IPX 4 mitbringen, und das zum halben Preis? Michael Simon hat die OnePlus Buds getestet und für gut befunden. Haken an der Sache aus Sicht von iPhone-Nutzern: Um den Doppeltipp zu konfigurieren, benötigt man auch ein Telefon von OnePlus, an allen anderen Geräten, die sich per Bluetooth verbinden, steht die Geste schlicht für weiter in der Wiedergabeliste zum nächsten Titel. Die Geräuschunterdrückung isrt nicht aktiv wie bei den AirPods Pro, aber die Batterielaufzeit von 30 Stunden beeindrucke. Die 79 US-Dollar teuren Ohrstöpsel sind in weiß, grau oder blau lieferbar.

Angebot: Der Software-Hersteller Jamf, dessen Produkte Unternehmen dabei helfen, den Mitarbeitern Macs bereit zu stellen und diese zu verwalten, geht an die Börse. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, gibt man 18 Millionen Aktien zum Kurs von 26 US-Dollar aus. Nettoeinnahmen erwartet Jamf in Höhe von rund 320 Millionen US-Dollar, davon wolle man vorwiegend Schulden zurückzahlen und den Rest des Geldes für "allgemeine Unternehmenszwecke" aufwenden. Das Angebot zum Börsengang geht von heute bis Freitag, an der Nasdaq bekommt das Papier das Kürzel JAMF.

Risiko : Die Covid-19-Pandemie hat ja keiner kommen sehen – das ist aber nicht korrekt. Denn Infektiologen warnten schon seit Jahren, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis eine Pandemie über den Globus rolle, darauf vorbereitet waren die wenigsten Staaten und kaum Unternehmen. Nach einer Analyse von Forrester Research war in der Apple die einzige Firma, die in ihrem 10-K-Börsenberichten im Kapitel Risikoeinschätzung von einer Pandemie schrieb und wie diese das globale Geschäft beeinträchtigen könnte. Alle anderen der 50 untersuchten Konzerne hatten eine Pandemie nur in einer allgemeinen Risikoeinschätzung als "gottgegeben" erwähnt - nur Apple hat sich gegen etwaige Folgen gewappnet. Eine andere Erkenntnis aus der Forrester-Analyse: Blockchain-Technologien werden in den Zeiten während und bald auch nach der Pandemie für Großunternehmen immer wichtiger, vor allem für Mehrparteienprozesse wie Beschaffung, Vertragswesen, Logistik, Umwelt-, Sozial- und Governance-Berichterstattung.

Weitere Nachrichten:

So wird die Corona Warn App überall in der EU funktionieren

Erste Konzepte, wie die Tracing-Apps aufgrund der Bluetooth-Schnittstelle von Apple und Google untereinander in unterschiedlichen Ländern funktionieren sollen, gab es schon im Mai. Seit der Fertigstellung der deutschen Corona Warn App gibt es in der EU mittlerweile 14 nationale Tracing-Apps , die meisten setzen auf die Google-Apple-Schnittstelle und funktionieren nach einem dezentralisierten Prinzip. Weitere fünf Apps wie in Spanien oder Portugal sind in Planung. Frankreich, Ungarn, Norwegen und die Slowakei haben sich für eine zentralisierte App entschieden. Die Datenschutzbehörde in Norwegen hat die bereits veröffentlichte App aus dem Verkehr gezogen.

Mittlerweile hat die EU in der vergangenen Woche beschlossen, dass vorhandene und geplante Tracing-Apps die Daten der erkrankten Nutzer untereinander tauschen sollen. Federführend in der Arbeitsgruppe zu dem Federation Gateaway Service, dem Austauschservice der Apps, sind wieder Deutsche Telekom und SAP. Ein ausführliches Dokument beschreibt die Funktionsweise des Austauschservices.

Die Idee dahinter ist einfach: Neben den üblichen Daten, die Smartphones untereinander austauschen (Bluetooth-Schlüssel, Datum und Zeit, Signalstärke) soll noch zusätzlich der Länder-Code übermittelt werden. Diese werden anhand des mobilen Netzwerkes festgestellt, in dem sich gerade das entsprechende Smartphone eingewählt hat. Die Entwickler empfehlen eine automatische Erkennung des Landes , in dem sich der Nutzer gerade aufhält, mit der Möglichkeit, diesen automatischen Vorschlag in der App nachträglich zu ändern.

Im Backend benötigt man für die europäische (ggf. weltweite) Interoperabilität eine zusätzliche Instanz, die die Codes der Positiv-Getesteten aus den beteiligten Ländern zusammenfasst und an die nationalen Behörden weiter distribuiert. Als Ansatz schlagen die Entwickler vor, dass diese zentrale Instanz alle Codes von allen nationalen Behörden sammelt und dann weiter an alle beteiligten Behörden weiterleitet. Diese soll die verfügbaren Codes an die Smartphones der Nutzer pushen, der Algorithmus lokal wird entscheiden, welche von gepushten internationalen Codes in die Berechnung von Ansteckungsrisiko fließen werden und welche nicht, anhand der Daten, in welchen Ländern sich der Nutzer in den vergangenen vierzehn Tagen aufgehalten hat. Was nach jeder Menge Daten und Rechenpower klingt, wird sich in der Praxis auf 100 bis 200 MB an Daten in Europa belaufen.

Grundsätzlich sind mit der Lösung alle Apps kompatibel, die auf die Schnittstelle von Google und Apple setzen. Einmal eine zentrale europäische Instanz für Bluetooth-Schlüssel-Austausch implementiert, können unterschiedliche nationale Apps untereinander Bluetooth-Kennungen austauschen. Für den Abgleich der möglichen Ansteckungen sorgt in zwei Schritten zunächst der EU-Service und dann die nationale Behörde, die die App betreibt, beispielsweise das Robert-Koch-Institut. Nutzer müssen nicht neue Tracing-Apps installieren, sobald sie sich in einem neuen Land befinden.

Momentan gibt es keine konkreten Daten für die Implementierung des Federation Gateaway Services genannt, als nächster Schritt müssen die nationalen Behörden ihre Apps aktualisieren, sodass sie auch Ländercodes untereinander austauschen können.

Amazon Prime Day noch im August?

Ursprünglich sollte der Amazon Prime Day 2020 wie schon in den Vorjahren Mitte Juli stattfinden. Durch die weltweite Corona-Pandemie wurde das virtuelle Shopping-Event in diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal verschoben . Statt Juli 2020 stand als erster Ausweichtermin ursprünglich September auf dem Plan. Anfang Juli gab Amazon dann jedoch an, dass der Prime Day eventuell erst im Oktober 2020 stattfinden werde.

Über Twitter bestätigte Amazon heute noch einmal, dass der Prime Day in diesem Jahr später als bislang gewohnt veranstaltet wird. Als Grund gibt der Internet-Konzern die "Sicherheit der Mitarbeiter, Kunden & Verkaufspartner" an. Im selben Tweet kündigt Amazon außerdem einen Prime Day für Indien an, der vom 6. bis 7. August 2020 stattfinden soll. "Details für den Rest der Welt" wolle das Unternehmen bald bekannt geben.

Ob es sich beim Prime Day Indien um einen gesonderten Termin handelt und wie hoch die Chancen stehen, dass der Prime Day für den Rest der Welt ebenfalls auf die beiden Tage Anfang August fallen wird, bleibt abzuwarten. Es ist fraglich, ob Amazon den Prime Day in jedem Land an einem anderen Tag veranstalten wird und damit von seiner ursprünglichen Strategie abweicht.

SpaceX holt zum ersten Mal zwei Verkleidungen zurück

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX kann Raumflüge günstiger realisieren als staatliche Organisationen. Dies liegt unter anderem daran, dass sich viele Teile der Rakete wiederverwenden lassen. Nun hat SpaceX erstmals beim Start einer Falcon-9-Rakete beide Hälften der Verkleidung sicher auf der Erde landen lassen. Die Verkleidung der Falcon-9-Rakte besteht aus zwei Teilen, die die Ladung beim Start schützen sollen. Schon mehrfach hatte SpaceX versucht, diese Teile mit einem Netz von Booten aus zu retten. Bislang gelang dies aber immer nur für eine Hälfte der Verkleidung. Nun konnten erstmals beide Teile aufgefangen werden .

Für die erste Stufe des Triebwerks setzt SpaceX hingegen auf ein autonom auf der Erde landendes System. Die Stufe wird dann erneuert und kann für weitere Starts verwendet werden. Durch zahlreiche Optimierungen gilt dieser Prozess der Landung mittlerweile als verlässlich. Bisher konnten schon 57 Raketenstufen sicher zur Erde gebracht werden. Durch eine Wiederverwendung der Verkleidung könnte SpaceX nach eigenen Angaben bis zu 6 Millionen US-Dollar pro Start einsparen. Die bislang ins Meer gestützten Verkleidungen konnten zwar auch schon wiederverwendet werden. Der unkontrollierte Absturz ins Meer sei jedoch deutlich kostenintensiver und auch gefährlicher für das Personal der Schiffe. Daher bedeutete das Auffangen per Netz einen Meilenstein für alle Beteiligten.

BKA kann Whatsapp-Chats abhören - dieser Trick wird genutzt

Verschlüsselte Whatsapp-Chats sind nicht sicher vor den Augen des Bundeskriminalamts. Das haben jedenfalls die gemeinsamen Recherchen des BR und WDR ergeben, laut denen Beamte des BKA seit Jahren in der Lage seien, diese Whatsapp-Chats ohne großen Aufwand mitzulesen – trotz aller Sicherheitsmaßnahmen bei Whatsapp, die ein Abhören der Nachrichten eigentlich verhindern sollen. Zum Einsatz käme dabei ein relativ einfacher Trick, wie es heißt. Es muss also keine Spionagesoftware wie der oft genannte "Staatstrojaner" auf dem Gerät der Person installiert werden, die ausgespäht werden muss.

Der Trick: Die Ermittler nutzen Whatsapp Web, um die Chats des Verdächtigen mitzulesen. Also einen von Whatsapp seinen Nutzern angebotenen Dienst, um Whatsapp-Nachrichten auch über den Internet-Browser miteinander auszutauschen. Die Ermittler müssten sich nur kurz den Zugriff auf das Smartphone eines Verdächtigen verschaffen. Dann können sie die Chats mit Whatsapp Web  synchronisieren und dann alle eingehenden und ausgehenden Nachrichten des Verdächtigen überwachen. Die Ermittler erhalten über diesen Weg auch den Zugriff auf alle Kontakte der Zielperson.

Der Bericht zitiert aus einem internen Schreiben des BKA, in dem es heißt: "Das BKA verfügt über eine Methode, die es ermöglichen kann, Text, Video-, Bild- und Sprachkurznachrichten aus einem Whatsapp-Konto in Echtzeit nachzuvollziehen."

Die Methode setzt das BKA offenbar seit dem Jahr 2018 ein, als gegen einen weiteren Terrorverdächtigen nach dem Anschlag auf den Breitscheidplatz des Terroristen Anis Amri in Berlin ermittelt wurde. Das BKA habe befürchtet, dass eine Person, die in Verbindung zu Amri stand, ebenfalls einen Terroranschlag verüben könne und nach Wegen gesucht, die Whatsapp-Kommunikation des Mannes zu überwachen.

Für den Einsatz dieser Methode benötigt das BKA gemäß Paragraph 100a der Strafprozessordnung einen richterlichen Beschluss, der die Telekommunikationsüberwachung der Zielperson gestattet. Es sei aber kein Mittel der Überwachung, wie etwa beim Einsatz eines Staatstrojaners. Gegenüber dem BR und WDR wollte sich das BKA nicht zu dieser Art der Whatsapp-Überwachung äußern und begründete dies damit, dass man keine detaillierten öffentlichen Angaben zu derartigen Überwachungsmethoden mache. Laut Sicherheitsexperten sei diese Form der Whatsapp-Überwachung aber bisher nur sehr selten beim BKA zum Einsatz gekommen.

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