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Morgenmagazin vom Mittwoch, 6. November 2019

06.11.2019 | 07:14 Uhr |

Erste Entwickler-Beta von iOS 13.3 +++ Apple und TikTok schwänzen Senats-Anhörung zur Datensicherheit +++ Was Google von Fitbit wirklich will +++ Adobe entwickelt Urhebernachweis für Online-Inhalte +++ Alexa, Homepod, Google Home lassen sich mit Laser hacken +++ Project Silica: Glas als Speichermedium der Zukunft

6. November: Alles in Heimarbeit

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Von unserem Kellerbüro aus, einem Privatraum, den man auch beruflich nutzen kann. Gemeinhin sagt man dazu HomeOffice. Würde es einen Menschen aus der Zeit vor der industriellen Revolution per Riss im Raum-Zeit-Kontinuum in unsere Gegenwart spülen, wäre er oder sie gewiss verwundert: Wie, man kann auch wo anders als zu Hause arbeiten? Gut, auf dem Feld und im Wald draußen, aber das gehört ja auch dazu. Oder im Krieg, der ja leider auch zum Leben gehört, aber keine richtige Arbeit ist, sondern eine Plage …

Das Internet hat viele unbestrittene Vorteile, die aber nicht ohne Nachteile einher gehen. Das Arbeiten von zu Hause aus ist eine solche zweischneidige Angelegenheit. Man muss sich einerseits nicht zweimal am Tag in den Stau oder in den überfüllten Pendlerzug stellen und nicht einmal in Kleidung werfen, die in der Öffentlichkeit angemessen ist. Andererseits lauert die Falle, es daheim mit der sauberen Trennung von dienstlichem und privaten Leben nicht zu genau zu nehmen. Wobei etliche Arbeitgeber eher fürchten, dass der Mitarbeiter daheim eher faul rumhängt und Gewerkschaften eher vor dem Gegenteil warnen: In den eigenen vier Wänden beutet sich der Arbeiter noch mehr aus und hängt Überstunde an Überstunde, weil der Weg vom Sofa zum Schreibtisch eben nicht über verstopfte Straßen führt.

Aber gerade Kreative und Medienschaffende genießen die Vorteile, dass die Welt nur einen Klick entfernt ist. Haben nicht alle heute einflussreichen Youtuber von daheim angefangen und arbeiten teils immer noch dort, wenn auch nun mit professionellem Equipment? Vom eigenen Schreibtisch aus die Welt erreichen, ohne dafür in die Redaktion, das TV-Studio oder das Funkhaus zu müssen - herrlich.

Witzig: Das mit dem Rundfunk, dem ersten neuen Massenmedium des 20sten Jahrhunderts, hat auch daheim angefangen. Nicht bei uns und nicht bei Ihnen daheim, natürlich, sondern bei Hans Henricus „Hanso“ Schotanus à Steringa Idzerda  in der Wohnung in Den Haag. Heute vor 100 Jahren sendete der Ingenieur mit dem langen Namen die erste Hörfunksendung in die Welt, die damals aber noch recht klein war. Denn aus technischen Gründen kommt man mit einem Sender in einem Privathaus nicht sehr weit, zudem war die Anzahl der Empfangsgeräte im Jahr 1919 doch recht überschaubar. Hanso, wie wir ihn nennen wollen, sendete mit seinem eigenen Sender PCGG vom 6. November 1919 an regelmäßig, das Programm bestand bis 1924. Auch später, als Firmen mit größeren technischen und vor allem finanziellen Möglichkeiten das neue Medium übernahmen, blieb Hanso dem Radio treu und sendete für das  Königlich-Niederländische Meteorologische Institut. Den Überfall der Nazis, die auch mit Hilfe des Radios an die Macht gelangt waren, überlebte der Radio-Pionier nicht: Als Widerstandskämpfer wurde er im Jahr 1944 von den Besatzern hingerichtet. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Weiter geht's: Gut  eine Woche nach der Veröffentlichung von iOS 13.2 hat Apple die erste Entwickler-Beta von iOS 13.3 herausgebracht. Hatte das letzte Update noch einige bereits lang angekündigte funktionale Verbesserungen gebracht und die Unterstützung der neuen Airpods Pro schient sich Apple nun vor allem auf Bugfixes zu konzentrieren. So scheint es unter iOS 13.2 einen Fehler zu geben, bei denen Apps dramatisch an RAM verlieren und sich nicht mehr aus der Multitaskingübersicht öffnen lassen, man muss sie beenden und neu starten. Neu ist aber, dass man in der Bildschirmzeit für Kinder Limits bei der Kommunikation festlegen und Gesprächszeiten begrenzen kann, je nachdem, mit wem die Kinder per Facetime, Nachrichten oder Telefon sich unterhalten. Die Memoji/Animoji-Sticker lassen sich nun von der virtuellen Tastatur ausblenden, hinzu kommen einige optische Änderungen wie die Farbe der digitalen Krone im Icon der Apple Watch der Watch-App. Bis dato können nur registrierte Entwickler die neue Fassung laden und installieren, heute oder morgen dürfte iOS 13.2 aber auch im Public-Beta-Test ankommen.

Abgeschaut: Kopieren sei die größte Form der Bewunderung, soll es speziell in China heißen, weswegen sich Apple von der neuen Mi Watch von Xiaomi im höchsten Maße geschmeichelt fühlen müsste. Natürlich dürfte in Cupertino eher eine andere Emotion vorherrschen und der Satz von der "sklavischen Kopie" wieder Urstände feiern. Denkt man aber an den langjährigen Rechtsstreit mit Samsung über das Design des iPhone, der ausgegangen ist wie das Hornberger Schießen, wird sich Apple wohl eher nicht aus der Ruhe bringen lassen. Denn wenn auch die Mi Watch auf den ersten Blick der Apple Watch gleicht wie ein bei der Geburt getrennter Zwilling, hat das dreiste Plagiat (oder die bewundernde Kopie) einen entscheidenden Nachteil gegenüber dem Original: Es läuft kein watchOS drauf. Zudem ist die Mi Watch, deren angepasstes Betriebssystem Android Wear watchOS im Look recht nahe kommt, nur in China zu kaufen. Der lange Arm des Urheberrechts hat dort keinen rechten Hebel, Apples Möglichkeiten für ein Verkaufsverbot, Schadensersatz oder anderes sind sehr begrenzt, respektive kaum vorhanden. Wie sehr die Mi Watch der Apple Watch gleicht, zeigen Bilder auf Macworld.

Flucht nach vorn: Geschichte wiederholt sich nicht, sie verläuft auch nur scheinbar manchmal in Zyklen. Vor allem die Geschichte von Windows als dominantes Betriebssystem für PCs wiederholt sich nicht im mobilen Bereich. Sehr zum Vorteil Apples, sonst würde heute Android die Rolle spielen, die einst Windows inne hatte und iOS in einer Nische verschwunden sein, in der der Mac lange Jahre hinweg verloren schien. Was läuft aber seit etwa 2005 anders als in den zehn Jahren zuvor und hat Apple etwas lernen können, um damit alte Fehler zu vermeiden? Dem geht Apple Insider in einem längeren Stück nach. Wie seinerzeit ab etwa 1995 sich Windwos-PCs deutlich besser verkauften als die zuvor noch dominanten Macs, haben Android-Geräte in Stückzahlen das iPhone längst überholt. Apple ist es aber gelungen, den lukrativen High-End-Markt für sich zu besetzen und dort beinahe allein zu sein. Auch weil sich die Konkurrenz mit billigeren Versionen ihrer Smartphone-Flaggschiffe selbst kannibalisiert. Apple ist es zudem gelungen, weitere Märkte zu definieren, mit Geräten, die Abwandlungen des erfolgreichen iOS laufen lassen. Aus dem Tablet-Markt hat sich Microsoft zuerst zurück gezogen, für Google ist das längst nicht interessant. Apple ist währenddessen bei Wearables und Settopboxen noch höchst erfolgreich. Warum Apple aber genau die Flucht nach vorn gelungen ist, würde aber erst die nächste Kategorie von Massengeräten zeigen.

Leere Stühle: Apples Beziehungen zu China sind eine besondere Geschichte, der US-Senat hätte in einer Anhörung gerne ein paar mehr Kapitel daraus vorgetragen bekommen. Doch zu dem gestern angesetzten Hearing mit dem sehr zurückhaltend formulierten Titel "Wie Unternehmen und Big Tech unsere Daten Kriminellen, China und anderen üblen Akteuren aussetzen" war keine Apple-Vertreter erschienen, auch die ebenfalls geladenen Repräsentanten der App TikTik glänzten durch Abwesenheit. Die Strafe: Der Untersuchungsausschuss stellte zwei leere Stühle mit Namensschilder der abwesenden Unternehmen auf, einer Art Pranger gleich. Senator Josh Hawley (Republikaner aus Missouri) unterstellte in einem Tweet dann auch gleich in einer rhetorischen Frage, ob Apple und TikTok etwas zu verbergen hätte.

Rohstoff: Zwei Milliarden US-Dollar für Fitbit sind beinahe ein Schnäppchen, angesichts dessen was Google dafür bekommt, meint Michael Simon. Das wird keine Fitbit-Google-Watch, sondern der wertvollste Rohstoff des 21sten Jahrhunderts: Daten. Dabei müsse man nicht befürchten, dass Google die Gesundheitsdaten von Millionen von Fitbitkunden an Werbetreibende verkauft. Das habe Google glaubhaft ausgeschlossen, versichert Simon. Auch der Konzern aus Mountain View habe erkannt, dass seinen Nutzern Privatsphäre wichtig sei, gerade bei sensiblen Daten. Doch bekommt Google mit der Fitbit-Übernahme einen immensen Datenpool für wissenschaftliche Zwecke, insbesondere für die Forschung an der Früherkennung von Vorhofflimmern. Google wolle im lukrativen Gesundheitswesen eben nicht nur Apple die Forschung überlassen.

Weitere Nachrichten:

Adobe entwickelt Urhebernachweis für Online-Inhalte

Adobe hat auf der Adobe Max zusammen mit der New York Times und Twitter eine Initiative vorgestellt , die es sich zum Ziel gesetzt einen Industriestandard für digitale Urhebernachweise zu entwickeln. Die Content Authenticity Initiative (CAI) arbeitet an einer Art Echtheitssiegel für Online-Inhalte, das Betrachtern nicht nur zeigt, wer der Urheber ist, sondern auch welche Bearbeitung an dem Bildmaterial vorgenommen wurde.

Von diesem Echtheitssiegel sollen nicht nur Kreative profitieren, die damit ihre Urheberschaft nachweisen können, sondern auch Endverbraucher, die damit überprüfen können, welche nachträglichen Veränderungen an Fotos vorgenommen wurden. Adobe will in den nächsten Monaten ein technisches Gerüst entwickeln, um den Echtheitsnachweis umzusetzen. Geplant ist ein Opt-In-System, mit dem Künstler und Kreative ihre Werke freiwillig mit dem Nachweis versehen können.

Auf der Hausmesse zeigte Adobe bereits eine Demo und die Integration im Bildbearbeitungstool Photoshop. Die Software aus der Creative Cloud kann auf diese Weise alle vorgenommenen Änderungen dokumentieren und ins Echtheitssiegel integrieren. Das System soll jedoch nicht auf Adobe-Produkte beschränkt bleiben, sondern als offener Standard auch mit anderen Produkten genutzt werden können. Die New York Times, Twitter und Adobe wollen in den nächsten Monaten weitere Partner für die Initiative gewinnen.

Alexa, Homepod, Google Home lassen sich mit Laser hacken

Immer mehr Nutzer vertrauen den Assistenten Siri, Alexa und Google Assistant auch sicherheitsrelevante Aktionen wie das Öffnen von Türen oder das Steuern der Beleuchtung an. Schließlich stehen die smarten Lautsprecher der Helfer meist sicher in den eigenen vier Wänden. Forscher hab nun jedoch bewiesen, dass sich die smarten Assistenten mit einem handelsüblichen Laserpointer überlisten lassen. Bei der Light Commands getauften Angriffsmethode wird der Sprachassistent mit einem Laserpointer mit wenig Leistung aktiviert. Auch über Entfernungen von über 110 Metern lassen sich durch modulierte Laserstrahlen Aktionen ausführen. Die Mikrofone der Assistenten interpretierten die Laserstrahlen dabei als Audiowellen, die von Nutzer stammen. Da eine Authentifikation nur selten nötig ist, könnten Angreifer auf diese Weise durch geschlossene Fenster hinweg auf das Smart Home zugreifen.

Die Forscher haben diese Methode an Siri, Alexa, Google Assistant, Facebook Portal sowie einer kleinen Anzahl an Tablets und Smartphones erfolgreich getestet. Zwar benötigen Angreifer direkten Sichtkontakt zum smarten Assistenten, auch der Laserstrahl dürfte für Anwesende meist leicht auszumachen sein, doch bei Abwesenheit könnten Angreifer problemlos die Türen öffnen oder das Licht deaktivieren. Die Kosten für die benötigte Hardware fallen mit insgesamt knapp 600 US-Dollar überschaubar aus. Einen wirksamen Schutz gegen diese Angriffsmethode gibt es bislang noch nicht. Voraussichtlich kann nur eine grundlegende Überarbeitung der verbauten Mikrofone eine Überlistung per Laserpointer verhindern.

 

Project Silica: Glas als Speichermedium der Zukunft

Im Rahmen des Project Silica befasst sich Microsoft mit der Speicherung von Daten in Glas. Im Rahmen der Microsoft Ignite präsentierte der Konzern eine in Zusammenarbeit mit Warner Bros. entwickelte dreidimensionale Speicherung des Films Superman in einem Glassubstrat. Durch dreidimensionale Pixel (Voxel), die in über 100 Ebenen übereinander gespeichert wurden, passt der Film auf eine Glasscheibe von zwei Millimeter Dicke. Dabei erweist sich Glas als besonders widerstandsfähig. Weder Kochen, noch eine Bearbeitung mit Stahlwolle oder Mikrowellen konnte den Glasspeichern etwas ausmachen. Die Daten lassen sich mit Laserstrahlen wieder auslesen, durch maschinelles Lernen werden die Lichtreflexionen dekodiert.

Ein potenzieller Partner steht mit der Filmindustrie schon in den Startlöchern, denn die bisherige Speicherung früher Filmwerke an getrennten Orten ist kostspielig. Produktionsreif sei die Technik allerdings noch nicht, denn es fehle an kommerziell verfügbaren Geräten zum Schreiben und Lesen der Daten. Zudem verriet Microsoft nicht, wie viele Daten in einem Kubikmillimeter Glas gespeichert werden können oder wie lange die Daten die Zeit überdauern. Die als Disc Rot bekannte Alterung von CDs und DVDs dürfte die Entwicklung aber weiter vorantreiben. Glas könnte demnach eine Möglichkeit für die Archivierung von Daten für die Zukunft sein.

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