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Morgenmagazin vom Mittwoch, 24. Juni 2020

24.06.2020 | 07:00 Uhr | Peter Müller

Kein Boot Camp auf Macs mit Apple Silicon +++ Republikanische Senatoren wollen Verschlüsselung per Gesetz aushebeln +++ Spotify mit iOS 14 direkt auf dem HomePod +++ Microsoft Teams erhält fünf Neuerungen für Privatnutzer +++ Pluto: Riesen-Ozean könnte Leben ermöglicht haben +++ Spotify mit neuer Funktion gegen Youtube: Bald Musikvideos?

24. Juni: Der große Knall

Macwelt wünscht Guten Morgen! Nur noch ein halbes Jahr bis Weihnachten, man glaubt es kaum. Der Wunschzettel in diesem Jahr ist schon ausgefüllt, gerne hätten wir einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2, ersatzweise ein wirksames antivirales Mittel. Ob das in dem Jahr noch etwas wird fraglich. Dann eben einen Mac mit Apple Silicon, das wird definitv bis Weihnachten. Genießen wir aber jetzt lieber mal den Sommer, der laut Kalender nun begonnen hat. Die Spargelsaison ist endgültig zu Ende, die Johannisbeeren reif. Selbst die Himbeeren locken mit ihrem roten Strahlen inmitten grüner Büsche.

Der Johannistag heute ist ja zusammen mit dem in drei Tage folgenden Siebenschläfertag einer mit besonders vielen Wetterregeln. Die kann man in ihrer Absolutheit gewiss ignorieren, doch um diese Zeit nach der Sommersonnenwende stellt sich in unseren Breiten gerne einmal eine stabile Omega-Wetterlage ein, die viel Sonne bringt und wenig Regen.  Aber auch kaum über sieben Wochen hinweg gar keinen, oder, wenn die Lage anders ist, sieben Wochen Dauerregen. Die letzten beiden Jahre war das der Fall, 2020 scheint das etwas anders zu sein, aber genauere Prognosen über den Sommer fallen aus. Immerhin ist auch so etwas wie eine "Mörderhitze" in den Computermodellen bisher nicht zu erkennen, wäre ja doof, müssten wir eine solche in der stickigen Wohnung abwettern satt am Badesee.

Aber vor allen gedenken wir an  diesem 24. Juni eines außergewöhnlichen Wissenschaftlers und seiner unfreiwilligen Wortschöpfung: Heute vor 105 Jahren wurde Fred Hoyle geboren. Sein Name mag außerhalb von Fachkreisen nicht besonders bekannt sein, doch prägte er in der Wissenschaft eben versehentlich den Begriff, den wohl alle kennen: Big Bang - auf deutsch Urknall.

Dabei war Hoyle gar nicht angetan von der Theorie, die der Theologe, Priester und Astrophysiker George Lemaitre aus der Einstein’schen Theorie und den Messergebnissen von Edwin Hubble entwickelt hatte. Letztere zeigten eindeutig, dass sich der Raum ausdehnt, Lemaitre rechnete rückwärts und kam zum Schluss, dass vor Milliarden von Jahren das gesamte Universum auf einen Punkt habe konzentriert sein müssen, von wo es sich nun ausbreite.

Der Agnostiker Hoyle sah darin den Versuch, einen Schöpfer in die Kosmologie einzuführen und postulierte stattdessen ein Steady-State-Modell. Das Universum war schon immer da und wenn es sich ausdehnt, dann entsteht halt in den neuen Zwischenräumen spontan neue Materie. Woher, das erklärte Hoyle nicht befriedigend. Die Theorie Lemaitres nannte er abschätzig die vom "großen Knall" - und der Name blieb an ihr hängen.

Zu Hoyles Beruhigung ist der Urknall auch ohne Schöpfer aus spontanen Quantenfluktuationen zu erklären, meinte etwa Stephen Hawking, ein anderer großer britischer Astrophysiker. Hoyle hat sich jedenfalls auch außerhalb der kritischen Betrachtung zeitgemäßer Kosmologie gemacht, seine Arbeiten erklären unter anderem die Kohlenstoffsynthese in Sternen, die wiederum so unwahrscheinlich ist, dass Hoyle selbst das anthropische Prinzip heranziehen musste: Es ist so, wie es ist, wenn's anders wäre, dann wäre keiner da, um das zu beobachten. Fred Hoyle verstarb 86jährig im Jahr 2001.

Lesetipps für den Mittwoch

Unterschied : iPadOS und iOS trennen sich immer mehr auf, Apple hatte im vergangenen Jahr den wesentlichen Schritt gewagt und hat heuer den eingeschlagenen Weg weiter verfolgt. Ein iPad ist ja nun einmal kein iPhone, exklusiv für das Tablet ist etwa die Handschriftenerkennung Scribble – aber schon der Apple Pencil funktioniert nicht auf dem Telefon. Umgekehrt fehlen aber einige Funktionen, die nicht unbedingt fehlen müssten, die App Library (wir berichteten) ist dabei nur die wichtigste. Wie Michael Simon auflistet, fehlen auf dem iPad weitere Neuerungen, so kann man es etwa nicht als Autoschlüssel verwenden - aber auch an der Supermarktkasse würde man ja nicht sein Tablet für Apple Pay zücken. Aber auch die Translate-App bleibt dem iPhone vorbehalten, was vielleicht etwas weniger verständlich ist.

Alternativen: Nur am Rande der WWDC-Keynote hatte Apple ein Feature bemerkt, das viele Besitzer eines HomePods interessieren wird. Denn ab dem Herbst mit iOS14 wird der smarte Lautsprecher auch Musikservices von Dritten unterstützen, etwa Spotify oder Pandora. Bisher musste man auf Airplay setzen, um Musik aus anderen Quellen als Apple Music auf dem Homepod abzuspielen.

Gesetz : Senatoren der US-Republikaner haben einen Gesetzvorschlag eingebracht, der das Ende der sicheren Verschlüsselung von mobilen Geräten und anderen Computern fordert. Im Lawful Access to Encrypted Data Act würden Hersteller wie Apple dazu gezwungen, Strafverfolgungsbehörden Zugang zu verschlüsselten Geräten zu gewähren, die HIntertür in iOS wäre somit verpflichtend. Der strikte Schutz von persönlichen Daten habe  die Plattformen in einen "neuen, gesetzlosen Spielplatz" für allerlei kriminelle Aktivitäten gemacht, auf den sich Gesindel von "Kinderschändern" bis Terroristen tummle, behaupten die Senatoren Lindsay Graham, Tom Cotton und Marsha Blackburn. Das Gesetz solle gewährleisten, dass die Behörden nach richterlicher Anordnung auch Zugriff auf die Daten von Verdächtigen bekommen.

Schutzmaßnahme : Auch wenn die iPhones seit dem Modell 7 recht wasserdicht sind, sollte man sie im Falle des Falles für ein paar Stunden nicht via Lightning-Kabel laden. Das haben die Nutzer womöglich schon wieder vergessen, scheint Apple zu vermuten, und hat in iOS 14 eine Warnung eingebaut. Wenn die Sensoren des Gerätes Flüssigkeit in der Buchse entdecken, gibt das Telefon den Hinweis aus, dass nun das Laden deaktiviert sei, um Schden vom Gerät abzuwenden. Entdeckt hat das neue Features Bloombergs Mark Gurman, dem gestern nach der Installation der Developer Beta offenbar ein entsprechendes Missgeschick passiert war.

Grenzen: Windows auf dem Mac via Virtualisierung könnte bald der Vergangenheit angehören respektive auf Intel-Macs beschränkt bleiben. Denn Rosetta 2 übersetzt zwar für Intel-Prozessoren gedachten Code so, dass ihn das Apple Silicon der künftigen ARM-Macs versteht, davon ausgenommen sind aber Virtualisierungen. Microsoft müsste also eine Windows-Version für ARM-Prozessoren anbieten, damit diese via Paralles Desktop oder Vmware Fuison und anderen auf den neuen Macs läuft. Linux für ARM gibt es beriets, wie in einem der Keynote-Videos am Montag zu sehen war. Apple, das nach dem Umstieg auf Intel-Macs durchaus auch von der Möglichkeit, Windows auf dem Mac einfach ausführen zu können, profitiert haben mag, braucht offenbar Windows nicht mehr.

Microsoft Teams erhält fünf Neuerungen für Privatnutzer

Microsoft macht das in Microsoft 365 (früher Office 365) auch für Privatanwender verfügbare Microsoft Teams noch interessanter für den persönlichen und täglichen Einsatz. Dazu werden fünf neue Funktionen in einer Preview eingeführt und können in den nächsten Wochen in der Microsoft Teams App für Android (hier im Google Play Store) und für iOS (hier im Apple App Store) ausprobiert werden. Im Laufe des Jahres sollen die Neuerungen laut diesem Blog-Beitrag von Microsoft dann für alle Nutzer inklusive der Desktop- und der Web-Version von Microsoft Teams aktiviert werden.

Die fünf Neuerungen, die jetzt nach und nach in Microsoft Teams Apps ausprobiert werden dürfen:

  • Gruppenfunktion: Wie im Beruf können in Teams auch private Gruppen etwa für Freunde oder Familienangehörige angelegt werden. Dadurch kann dann über die Gruppe mit den Mitgliedern gechattet, Videokonferenzen abgehalten, Termine vereinbart und Dateien, Fotos und Videos ausgetauscht werden. Außerdem darf natürlich auch in einer Gruppe mit einzelnen Mitgliedern ein 1:1-Sprachanruf oder Video-Anruf getätigt werden.

  • Dashboard: In Teams können auch die Gruppenaktivitäten koordiniert werden. Dazu können beispielsweise Listen, Dokumente oder Kalender und dann für bestimmte Gruppen freigegeben und auch gemeinsam genutzt werden. So können beispielsweise einfach Einkaufslisten geteilt oder kommende Treffen geplant werden. Die im Dashboard enthaltenen Informationen sind in der Cloud gespeichert und werden natürlich über alle Geräte und Plattformen hinweg synchronisiert.

  • Sicheres Teilen von Dokumenten: Microsoft Teams ist Bestandteil aller Microsoft-365-Anwendungen, so dass sich die dort angelegten Dokumente (Word, Excel, etc) auch einfach über Teams für anderer Nutzer freigeben lassen. So kann etwa in Excel ein Wochenplan für die Kinder erstellt und dann bequem mit ihnen geteilt werden. Ausreden gibt es für das Kind nicht, denn die Dokumente sind in Onedrive gespeichert und somit überall verfügbar.

  • Standortfreigabe: Die Teams-Nutzer können auf Wunsch ihren Standort freigeben und damit wissen auch andere Mitglieder von Teams-Gruppen, wo sich der Nutzer aktuell aufhält. Dabei kann der Nutzer genau festlegen, welche anderen Nutzer genau den Standort abrufen dürfen. Eltern sehen so zum Beispiel, wo sich aktuell die Kinder aufhalten und bei einer Verabredung sieht man, wie weit der Bekannte vom Treffpunkt noch entfernt ist.

  • Integrierter Safe: Für das Ablegen persönlicher und vertraulicher Informationen bietet Teams einen Safe. Hier kann der Nutzer beispielsweise seine WLAN-Zugangsdaten oder Passwörter ablegen. Die im Safe gespeicherten Informationen können auch jeweils einzeln mit anderen Nutzern geteilt werden. Alle im Safe befindlichen Daten sind über eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert.

Das Microsoft sein Tool Teams um persönliche Funktionen erweitert, die auch abseits des Berufsleben nützlich sind, macht Sinn. Microsoft Teams ist ohnehin ein Tool, welches mehr erlaubt, als nur miteinander zu chatten. Die neuen persönlichen Funktionen sollen den Nutzern auch verstärkt dabei helfen, das Tool nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Privatleben effektiver zu nutzen. Mehr als 75 Millionen Nutzer, so Microsoft, verwenden Microsoft Teams bereits täglich. Während der Coronakrise war die Zahl der Nutzer stark gestiegen und Microsoft hatte bereits im März 2020 Erweiterungen angekündigt.

Die Einführung der neuen Funktionen erlaubt es laut Angaben von Microsoft den Nutzern, Microsoft Teams besser als "zentrale Hub für ihr Privatleben" einzusetzen.

 

Pluto: Riesen-Ozean könnte Leben ermöglicht haben

Spektakuläre Neuigkeiten vom Zwergplaneten Pluto, dem ehemaligen neunten Planeten unseres Sonnensystems: Unter einer dicken Eisschicht befindet sich vielleicht ein riesiger Ozean, der vermutlich 4,5 Milliarden Jahre alt ist - 500 Millionen Jahre älter als vergleichbare Gewässer auf der Erde. Darin könnte einst Leben existiert haben. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, so würde das das Bild von Pluto völlig ändern, wie Dailymail berichtet . Denn bisher gilt der Zwergplanet als Eis- und Felsbrocken, der unsere Sonne in einer Entfernung von rund sechs Milliarden Kilometern umkreist.

Doch Wissenschaftler von der California University in Santa Cruz vermuten, dass die Oberfläche von Pluto vor langer, langer Zeit extrem aufgeheizt wurde, als Asteroiden auf dem Zwergplaneten einschlugen und mit dessen Kern verschmolzen. Dadurch schmolz das Eis und es konnte sich an der Oberfläche ein Ozean mit Wasser bilden, in dem Leben möglich war. Höhenzüge auf der Oberfläche von Pluto könnten Hinweise auf diesen Ozean geben, so die Forscher.

Die Wissenschaftler ließen unterschiedliche Simulationen der thermischen Vorgänge auf Pluto berechnen. Ausgangsbasis dafür waren Aufnahmen, die die NASA-Sonde New Horizons geliefert hatte. Sie entdeckten Höhenzüge und Senken, die über 1,6 Kilometer tief waren. Das interpretieren die Forscher so, dass es Bewegungen innerhalb der Kruste von Pluto gab, die wiederum durch Wassermassen ausgelöst wurden, die sich ausdehnten als sie zu Eis gefroren sind. Auch andere Zwergplaneten im Kuipergürtel, wie Haumea und Makemake, könnten vielleicht einmal warm gewesen sein und Leben beherbergt haben.

Diese Warmphase mit Ozeanen voller Wasser und vielleicht auch Leben soll nur rund 30.000 Jahre gedauert haben, gleich zu Beginn des rund 4,5 Milliarden Jahre alten Pluto. Zusätzliche Hitze entstand aber auch durch den Zerfall von radioaktiven Elementen in den Felsen. Letzteres wurde bisher als Grund für die Existenz eines unterirdischen Ozeans angenommen. Denn erste Hinweise dafür, dass es auf Pluto einen großen unterirdischen Ozean geben könnte, wurden bereits im Jahr 2016 von der NASA entdeckt. Doch bisher ging man davon aus, dass die Entstehung von Pluto langsam und kühl verlief, wie Welt der Physik schreibt .

Ob dieser unterirdische Ozean heute noch mit flüssigem Wasser existiert oder völlig durchgefroren ist, können die Wissenschaftler nicht sagen.










Spotify mit neuer Funktion gegen Youtube: Bald Musikvideos?

Spotify könnte bald seinen Nutzern verstärkt auch Musikvideos zum Ansehen anbieten. Eine entsprechende Funktion hat die Bloggerin Jane Manchun Wong im Code der App von Spotify entdeckt, wie sie in einem Tweet berichtet und auch in einem Screenshot zeigt. Demnach sollen die Nutzer beim Abspielen eines Songs über die oben eingeblendete Tabs sich nicht nur das Cover des Songs anzeigen lassen können, sondern auch direkt zum offiziellen Musikvideo wechseln können.

Spotify liefert zwar schon hin und wieder Videos aus, die entdeckte Funktion im Code der Spotify-App könnte aber einen Hinweis darauf liefern, dass Spotify künftig auch mehr Musikvideos seinen Nutzern zur Auswahl bieten könnte. Aktuell blendet Spotify im "Video"-Tab den Hinweis ein: "Thank for your interest in video. We´re exploring what could happen here". Es ist wohl anzunehmen, dass an dieser Stelle dann die Musikvideos laufen sollen. Für Spotify wäre dies auch eine Gelegenheit, stärker mit Youtube Music zu konkurrieren.

Jane Manchun Wong hat sich in ihrem Blog und ihrem Tweet-Kanal auf die Entdeckung solcher versteckter neuen Funktionen in populären Anwendungen, Website-Diensten und Apps spezialisiert. Dazu durchforstet sie den Code der Anwendungen nach bereits enthaltenen und noch nicht frei zugänglichen Neuerungen und berichtet dann darüber. Ob diese Funktionen dann wirklich irgendwann für alle Nutzer freigeschaltet werden und damit den Experimentierstatus verlassen, bleibt natürlich offen.

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