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Morgenmagazin vom Mittwoch, 27. Februar 2019

27.02.2019 | 07:00 Uhr |

Apple und die Forderungen nach einem faltbaren iPhone +++ Schlaftracker kommt bis 2020 in die Apple Watch +++ Google dementiert Apple Music für Google Home +++ Intel bestätigt: iPhones 2019 noch ohne 5G +++ Energizer-Smartphone hat 18.000 mAh-Akku +++ Wegen Winnie Puuh: Steam-Spiel sorgt für Ärger in China +++ Micron stellt seine erste microSD-Karte mit 1 TB vor +++

27. Februar: Rohrkrepierer

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Mittlerweile ist es 17 Monate her, dass Apple ein Gerät vorstellte, das vielleicht nicht unbedingt die Welt komplett aus den Angeln heben würde, aber doch einen nützlichen Beitrag dazu leisten könnte, dass andere Weltveränderer nicht ohne Energie dastehen. Die Ladematte Airpower, die gleichzeitig iPhone (ab 2017), Apple Watch und Airpods-Ladeschale aufladen sollte, ist immer noch nicht im Apple Store angekommen – im Gegenteil hat Apple alle Hinweise auf das Gerät von seiner Website entfernt, so, als ob die AirPower nie angekündigt gewesen wäre. Mal sehen, ob und wann Apple endlich das versprochene Produkt liefert, vielleicht ja in gut vier Wochen, zeitgleich mit den Airpods 2 und der ebenso überfälligen drahtlosen Ladebox?

Es ist an sich nie eine gute Idee, ein Produkt schon einmal vorab anzukündigen, vor allem, wenn man ein versprochenes Lieferdatum dann nicht halten kann. Immerhin: Bei der Apple Watch, dem HomePod, dem MacPro von 2013 und dem iMac Pro hat das einigermaßen geklappt, mit der einen oder anderen Woche Verzögerung. Aber gut ein halbes Jahr nach der ersten Ankündigung inklusive Zeigen eines Produktbildes oder Prototypen waren die Geräte dann auch tatsächlich marktreif - und die Konkurrenz in der Kürze der Zeit nicht in der Lage gewesen, mit einer Kopie den Markt zu verstopfen und Apple das Gerät zu verderben.

Genau das ist aber dem Newton passiert, den Steve Jobs in einer seiner ersten Entscheidungen als Interims-CEO bei Apple heute vor 21 Jahren einstellen ließ. Der Taschencomputer war das Lieblingsprojekt von John Sculley gewesen den Jobs einst nach Cupertino geholt hatte und der dann wenige Jahre später den Gründer aus seinem Unternehmen drängte. Es war anfangs der Neunziger gar keine schlechte Idee, nach einer neuen Produktkategorie zu suchen, die Tage der einstigen Cash-Cow Apple II waren endgültig gezählt und der Mac schlug sich recht wacker auf einem zusehends gesättigten Markt. Aber die Zukunftsvision fehlte für Apple. Umgekehrt fehlte es dem Newton nicht an Visionen: Er sollte ein wirklich tragbarer Computer sein, der zwar nicht aufs Wort gehorcht, aber auf die Handschrift.

Was Apple aber sich so gut ausgedacht hatte, scheiterte an der Realität: Die Handschriftenerkennung führte meist zu abenteuerlichen Ergebnissen, in Sachen Konnektivität hatte der Newton das Problem, dass es seinerzeit an mobiler Infrastruktur mangelte. Anwendungen auf den kleinen Kompaktrechner zu bekommen, war mehr als nur umständlich.

Den größten Fehler beging aber der Chef persönlich: Mitte 1992 hatte Sculley bereits vollmundig den Newton als das nächste große Ding angepriesen und seine fortschrittliche Technologie gelobt. Dann sollte es aber noch anderthalb Jahre dauern, bis der Newton, in größter Eile fertig gestellt, endlich im Handel zu haben war, von Kinderkrankheiten geplagt und von der Konkurrenz bereits überholt.

Diese hielt sich nicht lange damit auf, eine Handsschriftenerkennung zu entwickeln, sondern zwang die Kunden letztlich dazu, eine eigens für das Gerät - den Palm Pilot - entwickelte Kurzschrift namens Graffiti zu lernen - das war letztendlich die bessere Idee. Günstiger waren die Personal Digital Assistants noch dazu, der Newton von Anfang an chancenlos.

Warum aber heute der Name Palm in Vergessenheit geraten ist, hat auch mit der Entscheidung vom 27. Februar 1998 zu tun. Denn Steve Jobs merkte, dass die Newton-Abteilung ein totes Pferd ritt und befahl frei von Sentimentalitäten den sofortigen Abstieg. Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis Apple das Projekt Taschencomputer neu anpackte und dabei das Pferd völlig anders aufzäumte. Im Jahr 1998 war Apple noch damit beschäftigt, sein Kerngeschäft zu retten und auf ein neues Gleis zu setzen. Mac-OS X, dessen Konzept in den Tagen des Newton-Endes finalisiert wurde und der iMac, der ebenso gute drei Monate nach dem Newton-Aus das Licht der Welt erblickte, änderten die Lage für Apple völlig. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Werke mit Autoren : Apple hat die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs "Shot on iPhone" bekannt gegeben. Die zehn von einer Jury als beste Fotos gekürten Motive wird Apple in den kommenden Monaten weltweit in seiner Werbung einsetzen, auf Plakaten und im Web. Sechs der Gewinner kommen aus den USA, die vier anderen aus Israel, China, Weißrussland und Deutschland. Jenes Bild von Robert Glaser ist auch eines der beiden mit der ältesten Hardware aufgenommenen, dem iPhone 7. Das Gros der Bilder entstand auf den neuesten Modellen iPhone XS und XS Max.

Eingeklappt: Nein, Apple ist in Sachen faltbares Smartphone nicht hinten dran, meint das Macalope in seiner jüngsten Kolumne. Die Technologie sieht zwar cool aus, ob Klappsmartphones aber etwa taugen, ist noch lange nicht heraus. Die ersten beiden von Huawei und Samsung sind derzeit nicht mehr als Protoypen, die im Vergleich zu leckeren Pasta al dente doch eher so sind, wie die aus der Packung gegessene rohe Nudel - mithin kaum genießbar. Zudem stammten sie von Firmen, die für ihre schlechte Software oder massive staatliche Subventionen bekannt seien, merkt das Macalope in seiner bekannt bissigen Art an, die so gar nicht zu einem Wiederkäuer passt. Apple, so Elliot Loh auf Twitter, definiere die finale Form einer neuen Kategorie. Was auch der Grund sei könnte, warum die einen das Smartphone nach außen und die anderen nach innen aufklappen: Wenn Cupertino erst einmal zu seinem Ergebnis gekommen ist, kopieren alle nur noch da und die Konkurrenzprodukte gleichen alle dem Vorbild. Noch steht aber Apples finale Definition des Klappsmartphones aus - und es ist völlig ungewiss, ob und wann sie kommt. Zu spät wäre Apple dann aber wieder nicht dran, sondern wie so oft in seiner Firmengeschichte zum richtigen Zeitpunkt am Start.

Netter Versuch : In das gleiche Horn stößt Michael Simon, der auf dem MWC immerhin die Gelegenheit hatte, das Huawei Mate X in die Hand zu nehmen. Dieses und das Galaxy Fold seien noch weit davon entfernt, zu überzeugen. Zu viele Kompromisse müssen die Klapphandys noch eingehen, von den recht kleinen Bildschirmen als Smartphone, über sichtbare Faltlinien bis hin zum Material, das sich wirklich nicht wie Glas anfühlt. Apple könnte hier einen anderen Ansatz wählen und kein iPhone entwickeln, dass sich zu einem iPad ausfaltet, sondern im Gegenteil schlicht ein einklappbares iPad bauen. Die Kompromisse und Fehler der ersten faltbaren Generationen würden Apple nicht passieren.

Gute Nacht: Was der Apple Watch noch fehlt, ist ein zuverlässiger Schlaftracker. Laut eines Bloomberg-Berichts von Mark Gurman könnte im kommenden Jahr, also 2020, ein solcher Sensor die Hardware ergänzen - vermutlich handelt es sich dann schon um die Apple Watch Series 6. Derzeit liefen noch Tests an geheimen Orten rund um die Firmenzentrale in Cupertino, sollte sich die eingesetzte Technik als akkurat und zuverlässig erweisen, wird sie in das marktreife Produkt integriert. Für Apple ist Schlaftracking nicht neu, im Mai 2017 hatte der Mac-Hersteller das finnische Startup Beddit übernommen und verkauft seither dessen Sensoren unter der bestehenden Marke über seine Stores. Konkurrenten wie Fitbit und Withings haben bereits Schlaftracker in ihre Fitnessuhren eingebaut. Generell bestehen jedoch noch Zweifel an der Sinnhaftigkeit derart einfacher Lösungen, die keine komplexen Daten etwa über Hautschweiß oder Augenbewegungen liefern können, um fundierte Aussagen über den Schlaf treffen zu können.

Verantwortung: Auf seiner Ansprache auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat Microsoft-CEO Satya Nadella sich in Sachen Datenschutz auf die Seite Apples gestellt. Privatsphäre sei ein fundamentales Menschenrecht, meinte Nadella. Microsoft frage sich - ebenso wie Apple - nicht, was Computer leisten können, sondern, was sie leisten sollten, um derartigen Ansprüchen gerecht zu werden. Bei Microsoft genieße Cybersicherheit höchste Priorität, nicht nur die größten Unternehmen, sondern auch für kleine Firmen und Privatanwender, die am ehesten im Risiko stehen.

Dementiert: In der Google Home App ist in der jüngsten Version Apple Music als einer der möglichen Quellen für Musik neben Deezer, Pandora und anderen aufgetaucht - nur funktional ist die Schaltfläche zum Verbinden mit dem Service nicht. Gegenüber Venture Beat, das zuerst über die Neuerung in der App berichtet hatte, erklärt Google nun auch, dass Apple Music nur für den Google Assistant auf Smartphones nutzbar ist zu Google Home habe man nichts Neues zu erklären. Im vergangenen Herbst hatte Apple seinen Streamingdienst überraschend für Amazons Echo-Lautsprecher geöffnet, die Ausweitung auf Google Home wäre eine weitere Möglichkeit, mehr Kunden für Apple Music zu gewinnen.

Weitere Nachrichten:

Intel bestätigt: iPhones 2019 noch ohne 5G

Das Datenaufkommen über mobile Funknetze nimmt stetig zu. Bis 2022 sollen bis zu 30 Milliarden mobile Endgeräte vernetzt sein. Um dem Herr zu werden setzen Mobilfunkanbieter auf den LTE-Nachfolger 5G. Mittels der neuen Technologie sind extrem hohe Downloadraten möglich. Die ersten Smartphones unterstützen bereits den Mobilfunkstandard. Auch beim iPhone kommt die Frage auf, ob das nächste Modell bereits mit einem 5G-fähigen Modem ausgestattet sein wird. Die meisten Experten glauben nicht daran .  Und auch Intels neue Äußerungen sprechen dagegen.

Sandra Rivera, Senior Vice President bei Intel und zuständig für Netzwerkplattformen, bestätigte bei einem Event, dass 5G-Produkte für den Consumer-Markt voraussichtlich nicht vor 2020 auf den Markt kommen werden. 2019 werden lediglich Muster an die Kunden ausgeliefert. Intel ist aktuell Exklusivpartner von Apple, somit ist mit 5G-fähigen iPhones in diesem Jahr eher nicht zu rechnen.

Auch Apples andauender Patentstreit mit Qualcomm spielt in dem Zusammenhang eine Rolle. Der ehemalige Zulieferer von Apple verfügt bereits über 5G-fähige Chips. Diese werden in Konkurrenzprodukten zum iPhone zu finden sein, auch noch in diesem Jahr. Doch seit dem Zerwürfnis zwischen Apple und Qualcomm kommen in den neuen iPhones ausschließlich Intel-Modems zum Einsatz. Es ist aber fragwürdig, ob Apple selbst bei einer noch bestehenden Zusammenarbeit bereits 2019 auf den neuen Mobilfunkstandard setzen würde. 5G ist noch nicht flächendeckend verfügbar und steckt noch in den Kinderschuhen. Beim iPhone setzt der Konzern traditionell auf ausgereifte und etablierte Technologien. 

Energizer-Smartphone hat 18.000 mAh-Akku

Auf dem Mobile World Congress hat der US-Batteriehersteller Energizer mit dem Power Max P18K Pop ein Smartphone mit riesigem Akku vorgestellt. Durch satte 18.000 mAh Kapazität soll das Gerät bis zu 50 Tage lang im Standby auskommen. Im Gegenzug erinnert das Smartphone von Energizer aber auch eher an eine Powerbank, an deren Oberseite ein Display angebracht ist. Konkret handelt es sich um einen 6,2 Zoll großen Bildschirm mit 2160 x 1080 Pixeln. Zudem verfügt dass Power Max P18K Pop über eine ausfahrbare Kamera an der Oberseite. Diese beherbergt drei Kameras mit 12, 5 und 2 Megapixeln. An der Front sind zwei Kameralinsen mit 16 und 2 Megapixeln verbaut.

Als Prozessor kommt der Achtkern-Prozessor Helio P70 von Mediatek mit 2 GHZ zum Einsatz, dem 6 GB Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Der verbaute Speicher mit 128 GB lässt sich durch den Einbau einer microSD-Karte aufrüsten. Auf dem Power Max P18K Pop ist Android 9.0 (Pie) vorinstalliert. Außerdem gibt es zwei SIM-Kartenslots, auf einen Kopfhörerausgang verzichtet Energizer jedoch. Am Platzmangel dürfte dies nicht liegen, schließlich ist das Gehäuse sehr groß und massiv. Die Ähnlichkeit zu einer Powerbank hat jedoch auch einen großen Vorteil: Durch Reverse Wireless Charging lässt sich das Smartphone im Notfall auch als tragbarer Akku nutzen, der andere Geräte mit Strom versorgt. Angaben zum Preis macht der Hersteller noch nicht. Das Smartphone soll zwischen Juni und September in den Handel kommen.

Wegen Winnie Puuh: Steam-Spiel sorgt für Ärger in China

Das Indie-Horror-Spiel Devotion sorgt in dieser Woche für eine Kontroverse und wurde vorläufig von Steam entfernt . Stein des Anstoßes ist ein Ingame-Poster, das Chinas Präsident Xi Jingping neben Winnie Puuh und dem englischen Word „moron“ (dt. Idiot) zeigt. Winnie Puuh wurde in den vergangenen Monaten oft in Memes verwendet, die sich über Xi Jingping lustig machten. Der Scherz trieb sogar so seltsame Früchte, dass der Winnie-Puuh-Film Christopher Robin in China verboten wurde.

Einige Spieler sind nun der Meinung, dass das von einem taiwanischen Studio entwickelte Devotion nicht nur an einer Stelle Scherze über den chinesischen Präsidenten macht, sondern dass sich das gesamte Spiel über Xi Jingping und die chinesische Bevölkerung lustig macht. Viele chinesische Spieler fühlten sich von dieser Annahme so beleidigt, dass sie Devotion mit vernichtenden Reviews zerrissen – zuletzt lag die Prozentzahl der positiven Reviews bei Steam nur noch bei 40 Prozent.

Entwickler Red Candle Games bezog am vergangenen Wochenende Stellung und beteuerte, dass die Referenz auf Winnie Puuh rein zufällig sei. Bei dem Poster handle es sich schlicht um einen Platzhalter, der versehentlich in der finalen Version des Spiels nicht ersetzt worden sei. Die Grafik sei am 21. Februar ausgetauscht worden. Die Erklärungsversuche des Studios kamen jedoch zu spät. Im Zuge der Kontroverse kündigte der Publisher des Spiels den Vertrag mit dem Entwickler. Das Studio blieb damit auf den Kosten für Devotion sitzen. Heute verschwand Devotion schließlich von der Download-Plattform Steam. Laut dem Entwickler wolle man sich das Spiel noch einmal ganz genau anschauen, um weitere Probleme zu vermeiden. Ob und wann Devotion wieder online gehen wird, ist noch unklar.

Micron stellt seine erste microSD-Karte mit 1 TB vor

Auch das zu Western Digital gehörende Unternehmen SanDisk hat eine 1-TB-Karte vorgestellt . Das Lesetempo der microSD-Karte soll mit bis zu 160 MB/s sogar noch höher ausfallen. SanDisk nennt außerdem schon Preise für die ab April verfügbare Karte: 449,99 US-Dollar.

MicroSD-Karten sind meist die erste Wahl, wenn der knappe Speicherplatz im Smartphone vergrößert werden muss. Oft genügen schon 64 GB zusätzlicher Speicher, wer allerdings deutlich mehr benötigt, dürfte sich über die Ankündigung der weltweit größten microSD-Karte durch Hersteller Micron freuen: Die Micron c200 1TB microSDXC UHS-I Kart e nutzt hierfür als erste Karte weltweit die Advanced 96-layer 3D quad-level cell (QLC) NAND Technology von Micron.

Zudem unterstützt die kleine Karte die A2 App Performance Class. Dadurch lassen sich auch Apps und Spiele mit deutlich geringeren  Ladezeiten ohne Leistungsverlust auf der Karte unterbringen. Micron bietet die Karte auch in Kapazitäten ab 128 GB an. Alle Modelle sollen mit mindestens 100 MB pro Sekunde Daten lesen und mit bis zu 95 MB pro Sekunde schreiben können. Ein dynamischer SLC-Cache soll häufig genutzte Dateien noch schneller zur Verfügung stellen. Von der 1TB großen c200-Karte fertigt Micron gerade erste Samples. Auf dem Markt verfügbar sollen die Karten ab dem zweiten Quartal 2019 sein. Angaben zum Preis der Karten macht Micron noch nicht. Käufer sollten jedoch von einem dreistelligen Preis ausgehen. Eine 512 GB große Karte von Samsung schlägt bereits mit knapp 150 Euro zu Buche. Wer schon mit 256 GB Extra-Speicher auskommt, zahlt für die Samsung SDXC Evo Plus hingegen nur 45 Euro.

 

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