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Morgenmagazin vom Mittwoch, 28. April 2021

28.04.2021 | 07:13 Uhr | Peter Müller

Aussagen zu Apple vs. Epic: Forstall über Flash auf dem iPhone, Cue über iMessages für Android +++ Warum Audio auf dem Mac für den Homepod immer noch enttäuscht +++ Australische Behörde will Wahlfreiheit für Apps +++ Chipfertiger wollen Produktion ausbauen +++ Vodafone will analoge Radiosender abschalten

28. April: Musik, wenn sie laut ist

Macwelt wünscht einen guten Morgen! "Musik wird als störend oft empfunden, da stets mit Geräusch verbinden", wusste bereits Wilhelm Busch. Es ist etwas daran: Selbst Wohlklänge können im falschen Moment stören oder - wenn sie zu laut sind - auf Dauer das Gehör schädigen. Das trifft nicht nur Heavy-Metal-Schlagzeuger, auch Orchestermusiker sind Lärmgefahren ausgesetzt. Erstere können sich am Arbeitsplatz wenigstens mit einem Gehörschutz behelfen, bei zweiteren wird das aufgrund der hohen Dynamik im Orchestergraben schwierig: Man muss ja die pianissimo Piccolo-Flöte auch noch wahrnehmen, obwohl das forte Fortissimo der Blechbläser mal wieder auf das Trommelfell knallt. Der 28. April ist der Tag gegen den Lärm oder auch der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, an dem Lärmschutz vor wie gesehen nicht nur wichtig ist, wenn man es mit Maschinen zu tun hat. Bis wir wieder ein Orchester in voller Lautstärke lärmen hören, so dass die Apple Watch eine Warnmeldung ausgibt, wird es noch eine Weile dauern. Behelfen wir uns bis dahin mit Musik aus der Konserve.

Heute vor 18 Jahren hat Apple mit der Eröffnung des iTunes Music Store die Form der Konserve ein weiteres Mal verändert, nach dem Ende der Vinyl-Ära endgültig den Niedergang der CD eingeleitet. Fast ein Jahr war der Dienst auf die USA beschränkt und es war ausweislich diverser Biographien über die Beteiligten ohnehin eine Sisyphos-Arbeit, die Bosse der zunächst fünf, später nur noch vier großen Plattenfirmen zu überzeugen, dass der digitale Vertrieb der Inhalte nicht deren Geschäft zerstören, sondern in das neue Jahrhundert hieven würde. Denn längst hatten die frühen Nutzer des Internet entdeckt, dass man mit Hilfe des Formats MP3 und der allmählich schneller werdenden Verbindungen ganze Alben in endlicher Zeit über die Leitungen schicken kann. Unsere Gegner sind nicht andere Musikvertriebe, sondern die Piraten, hat Steve Jobs sinngemäß den Ansatz des Geschäftsmodells iTunes Store in den folgenden Jahren immer wieder erklärt. Er, der damals seinen Leuten in Cupertino gesagt hat, sie sollten sich eher wie Piraten verhalten, als wie die Armee. Aber damit hat er flache Hierarchien anstatt Befehl und Gehorsam gemeint und nicht das Kapern anderer Schiffe.

Abomodellen, wie sie einige der damaligen Konkurrenten wie das von Bertelsmann übernommene Napster versuchten, erteilte Steve Jobs stets eine Absage. Die Leute wollten die Musik besitzen und auf ihre Macs, iPods und später iPhones herunter laden, um sie immer und überall hören zu können. Hier irrte Jobs dann doch. Vor einem guten Dutzend Jahren startete in Schweden das Abo-Streaming-Experiment, das die Szene erneut nachhaltig veränderte, weil es endlich erfolgreich war und dem iTunes Store das Fürchten lehrte: Spotify. Der Trick: Man kann alles auch gratis hören, sofern man alle paar Tracks Werbung akzeptiert. Radio funktioniert ja so ähnlich. Nur kann man den Privatsendern nicht einmal im Monat einen Zehner vorbeibringen, damit sie ihre Werbung in der Kiste lassen und die permanent gut gelaunten Moderatoren auch mal den Mund halten.

So sah sich Apple gezwungen, ebenso auf Streams im Abo zu setzen. Über drei Milliarden US-Dollar investierte Apple im Jahr  2014 in den aus seiner Sicht vielversprechendsten Spotify-Konkurrenten Beats Music, der wie anfangs der iTunes Music Store, auch nur in den USA erreichbar war. Ein gutes Jahr später ging dann Apple Music an den Start, in den wichtigsten Kernmärkten gleichzeitig, recht bald in etwas weniger wichtigen. Apple will das mit der Werbefinanzierung gar nicht erst versuchen, Apple Music kostet nach einer dreimonatigen Testphase zehn respektive 15 Euro im Monat, dafür bleibt man mit der Musik allein. Dazu gibt es mit den Sendern von Beats doch so etwas wie Radio - nur eben ohne Werbung und mit kompetenten und stets gut informierten Moderatoren, bei denen die Musik im Mittelpunkt steht.

Lesetipps für den Mittwoch

Besser, aber noch nicht gut: Nach dem Update auf macOS 11.3 Big Sur kann man sich darüber freuen, dass sich die Homepod Mini endlich als Default-Soundausgabe für das System konfigurieren lassen. In der Praxis ist das aber noch sehr unzulänglich, hat Michael Simon festgestellt. Das Gefrickel beim Konfigurieren möchte man nicht haben, wenn man die nahtlose Erfahrung der Airpods gewohnt ist - und vor allem nicht in jeder App einen anderen Zeitversatz bei der Tonausgabe, der mehr oder minder zufällig auftritt. Apple habe hier eine Chance verpasst, macOS 11.3 zeige, wie wenig sich der Hersteller um das Audio des Mac noch kümmere. Anstatt etwa die Homepods auch in den seiben Farben des iMac M1 als optionales Zubehör anzubieten, preist man lieber die sechs internen Speaker an. Mal hören, was die taugen, aber am Ende läuft es doch wieder darauf hinaus, dass man ein Lautsprechersystem eines Drittherstellers anschafft, das vielleicht nicht so gut neben dem iMac M1 aussieht.

Kernkraft: Laut eines Berichts von Nikkei Asia habe die Massenproduktion einer zweiten Generation von Apple-Silicon-Chips begonnen, die ab Juli in neuen Geräten Platz finden könnten. Dabei solle es sich um das M2-SoC handeln, das Apple in 14-Zoll- und 16-Zoll-Macbooks Pro einzubauen gedenke. Nicht immer treffen die Prognosen von Nikkei zu, so halten wir es auch für recht wahrscheinlich, dass die nächsten SoCs für den Mac einen Namen wie M1X tragen könnten: Mehr Kerne als die derzeitigen M1, aber nach wie vor auf Basis des A14-SoC, der in iPhones 12 und dem iPad Air Verwendung findet. Eine neue Nummer könnte dann der nächsten Generation vorbehalten sein, den A15 respektive M2, die TSMC in einem verbesserten 5-nm-Verfahren produzieren würde. Die Vermutungen, dass Apple an SoC mit bis 32 High-Performance-Kernen für anspruchsvolle Desktops arbeitet, sollte aber einigermaßen korrekt sein. Erste Fassungen jener neuen Chips könnten acht oder zwölf Kerne aktiviert haben.

Geschichte : Flash, die einst weit verbreitete Multimediasoftware für alle Plattformen, ist tot. Mit zum Ableben hat der Erfolg des iPhones beigetragen und der offene Brief von Steve Jobs aus dem Jahr 2010 "Gedanken über Flash"; in dem er ausführlich begründet, warum die Software für mobile Systeme nicht geeignet ist. Wie in einer Anhörung des ehemaligen Softwarechefs Apples Scott Forstall in Vorbereitung einer Aussage im Prozess Epic vs. Apple herauskam, war Apple jedoch bemüht, zusammen mit Adobe Flash auf das iPhone zu bringen. Die Entwicklung scheiterte aber, Flash erwies sich als nicht geeignet für die schlanke und energieeffiziente Struktur von iOS. Die Leistungsfähigkeit von Flash auf dem iPhone sei unter allen Erwartungen geblieben. Zudem setze sich Flash wie ein Virus tief in ein System fest, das sei auch unter Windows und auf dem Mac ein Problem. Wann genau diese Kooperation statt gefunden hat, geht aus dem Protokoll nicht hervor. Apple will damit aber vor Gericht darlegen, dass es sehr wohl an Cross-Plattform-Lösungen interessiert sei und mit Dritten kooperiere. Wenn dann aber keine tragfähige Lösung gefunden werden könne, welche die Anwender zufrieden stellt, muss man eben auf Flash und anderes verzichten.

Noch mehr Geschichte: Interessant ist auch die Aussage von Eddy Cue, Apples Senior Vice President Internet Software and Services. Demnach habe er im April 2013 vorgeschlagen, iMessages (Nachrichten) auch auf Android zu bringen, ein Team erforsche derzeit die Möglichkeiten. Cue sei letztlich von anderen Apple-Führungskräften überstimmt worden, etwa Software-Chef Craig Federighi und Marketing-Vorstand Phil Schiller. Federighi habe dabei die Befürchtung geäußert, iMessage auf Android würde ein Hindernis entfernen, dass iPhone-Familien ihren Kindern Android-Smartphones geben, Cue sah das nicht so eng. Es hätte aber an einer Strategie gefehlt, iMessage zum führenden Messenger-Dienst auszubauen, was heute zweifelsfrei WhatsApp ist.

Wahlfreiheit: In Australien untersucht die Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) das Duopol aus Google Play Store und Apples App Store hinsichtlich Wettbewerbsrecht. Dabei fordert die Behörde mehr Wahlfreiheit ein, anstatt Android und iOS mit einer Reihe eigener Apps auszuliefern, sollten die Anbieter den Kunden mehr Wahlfreiheit einräumen und alternative Anwendungen schon beim Einrichten empfehlen. Genau das ist in Russland bereits geltendes Recht, Apple muss bei der Einrichtung des iPhone einige lokale Apps als Alternativen zu Kalender, iMessages, Mail und Konsorten anbieten.

Weitere Nachrichten:

Chipfertiger wollen Produktion ausbauen

Die aktuelle Halbleiterknappheit ist auch auf knappe Produktionskapazitäten zurückzuführen. Die beispielsweise von AMD bei TSMC gebuchten Kontingente in den Mega-Fabriken teilen sich auf Grafik-Chips für die Radeon-Grafikkarten, die neuen Ryzen-Prozessoren sowie die Kombiprozessoren in Xbox Series X/S und PS5 auf. Entsprechend muss AMD hier genau abwägen, welche Produkte primär gefertigt werden sollen. Ein Ausweg kündigt sich durch geplanten Ausbau der Produktionskapazitäten bei Auftragsfertigern wie TSMC an. So will TSMC über zwei Milliarden Euro investieren , um die Produktion mittelfristig zu steigern. Der Speicherhip-Hersteller Nanya will ebenfalls 8,8 Milliarden Euro in eine neue Fabrik in Taiwan investieren. Am neuen Standort sollen ab 2024 DRAM-Chips im 10-Nanometer-Verfahren vom Band laufen.

Zudem kündigt sich mit der Übernahme des zweitgrößten NAND-Herstellers Kioxia Holding durch Western Digital und Micron nach Angaben des Wall Street Journal eine weitere Änderung an. Der bislang größte Hersteller von NAND-Flash Samsung plant ebenfalls Investitionen in Höhe von 22 Milliarden Euro in seine Produktionsanlagen. Dazu kommen Planungen des Auftragsfertigers  Globalfoundries: Der Konzern plane aktuell Investitionen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro in seine bestehenden Fabriken in den USA, Singapur und in Dresden. Der für 2022 geplante Börsengang dürfte das hierfür nötige Geld in die Kassen spülen. Bleibt zu hoffen, dass all diese Schritte in naher Zukunft dazu beitragen, die Knappheit an Chips und Speicherbausteinen zu lindern. Der Aufbau und Betrieb einer neuen Fabrik ist jedoch sehr kostspielig und zeitaufwendig. Bis alle Produktionsstraßen gut ineinander greifen können Monate oder Jahre vergehen. Entsprechend ist wohl nicht mit einer baldigen Verbesserung der Situation zu rechnen.

 

Vodafone will analoge Radiosender abschalten

Vodafone will bis 2023 sein Kabelnetz in Deutschland vereinheitlichen. Im Zuge dieser Umstellung wurden in diesem Monat die SD-Varianten von sieben Pay-TV-Sendern abgeschaltet , bei einem achten Sender verschwindet hingegen die HD-Auflösung. In den ehemaligen Unitymedia-Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen entfallen im April zudem weitere 30 Pay-TV-Sender, die nie Teil des Netzes von Vodafone und Kabel Deutschland waren.

Neben Abschaltungen von Pay-TV-Sendern müssen Kunden auch mit Abschaltungen bei Radiosendern rechnen. Hier soll es den analog verbreiteten Sendern an den Kragen gehen. Ab April 2022 will Vodafone mit der schrittweisen Umstellung auf die digitale Verbreitung beginnen. Dieser Prozess soll bis April 2023 dauern. Danach soll die analoge Verbreitung des Radiosignals eingestellt werden. Einen finalen Termin nennt das Unternehmen jedoch noch nicht. Nach der Umstellung wird es dann nicht mehr möglich sein, Radiosender über konventionelle Radios zu empfangen. Das ist dann nur noch über Receiver oder das TV-Gerät machbar. Internetradios bieten ebenfalls eine Alternative, bei denen Nutzer nicht vom Kabelempfang abhängig sind.

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