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Morgenmagazin vom Mittwoch, 6. Juli 2016

06.07.2016 | 07:02 Uhr |

Organspendeausweis in iOS 10 +++ Zweite Developer Preview für macOS Sierra und iOS 10 +++ Was gegen Lauscher wirklich hilft +++ Facebook-Foto zeigt Verbrennung der US-Flagge - Mann verhaftet +++ Huawei betrügt bei Smartphone-Kamera-Werbung für P9 +++ Tesla-Besitzer baut Laderoboter mit Raspberry Pi +++ Apple will Preise bei Zulieferern drücken

6. Juli: Oskulieren statt Eskalieren

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Machen wir heute in der ersten Stunde mal ein wenig Mathematik, Abteilung Differentialgeometrie: Wenn zwei Kurven sich schneiden, dann haben ihre zugrunde liegenden Funktionen an diesem Punkt den gleichen Wert. Haben die ersten Ableitungen der Kurven auch den gleichen Wert, so sind die Steigungen an diesem Punkt gleich, sie berühren sich also. Sind die zweite Ableitung und damit die Krümmung auch noch gleich, spricht man von Oskulation, abgeleitet vom lateinischen Wort osculare, was küssen bedeutet. Wenn dann auch noch die dritte Ableitung gleich ist, dann handelt es sich um eine Hyperoskulation. Der 6. Juli gilt als Internationaler Tag des Kusses, in Großbritannien soll diese Tradition erfunden wurden sein. Wir wünschen also am heutigen Tag eine fröhliche Hyperoskulation! Was man nicht alles mit Mathematik anfangen kann.

Im Vereinigten Königreich, aus dem der kuriose Feiertag von heute stammen soll, ist den Leuten seit gut zwei Wochen weniger zum Küssen und Knuddeln zumuten, zu angespannt ist die Situation nach dem knappen Ausgang des umstrittenen Votums. Nur diejenigen, die das ganze Schlamassel angerichtet haben, ziehen sich jetzt zurück und lassen andere die Scherben zusammen kehren.

Es ist ja meist so, dass erst die Nachfahren die Konflikte austragen müssen, die die Generationen vor ihnen angerichtet haben. Der Friede, den die EU auf dem einst so kriegerischen Kontinent über Jahrzehnte garantiert hat, ist hoffentlich trotz Brexit und dem Erstarken der Nationalisten in anderen Ländern nicht so brüchig, wie er Skeptikern erscheint. Manchmal benötigen Katastrophen aber Jahrzehnte des Vorlaufs, wie wir bei einem weiteren Blick in den Kalender sehen. Denn heute gedenkt die tschechische Republik der Ermordung des Reformatirs Jan Hus vor 601 Jahren, zum Abschluss des Konstanzer Konzils loderte noch einmal ein Scheiterhaufen, obwohl Jan Hus die unversehrte Abreise versprochen war. Wohin die politischen und religiösen Konflikte des ausgehenden Mittelalters führten, hat man unter anderem am 6. Juli 1630 gesehen, dem Tag, an dem die Schweden unter Gustav Adolf in den mitteleuropäischen Krieg eingriffen, der dort schon zwölf Jahre tobte und schließlich der Dreißigjährige heißen sollte. Eine annähernd lange Kriegszeit mitten in Europa ist gar nicht einmal so lange her, der Frieden zwischen den Weltkriegen erwies sich als sehr brüchig. Besser also als ein Eskalation der Differenzen zwischen politischen Lagern also eine Oskulation. Besser noch: Eine Hyperoskulation. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Nur Kosmetik: Das Bild von Mark Zuckerberg, auf dem sein Macbook zu sehen war, dessen Kamera und Mikrophon er abgeklebt hatte, machte bereits letzte Woche die Runde. Gegen Lauscher hilft Tape aber nur bedingt - durch die Abdeckung kommt immer noch genug Schall. Andere Maßnahmen gegen unbefugte Mithörer sind weit wirkungsvoller, so lässt sich etwa in den Systemeinstellungen die Lautstärke des Mikrophoninputs auf null reduzieren. Eine Software wie Micro Snitch erkennt, wenn das Mikrofon (unbefugt) benutzte wird und bietet daher ein Plus an Sicherheit. Besonders skeptische können auch die Hardware des Mikrophons komplett deaktivieren.

Weiter nur für Entwickler: Den öffentlichen Betatest von macOS Sierra, iOS 10, tvOS 10 und watchOS 3 wird Apple vermutlich noch nicht in dieser Woche beginnen, zunächst bekommen Entwickler jeweils die zweite Preview der neuen Betriebssystemversionen. Im vergangenen Jahr war die erste Public Beta identisch mit der dritten Developer Preview, ein wenig wird sich die Öffentlichkeit also noch gedulden müssen.

Organspende: Apple hat gestern eine weitere Neuerung für iOS 10 angekündigt. In der App Health lässt sich ab September ein Organspendeausweis hinterlegen. Apple kooperiert dazu mit der Non-Profit-Organisation Donate Life America, über die App kann man sich als Spender registrieren lassen. Im Falle eines Unfalls können die behandelten Medizner über den Notfallpass nicht nur wichtige Daten wie die Blutgruppe des Verunglückten auslesen, sondern im Falle des Falles auch erkennen, ob es sich um einen Organspender handelt. Wie Apple-CEO Tim Cook der Associated Press erklärte, gab die Erinnerung an Steve Jobs den Anlass, den Organspendeausweis in das iPhone zu integrieren. Jobs hatte im Jahr 2009 eine Lebertransplantation benötigt: "Ihn jeden Tag zu sehen, wie er wartet und nicht wusste, was passiert ist ein Eindruck, den ich nie vergessen werde." In den USA warten derzeit rund 120.000 Personen auf eine Organspende, alle zehn Minuten kommt ein neuer Kandidat hinzu. Mit der neuen Option von Health erhofft Cook eine signifikante Zunahme der Registrierungen für Organspenden. In Deutschland wird das iPhone aller Voraussicht nach nicht so schnell den gedruckten Organspendeausweis ersetzen.

Individuelle Ohrhörer: Das Hörvermögen von Menschen unterscheidet sich deutlich, manche Frequenzen hört man gut, andere weniger. Dem tragen die Even Earphones Rechung, in dem sie einen individuellen "Ohrabdruck" bei der Einrichtung nehmen. Dem Hörer spielen sie unterschiedliche Frequenzen vor, der dann den Zeitpunkt, zu dem er etwas hört, der Software mitteilt. Daraus errechnet die Software ein individuelles Profil und man muss nicht mehr auf volle Lautstärke drehen, um bestimmte Instrumente doch noch zu hören.

Grenzen des Wachstums: Apple Music ist es zwar zuletzt gelungen, neue Abonnenten für seinen Dienst zu gewinnen, doch kann Apples Streamingdienst diese nicht so gut halten wie die Konkurrenz von Spotify. Wie Analysten von Cowen heruasgefunden haben wollen, beträgt die monatliche Absprungrate 6,4 Prozent, diese sei damit dreimal so hoch wie bei Spotify. Sollte es Apple gelingen, über das kommende Jahr soviel Abonnenten wie Spotify zu generieren, könnten auch rund drei Viertel davon wieder abspringen. Um die Neukunden besser zu halten, benötige Apple mehr exklusive Angebote und diese in rascherer Reihenfolge als bisher. Wohl deshalb habe Apple Interesse an Tidal.

Weitere Nachrichten:

Facebook-Foto zeigt Verbrennung der US-Flagge - Mann verhaftet

Bryton Mellott, ein 22 Jahre alter Student aus dem US-Bundesstaat Illinois, veröffentlichte gestern am 4. Juli, dem Nationalfeiertag der USA, auf seiner Facebook-Seite ein Foto, das ihn dabei zeigt, wie er eine US-Fahne verbrennt. Mellott beließ es aber nicht bei dem Foto, sondern schrieb dazu auch noch einen kurzen Text, in dem er seine Beweggründe erklärte, von denen einige zusammengefasst so lauten: Er sei nicht stolz darauf ein Amerikaner zu sein. Weil er nicht die täglichen Grausamkeiten gegen farbige oder bedürftige Menschen, oder gegen Homosexuelle, wie er selbst einer ist, ignorieren könne. Das berichtet Forbes.com.

Daraufhin riefen einige Amerikaner bei der Polizei an: Der junge Mann würde die US-Flagge entweihen, so der Vorwurf, die Polizei solle sich mal seine Facebook-Seite anschauen. Die Anrufer beriefen sich bei ihrem Vorwurf auf einen entsprechenden Passus in den Gesetzen des Staats Illinois. Obendrein nannte Bryton Mellott seinen Arbeitgeber Walmart auf seiner Facebook-Seite, was diesen in Zusammenhang mit dem Foto und dem Text brachte, ohne dass Walmart das wollte.

Die ersten Anrufe gingen um 7.30 Uhr vormittags bei der Polizei ein. Um 9:47 Uhr vormittags saß Mellot bereits hinter Gittern – obwohl in den USA ja das Grundrecht auf Meinungsfreiheit und freie Rede existiert. Der Vorwurf lautet auf Entweihung/Beleidigung der Fahne und ungebührliches Benehmen. Zudem wurde Mellot von einigen Anrufern auch bedroht, die Polizei wollte wohl mit der schnellen Festnahme laut eigenen Angaben auch verhindern, dass es zu Gewaltakten gegen Mellot komme. Also eine Art Schutzhaft. Wer jetzt nach "Bryton Mellott" auf Facebook sucht, findet in der Tat einige hasserfüllte Drohungen gegen ihn, die diese Vorsichtsmaßnahme vielleicht verständlich erscheinen lassen.

Nach seiner Festnahme forderten die Polizisten Mellot dazu auf die strittigen Fotos offline zu nehmen. Mellot weigerte sich. Doch ab zirka 14.30 Uhr war Bryton Mellotts eigene Facebook-Seite offline. Wer oder was das veranlasste, ist derzeit unbekannt, eine Anfrage von US-Medien bei Facebook blieb bis jetzt unbeantwortet. Mittlerweile scheint die Facebook-Seite aber wieder online zu sein. Mit dem umstrittenen Foto.

Ob das Verbrennen der US-Flagge tatsächlich verboten ist, ist unter dem Amerikanern umstritten.







Huawei betrügt bei Smartphone-Kamera-Werbung für P9

Das Android-Blog Android Police hat in dieser Woche einen Werbe-Schwindel des chinesischen Elektronik-Herstellers Huawei aufgedeckt. Auf Google Plus wirbt das Unternehmen mit Beispielbildern für die Kamera seines High-End-Smartphones Huawei P9. Eines der angeblichen Beispielfotos wurde jedoch gar nicht mit dem P9 aufgenommen.

Der Schwindel flog durch die über Google Plus gespeicherten EXIF-Metadaten auf. Statt der P9-Kamera kamen bei einem der Beispielbilder (eine Frau im Gegenlicht des Sonnenuntergangs) eine Canon EOS 5D Mark III und ein Objektiv im Wert von rund 1.900 US-Dollar zum Einsatz.

Huawei hat das Foto inzwischen gelöscht und versucht sich an einer Erklärung. Das Foto sei während des Shootings für eine Werbekampagne entstanden. Das Unternehmen habe es veröffentlicht, um die Community zu inspirieren. Huawei räumt ein, dass man die Tatsache, dass das Bild mit einer Profi-Kamera aufgenommen wurden, stärker hätte betonen müssen.

Huawei P9 mit Leica-Kamera im Test

Tesla-Besitzer baut Laderoboter mit Raspberry Pi

Eigentlich ist das Laden eines Elektroautos schon recht bequem. Der Tesla-Besitzer Deepak Mital wollte sich jedoch das Einstecken des Ladekabels sparen. Mit einem Raspberry Pi 3 hat der Bastler einen Laderoboter realisiert, der das Kabel automatisch zur Ladebuchse seines Model S führt. Der Deckel öffnet sich bei Annäherung serienmäßig von allein.

Der Roboter übernimmt das Einstecken und Abziehen des Ladekabels. Vorbild für seinen Laderoboter war ein Prototyp, den Tesla Anfang 2015 präsentiert hatte. Durch die in Aussicht gestellte Bauanleitung soll sich jeder Tesla-Besitzer mit etwas Geschick selbst einen solchen Ladeautomaten bauen können.

Große Hersteller arbeiten indes schon an einer Lademöglichkeit ganz ohne Stecker. Dazu kommt ein Induktionsladesystem zum Einsatz. Diese Geräte erscheinen voraussichtlich 2017 oder 2018. Bis dahin ist die Möglichkeit zum Anstecken des Ladekabels per Raspberry Pi eine praktische Alternative.

 

Apple will Preise bei Zulieferern drücken

Um trotz des verlangsamten Wachstums im Smartphone-Markt seine großen Gewinnspannen beibehalten zu können, will Apple nun die Preise bei seinen Zulieferern drücken. Laut dem IT-Magazin Digitimes sind bereits mehrere Unternehmen aus Taiwan, darunter Largan Precision, Foxconn Electronics und Pegatron Technology, von der neuen Taktik betroffen.

Largan bekommt bei den Kamera-Modulen Konkurrenz vom japanischen Konzern Kantatsu, während Foxconn und Pegatron mit neuen ODM-Partnern wie Wistron konkurrieren müssen. Die taiwanischen Leiterplatten-Hersteller liefern sich ebenfalls einen aggressiven Preiskampf um Apples Aufträge.

Um trotzdem noch Gewinne einzufahren, versuchen die taiwanischen Unternehmen nun neue Aufträge von anderen Geräte-Herstellern an Land zu ziehen. Für mehr Attraktivität sollen unter anderem verbesserte Technologien und eine höhere Produktqualität sorgen.

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