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Morgenmagazin vom Mittwoch, 9. Juni 2021

09.06.2021 | 07:14 Uhr | Peter Müller

Mac Pro 2022: Intel und Apple Silicon +++ iOS 15, iPadOS 15 und macOS Monterey können 3D-Audio für Steroe simulieren +++ Was Apple auf der Keynote nicht gesagt hat +++ Samsung: Dehnbares OLED für medizinische Anwendungen +++ Adobe stopft kritische Lücken in After Effects und Acrobat

9. Juni: Fairytale gone bad

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Der Sommer wird gut, verspracht der Epidemiologe Karl Lauterbach zu Beginn dieses Jahres. Prognosen sind immer schwierig und schon damals galt die Einschränkung, dass es mit dem Impfen aber so richtig losgehen muss, bevor Varianten des Virus die Sache wieder schwieriger machen. Da schwappte gerade eine neue aus Großbritannien auf den Kontinent, jetzt könnte die Delta-Variante, die zuerst in Indien entdeckt wurde, uns den Sommer verhageln. Aber gut wird er trotzdem wenn wir weiter auf Abstand und Masken achten, auch wenn wir geimpft sind. Der Sommer wird gut, allmählich auch hinsichtlich Wetter. Nochmal ein Sommermärchen, jetzt, da in München demnächst Herren in kurzen schwarzen Hosen und kurzen weißen Hemden gegen solche mit Hemden in blau oder rot versuchen, den Ball öfter als diese über eine bestimmte Kreidelinie zu schubsen?

Auch wenn er wirklich gut werden sollte, bisher war das gewiss noch kein Märchensommer war das gewiss noch nicht in diesem Jahr. Und man kennt ja Märchen: Manchmal gehen sie gar nicht so gut aus.  Auf ewig - oder zumindest lange Zeit - wird der Begriff "Sommermärchen" mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland verbunden sein. Wir erinnern uns: Ein Partyvolk, das anscheinend entspannt mit nationalen Symbolen umging, eine Gastgebermannschaft, die trotz tragischem Ausscheidens weit besser spielte und deutlich weiter kam als alle Experten im Vorfeld erwartet hatten, ein Kaiser, der aus dem Hubschrauber die Dinge gewissermaßen aus höherer Warte betrachten konnte und vor allem vier Wochen lang stabiles, warmes und sonniges Hochsommerwetter.

Nun: Offenbar war die Veranstaltung gekauft, wie die alle anderen der Art auch. Das mit den nationalen Symbolen hat weit weniger entspannte Leute ermutigt, damit offensiv oder gar missbräuchlich umzugehen und das mit dem Sommerwetter ist auch nur die halbe Wahrheit. Wenn man sich genauer an den Sommer 2006 erinnert, fällt einem wieder ein, dass der 9. Juni zwar ein wunderbarer Tag war und man den feinen Schlenzer von Philipp Lahm in den rechten oberen Winkel des Südkurventors der Münchener WM-Arena vor lauter Sonne bei Public Viewing kaum gesehen hat - es aber noch zwei Tage zuvor hundsgemein kalt gewesen war. Ganz ohne Schauer und Gewitter kam die WM 2006 auch nicht aus, beim Spiel Serbien und Montenegro gegen die Elfenbeinküste (ebenfalls in München) wurde die halbe Gegentribüne trotz Komplettüberdachung reichlich nass. Und auch nur wenige Tage nach dem WM-Finale - das mit dem Kopfstoß und dem Elfmeterschießen - war es mit der Sommerpracht wieder vorbei, der Rest des Juli und der gesamte August eher verregnet.

Mal sehen, wer in nicht ganz einer Woche auf das Südkurventor der Allianzarena zu München schlenzt und ob der Ball dann auch schön flach oben reingeht. Aus guten Gründen bleiben wir von Menschenaufläufen mit bunten Fahnen aber verschont, selbst wenn das Turnier anders ausgeht als vor 15 Jahren. Das Finale ist bekanntlich in London und nicht in Berlin, die Fanmeile entfällt, aber den Topf mit den kleinen Henkeln hätte man doch ganz gern mal wieder. War das letzte Mal auch in Wembley, wenn auch vor dessen Renovierung.

Lesetipps für den Mittwoch

Die nächste Generation: Auf einen neuen Mac Pro wird man noch eine Weile warten müssen, auch Apple hat Probleme, ausreichend Chips produzieren zu lassen. Vor 2022 wird es mit einem neuen Modell vermutlich nichts. Die gute Nachricht: Gleich zwei neue Mac Pro hat Apple offenbar in Arbeit, der mit Apple Silicon wird in etwa auf die halbe Größe schrumpfen, parallel dazu wird es noch mal ein Update für das Intel-Modell geben, in gleicher Form und Größe wie bisher. Alles Weitere dazu bei Macworld.

Am Rande: Die Keynote war lang, die Keynote war groß – und doch war bei Weitem nicht ausreichend Zeit, um alle Neuerungen von iOS 15 dem virtuellen Publikum vorzustellen. Macworlds Michael Simon hat eine Liste von den zwölf besten neuen Features aufgestellt, die Apple nicht erwähnte. Es wird zum Beispiel in Facetime einen Mute-Alarm geben, "Oh, mein Mikro war noch aus" wird in Konferenzen künftig nicht mehr als Ausrede durchgeben. In Spracherinnerungen kann man Stille mit einem Tipp überbrücken, via Siri kann man Inhalte auf dem Bildschirm teilen. Spotlight findet sich künftig auch in der Benachrichtigungszentrale – und "Wo ist?" alarmiert, wenn man die Nähe zu seinem Airtag oder einem anderen Gerät verliert.

Erinnerung : iOS 15, iPadOS 15 und macOS Monterey bekommen eine neue Funktion, die Spieler erfreuen wird. Drückt man eine dafür definierte Taste auf dem Spielecontroller etwas länger, zeichnet das Spiel die letzten 15 Sekunden auf, um etwa besondere Situationen, die man überstanden hat, zu dokumentieren. Man muss also nicht mehr im Vorhinein eine Bildschirmaufnahme starten, sondern kann erst bei Gelingen retrospektiv aufnehmen.

Wie viel Uhr?: Mit einem neuen watchOS kommen auch stets neue Zifferblätter, bisher hat Apple aber nur eines für watchOS 8 gezeigt, das Portrait-Zifferblatt. Wie auf der WWDC-Session "Whats News in UIKIt" aber womöglich versehentlich enthüllt wurde, ist ein weites neues Zifferblatt "World Timer". Dieses ist ein analoges 24-Stunden-Zifferblatt, auf dem sich die Uhrzeiten in einigen Weltstädten aus verschiedenen Zeitzonen ablesen lassen. In der Developer Preview von watchOS 8 ist es nicht (mehr) enthalten, unter Umständen hat Apple es wieder zurückgezogen oder plant, es erst in späteren Betas zu präsentieren. Im Herbst ist mit einer neuen Apple Watch zu rechnen, die Series 7 könnte eine Reihe neuer Sensoren und Funktionen bringen, die sich auch in watchOS niederschlagen, was Apple zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht erwähnen wollte und konnte.

Simuliert: Während man Apple Lossless auf Apple Music allenfalls mit hochwertigen DA-Wandlern und passenden Lautsprechern oder Kopfhörern so genießen kann, dass es einen Mehrwert zu AAC bietet, ist das mit 3D-Audio mit Dolby Atmos etwas anderes: Den Raumklang hört man auch auf Airpods. Mit iOS 15, iPadOS 15 und macOS Monterey wird es noch eine Möglichkeit geben, in Stereo aufgenommene und für zwei Kanäle abgemischte Musik in einen simulierten Raumklang zu überführen, die Musik-App auf den Systemen soll einen entsprechenden Schalter bekommen. Ob das der Musik wirklich gut tut, wenn sie künstlich in 3D-Audio überführt wird, ist eine andere Frage.

Erklärt : Apple verstärkt den Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer mit dem iCloud Private Relay. Hierbei handelt es sich um eine Art Kombination aus VPN und Tor-Browser und basiert auf zwei Zwischenservern. Auf dem Ersten, den Apple unterhält, wird die IP-Adresse entfernt und auf dem Zweiten, der bis dato nicht genannten Dritten gehört, bekommt der nun anonymisierte User eine neue, temporäre und zufällige IP-Adresse zugeteilt. Verfolgung und Profilerstellung wird auf diese Weise noch weniger möglich, Apple will damit gewährleisten, dass es nicht einmal selbst persönliche Informationen sammeln kann. In einem Gespräch mit Fast Company erläutert Apples Softwarechef Craig Federighi den Ansatz weiter: Bei einem herkömmlichen VPN müsse der Anwender darafu vertrauen, dass der Anbieter keinen Schindluder treibe, nun reduziere sich potentielles Misstrauen.

Samsung: Dehnbares OLED für medizinische Anwendungen

In den vergangenen Monaten sind immer neue Smartphones oder Tablets mit faltbaren Displays auf den Markt gekommen. Doch hinter verschlossenen Türen arbeiten die Hersteller schon an neuartigen Displays, die weitere Anwendungen ermöglichen. So hat Samsung nun ein um 30 Prozent dehnbares OLED vorgestellt. Die Streckung des kleinen Bildschirms schränkt die Funktion nicht ein und führt auch nicht zu bleibenden Veränderungen. Auch Hitze soll dem OLED nichts anhaben können. Voraussetzung hierfür sind weiterentwickelte Kunststoffe und dehnbare elektronische Strukturen, die sich zwischen den einzelnen Pixeln befinden.

Primär sieht Samsung die Anwendungsmöglichkeiten seines dehnbaren Mini-Bildschirms in der Medizin. Ein Beispiel konnten die Südkoreaner schon präsentieren. Dabei handelt es sich um ein Blutdruckmessgerät, welches dauerhaft am Körper getragen werden kann. Ein integrierter Herzschlagsensor überwacht weitere Vital-Funktionen. Für Träger bietet das System eine größere Freiheit, da es wie ein Aufkleber auf der Haut getragen wird und keine weiteren angeschlossenen Geräte benötigt. Die größte Stärke derartiger Medizinanwendungen sei die Möglichkeit, Daten über einen längeren Zeitrahmen zu sammeln. Auch beim Schlafen oder Sport könnte der Blutdrucksensor auf der Haut verbleiben. Die gesammelten Daten werden zudem direkt auf dem Display angezeigt und nützen so auch dem Träger etwas. Noch befände sich die Technik jedoch in einer sehr frühen Phase. Mit einer Serienfertigung sei noch lange nicht zu rechnen. Für Samsung ist der Medizinbereich dennoch ein interessantes Feld, da Produkte hier im Gegensatz zum Bereich der Unterhaltungselektronik höhere Margen versprechen und nicht so stark von Preiskämpfen mit der Konkurrenz gestört werden.

Dehnbares Micro-LED-Display von Royole

Adobe stopft kritische Lücken in After Effects und Acrobat

Adobe steuert zum Patch Day im Juni Sicherheits-Updates bei, die 41 Lücken in zehn Produkten schließen. Im Vormonat waren es 43 Schwachstellen in 12 Programmen. Der Software-Hersteller beseitigt diesmal Schwachstellen in Acrobat und Reader, Experience Manager, Creative Cloud Desktop, Premiere Elements, Photoshop und Photoshop Elements, Connect, After Effects, Animate und RoboHelp Server. Gut die Hälfte dieser Sicherheitslücken ist als kritisch ausgewiesen, fast alle sind durch externe Sicherheitsforscher entdeckt und gemeldet worden. Angriffe, bei denen eine oder mehrere dieser Schwachstellen ausgenutzt würden, sind bislang nicht bekannt

In den PDF-Tools Acrobat und Acrobat Reader hat Adobe insgesamt fünf Schwachstellen beseitigt, die der Hersteller alle als kritisch ausweist. Sie können mit präparierten PDF-Dateien ausgenutzt werden, um beliebigen Code einzuschleusen und mit Benutzerrechten auszuführen.

In After Effects bis einschließlich 18.2 hat Adobe 16 Sicherheitslücken geschlossen, von denen der Hersteller acht als kritisch ausweist. Im ungünstigsten Fall könnte ein Angreifer belibigen Code einschleusen und mit Benutzerrechten ausführen. Ein Update auf Version 18.2.1 stopft die Lücken.

Adobe Animate 21.0.6 und älter weist acht Sicherheitslücken auf, von denen Adobe die Hälfte als kritisch eingestuft. Bei allen werden Speichergrenzen überschritten. Das kann zur Code-Ausführung oder Datenlecks führen. Ein Update auf Version 21.0.7 schließt die Lücken.

▶Die neuesten Sicherheits-Updates

In Photoshop 2020 21.2.8 und älter sowie in Photoshop 2021 22.4.1 und älter hat Adobe zwei als kritisch eingestufte Schwachstellen behoben. Die Pufferüberläufe könnten es einem Angreifer ermöglichen, beliebigen Code einzuschleusen und auszuführen. Abhilfe schaffen Updates auf Photoshop 2020 21.2.9 sowie Photoshop 2021 22.4.2.

In der Creative Cloud Desktop App, Premiere Elements und Photoshop Elements hat Adobe jeweils den gleichen Fehler im Installer beseitigt. Der legt eine temporäre Datei mit den falschen Berechtigungen an, was Adobe als hohes Risko ansieht. In der Creative Cloud Desktop App kommt noch die als kritisch eingestufte Schwachstelle CVE-2021-28594 hinzu, die aus einem unsicheren Suchpfad besteht. Updates beseitigen die Probleme.

Die aktuellen Adobe Security Bulletins finden Sie auf dieser Seite des Herstellers.

 

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