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Morgenmagazin vom Mittwoch, 3. Februar 2016

03.02.2016 | 06:55 Uhr | Peter Müller

Wearbles-Markt boomt dank Apple Watch +++ Beacons können Daten von Fitnessarmbändern abgreifen +++ Telekom investiert Milliarden in Netzausbau +++ IDC: iPad Pro verkauft sich besser als Surface +++ Telefon-Roboter stoppt lästige Werbeanrufer +++ Facebook ändert seinen Newsfeed +++ Highend-DSLR von Canon nun offiziell +++

3. Februar: Silber, Gold und Tulpen

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Manchmal ergeben sich rätselhafte Fragen, wenn man das Offensichtliche und Tradierte in Zweifel stellt. Warum brauchen wir überhaupt Geld? Nun, um die ausgetauschten Waren und Dienstleistungen zu abstrahieren, damit man nicht immer erst den richtigen Tauschpartner suchen muss. Aber warum Geld, das ja lange Zeit nichts anderes war als eine Entsprechung von Gold? Ja, weil Gold halt recht wertvoll ist. Warum? Ja, weil man damit hübsche Sachen machen kann. Warum - mit Silber kann man doch nicht nur hübsche Sachen machen, sondern technisch auch weit sinnvollere als mit Gold? Und von Elementen wie Beryllium – härter als Stahl, aber leichter als Aluminium – erst gar nicht zu reden? Ja, weil...

Über das Wesen von Geld, Gold und der gesamten Ökonomie machen sich kluge Köpfe Gedanken, seit der Tauschhandel aus der Mode gekommen ist. Es ist aber immer wieder erstaunlich, wie weit die Abstraktion reicht. Da verdient beispielsweise ein Unternehmen so viel wie noch nie zuvor in seiner Geschichte, sein virtueller Wert sinkt aber stark, weil die Zukunft ein reduziertes Wachstum verspricht. Ein anderes Unternehmen, ganz ohne Produkte, dafür aber mit einem Quasimonopol bei bestimmten Dienstleistungen, kann im virtuellen Wert überholen. Oder Warentermingeschäfte, von denen wir wenig verstehen, aber noch mehr befürchten, dass auch die damit befassten Händler nicht mehr wissen, wann welche Güter zu welchen Preisen wo vorrätig sein könnten. Mit Hedgefonds, die gegen Währungsschwankungen absichern sollen, aber aus nichts Milliardenwerte machen. Spekulationsblasen mit Immobilien, die auf dem Papier immer mehr wert werden, obwohl sie von nicht vorhandenem Geld gebaut wurden und Leuten gehören, die längst keine Zinsen mehr bezahlen können. Wirtschaft scheint keinen rationalen, mathematisch deterministischen  Gesetzen zu gehorchen. Gehorchte sie wohl noch nie. Das mag nicht einmal eine Frage des Geldes sein, eine Frage von realen Werten war das wohl auch in der frühen Neuzeit nicht.

Denn die erste dokumentierte geplatzte Spekulationsblase drehte sich um Tulpenzwiebeln. Genau, die Dinger, die man heutzutage im September/Oktober für wenig Geld (sic!) im Super- oder Baumarkt ersteht, sie in die Erde stopft und sich im Frühjahr an ihren bunten Blüten erfreut. Tulpen kommen entgegen des Volksliedes nicht aus Amsterdam, die Niederländer - anfangs des 17. Jahrhunderts Weltmacht - brachten die wunderbaren Pflanzen aber aus ihren asiatischen Kolonien erstmals nach Europa. Dort zierten sie alsbald die Parks und Gärten der Reichen und Mächtigen wurden aber wie heute das glitzernde Gold bald zu einem abstrakten Handels- und Spekulationsgut. So lange die Preise für die Zwiebeln unaufhörlich steigen, lässt sich trefflich mit Ware spekulieren, die noch gar nicht an den Handelsbörsen eingetroffen ist. Wenn sich aber die Versorgungslage ändert und dank neuer Methoden das Gut plötzlich nicht mehr knapp ist, fallen plötzlich die Preise. So geschehen erstmals am 3. Februar 1637 im niederländischen Haarlem, als die aufgerufenen Preise keiner mehr zahlen konnte oder wollte. In den darauf folgenden Tagen stürzte überall in den Niederlanden der Wert der Tulpenzwiebel, Händler, Bürger, Anleger gingen reihenweise Pleite, die gesamte Volkswirtschaft war schwer geschädigt. Ökonomen rätseln noch heute darüber, wie das passieren konnte. Aber warum Schrottimmobilien vor 2008 plötzlich so viel Wert werden konnten, und ob die Krise von damals nur die Spitze eines Eisbergs war, wissen wir heute auch noch nicht.

Verlassen wir uns lieber auf etwas Handfestes, unser iPhone. Obwohl: Das Gold des Gehäuses ist nur Goldfarbe und andere seltene Elemente sind nur in Spuren darin enthalten. Essen kann man es schon gleich gar nicht. Nicht nur im Kurs von Aktien und Tulpenzwiebeln steckt Fantasie. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch:

Fitnesstracker in Verdacht: Kanadische Forscher haben in einer Studie herausgefunden, dass Fitnesstracker vieler Hersteller Daten ihrer Nutzer preisgeben. Apple ist mit seiner Apple Watch aber ausdrücklich ausgenommen. Der große Rest verwende aber ein eindeutiges Identifier-Signal über Bluetooth, das den Tracker mit dem Smartphone koppelt. Innerhalb der Bluetooth-Reichweite können nun Beacons das Signal auslesen und ein Bewegungsprofil des Nutzers anlegen. Dies sei vor allem in Kaufhäusern der Fall.

Nachfragesteigerung: Apple scheint einen positiven Einfluss auf den Wearables-Markt zu haben, schließen die Marktforscher von Gartner aus ihren Daten. Dank der Apple Watch bekomme der Markt deutliche Wachstumsimpulse, Wearables wie Fitnessarmbänder, Smartwatches und VR-Brillen werden populärer. Hätten die Hersteller weltweit im Jahr 2015 noch 232 Millionen Geräte verkauft, werden es 2016 schon 274 Millionen sein und 2017 dann 322 Millionen. Insbesondere Smart Watches boomen, 2017 werden 66 Millionen intelligente Uhren über die Ladentische gehen, 2015 waren es noch 30 Millionen. Der Markt werde bis zum Jahr 2019 auf ein Volumen von 17,5 Milliarden US-Dollar wachsen. Apple verrät nach wie vor nicht, wie viele Apple Watches bisher verkauft wurden, seriöse Schätzungen gehen von rund 10 Millionen Geräten aus.

Milliarden für den Netzausbau: Die Deutsche Telekom, an der der Bund nach wie vor zu einem Drittel beteiligt ist, will in den nächsten Jahren massiv in den Ausbau ihres Kupferleitungsnetzes investieren. Das Ziel ist es, bis zum Jahr 2018 jeden Haushalt im Bundesgebiet mit mindestens einer 50-Mbit-Leitung zu versorgen, DSL-Vectoring heißt das Zauberwort. Die Kehrseite der Medaille: Die Bundesnetzagentur stimmt damit praktisch der Wiedererrichtung des Monopols zu, da auf den abgeschirmten Telekomleitungen Konkurrenten aus technischen Gründen keine Dienste mehr anbieten können.

Plädoyer: Short-URLs hatten mal ihren Sinn, als in vielen Programmen keine Platz für lange Internetadressen war. Diese Zeiten sind vorbei und die URL-Kürzung hat mehr Schaden als Nutzen. Warum man nur Shirt-URLs nutzen soll, von denen man sicher sein kann, dass sie auch dorthin führen, wohin sie zu führen versprechen, erklärt unser Kollege Glen Fleishman.

Datum: Apple will angeblich am 15. März iPhone 5SE, iPad Air 3 und Apple Watch 2 vorstellen, berichtet 9to5Mac. Schon seit geraumer zeit kursieren Spekulationen, Apple werde wie im Vorjahr die Woche nach Beginn der Sommerzeit in den USA für sein Frühjahrs-Event nutzen, die Quellen der Site sprechen nun davon, dass es heuer der Dienstag sein werde. Ohne Zweifel ist ein iPad Air 3 überfällig, eine Apple Watch 2 angebracht und ein iPhone im Vierzollformat für Apple strategisch wichtig, die Kolportage also relativ glaubwürdig.

Raumschiff: Apples neues Bürogebäude in Cupertino soll in diesem Jahr bezugsfertig sein und will neue Maßstäbe für 13.000 Mitarbeiter setzen. Der auch als Raumschiff bezeichnete Apple Campus 2 wirft vor allem die Frage auf, wofür Apple so Platz braucht.

IDC: iPad Pro verkauft sich besser als Surface

Mit viel Tamtam wurde das neue Tablet von Microsoft in der Presse gar als ein Macbook-Killer gefeiert, grundsätzlich aber fiel es in die gleiche Kategorie wie das iPad Pro . Die Marktforschungsfirma IDC nennt solche Geräte "Detachable" – Tablets, die sich mit einer (nativen) Tastatur verbinden lassen und mit der Leistung an die Netbooks und kleinere Notbooks heran kommen. Laut IDC hat Apple im Weihnachtsquartal zwei Millionen an neuen iPads verkauft hat. In der gleichen Zeit schaffte Microsoft mit Surface die Marke von 1,6 Mio. verkauften Tablets, wobei die Mehrzahl für die teureren Surface Pros verbucht wird. Laut Jean Philippe Bouchard, Forschungsleiter im Bereich Tablets bei IDC unterscheidet sich die neue Kategorie durch die Kaufargumente von den kleineren Geräten – hier spielt nicht mehr der Preis eine Hauptrolle, sondern die Leistung.

Surface Pro 4 gegen iPad Pro im ultimativen Duell .

Nach Angaben von IDC konnte Apple mit dem rechtzeitigen Start von iPad Pro die allgemeinen Marktverfälle bei den Tablets etwas kompensieren. Die Tablets-Verkäufe haben sich laut IDC 2015 gegenüber dem Vorjahr negativ entwickelt, mit einen Minus von rund zehn Prozent. Dagegen haben sich die Verkäufe der großen Tablets wie des iPad Pro im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Allerdings muss man dabei beachten, dass der Anteil von Detachable auf dem Gesamtmarkt der Tablets nach wie vor sehr winzig ist: Zu der Gesamtzahl von 206,8 Mio. verkauften Tablets 2015 trugen das iPad Pro und Co. mit 8,1 Mio. also mit rund siebzehn Prozent bei.

Telefon-Roboter stoppt lästige Werbeanrufer

Telefon-Marketing nervt. Roger Anderson, ein US-amerikanischer Tüftler, hat deshalb einen Telefon-Roboter gebaut, der Werbeanrufer am Telefon möglichst lange hinhält und so deren Zeit verschwendet. Andersons Roboter erkennt jede neue Nummer, die seinen Apparat anruft und spricht dann einen vorbereiteten Text ab. Damit will Anderson erreichen, dass die Werbeanrufer so viel Zeit wie möglich verschwenden. Anrufe von bekannten Nummern werden stattdessen problemlos durchgestellt.

Anderson stellte aber schnell fest, dass die Werbeanrufer ihre Anrufe bereits nach wenigen Sekunden beendeten. Die Telefoncomputer der Call-Center, die den ersten Anruf starten, erkennen nämlich nach wenigen Sekunden, ob am anderen Ende der Leitung ein Mensch antwortet und stellen dann den Anruf an einen Callcenter-Agenten durch. Erkennen sie dagegen keinen Menschen, beenden sie das Gespräch.

Anderson legte also nach und verbesserte seinen Werbeanrufer-Nerv-Roboter, der den Namen Jolly Roger trägt (so heißt auch die schwarze Piratenflagge mit dem weißen Totenkopf). Er ließ seinen Roboter nun beispielsweise “Hallo, Hallo, Hallo” sagen. Sowie einige andere menschliche Töne wie "uh-huh" oder “richtig”, damit der Telefoncomputer einen Menschen zu erkennen glaubt und den Anruf an einen Callcenter-Agenten weiterreicht. Auch der Callcenter-Agent soll möglichst lange glauben, dass er sich mit einem Menschen unterhält. Deshalb unterbricht Jolly Roger immer wieder kurz das Gespräch, beispielsweise tut der Hinhalte-Roboter so, als würde er sich kurz mit jemanden neben sich unterhalten. Dann wendet er sich wieder dem Werbeanrufer zu und fragt: „Weswegen haben Sie nochmal angerufen“?

Anderson feilte so lange an seinen Algorithmus, bis dieser einen menschlichen Werbeanrufer einige Minuten in der Leitung halten konnte, bis dieser die Täuschung endlich bemerkt und das Gespräch beendet. Ein Ton-Mitschnitt auf Youtube zeigt, wie gut die Täuschung funktioniert.

Seine Vorgehensweise und die technische Hintergründe erklärt der Tüftler hier. Jolly Roger hat auch eine Facebook-Seite.

Wahrlich eine großartige Leistung hat vor Kurzem ein anderer Roboter geschafft. Er löste den Zauberwürfel Rubik_s Cube in 1,047 Sekunden.

Facebook ändert seinen Newsfeed

In den vergangenen Wochen wurden zahlreichen Facebook-Nutzer über ein Voting zu ihren Vorlieben im Newsfeed befragt. Dabei mussten sie unter unterschiedliche Postings nach Relevanz gewichten.

Die Ergebnisse der Umfrage wurden nun von Facebook ausgewertet und sollen in den nächsten Tagen in einen veränderten Newsfeed-Algorithmus einfließen. Laut dem Social Network seien im Durchschnitt die Postings am höchsten bewertet worden, die zur Interaktion in Form von Kommentaren, Likes oder Teilen aufgerufen hätten.

Die besten Facebook-Tipps: Ihr Account unter Kontrolle

Für Seiten-Besitzer wird sich der neue Algorithmus im schlimmsten Fall in Form einer geringeren Reichweite auswirken. Andere Seitenbetreiber können sich über ein größeres Publikum freuen, dem ihre Beiträge angezeigt werden. Tipps für mehr Reichweite und interessante Postings gibt Facebook im Best-Practices-Bereich .

Highend-DSLR von Canon nun offiziell

Dieses Jahr finden die olympischen Sommerspiele statt und rechtzeitig vor diesem Großereignis haben Nikon und Canon ihre DSLR-Modelle auf Vordermann gebracht. So kündigte Nikon erst Kürzlich die Nikon D5 an, das neue Spitzenmodell der Nikon-DSLR-Kameras. Canon folgte, zunächst brodelte die Gerüchteküche und jetzt folgt die offizielle Ankündigung.

Ab Mai 2016 will Canon sein neues DSLR-Flaggschiff EOS-1D X Mark II auf den Markt bringen. Die Vollformat-Profi-Kamera wird 6299 Euro kosten (ohne Objektiv).

Schnell, hohe Auflösung und exzellente Bildqualität

Wie es sich für das Spitzenmodell seiner Profi-Serie gehört, soll die EOS-1D X Mark II laut Canon eine "exzellente Bildqualität " bieten. Zudem  ist sie sehr schnell und bietet eine 4k-Videoauflösung.

Die Auflösung des Vollformat-Bildsensors liegt bei 20 Megapixel. Das ist zwar deutlich geringer als bei so mancher Mittelklasse-Spiegelreflexkamera. Doch der Flaschenhals ist das Objektiv, das selbst 20 Megapixel nicht komplett bedienen kann. Daher sind andere Kriterien bei dem Bildsensor wichtiger. So reicht die Empfindlichkeit von ISO 50 bis 409.000. So soll die Kamera laut Canon selbst bei fast vollständiger Dunkelheit noch Fotos machen können.

Der Autofokus arbeitet mit 61 Punkten und 41 Dual-Kreuzsensoren. Selbst bei -3 LW soll der AF noch funktionieren. Mit entsprechenden Objektiven sollen auch bei F 1:8 noch alle 61  AF-Punkte aktiv sein. Eine neue AF-Einstellung Namens AI Servo AF III+ soll die Nachführempfindlichkeit in Szenen verbessern, bei denen sich das Motiv plötzlich schnell bewegt - also Alltag für Tierfotografen.

Video mit 4K-Auflösung und Zeitlupe

Videos kann die Kamera in 4K-Auflösung aufnehmen, also 4096 x 2160 Pixel. Und das immerhin mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Auf den 4K-Videos kann man 8,8 MP große Einzelbilder speichern. Im Full-HD-Modus kann die Kamera Videos mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Abgespielt mit 25 fps kommen so flüssige Zeitlupen-Videos heraus. Per Fingertipp auf den Touchscreen kann man zudem den Fokuspunkt während der Aufnahme ändern.

14 RAW-Bilder pro Sekunde

Im RAW-Modus erreicht die Kamera eine Serienbildgeschwindigkeit von 14 Bildern pro Sekunde, bei aktivierter AF/AE Nachführung. Im Liveview-Modus erhäht sich die Geschwindigkeit sogar auf 16 Bilder pro Sekunde. Eine neue Spiegelkonstruktion soll dabei für minimale Spiegelerschütterungen sorgen und geräuschärmeres fotografieren ermöglichen. Dank Kompatibilität zu CFast-2.0-Speicherkarten können in voller Serienbild-Geschwindigkeit bis zu 170 RAW-Bilder aufgenommen werden, bevor di eGeschwindigkeit abnimmt. In der JPEG-Auflösung ist die Serienbildgeschwindigkeit durchgehend schnell.

Bildmanagment in der Kamera

Dank eingebauten GPS-Empfänger speichert die Kamera auch die Ortsangaben in die EXIF-Daten.Die Bilder lassen sich per LAN-Schnittstelle oder USB 3.0 zum Rechner übertragen. Per separat erhältlichem Wireless File Transmitter WFT-E8 gelingt das auch drahtlos (802.11ac).

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