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Morgenmagazin vom Mittwoch, 24. Juli 2019

24.07.2019 | 07:05 Uhr |

Apple dementiert Bevorzugung eigener Apps +++ Neue Taptic Engine für iPhone 2019 +++ Welchen Nutzen die Übernahme von Intels 5G-Sparte für Apple hätte +++ KI verwandelt Ihr Selfie in ein Portrait-Gemälde +++ US-Sanktionen: Huawei soll beim Aufbau des 3G-Netzes in Nordkorea mitgewirkt haben +++ Kaspersky-Studie: Cybermacho oder digitaler Gentleman?

24. Juli: Ausprobieren

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Bei Apple registrierte Entwickler haben schon die vierte Fassung, die Teilnehmer des Public-Beta-Programms die identische dritte Version bekommen. Die Rede ist von macOS 10.15 Catalina, iOS 13 und iPadOS 13, das Apple bereits Anfang Juni zeigte und wie üblich zum Betatest bereit stellte. tvOS darf man auch nicht vergessen, das bringt mit der Multi-User-Unterstützung eine wesentliche Neuerung. Nur beim Test von watchOS 6 bleiben Entwickler unter sich.

Das waren sie bei den Betas von Mac-OS X und iOS bis vor fünf Jahren immer. Am 24. Juli 2014 öffnete Apple aber erstmals ein Testprogramm für die breite Öffentlichkeit, sieht man einmal von der Public Beta der ersten Version von Mac-OS X ab, das Apple seinerzeit sogar noch verkaufte. Zum angeblichen Selbstkostenpreis von 79 Euro, damals musste das System ja noch auf DVDs gebrannt und verteilt werden.

Die kostenlose Public Beta von OS X 10.10 Yosemite war auf eine Million Tester beschränkt. Das Kontingent wurde entweder nie ausgeschöpft oder Apple hat es still und heimlich abgeschafft, von an der Quote gescheiterten Interessenten war nie zu hören und von der Millionengrenze ist seither auch nie die Rede gewesen.

Apple reagiert mit der Public Beta von macOS – seit 2015 auch mit Vorabversionen von iOS - auf ein selbst geschaffenes Problem: Die Anzahl der Geräte ist in der iPhone-Ära stark gewachsen, die Nutzungsszenarien haben sich vervielfacht. Und je mehr Leute zu mehr Dingen Mac, iPhone und iPad nutzen, umso eher treten auch Fehler bei Vorgängen auf, die sich die Entwickler in Cupertino gar nicht vorstellen konnten.

Ärgerliche Fehler gab es in Apple-Software und -Hardware auch schon in der Jobs-Ära, sollten es jetzt mehr sein, liegt das nicht daran, dass Apple schlampt. Ganz im Gegenteil ist der Public-Beta-Test eben eine weitere Stufe der Qualitätskontrolle, wie sie selbst die reichste Firma der Welt nicht gewährleisten kann. Man stelle sich vor, es arbeiten wirklich rund eine Million Nutzer weltweit mit der Beta und berichten brav über jeden Fehler, auf den sie stoßen. In Cupertino weiß man dann, wo der Schuh besonders drückt und kann vor der Finalisierung nochmals die Prioritäten der Entwicklung anpassen.

Von schweren Fehlern, die eine Kurskorrektur erforderten, hat man in der Beta-Phase von 2019 noch nichts gehört. Im vergangenen Jahr musste Apple aber eine auf der WWDC-Keynote stolz präsentierte Neuerung wieder aus den Systemen entfernen: Group Facetime war zu fehlerhaft und zu unzuverlässig. Erst mit iOS 12.1 respektive macOS 10.14.2 konnte Apple die Funktion nachziehen, nach intensiven internen Tests - und einer zweiten Public-Beta-Phase. Denn auch die Updates zwischen den großen in jedem Herbst lassen sich vorab begutachten und Fehler darin melden. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Dementi: Apple weist einen Bericht des Wall Street Journals zurück, nachdem eigene Anwendungen bei der Suche im App Store bevorzugt würden. Apples Apps würden bei 60 Prozent der App-Kategorien an erster Stelle genannt, auch Books und Maps, die aber weniger populär und schlechter bewertet sind als die Konkurrenzprodukte etwa von Amazon und Google. So habe etwa die Kindle-App eine Bewertung von 4,8 Sternen und insgesamt 1,2 Millionen Rezensionen, steht hinter Apples Books und einer gefeatureten App nur auf Plarz drei. Ähnlich ist es bei der Navigation, Apples Kartenanwendung steht vor Waze und Google Maps. Viele seiner eigenen Apps müsste der Anbieter an sich aus dem App Store entfernen, würde Apple konsequent daran festhalten, Apps mit einer Wertung unter zwei Sternen zu löschen, schreibt das Journal weiter. Betroffen davon wäre etwa die Podcast-App. Apple dementiert eine Manipulation und erklärt, dass 42 Faktoren in das Ranking einer Suche eingingen. Berücksichtigt werden auch Namenstreffer und das Unser-Verhalten: "Viele unserer Kunden haben eine enge Verbindung zu unseren Produkten und nutzen die Suche, um Programme zu öffnen;" heißt es in Apples Statement. Daher komme das starke Ranking der Apple-Apps, was aber auch auf Uber zutreffe und die Apps von Microsoft. Den exakten Algorithmus will Apple nicht offen legen.

Übernahme: Zähneknirschend musste Apple im Frühsommer im Streit mit Qualcomm klein bei geben, weil Intel aus dem Geschäft mit 5G-Funkmodems ausstieg und kein alternativer Lieferant bereit stand. Apple wird seither nachgesagt, zu Qualcomm nur vorübergehend zurück gekehrt zu sein und Funkchips künftig selbst zu entwickeln. Dabei soll Cupertino aber das Modem nicht völlig neu erfinden wollen, sondern auf dem aufbauen, was Intel bereits vorbereitet hat. So kommen berichte darüber, dass Apple die 5G-Sparte Intels übernehmen will, nun nicht sonderlich überraschend. Das Wall Street Journal will wissen, dass die Verhandlungen bereits in einem fortgeschrittenen Stand seien, schon seit Jahren hätte Apple an einer Übernahme Interesse bekundet, es seien Gespräche immer wieder beendet und dann wieder aufgenommen worden. Eine Milliarde US-Dollar sei Apple bereit zu investieren, bekäme dafür neben den wesentlichen Patenten auch zahlreiche Experten, die ihre Arbeit bei Apple fortführen könnten. Sechs Jahre lang läuft die aktuelle Vereinbarung mit Qualcomm, bis dahin sollte Apple seine eigenen Lösungen marktreif haben.

Gute Gründe: Mal abgesehen vom iPhone, für das sich Apple zumindest ab 2020 die Chips von Qualcomm gesichert hat und für das es in Ruhe mit Intels Technologie Alternativen entwickeln kann, hätte die Übernahme der 5G-Sparte von Intel für Apple auch noch andere Vorteile. Macworlds Michael Simon hält vor allem die Talente der zu übernehmenden Ingenieure für Milliarden wert, auch wenn es um die Weiterentwicklung der iPhone-CPU ab A14 und darüber hinaus geht sowie um die S-Chips für die Apple Watch. Das reichhaltige Patentportfolio bietet zudem Schutz vor zahlreichen Patenttrollen, Apple muss schon aus diesem Interesse heraus Patente rund um das Smartphone übernehmen, ehe das zweifelhaften Firmen gelingt, die mit Abmahnungen und Vergleichen ihr Geld verdienen und nicht mit Produkten. Ein Macbook mit LTE-Chip wäre zudem auch etwas, das man mit Intels Expertise für Funkchips leichter bauen könnte - Marktchancen hätte ein solches Gerät allemal.

Populär: Das iPhone XR ist nach Zahlen der Martkforscher von Consumer Intelligence Research Partners (CIRP) das populärste iPhone in den USA. Rund 48 Prozent der Verkäufe entfallen auf das Gerät von 2018, das die meisten Funktionen des iPhone XS bringt, aber deutlich günstiger ist. Laut CIRP ist der Anteil, den das iPhone XR heute hat, der höchste für ein einzelnes iPhone seit der Zeit des iPhone 6, seinerzeit hatte das 6er aber nur mit dem 6 Plus ein aktuelles Konkurrenzmodell und dazu noch zwei Auslaufmodelle. CIRP hat zudem untersucht, welche Apple-Services die Kunden nutzen. Wenig überraschend liegen hier die iCloud-Speicherpläne mit 48 Prozent Anteil an der Spitze, 35 Prozent der  Nutzer  von Apple-Services haben  Apple Music abonniert. Es folgen Podasts mit 30 Prozent, Apple News und Apple TV mit 15 Prozent und Apple Care mit drei bis sechs Prozent, mehrere Antworten sind hier möglich.

Verbessert: Die neuen iPhones des Jahrgangs 2019 werden eine neue Taptic Engine erhalten, berichtet 9to5Mac. Diese werde vor allem für optimiertes Haptic Touch benötigt, das 3D Touch ablösen werde. Die Grundaufstellung bleibe die gleiche: Drei Modelle werden iPhone XR, iPhone XS und iPhone XS Max ersetzen. Eine dritte Kamera werde eine Weitwinkeloptik mitbringen und die Bereiche neben dem eigentlich gewählten Ausschnitt ablichten. Der Anwender soll dann bei der Nachbearbeitung das Bild besser zuschneiden  und die Perspektive ändern können, ohne wesentliche Informationen zu verlieren. Die Frontkamera soll Slowmotion mit bis zu 120 Frames pro Sekunde aufnehmen.

KI verwandelt Ihr Selfie in ein Portrait-Gemälde

Auf der Webseite AI Portraits werden Ihre Selfies oder andere Aufnahmen von Menschen in Portrait-Gemälde verwandelt. Das geschieht mithilfe von KI. Das Tool wurde dabei von Forschern des IBM Watson AI Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA entwickelt.

Die Webseite verwendet einen Algorithmus, der mit rund 45.000 klassischen Portrait-Gemälden gefüttert wurde um aus Ihrem Gesicht ein Öl-, Aquarell- oder Tinten-Gemälde zu zaubern. Die Datenbank enthält dabei eine Vielzahl von verschiedenen Stilen mit Gemälden von Künstlern wie Rembrandt oder van Gogh.

Die Forscher betonen allerdings, dass der Algorithmus nicht, wie bei älteren KI-Portraits, Ihr Gesicht einfach nur „überzeichnet“, vielmehr wird durch ein sogenanntes Generative Adversarial Network (GAN) ein von Grund auf neues Portrait generiert. Dabei werden bestimmte Elemente des Selfies analysiert und der Algorithmus entscheidet daraufhin welcher Stil am besten verwendet wird.

Die Ergebnisse sind ordentlich. Wenn Sie sich entscheiden, Ihr Bild in ein Portrait umwandeln zu lassen, bringen Sie jedoch besser etwas Zeit mit. Durch den aktuellen großen Ansturm auf die Webseite sind die Server sichtlich überlastet. Zum Thema Datenschutz haben sich die Forscher auch positioniert und betonen, dass hochgeladene Fotos nach der Verarbeitung sofort gelöscht werden und man keine Nutzungsrechte abtritt.

 

US-Sanktionen: Huawei soll beim Aufbau des 3G-Netzes in Nordkorea mitgewirkt haben

Der chinesische Konzern Huawei soll Nordkorea beim Aufbau des Mobilfunknetzes geholfen haben, wie die Washington Post unter Berufung auf vorliegenden Dokumenten und Insider-Informationen berichtet. Dadurch würde das Unternehmen gegen US-Sanktionen verstoßen.

Huawei soll dabei nicht offiziell in Erscheinung getreten sein, vielmehr wurde über den Kooperations-Partner Panda International Information Technology Co Ltd, dass der chinesischen Regierung gehört, Verbindungen hergestellt. Über Panda soll Huawei mit dem nordkoreanischen Joint-Venture-Unternehmen Koryolink, das mit dem ägyptischen Konzern Orascom für den Aufbau des 3G-Netzes verantwortlich ist, Kontakt aufgebaut worden sein. Angeblich soll Huawei das Vorhaben mit Netzwerk-Equipment, Basisstationen und Mobilfunk-Antennen unterstützt haben.

Laut einem ehemaligen Huawei-Mitarbeiter, Insidern und vorliegenden Verträgen und Dokumenten wurde der Ausrüstungs-Plan bereits im Jahr 2008 beschlossen. Danach soll die Ausrüstung über Panda in die chinesische Stadt Dandong transportiert worden sein. Das Handelsunternehmen Dandong Kehua transportierte das Equipment danach ins nordkoreanische Pjöngjang. Huawei soll mit Panda zusammen an einigen Projekten in Nordkorea mitgearbeitet haben – insgesamt rund Jahre.

Dem Bericht nach, sollen Panda und Huawei beide Büros im nordkoreanischen Pjöngjang im Jahre 2016 geräumt haben. Zu diesem Zeitraum begann das US-Handelsministerium mit Untersuchungen zu möglichen Verbindungen zwischen Konzernen und Nordkorea.

Panda International Information Technology Co Ltd steht dabei schon seit 2014 auf der schwarzen Liste der USA, hier landete vor Kurzem auch Huawei selbst. Panda strebt jedoch keinerlei Handel mit den USA an und muss sich somit auch nicht an die US-Sanktionen gegen Nordkorea halten, Huawei allerdings schon. Eine Bewiesene Beteiligung könnte sich negativ auf Huaweis Verhandlungen mit den USA unter Präsident Donald Trump auswirken.

Huawei dementierte Aussagen des Berichtes nur dahingehend, selbst keine Niederlassung in Nordkorea zu besitzen und das der Konzern sich an alle Gesetze und Vorschiften der EU- und US-Sanktionen halte.

 

Kaspersky-Studie: Cybermacho oder digitaler Gentleman?

In einer Studie von Kaspersky zum Phänomen er häufig gestellten Frage „Kannst Du mal kurz…“ und anschließender Bitte um Hilfe bei IT- und Tech-Problemen hat sich gezeigt, dass sich das Rollenverhalten zwischen Frauen und Männern in der digitalen, kaum von der analogen, bezüglich partnerschaftlicher Unterstützung unterscheidet.

Zu diesem Thema wurden mehr als 1600 deutsche, österreichische und Schweizer Nutzerinnen und Nutzer befragt und von Kaspersky ausgewertet.

So gaben 16,3 Prozent der in deutschen männlichen Nutzer an, den Partner bei der Einrichtung eines neuen Gerätes wie Router oder PC um Hilfe zu bitten – bei den Frauen waren es rund 38,6 Prozent. Die Schweizer Männer sind da wohl etwas souveräner, hier gaben 13,9 Prozent der Männer an den Partner um Hilfe zu bitten, bei den Frauen 44,4 Prozent.

Kaspersky kommt jedoch zu einem weiteren Ergebnis: „die heimliche Heimat des Cybermachos scheint aber Österreich zu sein“: Hier gaben nur 7,6 Prozent der Männer an, Hilfe von Ihrem Partner in Anspruch zu nehmen während es bei den Frauen rund 47,1 Prozent waren.

Bei der Frage nach den IT-Kenntnissen sehen sich die Männer generell auch etwas weiter vorne als Frauen. In Deutschland behaupten rund 73,8 Prozent der Männer und 52,6 Prozent der Frauen von sich, über gute Technologiekenntnisse zu verfügen. In Österreich waren es 83,8 Prozent der Männer und 59,3 Prozent der Frauen und in der Schweiz 82,4 Prozent Männer und 61,8 Prozent Frauen.

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