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Morgenmagazin vom Mittwoch, 24. März 2021

24.03.2021 | 07:12 Uhr | Peter Müller

Zwanzig Jahre Mac-OS X +++ Fünfte Betas von iOS 14.5, iPad OS 14.5 und macOS 11.3 mit allerlei Hinweisen auf neue Hardware +++ Intel will ARM-Chips für Dritte bauen +++ iWork-Apps bekommen Update auf Versionen 11.0 +++ Bericht: Microsoft will Discord für 10 Mrd. Dollar kaufen +++ Ab heute: GMX und Web.de liefern Briefpost auch per E-Mail

24. März: Zwanzig Jahre

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Keine Frage, die Plage unserer Tage ist ein Keim und nicht der Rüttelreim. Keine Sorge, geht nicht in dem Stil weiter. Am Welttuberkulosetag wollen wir nur daran erinnern, dass es vor gar nicht allzu langer Zeit nur sehr geringe Kenntnis über Krankheiten und ihre Ursache gegeben hat. Gegen Tuberkulose half lange auch nur Abstand - weshalb die Seuche in den Armenvierteln, wo dieser nur schwer einzuhalten war, eben besonders grassierte. Ist heute nicht viel anders. Am 24. März 1882 konnte aber der Mediziner Robert Koch endlich der Öffentlichkeit den Grund der Lungenkrankheit präsentieren: Ein lästiges Bakterium, gegen das zwar kein Kraut gewachsen ist, aber mittlerweile mit Medikamenten in Schach gehalten werden kann. Und den Abstand nicht vergessen! Heute vor einem Jahr schrieben wir an der Stelle, dass es binnen 18 Monaten möglich sein sollte, Impfstoffe gegen das neuartige Virus zu entwickeln, so lange müsse man eben auf Abstand bleiben. Insofern kann man die Ungeduld der Mitmenschen nur noch teilweise verstehen, in sechs Monaten von heute sollten auch noch die fehlenden grob 100 Millionen Dosen hierzulande verabreicht werden können. Wenn man mal ausnahmsweise etwas unbürokratischer vorgeht. Bis dahin hilft nur, auf Abstand zu bleiben.

Mit dem Abstand von nicht 139, sondern nur 20 Jahren erinnern wir uns an den 24. März 2001, an dem wir unsere Macs buchstäblich abschlecken wollten - alle Hygieneregeln missachtend. Denn genau das war das Leckerli, das fast 15 Monate zuvor Steve Jobs bei der Vorstellung des neuen Mac-Betriebssystems versprochen hatte: Die bunt-transparent-verspielte Oberfläche Aqua sei so, dass man sie am liebsten mit der Zunge berühren wollte: "You wanna lick it".

Eine Public Beta (kostete 49 US-Dollar!) und ein gutes Jahr später, war dann Mac-OS X endlich fertig. Nun ja, in Version 10.0 mit all ihren Macken und Unzulänglichkeiten, die schon ein halbes Jahr später das erste Wartungsupdate erforderte, für das Apple auch noch eine Schutzgebühr von 29 US-Dollar verlangte.

Der Preis des finalen Mac-OS X ließ aufhorchen - und löst heute Staunen aus: 129 US-Dollar. Das war zwar wesentlich übersichtlicher als die dutzenden von unterschiedlichen Preise all der Windows-Varianten, aber dass wir für ein neues Betriebssystem zahlen wollten, das ist schon lange her. An Neuheiten pries Apple das Unix-Fundament, den auf PDF basierende Grafiklayer Quartz und die spektakulären Spiele, die das neue System auf Grundlage von Open GL erlaube. Sie sehen: Eine solides Fundament ist die stabile Grundlage einer jeden festen Basis. Aber auch weiter an der Aqua-Oberfläche war einiges geboten: Quicktime für Audio- und Videostreaming, Java 2 und die neue Carbon-API für Programme, die auf alle neuen Techniken zugreifen wollten. Klassische Mac-Software musste sich der Classic-APIs bedienen. Das klingt nicht nur kompliziert, das war es auch. Die nachfolgenden Wechsel von PPC auf Intel und nun der von Intel auf ARM waren weit einfacher zu bewerkstelligen, mit einer Übersetzungsschicht auf Systemebene.  Das klassische Mac-System und Mac-OS X waren aber nicht wie unterschiedliche Sprachen, sondern wie unterschiedliche Kommunikationsformen. Wer den Film "Arrival" gesehen und den Begriff "non lineare Lingusitik" gehört hat, bekommt eine ungefähre Vorstellung davon. Das klassische Mac-System und seine dafür entwickelten Programme konnte nur in einer eigenen Umgebung existieren, wie eben jene Tentakelwesen aus fremden Welten im Hollywood-Streifen.

Vor zwanzig Jahren stellte sich Apple mit dem ersten Mac-OS X nach der Beta-Phase einer gewaltigen Herausforderung - und kam an einem wichtigen Punkt einer Reise an, die schon Jahre zuvor begann.  Das in eine Sackgasse manövrierte Mac-Betriebssystems musste Cupertino aufgeben und eine moderne und skalierbare Betriebssoftware für allerlei Geräte finden. Dabei sollte aber auch der für Apple berühmte "Ease of use" erhalten bleiben. Die Kundschaft wollte die Rechner schließlich nicht mit Kommandozeilen bedienen müssen.

Mac-OS X musste daher nicht nur wegen der klassischen Programme Kompromisse eingehen, den späten Nachfolgern macOS Big Sur, iOS 14, iPadOS 14, tvOS 14 und watchOS 7 ist zwar das Unix-Fundament gemeinsam, aber passen so genau zu den entsprechenden Geräten, dass man ihre Verwandtschaft kaum noch erkennt.

Fast fünf Jahre hatte es gedauert, von der Entscheidung, Steve Jobs mitsamt seiner Firma NeXT und ihrem Betriebssystem NeXTStep (zurück) nach Cupertino zu holen, bis zum Release des ersten Unix-Systems für Apple-Produkte. Das lässt gewisse Rückschlüsse zu, auf die weiten Wege und Umwege, die Apple ging und gehen musste. Die schlimmsten Irrpfade hatte man aber schon verlassen, Begriffe wie "Copland", "Tangent" oder "Pink" markieren dessen Ränder. Kurz vor der letztliche goldenen Entscheidung für NeXT war auch BeOS von Jean-Louis Gassées Firma Be Inc. ein heißer Kandidat. Wer weiß, mit welchen Systemen und Geräten wir uns heute herumplagen müssten, wäre es so gekommen. Ob es Apple dann überhaupt noch gäbe?

Lesetipps für den MIttwoch

Nummer fünf: Apple hat nochmals eine Beta für iOS 14.5 veröffentlicht, zunächst die Version für Entwickler. Die Public Beta sollte heute oder morgen folgen, mit der finalen Fassung ist in zwei oder drei Wochen zu rechnen. So viele Vorabversionen sind für ein Punkt-Update eher unüblich, doch bringt iOS 14.5 einige wesentliche Neuerungen. So führt Apple nun endlich die auf der WWDC im letzten Juni vorgestellte Ad-Tracking-Transparenz ein, zudem soll man sein iPhone fortan mit Hilfe der Apple Watch entsperren können, was in Zeoten der notwendigen Maskenpflicht in der Öffentlichkeit sehr hilfreich ist. Nutzer des Dienstes Fitness+ können sich freuen, dass dieser nun auch Airplay 2 unterstützt und man sich die Kurse auch auf dem Mac ansehen kann. In iPadOS 14.5 wird es neben der Ad-Tracking-Transparenz eine weitere interessante Neuerung geben, das iPad erkennt Kritzeln dann auch auf deutsch - und wandelt mit dem Apple Pencil geschmierten Text in editierbaren um.

Noch ein Vorbote: Ebenso für eine Veröffentlichung in den nächsten beiden Wochen steht macOS 11.3 Big Sur an, für das Apple gestern ebenso die fünfte Developer Preview veröffentlicht hat. Wie 9t05Mac berichtet, finden sich in der Beta erstmals Hinweise auf zwei neue iMac-Modelle, die als "iMac21,1" und "iMac21,2" referenziert sind - noch in der vierten Beta fehlten diese Vorboten auf neue Hardware. Apple hatte letzte Woche zwei Konfigurationen des iMac 4K aus dem Store genommen, nachdem diese bereits schwer lieferbar waren, untrügliches Zeichen für Nachfolgemodelle. Bei diesen dürfte es um die ersten iMacs mit Apple Silicon handeln, vermutlich unmittelbar nach Ostern könnte Apple die neuen iMacs zusammen mit anderen Neuerungen präsentieren - dann sollte auch macOS 11.3 in finaler Version vorliegen.

Chip, Chip, Hurra: Auch den Code von iOS 14.5 Beta 5 haben sich die Spezialisten bei 9to5Mac genauer angesehen und ebenso einen Hinweis auf einen kommenden Chip gefunden. Dieser ist als "13G" intern referenziert - vermutlich handelt es sich dabei um einen dann offizielle A14X genannten Prozessor, der praktisch identisch zum M1-SoC der neuen Macs aus dem letzten Dezember sein dürfte.

Update: Während iPad, iOS und Mac noch ein oder zwei Wochen auf das Systemupdate warten müssen, hat Apple gestern bereits seine iWork-Programme Pages, Numbers und Keynote auf Version 11 gehoben. Vor allem die mobilen Fassungen für iPhone und iPad sollen präziseres Arbeiten zulassen, sodass man nicht jedes Projekt auf dem Mac feintunen muss. Die Mac-Versionen bekommen hingegen eine überarbeite Medienübersicht mit erweiterten Suchoptionen und Inhaltskategorien wie "zuletzt benutzt", wie es in den Release-Notes heißt. Sowohl die mobilen Apps als auch die für den Desktop bekommen nun die Möglichkeit, Links auf Telefonnummern in Tabellenzellen, Textobjekten und Formen zu setzen.

Zeichen der Schwäche: Wir hatten bereits letzte Woche über die Intel-Werbung mit Justin Long gesprochen, die den Chip-Hersteller wie eine beleidigte Leberwurst aussehen ließ. Das komplette Konzept hinter den fünf Filmen schien zu heißen: Engagieren wir das ehemalige Apple-Testimonial Justin Long, um es Cupertino so richtig zu zeigen. Auch das Macalope, der gehörnte Kolumnist der Macworld hat sich die Werbung angesehen und kommt zu einem ähnlichen Schluss: Intels Spots zeigen nur, dass Apple gewonnen hat. Einen wirklichen Vergleich zwischen Apple Silicon und den Core Chips stellt Intel nicht an. Wie auch, meint das Macalope leicht polemisch, Intel könnte nur zeigen, dass mit ihren Chips betriebene PCs die Bude im Winter warm halten. Anstatt also ein totes Pferd weiter zu reiten, sollte Intel besser seinen Laden in Ordnung bringen und sich dann als Kandidat für die Herstellung der von Apple designten Chips anbieten. Mit der Aktion wird das eher nichts mit der Wiederbelebung einer einst fruchtbaren Geschäftsbeziehung.

Auftragsfertigung: Als hätte Intel auf das Macalope gehört, hat gestern der CEO des Unternehmens Pat Gelsinger die neue Strategie IDM 2.0 angekündigt. IDM steht hier für Integrated Device Manufacturing, in diesem Rahmen will Intel nicht nur seine eigenen Chips weiter entwickeln und produzieren, sondern auch für Dritte die Fertigung von Prozessoren auf ARM-Basis erledigen. Intel will dazu 20 Milliarden in zwei neue Fabriken in Chandler, Arizona investieren und dort im 7-Nanometer-Prozess fertigen. Der erste 7-Nanometer-Chip Meteor Lake werde aber erst ab 2023 auf dem Markt sein. Zum Vergleich: TSMC fertigt für Apple bereits heute Chips im 5-Nanometer-Verfahren, womöglich schon nächstes Jahr könnte eine weitere Miniaturisierung in Richtung 3 Nanometer erfolgen – Intel bleibt hinten dran und wird so für Apple kaum noch eine Option sein. Intel will dennoch das Interesse Apples auf die als Intel Foundry Services (IFS) ausgegliederte Sparte wecken, schon jetzt arbeite man mit Amazon, Cisco, IBM und Microsoft zusammen.

Weitere Nachrichten:

Bericht: Microsoft will Discord für 10 Mrd. Dollar kaufen

Microsoft soll einem Bericht zufolge an einer Übernahme von Discord interessiert sein. Der Onlinedienst Discord ist vor allem unter Gamern beliebt und hat über 250 Millionen registrierte Nutzer und über 100 Millionen monatlich aktive Gamer weltweit. Für Microsoft wäre es nach der kürzlich abgeschlossenen Übernahme von Bethesda mit einem Wert von 7,5 Milliarden US-Dollar die nächste große Investition im Gaming-Bereich. Microsoft gelänge damit in den Besitz eines erfolgreichen sozialen Netzwerks.

Laut dem Bericht von Bloomberg soll Microsoft bereit sein, über 10 Milliarden US-Dollar für eine Übernahme von Discord zu bezahlen. Erst kurz zuvor hatte Venturebeat am Montag berichtet , dass Discord auf der Suche nach einem potenziellen Käufer sei. Es gäbe mehrere Interessenten und mit einem Unternehmen würden bereits weitergehende Gespräche über eine Übernahme geführt. Das in San Francisco ansässige Discord braucht offenbar neues Geld und hat die Hoffnung, von einem großen Unternehmen übernommen zu werden, welches im Gaming-Bereich aktiv ist.

Erfolgreiche Messenger-Dienste besitzt Microsoft bereits mit Skype und Teams. Discord ist aber zusätzlich ein für die Gaming-Branche äußerst attraktives soziales Netzwerk. Im Bereich "soziale Netzwerke" kann Microsoft bisher keine Erfolge vorweisen. Discord hat sich vor allem im Jahr der Corona-Pandemie, also im Jahr 2020, äußerst positiv entwickelt. Der Umsatz sprang von 45 Millionen US-Dollar im Jahr 2019 auf über 130 Millionen US-Dollar im Jahr 2020. Dennoch soll das Unternehmen bisher nicht profitabel sein, weshalb neues Geld benötigt wird. Dazu müsste aber der Käufer bereit sein, mindestens 10 Milliarden US-Dollar auszugeben.

Ab heute: GMX und Web.de liefern Briefpost auch per E-Mail

Die beiden zu 1und1 gehörenden Mail-Provider GMX und Web.de starten heute, also am 24. März 2021, zusammen mit der Deutschen Post den neuen Service „Digitale Kopie“. Damit bekommen die Nutzer von GMX und Web.de auf Wunsch die Inhalte ihrer geschäftlichen Briefpost kostenfrei auch per E-Mail zugestellt. Die im Rahmen der „Digitalen Kopie“ verschickte E-Mail beinhaltet ein Foto des Briefumschlags und ein PDF-Dokument mit dem eigentlichen Briefinhalt. Damit gehen folgende Vorteile einher:

  • Sie können den Inhalt des Briefes schon vor dem postalischen Empfang digital lesen

  • Alle relevanten Informationen von Unternehmen und Behörden sind an einer zentralen Stelle im Mailpostfach gesammelt und damit digital durchsuchbar.

  • Per Brief zugestellte Unterlagen haben Sie immer und überall als E-Mail dabei

Der neue Service setzt aber voraus, dass der Versender den neuen Service unterstützt. Zum Start am heutigen Mittwoch sollen laut GMX und Web.de 50 große (zum Beispiel Vodafone, Otto) und 10.000 kleine und mittlere Unternehmen mit dabei sein. Privatpersonen können ihre Briefe dagegen nicht digital zustellen lassen.

Voraussetzung für GMX- und Web.de-Nutzer ist außerdem, dass sich diese für den Service „Briefankündigung“ registriert haben. Denn die neue „Digitale Kopie“ ist eine Erweiterung der „Briefankündigung“. Der Service ist kostenfrei und kann gemeinsam mit der Briefankündigung ab dem 24. März 2021 von allen GMX- und Web.de-Nutzern in den Einstellungen des E-Mail-Kontos aktiviert
werden.

Sowohl Absender als auch Empfänger müssen der Datenverarbeitung zustimmen. Die technische Umsetzung erledigt die Deutsche Post über eine „abgesicherte digitale Schnittstelle“. Diesen Service bietet die Deutsche Post unter anderem Firmenkunden mit hohem
Versandaufkommen an, die regelmäßig in großen Mengen Rechnungen, Vertragsunterlagen oder Kundeninformationen per Brief verschicken, wie die beteiligten Unternehmen erklären.

Der postalische Briefversand soll durch die „Digitale Kopie“ nicht verzögert werden. Ein physischer Eingriff durch Mitarbeiter, wie
beispielsweise ein manuelles Einscannen der Briefsendungen, sei nicht notwendig.

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