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Morgenmagazin vom Mittwoch, 29. Juni 2016

29.06.2016 | 07:16 Uhr |

Milliardenklage gegen Apple +++ Spaceblack anstatt Spacegray für iPHone 7 +++ Apple investiert in Inhalte für Apple Music +++ Google Project Bloks: Programmiersystem für Kids +++ Internet ab Oktober auch auf Kurzflügen der Lufthansa +++ Hacker infizieren Krankenhäuser über Windows-XP-Lücken +++ Google macht Earth und Maps superscharf

29. Juni: Neun Jahre

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Feiertage sind auf längere Zeit nicht mehr in Sicht, also solche, an denen die Arbeit ruhen kann. Erst am 15. August haben die Bayern und andere katholische Gegenden einen freien Montag zu feiern, die Augsburger - mehrheitlich protestantisch - begehen am Montag zuvor sogar noch das ebenso arbeitsfreie Friedensfest. Bundesweit ruht die Arbeit erst wieder am 3. Oktober - in diesem Jahr auch wieder ein Montag.

Wir gehen gerne unserem Werk nach und betrachten Arbeit nicht als Mühsal, aber der ein oder andere Feiertag mehr im Jahresverlauf dürfte es schon sein. Da würde doch gleich mal der heutige Peter-und-Paulstag herhalten, der war schließlich schon mal arbeitsfrei. Gut, Preußen hat den Gedenktag für die Kirchenväter Simon Petrus und Paulus von Tarsus schon im Jahr 1796 abgeschafft und sogar Italien zog vor 40 Jahren einen Schlussstrich, Feiertag ist heute nur noch in Rom und im Tessin. Doch auch heute noch wird der Tag in der katholischen Kirche zur Priesterweihe genutzt. Bräuche ändern sich nunmal mit der Zeit, es bleiben nur Relikte. Von Peter und Paul beispielsweise im Alpenraum die Petersfeuer - wenn es heute Abend also bei Ihnen in der Gegend brennt, müssen Sie nicht unbedingt die Feuerwehr rufen, die ist vielleicht schon um den Brandherd versammelt. In Rom indes werden Sie heute vor der Engelsburg das alljährliche Feuerwerk anlässlich des Feiertags genießen können.

Vor neun Jahren fiel Peter und Paul auf einen Freitag - dieser sollte sich als einer der größten Feiertage der Geschichte Apples herausstellen, wenn auch erst im Nachgang. Denn an jenem Junitag brachte Apple endlich das fast ein halbes Jahr zuvor vorgestellte iPhone in den Handel. Wir wissen nicht genau, wie skeptisch Steve Jobs und ihre Mitstreiter waren, doch in den Monaten von Januar bis Juni war in der Szene vorwiegend davon zu hören, dass Apple nun endgültig dem Untergang geweiht sei. Zehn Millionen Smartphones wollen die im Jahr verkaufen? Nie im Leben! Ein so riesiger (3,5 Zoll...) und heller Bildschirm? Der Akku hält doch nicht einmal einen halben Tag durch! Und überhaupt: Was wollen die Computerhippies aus dem Valley überhaupt mit einem Telefon? Die sollen doch eher ihre hochpreisigen Kisten an andere Hipster verscherbeln. Das iPhone war zunächst nur bei Apple und Verkaufsstellen des Exklusivpartners AT&T zu haben, doch bildeten sich nicht nur vor dem Flaggship Store auf der Fifth Avenue lange Schlangen. Die zehn Millionen hatte Apple im ersten Jahr zwar noch nicht ganz erreicht, im Septemberquartal waren es - nur in den USA und nur über AT&T erhältlich - gerade einmal 1,1 Millionen Stück. Das verkauft Apple heute an einem Dienstag Nachmittag (okay, wir übertreiben ein klein wenig...). Wie auch immer die Zukunft des iPhone aussieht, eines ist gewiss: Peter und Paul 2007 hat Apple nachhaltig verändert und in komplett neue Sphären katapultiert. An sich Anlass für ein Freudenfeuer. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch:

Eine Sache des Vertrauens : Muss der Mac in Reparatur, hat der Besitzer unter Umständen das Problem, dass die Werkstatt - sprich der Apple Store - zu Service- und Testzwecken das Admin-Passwort benötigt oder einen temporären Account mit Adminrechten. Damit wäre dem Reparateur es sogar möglich, per FileVault verschlüsselte Daten auszulesen und selbst gelöschte Dokumente wieder herzustellen - unter El Capitan fehlt die Option zum sichern Löschen einzelner Dateien von einer SSD. Es bleibt nur ein Weg: Entweder man tauscht für die Reparatur den Datenspeicher aus oder formatiert die SSD neu - dann sind die einst darauf gespeicherten Daten nicht mehr einzusehen. Zuvor sollte man natürlich Backups angefertigt haben, am besten redundant oder verschlüsselt. Letzte Alternative: Absolutes Vertrauen in den Reparateur.

Neue Farben: Das originale iPhone hat man vor neun Jahren in allen Farben bekommen können, solange sie schwarz waren. Seit dem iPhone 3GS gibt es auch eine weiße Variante, im vergangenen Jahr kam mit rosegold die mittlerweile vierte Farbe hinzu. Das ist immer noch wenig im Vergleich zur Farbvielfalt, in der Android-Handys angeboten werden, Apple hatte für den iPod Nano mal bis zu neun Töne im Programm. Laut 9to5Mac sollen für das neue iPhone im September keine weiteren Farbvarianten hinzukommen, doch werde Apple den Ton Spacegray in Spaceblack ändern und damit die Farbe des iPhone an die der Apple Watch anpassen. Eine fünfte Farbvariante "Dark Navy" - also ein sehr dunkles Blau - habe Apple indes verworfen.

Verbesserungen: Facebook hat seiner iOS-App zwei wesentliche Neuerungen verpasst. Mit dem Feature Slideshows kann man aus seinen Bildern einfache Diashows erstellen und mit Musik hinterlegen. Featured Events hingegen verspricht, mehr interessante Veranstaltungen in der Nähe zu finden.

Megaklage: Ein Ingenieur aus Florida verklagt Apple auf Schadensersatz in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar. Sein Vorwurf: iPhone, iPod und iPad seien eigentlich seine Erfindung, zumindest griffen sie auf Konzepte zurück, die er bereits im Sommer 1992 in technischen Zeichnungen für ein "elektronisches Lesegerät" niedergelegt hatte. In der Tat hat der Kläger Thomas S. Ross schon damals Konzepte beschrieben, die heute in Smartphones üblich sind: Touchscreen, Mobilfunkchip, Anzeige von Fotos und Videos sowie interner und externer Speicher. Ross hatte sich in seinem Konzept aber auch einen aufklappbaren Dualbildschirm vorgestellt, Solarzellen zur Energieversorgung, eine zweigeteilte Tastatur und ein Diskettenlaufwerk. Gut, das war 1992, als ein zuvor nur Experten bekannter Gouverneur aus Arkansas seinen letztlich erfolgreichen Anlauf auf das Weiße Haus genommen hatte... Ross dürfte indes schlechte Karten haben, denn zum Patent ist seine Zeichnung nie geworden, im Jahr 1995 hatte das Amt den Antrag endgültig abgelehnt.


Wie Apple in Musik investiert: Apple Music ist zwar schon die Nummer zwei im Streamingbusiness hinter Spotify, aber noch mit deutlichem Abstand. Das will der Mac-Hersteller ändern und investiert kräftig in Künstler und ihre Werke, um exklusive Inhalte präsentieren zu können. Plattenlabels und Musiker finden Apple mittlerweile ziemlich attraktiv, der Plan könnte also aufgehen, berichtet das Fachmagazin Rolling Stone.

Gute Aussichten: Für das iPhone musste Apple im Märzquartal erstmals einen Umsatzrückgang bilanzieren, das könnte auch für das Juniquartal der Fall sein. Womöglich werde nicht einmal das iPhone 7 oder wie auch immer das für den September erwartete Gerät heißen wird ändern. Doch Apple sitze gewissermaßen auf einem Pulverfass, drücken die Marktbeobachter von Cowen aus. Die iPhones der installierten Basis werden immer älter, der zweijährige Upgradezyklus unterliege einem "Superzyklus" - und die Verkäufe werden im Jahr 2017 gewissermaßen wieder explodieren. So geben die Analysten der Apple-Aktie die Bewertung "Outperform" und setzen das Kursziel auf 125 US-Dollar. Derzeit wird AAPL an der Nasdaq bei etwa 93 US-Dollar gehandelt.

Google Project Bloks: Programmiersystem für Kids

Baukästen, die Kindern die Grundlagen von Programmierung und Elektronik verständlich machen, gibt es bereits. Google will mit seinem Project Bloks eine gänzlich neue Plattform für derartige Spielzeuge schaffen. Die unter Open-Source-Lizenz gemeinsam mit der Stanford Universität entwickelte Hard- und Software kann von jedem Hersteller verwendet und verändert werden.

Project Bloks soll spielerisch das Verständnis für Abläufe in Computersystemen schulen und die Grundlagen von Elektronik vermitteln. Dazu stehen unterschiedliche Blöcke zur Verfügung, die miteinander verbunden werden können. Die Blöcke gliedern sich in drei Hauptkomponenten: “Brain Board”, “Base Boards” und “Pucks”. Auf das Base Board wird ein Puck aufgesetzt. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Schalter, Drehregler oder Richtungsschalter handeln. Das Brain Board stellt die Rechenleistung zur Verfügung, reagiert auf die Änderungen der Pucks und stellt eine drahtlose Verbindung (WLAN oder Bluetooth) zu einem Tablet oder Spielzeug her. Die Pucks lassen sich auch programmieren und so beispielsweise Schaltkreise aktivieren. Google führt als Vorteil zudem die geringen Fertigungskosten der Pucks an, die sich notfalls auch mit Papier und leitfähiger Tinte realisieren lassen.

Die einzelnen Bauteile lassen sich beliebig miteinander verbinden oder in Gehäuse einbauen. So entstehen zum Beispiel ein Gerät zum Erzeugen von Musik oder eine Sensorstation, die Temperaturen messen oder Lampen einschalten kann. Das Brain Board bezieht seine Rechenleistung von einem fest verbauten Raspberry Pi Zero. Darüber hinaus kann das „Gehirn“ des Systems Strom für externe Komponenten zur Verfügung stellen.

Google will sein Project Bloks kostenlos zur Verfügung stellen . Schulen, Spielzeughersteller oder kreative Maker können aus den Grundbestandteilen interessante und lehrreiche Projekte bauen.

 

Internet ab Oktober auch auf Kurzflügen der Lufthansa

Schon länger hat die Deutsche Lufthansa angekündigt, auch auf innerdeutschen Flügen kostenpflichtige Internetverbindungen anzubieten. Nun werden diese Pläne konkretisiert . Demnach werde die Airbus-Flotte gerade mit der notwendigen Technik versehen. Die Einführung soll im Oktober erfolgen.

Die zum Betrieb nötige Zertifizierung der Flugsicherheitsbehörde EASA liegt laut Lufthansa bereits vor. Ein Flugzeug wurde im Testbetrieb schon mit einer neuen Ka-Band-Antenne für die Satellitenkommunikation versehen. Damit können Kunden auf Kurz- und Mittelstreckenflügen im Internet surfen. Der komplette Ausbau der A320-Flotte werde in zwei Jahren abgeschlossen sein.

Langfristig will die Lufthansa sogar den SMS-Versand und Datenverkehr per SIM-Karte ermöglichen. Auch die Tochterunternehmen Swiss und Austrian werden Internetverbindungen während des Fluges ermöglichen. Zu den Preisen hat sich die Lufthansa bislang aber noch nicht geäußert.

Hacker infizieren Krankenhäuser über Windows-XP-Lücken

Hacker haben drei bekannte Krankenhäuser in den USA angegriffen. Die Angreifer führten ihre Attacken mit Hilfe von uralter Malware durch. Denn auf einigen wenigen Krankenhausrechnern lief ein ebenso uraltes Betriebssystem: Windows XP.

Die Schadprogramme sollen laut einem Bericht von The Register so alt gewesen sein, dass sie von der modernen Sicherheitssoftware der Krankenhäuser nicht mehr erkannt wurde. Die Sicherheitssoftware hatten die Viren-Veteranen schlicht nicht mehr auf dem Radar. Die moderne Schutzsoftware reagierte nicht auf Gefahren, die durch so alte Sicherheitslücken wie MS08-067 verursacht werden. Weil diese Gefahr nur für Windows-XP-Systeme besteht. Dass die Sicherheitssysteme nicht anschlugen, erscheint trotzdem ungewöhnlich, weil die Signaturen des von den Angreifern verwendeten Wurms hinreichend bekannt sein sollen, wie Sicherheitsexperten sagen. Den Wurm hätten die Sicherheitssysteme also eigentlich erkennen sollen.

Die Schadsoftware infizierte ein paar Windows-XP-Rechnern, von denen aus die Angreifer dann die Netzwerke der drei Krankenhäuser angriffen. Die Angriffe fanden zwischen Ende 2016 und Anfang 2016 statt.

Bei den Attacken konnte die Schadsoftware unter anderem die Rechner von Röntgenapparaten infizieren. Eine genauere technische Analyse hat das Sicherheitsunternehmen TrapX als PDF veröffentlicht. In den angegriffenen Krankenhäusern soll es vor Backdoors und Botnets regelrecht gewimmelt haben. Über die Backdoors konnten die Angreifer heimlich Krankenhaus-Daten abgreifen, über einen längeren Zeitraum in Krankenakten Einsicht nehmen und eine Ransomware-Attacke starten: Also Daten auf Krankenhausrechnern mit Erpressersoftware verschlüsseln.

Die US-Krankenhäuser sind nicht die einzigen Opfer von Angriffen gegen XP-Systeme. Im Januar 2016 wurde ein Krankenhaus im australischen Melbourne über eine XP-Sicherheitslücke angegriffen.

Nicht nur einige Krankenhäuser verwenden betagte Betriebssysteme für wichtige Aufgaben. So sind vier britische Atom-U-Boote mit Windows XP unterwegs. In Berlin forderte der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Dr. Alexander Dix im Frühjahr 2015 rund 10.000 Rechner abzuschalten, weil immer noch Windows XP auf ihnen läuft. Und im November 2011 legte der Ausfall eines Windows-3.11-Systems einen Pariser Flughafen lahm. In den USA wiederum steuert seit 30 Jahren ein Amiga die Klimaanlage einer Schule.

Google macht Earth und Maps superscharf

Google spendiert seinen Kartendiensten Google Maps und Google Earth in dieser Woche mit einem großen Update superscharfes Kartenmaterial. Beide Services warten nun mit sehr viel detaillierteren Satellitenfotos auf.

Das letzte Update für Maps und Earth spielte Google 2013 auf. Die Fotos stammten damals noch vom NASA-Satelliten Landsat 7, der nach einem Hardware-Fehler auf einigen Bereichen der digitalen Weltkarte Streifen und Unschärfen hinterließ. Das neue Bildmaterial stammt vom Nachfolger Landsat 8.

Googles neues Kartenmaterial wurde laut Unternehmensaussagen aus fast einem Petabyte Daten in Form eines Mosaiks mit 700 Trillionen Pixeln zusammengesetzt. Die neuen Satellitenfotos sind in der neuen Version von Google Earth verfügbar. In Google Maps werden sie durch einen Klick auf den Satelliten-Layer zugeschaltet.

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