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Morgenmagazin vom Mittwoch, 23. Juni 2021

23.06.2021 | 06:59 Uhr | Peter Müller

TSMC will Chips bevorzugt für Apple und Autoindustrie bauen +++ Tim Cook ruft Nancy Pelosi an - und will Antikartellgesetze verschieben lassen +++ Glenn Close in zweiter Staffel "Tehran" +++ ARD und ZDF: Aus Mediatheken soll gemeinsames Streaming-Netzwerk werden +++ Netflix kooperiert mit Steven Spielberg +++ Whatsapp kopiert coole Snapchat-Funktion - das ist geplant

23. Juni: Menschen und Maschinen

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Natürlich wissen Sie als langjährige Macwelt-Leser, was ein Captcha ist. Etwa dieses nur schwer lesbare Bild, das unter manchen Webformularen steht, damit diese nicht von Maschinen für massenhafte Aussendung von Daten und Botschaften benutzt werden können. Oder auch die Bilder, bei denen man genau hinschauen muss, ob auf diesem Feld noch eine Ampel oder ein Fahrzeug zu sehen ist oder etwa nicht. Aber wussten Sie auch, dass der 23. Juni an sich als "Tag des Captchas" im Kalender stehen sollte? Nein?

Nun, es verhält sich folgendermaßen: Captcha ist ein Akronym wie ADAC, EDV oder TÜV und müsste daher an sich in Großbuchstaben geschrieben werden: CAPTCHA. Dieses steht für C ompletely  A utomated  P ublic  T uring test to tell  C omputers and  H umans  A part und beschreibt somit genau, was es macht und woher es kommt. Was es macht: Es stellt eine Frage oder mehrere, die nur Menschen beantworten können sollten und eben keine Maschinen. Woher es kommt: Von den Theorien des britischen Mathematikers und Vater der Informatik Alan Turing, am 23. Juni 1912 geboren wurde. Dieser hatte sich schon längst mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, als MLCore noch nicht erfunden war und das Wort Apple im Englischen einen Obstbaum und seine Früchte bezeichnete. Was, so fragte sich Turing, müsste eine Maschine auf von Menschen gestellten Fragen antworten können, damit der Mensch meint, mit einem Menschen und nicht mit einer Maschine zu kommunizieren? Das CAPTCHA ist also gewissermaßen eine Variante des Turingtests, da hier eine Maschine entscheidet, ob sie es mit einer anderen Maschine zu tun hat oder einem Menschen, der die seltsam verkrüppelte Schrift tatsächlich richtig erkennt oder zwei und zwei korrekt zusammenzählt und mit dem richtigen Wort wiedergibt.

Seine Schnittstellen in den Systemen, die munter auf die neuronalen Kerne der Apple-Silicon-Chips zugreifen, hat Apple unter dem Namen "MLCore" zusammengefasst. Der Begriff Machine Learning (ML) wäre an sich treffender als der von der Künstlichen Intelligenz (KI) oder der Artificial Intelligence (AI). Denn mögen wir von Siri, Alexa und Konsorten immer als "smarte" oder gar "intelligente" Assistenten sprechen, so schlau sind die nicht, dass sie einen Turingtest bestehen würden.

Fragt man Siri zum Beispiel, wie Deutschland zuletzt gespielt hat, zählt sie richtig zwei und zwei zusammen und versteht, dass man nach der Fußballnationalmannschaft (aka "#DieMannschaft")  gefragt hat - und nennt das richtige Ergebnis. Auch auf die Nachfrage, welches Spiel das nächste sei, antwortet Siri korrekt mit der heutigen Partie gegen Ungarn. Fragt man dann aber weiter, wie der nächste Gegner heißt kommt nur das schulterzuckende (so Siri denn eine Schulter hätte) "Das habe ich nicht verstanden". Da wir derartige Tests regelmäßig wiederholen, erkennen wir Fortschritte. Eine komplexe Antwort wie "Das ist ein wenig kompliziert, der Gegner steht noch gar nicht fest - es könnte aber bei einer Niederlage heute Abend im September Liechtenstein sein" wäre aber mehr als ein Durchbruch. Denn das käme dem Bestehen des Turingtests so nahe wie nur möglich.

Lesetipps für den Mittwoch:

Geht ihm zu schnell : Wie die New York Times berichtet, hat sich Apple-CEO Tim Cook persönlich an die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi und andere Kongressabgeordnete gewandt, um gegen die Antikartellgesetzgebung zu lobbyieren, welche der Kongress in der letzten Woche auf den Weg gebracht hat. Laut Cook seien die Gesetze überstürzt verabschiedet und würden die Innovation besonders bei Apple behindern. Den Schaden trage letztendlich der Verbraucher, der die Services des Unternehmens "verkrüppelt" bekomme. Pelosi lehnte laut Bericht aber eine Verschiebung der Gesetze ab. Ziel dieser sei es laut des Abgeordneten der Demokraten David Cicilline, Apple und andere große Firmen davon abzuhalten, ihre Marktdominanz zugunsten ihrer eigenen Produkte und Services auszunutzen.

Mentorenprogramm: Apple hat gestern die Today At Appe Creative Studios angekündigt, die zunächst in Peking und Los Angeles jungen Leuten aus "unterrepräsentierten Communities" praktische Erfahrungen und Mentorenschaft von renommierten Künstler:innen, gemeinnützigen Organisationen und Apple geben will. Das Programm fördere die "kreative Leidenschaft" in Bereichen wie Film, Musik, Fotografie, Kunst und Design und stehe Teilnehmer:innen zur Verfügung, denen eine reguläre künstlerische Ausbildung verwehrt ist. Apple will das Programm bald auf weitere Städte wie London, Washington D.C., Chicago und Bangkok ausbauen. In Los Angeles legt Apple den Schwerpunkt auf Musik und kooperiert dabei mit der Music Forward Foundation und dem Inner-City Arts and Social Justice Learning Institute, in Peking geben Mentoren 12-wöchige Kurse zu Themen wie Fotografie, Design und App-Entwicklung.

Es werde Lichtfeld: Apples Forschung bezüglich AR (und VR) schreitet voran. Ein neu gewährtes Patent beschreibt künftige iPhone-Kameras, die auch genau verfolgen können, aus welcher Richtung Licht kommt und welche Objekte zwischen der Quelle und dem Objektiv sind. Dabei verfolgt das System die Idee des "Panoramic light field capture, processing, and display", nimmt also das Lichtfeld vor sich wahr. Der Nutzen ist dabei offensichtlich: Mit der Position des iPhones zu einem echten oder virtuellen Objekt in echter Umgebung ändert sich das Lichtfeld, man werde gewissermaßen beim sich umsehen nicht nur nach oben, unten, rechts und links schauen können, sondern Tiefeninformation nutzen, um das Objekt umlaufen zu können.

Vorzugsbehandlung: Krise, welche Krise? Vielleicht fragt man sich bei Apple, warum denn alle über einen Mangel an Chips jammern, man habe doch genug? Dass Cupertino bisher weniger zu klagen hatte als sagen wir mal Hersteller von Grafikkarten, hat mehrere Gründe. Mit seinen eigenen SoCs ist Apple von vielen Schwankungen unabhängig, in der Lieferkette hatte es bisher Reserven gegeben und natürlich bedeutet die große Marktmacht des iPhone-Herstellers eine bevorzugte Stellung. Laut Digitimes hat nun Apples Zulieferer TSMC, der praktisch alle A-Chips für iPhone, iPad und Mac fertigt, zugesagt, sich auf seinen Großkunden aus Kalifornien und die Autoindustrie zu konzentrieren. Die Bestellungen anderer Hersteller fertigt TSMC entsprechend langsamer ab.

Zweite Staffel: Glenn Close verstäkrt nach einem Bericht des Magazins Deadline den Cast der zweiten Staffel der Apple-TV+-Serie "Tehran". Close, die als ein Fan der israelischen Serie gilt, die Apple für seinen Streamingdienst lizenziert hat, spielt die in Teheran lebende britische Staatsbürgerin Marjan Montazeri. Weiter dreht sich die Serie um die Mossad-Agentin Tamar Rabinyan (Niv Sultan), die im Rahmen einer israelischen Geheimdienstoperation in den Untergrund in Teheran geht.

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ARD und ZDF: Aus Mediatheken soll gemeinsames Streaming-Netzwerk werden

Aus den Mediatheken von ARD und ZDF soll künftig ein gemeinsames Streaming-Netzwerk werden. Pläne dafür gaben in dieser Woche der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow und die SWR- und ZDF-Intendanten Dr. Thomas Bellut und Prof. Kai Gniffke bekannt.

Anstatt die Mediatheken der beiden Sender weiterhin zu trennen, sollen Inhalte in Zukunft für Nutzer besser zu finden sein. Dafür sollen Angebote des ZDF in die ARD-Mediathek und Inhalte der ARD in die ZDF-Mediathek integriert werden. Die Mediatheken der beiden Sender sollen mit ihren jeweils eigenen Benutzeroberflächen bestehen bleiben und zusätzlich als Eingang ins gemeinsame Streaming-Angebot fungieren. Geplant sind unter anderem eine Mediatheken-übergreifende Suchfunktion und ein übergreifendes Personalisierungs- und Empfehlungssystem für die Nutzer. Auch die Erstellung gemischter Playlisten mit Inhalten aus beiden Mediatheken soll möglich sein.

Um die Pläne für ein gemeinsames Streaming-Netzwerk umzusetzen, gehen ARD und ZDF eine umfangreiche technologische Partnerschaft ein, in deren Rahmen unter anderem die Benutzeroberflächen und der Datenschutz beider Online-Angebote enger verzahnt werden soll. Künftig soll es zudem nur noch ein gemeinsames Nutzerkonto pro Nutzer geben. Das gemeinsame Netzwerk soll in den kommenden Jahren schrittweise aufgebaut werden. Andere öffentlich-rechtliche Angebote haben ebenfalls die Möglichkeit, sich am Streaming-Netzwerk zu beteiligen. Die Mediatheken von ARD und ZDF hatten zuletzt etwa die Angebote von funk und ARTE aufgenommen.

Netflix kooperiert mit Steven Spielberg

Netflix hat eine Partnerschaft mit Amblin Partners geschlossen. Das Film- und TV-Studio wird von Steven Spielberg geleitet. Im Rahmen der Kooperation wird Amblin Partners mehrere Filme pro Jahr für Netflix produzieren. Ob Steven Spielberg bei einigen von ihnen auf dem Regiestuhl Platz nehmen wird, ist noch unklar.

„Bei Amblin wird das Geschichtenerzählen für immer im Zentrum von allem stehen, was wir tun, und von dem Moment an, als Ted (Netflix-Co-CEO) und ich anfingen, über eine Partnerschaft zu sprechen, war es mehr als klar, dass wir eine großartige Möglichkeit haben, gemeinsam neue Geschichten zu erzählen und das Publikum auf neue Weise zu erreichen. Dieser neue Weg für unsere Filme, neben den Geschichten, die wir weiterhin mit unserer langjährigen Familie bei Universal und unseren anderen Partnern erzählen, wird für mich persönlich unglaublich erfüllend sein, da wir ihn gemeinsam mit Ted beschreiten können, und ich kann es kaum erwarten, mit ihm, Scott und dem gesamten Netflix-Team loszulegen,“ erklärt Spielberg in einer offiziellen Mitteilung .

Amblin Partners hatte in der Vergangenheit bereits mit Netflix zusammengearbeitet und den Spielfilm „The Trial of the Chicago 7“ als Netflix-Original produziert. Aktuell dreht Amblin für Netflix das Biopic „Maestro“ über den Musical-Komponisten Leonard Bernstein mit Bradley Cooper in der Hauptrolle sowie als Regisseur. Auf wie viele Jahre die aktuelle Partnerschaft angelegt ist, gibt das Unternehmen nicht bekannt. Details zu den geplanten Filmen bleiben Amblin und Netflix ebenfalls schuldig.

Whatsapp kopiert coole Snapchat-Funktion - das ist geplant

Whatsapp arbeitet an einer praktischen Neuerung für den Messenger: Über die neue Funktion sollen Nutzer Bilder und Videos so versenden können, dass sie der Empfänger exakt einmal anschauen darf. Anschließend werden die Inhalte dann automatisch gelöscht, wie WABetaInfo in einem Tweet mitteilt. Sie verschafft den Nutzern die Gewissheit, dass ihre geteilten Fotos und Videos nur wirklich einmal angeschaut werden. Bei den Empfänger wird der von Whatsapp belegte Speicherplatz reduziert.

Dem Tweet ist nicht zu entnehmen, ob die Funktion oder Hinweise darauf schon in einer Beta von Whatsapp gesichtet wurden. WABetaInfo hat sich auf das Entdecken solcher Hinweise spezialisiert.  Es heißt lediglich, dass diese neue Feature "in der Zukunft" für die Whatsapp-Versionen für Android, iOS und Web/Desktop eingeführt werden soll.

Whatsapp-Konkurrenten wie Signal, Snapchat und Telegram bieten eine solche Einmal-Anschau-Funktion bereits an. Whatsapp würde also nachziehen, aber es gehört bereits zur Taktik von Whatsapp, populäre Funktionen anderer Messenger zu imitieren, um die Nutzer nach dem Debakel rund um die Einführung der neuen Nutzungsregeln zurückzugewinnen.

Vor nicht allzu langer Zeit führte Whatsapp die selbstlöschenden Nachrichten ein. Mit dem Feature erhalten Nutzer die Möglichkeit, verschickte Nachrichten bei den Empfängern nachträglich entfernen zu können. Wie Sie das genau machen erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Zusätzlich will Whatsapp auch das Design ändern, mehr Informationen hierzu finden Sie in dem Beitrag: Whatsapp mit neuem Design: Was sich ändert.

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