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Morgenmagazin vom Mittwoch, 9. November 2016

09.11.2016 | 06:35 Uhr |

Refurbished iPhones bei Apple in USA +++ Macbook Pro: Zu viele Kompromisse +++ Irland reicht Klage gegen Steuerbescheid ein +++ Zähneklappern: Hacker drehen Heizung ab +++ US-Strafanstalt führt Tablet-Programm für Häftlinge ein +++ Schon wieder explodiert ein Samsung-Smartphone – aber kein Note 7 +++ YouTube unterstützt nun auch HDR-Videos

9. November: Erfinder und Erfindungen

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Kümmern wir uns erst einmal nicht um die Politik und das besondere Datum, den Ausgang der US-Wahl und das Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs, die Pogromnacht und den Mauerfall, kümmern wir uns lieber um Technikgeschichte. Am 9. November feiert das iPhone zum dritten Mal seinen neunten Geburtstag. Wir sollten uns daher an das Datum gut erinnern, wenn wir in exakt zwei Monaten die Feierlichkeiten zum Jubiläum des epochalen Smartphones beginnen. Denn an jenem Dienstag zeigte Steve Jobs auf der längst vergangenen Messe Macworld Expo eigentlich nur einen Prototypen, der nur leidlich funktionierte und jederzeit durch ein ebensolches Vorserienmodell während der Show unauffällig hätte abgelöst werden können. Zu dem Zeitpunkt war es aber nicht mehr möglich, die Entwicklung des iPhone so geheim zu halten wie in den Monaten zuvor, schließlich stand die Freigabe durch die Behörden an. Fast ein halbes Jahr später erst konnten die Leute das iPhone kaufen, am 30. Juni, aber erst nur in den USA und auch nur mit einem Mobilfunkvertrag von AT&T, das zum Zeitpunkt der iPhone-Präsentation seine Mobilfunktochter noch Cingular Wireless genannt hatte.

Der dritte Geburtstag schließlich fiel auf einen Freitag, am 9. November 2007 gab Apple den Verkauf in Großbritannien, Frankreich und Deutschland frei. Aus heutiger Sicht undenkbar: In Deutschland gab es noch keinen Apple Store, die Schlangen bildeten sich stattdessen vor den damals noch T-Punkt genannten Filialen des hierzulande zum Zuge gekommenen Mobilfunkproviders. Der Kauf eines iPhone war auch nicht ganz ohne, sagt man heute im Apple Store oder beim autorisierten Händler einfach etwas wie: "7 Plus, roségold, 128 GB, bitte, danke". Damals musste man erst einmal ein Formular über einen neuen oder verlängerten Mobilfunkvertrag mit T-Mobile ausfüllen. Das war damals aber durchaus im Sinne des Erfinders, denn so konnte Apple von Anfang an die Kosten für die Anschaffung verstecken, in eine Subvention der Carrier. Etwa 300 Euro hat man leichter mal für ein neues Gerät zur Hand als die knapp über 1000, die das rosafarbene 7 Plus im obigen Beispiel kosten würde, den Rest zahlte man dann halt über zwei Jahre über die Telefonrechnung. Die Idee der Subvention war nicht neu, nur war man bisher gewohnt, das Handy für lau zu erhalten, wenn man sich für zwei Jahre an einen Provider band.

Im iPhone - und auch anderen Mobiltelefonen - steckt auch heute noch jede Menge Hedwig Eva Maria Kiesler drin. Den Namen kennen Sie nicht? Hedy Lamarr dürfte etwas geläufiger sein, aber was hat eine heute vor 102 Jahren geborene Hollywood-Sschauspielerin mit Technik zu tun? Eine ganze Menge, denn Lamarr war nicht nur eine in den 40er Jahren weithin bekannte Schauspielerin, sondern auch eine Technikerin, deren Erfindung des Frequenzsprungverfahrens damals zwar zur Steuerung von Torpedos gedacht war, aber heute Grundlage für Mobilfunktechniken aller Art ist. Der heutige Tag des Erfinders ist nicht nur ihr anlässlich ihres Geburtstages gewidmet, sondern allen Tüftlern und Innovatoren. Insofern ist und bleibt der 9. November auch ein wichtiger Tag für die Technikgeschichte. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch:

Zu viele Kompromisse: Unsere Kollegen der Macworld konnten das neue Macbook Pro mit herkömmlichen Funktionstasten bereits testen und sind eher wenig begeistert. Das neue, hellere Display steht zwar auf der Seite der Vorzüge, doch ist im Benchmark das gerade mal mit zwei Thunderbolt-Ports ausgestattete Macbook Pro kaum flotter als das Modell vom Vorjahr. Die Tastatur mit Schmetterlingsmechanismus ist zwar vor allem Nutzern des Macbook 12 Zoll bekannt, falle aber gegenüber der des Macbook Air ein wenig ab. Zudem erkenne das vergrößerte Trackpad nicht zuverlässig die Handballen und halte deren Signal oft fälschlicherweise für einen Befehl an den Cursor. Positiv fallen noch das geringe Gewicht und die verlängerte Akkulaufzeit auf - letztere trotz der verminderten Nennladung. Insgesamt komme man aber mit einem Touch-Bar-Macbook wohl besser weg, auch könnte das Warten auf den Nachfolger mit Kaby-Lake- oder Cannonlake-Chip lohnen, wenn dieser optional auch 32 GB RAM biete.

Vincents Videos: Facebook stellt mit dem Algorithmus Style Transfer einen Filter für Live-Videos vor, der an den der App Prisma erinnert: Bewegtbild bekommt einen Look, als sei es von van Gogh oder Picasso gemalt. Das mag zwar nett aussehen, ist aber vor allem eine Technikdemonstration: Facebook will damit zeigen, was selbst lernende Maschinen leisten können.

Angebot: Apple verkauft seit gestern in seinem Refurbished Store auch iPhones, vorerst nur in den USA. Bisher gelangten auf diesem Weg nur generalüberholte iPads, Macs und iPods zu einem reduzierten Preis in den Handel. Apple hatte zwar auch schon zuvor in vielen Fällen zurückgegebene und wieder aufbereitete iPhones ausgegeben, diese aber als Austauschgeräte bei von der Versicherung Apple Care+ gedeckten Schadensfällen. iPhone 7 und iPhone 7 Plus sind noch zu neu für den Refurbished Store, doch will man zur letzten Generation greifen, kann man bei iPhone 6S und iPhone 6S Plus sparen. So kostet ein 6S mit 16 GB derzeit 449 US-Dollar, das 6S Plus mit dieser Speicherausstattung 529 US-Dollar. Das iPhone 6S Plus mit 64 GB ist für 589 US-Dollar zu bekommen. Regulär sind diese Konfigurationen auch gar nicht mehr zu haben, neu verkauft Apple die Generation von 2015 nur noch mit 32 GB und 128 GB Speicher für jeweils etwa 100 US-Dollar mehr. Die Telefone haben ein Jahr Garantie, diese lässt sich mit Apple Care für 129 US-Dollar erweitern. Ob und wann Apple gebrauchte iPhones auch in Deutschland anbietet, ist noch völlig offen.

Klage: Im September hatte die EU-Kommission entschieden, dass Apple der Republik Irland 13 Milliarden Euro an Steuergeld schulde. Die Vereinbarungen über die zu zahlenden Unternehmenssteuer mit der Insel seien illegal. Apple sieht das naturgemäß anders und betont, seit den Achtzigern in Irland einen Standort zu unterhalten und jeden Euro Steuern gezahlt zu haben, den das Unternehmen schuldete. Heute legt nun Irland beim Europäischen Gerichtshof offiziell Beschwerde gegen die Anordnung aus Brüssel ein und schlägt sich auf die Seite Apples. Die Republik fürchtet, als attraktiver Standort mit niedrigen Steuern für multinationale Unternehmen ausgedient zu haben, sobald das Beispiel der Steuernachzahlung für Apple Schule mache.

Weg, nur weg: Zu Redaktionsschluss bestand noch eine minütlich schwindende Chance, dass Donald Trum der Einzug ins Weiße Haus verwehrt bliebe, in den USA machen sich nun Wähler des Clinton-Lagers Gedanken, wie sie die nächsten vier Jahre überstehen können. Kaum trudelten die ersten Ergebnisse aus Florida und Ohio ein, trendete bei Google die Suchphrase "Auswandern nach Kanada", die bei den Treffern weit oben erscheinende Website der kanadischen Einwanderungsbehörde brach darauf ob der großen Nachfrage zusammen.

Weitere Nachrichten:

Zähneklappern: Hacker drehen Heizung ab

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) und das Smart Home sind in aller Munde, zumindest bei Werbetreibenden und Unternehmen. Ebenso wie das vollautomatisiert beziehungsweise autonom fahrende Auto. Was die Hersteller von IoT- und Smart-Home-Produkten sowie immer intelligenter werdenden Autos aber tunlichst verschweigen, sind die damit verbundenen Sicherheitsrisiken. Wie leicht das Smart Home fiesen Hackern eine Angriffsmöglichkeit bietet, erlebten jetzt einige Finnen. Und klapperten deswegen mit den Zähnen.

Der Hackerangriff ereignete sich im Osten Finnlands in Lappeenranta, einem knapp 73.000 Einwohner zählenden Ort nahe der Grenze zu Russland. Dort hat es derzeit um die minus sieben Grad und bald sinken die Temperaturen noch deutlich weiter in den Keller. Die Hacker schalteten in Lappeenranta die Heizung und die Warmwasserversorgung von mindestens zwei Wohnblöcken ab, wie deren Heizungsbetreiber Valtia bestätigt. Indem die Angreifer die Steuerungs-Computer des Heizsystems seit Ende Oktober mit DDoS-Anfragen zumüllten.

Die Rechner versuchten anscheinend die Angriffe abzuwehren, indem sie sich neu starteten. Doch danach gingen die Angriffe weiter, bis die Rechner unter der Last schließlich zusammenbrachen. Die Heizungen liefen während dieser Zeit und wegen der ständigen Neustarts nie richtig an. Die Administratoren lösten das Problem schließlich, indem sie den Datenverkehr im betroffenen Netzwerk einschränkten. Am 3. November 2016 endeten die Angriffe.

Wer die Hacker waren und aus welchen Grund sie den DDoS-Angriff unternahmen, ist derzeit unbekannt.

Wie sich IoT-Geräte ihrerseits für einen DDoS-Angriff ausnutzen lassen, zeigte im Oktober 2016 die DDoS-Attacke gegen Dyn. Damals legten Hacker wichtige DNS-Server lahm, indem sie gegen diese DDoS-Angriffe von gekaperten Webcams und Babyfons aus starteten.





US-Strafanstalt führt Tablet-Programm für Häftlinge ein

In Lubbock, Texas, sollen die mehr als 1000 Insassen des Lubbock County Detention Centers Teil eines neuen Rehabilitierungsprogramms werden. Damit die Straffälligen während ihrer Haft nicht aus Langeweile auf dumme Gedanken kommen, hat sich der hiesige County Sheriff namens Kelly Rowe für ein Tablet-Programm eingesetzt.

Die meisten Häftlinge haben demnach keinen Schulabschluss und keinerlei Erfahrung im Umgang mit grundlegenden Alltagssituationen. Damit eine Eingliederung in die Gesellschaft nach der Haftstrafe erfolgreich verläuft und die Rückfallquote möglichst gering bleibt, sollen die Häftlinge mit bestimmte Lernprogrammen auf iPads arbeiten.

Nach weniger als zwei Monaten seien laut Rehabilitationsleiter, Tammy Smith, sogar bereits erste Veränderungen festzustellen: „Wenn man die Möglichkeit hat darüber nachzudenken, weshalb man überhaupt hier im Gefängnis ist und wie man sich verändern kann, können entsprechende Arbeitsmittel dabei helfen. Sie treffen selbst die Entscheidung, sich zu ändern. Und mit diesen Möglichkeiten, die wir haben, mit unseren Tablets, geben wir ihnen die Möglichkeit zu wachsen und sich zu ändern.“

Die Strafanstalt in Texas besitzt derzeit 40 Tablets mit je rund 400 pädagogischen Programmen aus diversen Themengebieten: Politikwissenschaften, Psychologie, aber auch Yoga und Aggressionsbewältigung. Die Häftlinge haben mit den Tablets jedoch keinerlei Zugriff auf soziale Netzwerke.

Ziel dieses Programm sei es, den Häftlingen etwas zu geben, auf das sie sich konzentrieren können und ihnen somit Hoffnung auf eine Zukunft geben. Seit dem dem Insassen mit den Tablets arbeiten können, sei laut kcbd die Agressions- und Gewaltbereitschaft in der Strafanstalt deutlich gesunken.

Dieses Rehabilitationsprogramm wird zudem nicht von Steuergeldern, sondern von einem Häftlingsfond finanziert.

Schon wieder explodiert ein Samsung-Smartphone – aber kein Note 7

In Frankreich soll schon wieder ein Samsung-Smartphone explodiert sein. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Galaxy Note 7, sondern um ein Smartphone vom Typ Galaxy J5.

Lamya Bouyirdane, wie die 33 Jahre alte Besitzerin des Androiden heißt, hatte ihren vier Jahre alten Sohn gebeten, ihr das Smartphone zu reichen. Als sie es in den Händen hielt, bemerkte sie, dass das J5 sehr heiß wurde. Bouyirdane warf das Smartphone erschrocken weg, als sie sah, dass das Galaxy J5 angeschwollen war und Rauch daraus aufstieg. Das Smartphone fing danach Feuer und die Rückseite fiel ab. Bouyirdanes Lebenspartner löschte das Feuer. Dieses Foto soll das zerstörte Smartphone zeigen:

Der Vorfall soll sich am Sonntag, den 6. November 2016, gegen 18.00 Uhr in Pau, einer Stadt im Südwesten von Frankreich, ereignet haben. Bouyirdane will das Galaxy J5 im Juni 2016 auf einer Webseite gekauft haben, die nagelneue Smartphones preisreduziert anbietet. Die dreifache Mutter Bouyirdane will Samsung verklagen.

So lange keine Bestätigung durch Behörden, Feuerwehr, Verbraucherschützer oder durch Samsung vorliegt, kann niemand beurteilen, ob der Vorfall sich so zugetragen hat und – falls das der Fall ist - was die Gründe für die Explosion sind. William Stofega, Analyst und Smartphone-Experte bei den Marktforschern von IDC, weist daraufhin, dass das Galaxy J5 schon einige Monate auf dem Markt ist und es bisher keine weiteren Berichte zu besonderen Vorfällen damit gab. Gelegentliche Probleme mit den energiereichen Lithium-Akkus gäbe es seit Jahren immer wieder und zwar auch mit anderen Gerätegruppen wie zum Beispiel Notebooks, wie Stofega betont.

PC-WELT fragte bei Samsung in Deutschland nach. Larissa Schröder verwies im Namen von Samsung darauf, dass es sich um einen Einzelfall handeln dürfte. Samsung prüfe den Fall aktuell. Erst nach dieser Prüfung könne Samsung genaueres dazu sagen. Und weiter: „Solange wir das betroffene Gerät nicht erhalten und sorgfältig untersucht haben, können wir diesen Vorfall leider noch nicht kommentieren. Die Sicherheit unserer Kunden hat für Samsung oberste Priorität. Mit jedem Kunden, der uns von einem Problem berichtet, nehmen wir deshalb unverzüglich Kontakt auf, um die jeweilige Ursache zu ermitteln und dem Kunden unsere Unterstützung anzubieten.“

Samsung betonte aber, dass die in bekannten Probleme mit dem Akku des vom Markt genommenen Galaxy Note 7 auf dieses konkrete Modell beschränkt seien.

Die Meldung über das explodierende Galaxy J5 ist der jüngste Nackenschlag für den mächtigen südkoreanischen Elektronikonzern. Erst am Wochenende wurde bekannt, dass Samsung nun doch tatsächlich 2,8 Millionen Waschmaschinen zurückrufen muss. Die Wochen und Monate davor wurden wiederum vom Note-7-Desaster überschattet.

YouTube unterstützt nun auch HDR-Videos

Die Video-Plattform YouTube unterstützt ab sofort HDR-Videos (High Dynamic Range). Der Standard verspricht höhere Kontraste, detaillierte Schatten, brillante Farben und mehr Klarheit. Wer über ein HDR-Fernsehgerät und passende Abspiel- bzw. Streaming-Hardware verfügt, kann die neue HDR-Funktion mit dieser YouTube-Playlist anhand von Natur- und Landschaftsaufnahmen sowie einem Kurzfilm testen.

Die HDR-Funktion von YouTube wird derzeit von Microsofts Xbox One, den Samsung-TV-Geräten UHD und SUHD der 2016-Reihe sowie von Googles Chromecast Ultra unterstützt. Wer über keines dieser Geräte verfügt, bekommt die Clips in SHD angezeigt.

Video-Produzenten, die ihre Clips auf YouTube als HDR-Video veröffentlichen wollen, müssen einige Punkte beachten. Auf einer eigens dafür eingerichteten Hilfe-Seite erklärt YouTube die unterschiedlichen Voraussetzungen und Richtlinien.

So genießen Sie Netflix in HDR-Qualität auf Panasonic-TVs

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