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Morgenmagazin vom Montag, 11. April 2016

11.04.2016 | 07:01 Uhr |

Senatoren Burr und Feinstein bringen Gesetzesvorlage ein +++ Studie: Emojis sind missverständlich +++ Update für Garageband: Fernsteuerung vom iPhone +++ Hacker nehmen DuMont Mediengruppe auseinander +++ Google eröffnet Entwicklungszentrum in München +++ Spam-Botnet Mumblehard zerschlagen +++ EuGH: Links auf Raubkopien sind legal +++

11. April: Legendäres Produkt mit voller Sichtbarkeit

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Vor 40 Jahren ging das aber verdammt schnell: Am 1. April gründete sich in Kalifornien eine Firma und schon zehn Tage später lieferte sie ihr erstes Produkt aus! Natürlich hatten Steve Jobs und Steve Wozniak nicht erst am Tag der Eintragung Apples in das Handelsregister damit begonnen, ihre Firma und deren Produkte zu gestalten, sie waren nicht erst zehn Tage vor der Premiere des Apple I erst auf die Idee gekommen, man könnte mal „etwas mit Computern“ anfangen - Apple hatte bekanntlich eine längere Vorgeschichte und gewissermaßen war der Apple I zuerst da und dann erst das Unternehmen, das ihn produzierte und verkaufte. 666,66 US-Dollar kostete die Platine, Gehäuse, Tastatur und Bildschirm musste man selbst mitbringen. Aber das war ja der Clou dieses ersten persönlichen Computers: Man konnte ihn quasi in jedem Haushalt an den dort vorhandenen Fernsehapparat anschließen.

Noch heute tauchen vereinzelt Apple I in den großen Auktionshäusern der Welt auf und erzielen dabei sechsstellige Erlöse. Dazu muss aber der Rechner funktionsfähig sein und in einem Gehäuse stecken. Die heute erhaltenen Konstruktionen sind meist aus Holz, irgendwie passend.

Doch schon ein Jahr später bekam der Nachfolger Apple II, das Gerät, das schlussendlich den Ruhm de Unternehmens begründete, schon ab Werk ein Gehäuse. Nicht aus Holz, aber aus damals als formschön empfundenen grau-beigen Plastik. Das Design der äußeren Hülle war seinerzeit Steve Jobs’ ganzer Stolz, zwanzig Jahre später sagte er aber nach seiner Rückkehr zu Apple der einst modernen Farbe den Kampf an: „Sorry, no beige“ war einer der Slogans der für den iMac und sein „transluzentes“ Gehäuse in einem blaugrün warb, das angeblich an einem Strand in Sydney zuhause ist.

Die Offenheit und die Schönheit des Verborgenen gehört seit jeher zu den Designprinzipien Apples, die Steve Jobs dem Unternehmen von Anfang an eingeimpft hat. Eine Platine, die ja nach dem Apple I keiner der Anwender mehr zu sehen bekam, sollte nicht nur effizient bestückt sein, sondern auch schön aussehen und nicht unordentlich vollgestopft. Ein Computer verliert viel von seiner Unzugänglichkeit, kann man ihm durch ein halbtransparentes Gehäuse bei der Arbeit zusehen - na gut, so wirklich viel hat man dann beim iMac doch nicht gesehen. Und ein Design muss in sich stimmig sein, so färbte Apple Mitte der 2000er am schwarzen iBook sogar den Kontakt in der USB-Buchse schwarz. Wer je seinen iMac G4 (Schreibtischlampe) aufgeschraubt hat, der fand darin nicht nur eine kreisrunde Platine, diese war auch noch anders als die in anderen Computern blau. Das normalerweise Unsichtbare ist ja trotzdem vorhanden, warum sollte es dann hässlich oder inkonsistent sein?

So begehen wir am 11. April den Unsichtbarkeitstag im Gedenken an die verborgenen Qualitäten und Realitäten unserer Rechner und wollen nicht selbst unsichtbar werden. Den der Unsichtbare, der alles Licht um sich herumlenkt oder es durch sich durch scheinen lässt, damit ihn niemand sieht, kann auch selbst nicht sehen: Er wechselwirkt ja nicht mit dem Licht. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Das Problem mit 3D Touch: Das mit dem iPHone 6S (Plus) Eingeführte Feature 3D Touch ist gewiss pfiffig, doch fehlt es an einer tiefergehenden  Verbreitung, meint Jason Snell. Da 3D Touch eben nur für die beiden iPhones von 2015 zur Verfügung steht, greifen nicht viele Entwickler auf die Möglichkeiten zu und auch innerhalb des iOS könnte 3D Touch an mehr Stellen als bisher sich anbieten.

Missverständnisse: Nicht nur geschriebene Sprache lässt sich in der Kommunikation per Smartphone missverstehen, sondern auch ihre Erweiterung durch Emojis. Denn diese sehen auf iOS-Geräten ein wenig anders aus als auf Android-Geräten, auf Windows-Hardware noch einmal anders. So hat nun eine Studie des Grouplens-Projektes der Universität von Minnesota herausgefunden, dass Smartphonebesitzer Emojis unterschiedlich interpretieren, wenn sie unterschiedliche Plattformen nutzen. Hauptobjekt war das "Grinseemojis mit lachenden Augen", dem iOS-Nutzer auch eine etwas negative Konnotation mitgaben.

Weitere Fälle: Im Windschatten des Falles von San Bernardino haben die Behörden Apple und Google in vielen weiteren Fällen aufgefordert, bei der Entsperrung von Smartphones Unterstützung zu leisten, hat die Bürgerrechtsorganisation ACLU herausgefunden. Bis in das Jahr 2008 zurück reichen 60 Fälle in 20 Bundesstaaten, der zuletzt offen gelegte drehte sich um ein iPhone 6 Plus, das einem der kriminellen Machenschaften beschuldigten Gang-Mitglied in Boston gehörte. Die Order, die sich auf den All Writs Act bezog, erging am 1. Februar und setzte eine Frist von 14 Tagen. Aus den von der ACLU erhaltenen Gerichtsdokumenten geht aber nicht hervor, ob sie umgesetzt wurde oder nach den 14 Tagen einfach ungültig wurde. Im Fall des iPhone 5S in Brooklyn zögert Apple weiterhin mit der Unterstützung des FBI. Das einem Meth-Dealer gehörende Gerät läuft noch unter iOS 7, Apple käme daher an wesentliche Daten heran, ohne den Passwortschutz umgehen zu müssen. Apple wolle aber zunächst allenfalls Daten ausliefern, die im Besitz des Unternehmens sind, etwa iCloud-Backups. Die Anordnung des FBI ist nach Ansicht von Apples Anwälten nicht rechtens, ein New Yorker Richter hatte zudem entschieden, dass der All Writs Act hier keine Anwenung finden kann.

Kontrovers: Die Senatoren Richard Burr und Dianne Feinstein haben am Freitag endlich ein Gesetz zur Verschlüsselung und Entschlüsselung vorgelegt, das den umstrittenen All Writs Act aus dem Jahr 1789 ablösen soll. Die Gesetzesvorlage dürfte aber kontrovers diskutiert werden und findet aufgrund widersprüchlicher Forderungen schon jetzt ihre Gegner. Der Text sieht vor, dass alle juristischen Personen auf eine gerichtliche Aufforderung hin auswertbare Daten in einem angemessenen Zeitraum liefern oder vernünftige technische Hilfestellung leisten.  Das Gesetz sieht zwar keine expliziten Änderungen an Hardware oder Software vor, wie es zuletzt das FBI forderte, betrachtet man aber die Ende-zu-Ende-Vefschlüsselung, die zuletzt WhatsApp eingeführt hat, wäre ein Erlangen von auswertbaren Daten nur mittels Änderungen am System möglich.

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Update für Garageband: Fernsteuerung vom iPhone

Apple hat in der Nacht zum Freitag seine Musikproduktionssoftware Garageband auf Version 10.1.1 aktualisiert. Nach dem Update unterstützt die Anwendung die in Music Memos angelegten Projekte und lässt sich laut Release Notes mit der iOS-App Logic Remote fernsteuern. Apple hat zudem die Musikbibliothek erweitert, Garageband für OS X soll auch besser mit der Version für iOS zusammenarbeiten und sich etwa auf Live-Loop-Projekte verstehen.

Ein erster Blick auf das Update hinterlässt uns aber eher ratlos. Besonders die versprochene Fernbedienung mit Logic Remote hat bis dato nicht geklappt. Wie in App auf dem iPhone gefordert, sind iPhone und mehrere Macs mit aktuellem Garageband zwar in das selbe WLAN eingebunden, die Verbindung scheitert aber jedes Mal.

Das iPhone erkennt zwar die laufenden Garagebandinstallationen in der Umgebung, der erste Klick auf die Anwendung lässt auf dem Mac auch eine Dialogbox erscheinen, mit der man die Verknüpfung bestätigen soll, doch dann passiert: Nichts. Die iOS-App meint nur lapidar, dass die Verbindung einfach nicht geklappt hat und man auf das WLAN achten soll. Ach. Wir werden das aber aber in einem anderen Setup nochmals versuchen, womöglich verhinderte die Vielzahl der WLANs in unserem Verlagsgebäude eine ordentliche Verbindung. Warum sich die Remote überhaupt via WLAN und nicht etwa per Bluetooth verbindet? Ganz einfach: Ein typischer Einsatzzweck wäre etwa, von der Bühne oder dem Aufnahmeraum aus, den Record-Knopf in Garageband vom iPhone aus zu bedienen. Der Mac könnte dann aber außerhalb Bluetooth-Reichweite stehen. Was sich sonst noch mit der Logic Remote anstellen lässt, können wir leider noch nicht beurteilen, auch mit Logic Pro X auf dem Macbook verbindet sie sich nicht (Siehe Screenshot, ganz rechts)

Update: In unserem Home-Office klappt es dann doch. Deutlich weniger Funknetze stören die Kommunikation zwischen iPhone und Mac, womöglich sind auch einfach nur keine technischen Einschränkungen vorhanden, wie sie in einem Firmennetz sein müssen. Die Verbindung zwischen iPhone und iMac klappt jedenfalls sofort und ohne Einschränkungen. Die Fernsteuerung bietet einige wesentliche Basisfunktionen, wir können Wiedergabe und/oder Aufnahme starten, neue Spuren anlegen, das Metronom ein- oder ausschalten, zum Anfang oder Ende des Projektes springen. Dreht man das iPhone in das Hochformat lassen sich Lautstärke und Balance regeln. Das Update für Garageband hält nun also doch das, was es verspricht.

Geklappt hat auch der Import unserer Ideen aus der App Musicmemos , die wir in dem dafür reservierten Bereich in unserem iCloud-Drive abgelegt hatte. Jedoch auch nicht so, wie wir dachten: Denn die Dateien mit der Endung .caf lassen sich nicht einfach in Garageband öffnen. Legt man jedoch ein neues Projekt an oder öffnet ein bestehendes, kann man über das Menü "Ablage > iCloud > Musikmemos-Datei importieren ... " die Audioaufnahme in eine eigene Spur importieren. Musikmemos jedoch ist in der Lage, aus den mit dem iPhone aufgenommenen Ideen Garagebandprojekte anzulegen, die sich anschließend direkt öffnen lassen. Das ist durchaus sinnvoll, denn Musicmemos legt unter das eigene Gedudel auf Wunsch nicht nur einen Drummer – das kann Garageband auch – sondern auch eine Basslinie, passend zu den erkannten Akkorden. Das kann Garageband nicht, auch nicht nach dem Update auf Version 10.1.1.

Was den Import von Live-Loop-Projekten vom iOS-Gerät auf den Mac betrifft, können wir mangels DJ-Erfahrung in Garageband wenig sagen, wir werden uns aber mit dem Thema befassen und unsere Eindrücke schildern. Ebenso werden wir uns auch durch die neuen Soundbibliotheken hören, insbesondere für den klassischen Bereich scheinen interessante Softwareinstrumente hinzugekommen zu sein.

Derweil kämpfen wir aber noch mit einem anderen Problem, das wir uns nur mit Wartungsarbeiten auf Apples Servern erklären können. Denn: Der Abgleich von Garagebandprojekten über iCloud scheint derzeit defekt zu sein . Anders als die iWork-Applikationen legt Garageband keinen sichtbaren Ordner auf dem iCloud Drive an und speichert dort die Dokumente, sondern nur einen unsichtbaren, auf den einzig und allein das Programm Zugriff hat. Am Freitag Mittag sahen wir aber zuletzt etwas in dem Bereich "iCloud > Garageband" des Speicherndialogs, seither müssen wir draußen bleiben. Bleibt zu hoffen, dass Apple diesen Abgleich aus den Zeiten vor dem iCloud-Drive nicht einfach abgestellt hat – bei uns liegen dort zwar nur Kopien, aber nicht alle sind derart vorsichtig mit der Dateiverwaltung.

Hacker nehmen DuMont Mediengruppe auseinander

Hacker haben offenbar die Online-Auftritte der DuMont-Tageszeitungen angegriffen. Bei der Attacke handele es sich wahrscheinlich um einen Zugriff Dritter auf Serverdaten sowie auf die Webauftritte der Portale, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung der DuMont Mediengruppe und auf den Internet-Seiten der Zeitungen . "Wir haben diese Sicherheitslücke noch am Sonntagmorgen geschlossen, möglicherweise hatten aber Dritte in der Nacht kurzzeitig Zugriff auf Daten."

Alle gespeicherten Passwörter seien gesperrt und zurückgesetzt worden. Kunden, die für ihren Nutzer-Account dasselbe Passwort verwendeten wie für andere Web-Dienste, sollten vorsichtshalber auch dort umgehend ihr Passwort ändern.

Welche Daten von dem Angriff betroffen waren, sei noch unklar, sagte ein Unternehmenssprecher: "Wir prüfen das." Nach einem Bericht der Online-Ausgabe der "Welt" waren in der Nacht zum Sonntag unter anderem Abonummern, Passwörter, Klarnamen und E-Mail-Adressen von Nutzern fünf Stunden lang im Internet frei zugänglich.

Die Online-Ausgaben der DuMont-Zeitungen waren stundenlang bis zum Nachmittag nicht erreichbar. Betroffen waren der "Kölner Stadt-Anzeiger", die "Kölnische Rundschau", der "Express", die "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier", die "Hamburger Morgenpost" und die "Mitteldeutsche Zeitung". "Wir entschuldigen uns dafür", erklärte das Unternehmen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Ursache dieser für alle Beteiligten unbefriedigenden Situation zu analysieren und Vorkehrungen zu treffen, damit sich ein solches Szenario nicht wiederholt." (dpa/rs)

Google eröffnet Entwicklungszentrum in München

Google hat am Freitag sein neues Entwicklungszentrum in München eröffnet. Passenderweise befindet sich das Entwicklerzentrum, in dem vor allem Programmierer beziehungsweise Software-Ingenieure arbeiten sollen, in der Nähe der „Hackerbrücke“.

Bei der offizielle Eröffnung des Gebäudes im Arnulfpark waren die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter und 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft anwesend.

Im neuen Bürogebäude mit seinen 11.000 Quadratmetern werden in Zukunft bis zu 800 Mitarbeiter Platz finden. Derzeit arbeiten dort aber erst 400 „Googler“. Neben der Einweihung des Büros feiert Google heute auch sein zehnjähriges Bestehen am Standort München: Anfang 2006 kamen die ersten Google-Mitarbeiter nach München.

Ein besonderer Schwerpunkt der Münchner Google-Teams liegt auf der Entwicklung von Elementen für den Browser „Chrome“ sowie auf Datenschutzprodukten. Der im Vorjahr gestartete Assistent „Mein Konto“ wurde zu großen Teilen in München konzipiert und programmiert, wie Google erläutert. Über den Dienst können Nutzer ihre Daten bei verschiedenen Google-Diensten verwalten, löschen sowie das Speichern bestimmter Informationen generell ausschließen.

Für die Google-Mitarbeiter bietet das neue Entwicklungszentrum diverse Annehmlichkeiten, wie man sie auch aus dem Silicon Valley kennt: Fitnesscenter mit Trainern, Open-Air-Sportplatz und Tiefgarage für Fahrräder nebst eigener Werkstatt. In den beiden Restaurants „Café Flex“ und „Café Wiesn“ können die „Googler“ und ihre Gäste gratis aus einem vielfältigen kulinarischen Angebot wählen. Und mit dem „gBräu“ gibt es sogar ein eigenes Bier: Ein Helles mit amerikanischem Cascade-Hopfen. Dieses Bier wird nur bei Google in München ausgeschenkt und soll streng nach deutschem Reinheitsgebot von einem Münchner Braumeister gebraut werden - das passt zum diesjährigen 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes.


Spam-Botnet Mumblehard zerschlagen

Spammer nutzen ganze Netzwerke gekaperter Rechner, um ihre fragwürdigen Werbebotschaften zu verbreiten. Diese betreiben sie nicht selbst, sondern mieten sie bei den Betreibern dieser so genannten Botnetze. Meist sind es fremdgesteuerte Windows-Rechner, die Kriminelle mit eingeschleuster Malware unter ihre Kontrolle bringen. Anders bei Mumblehard: hier hatten die Täter mehrere tausend Web-Server gekapert, die unter Linux laufen. Der slowakischen Antivirushersteller ESET hat das Mumblehard-Botnetz in Kooperation mit dem CERT-Bund des BSI und der ukrainischen Cyber-Polizei still gelegt.

Neben ukrainischen Ermittlungsbehörden und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) war auch das ukrainische Sicherheitsunternehmen CyS Centrum (Cyber Security Centrum) beteiligt. Wie ESET jetzt in seinem deutschsprachigen Blog We Live Security berichtet, ist das Mumblehard-Botnetz bereits seit Ende Februar außer Gefecht gesetzt. Ein so genannter Sinkhole-Server, den ESET betreibt, fängt seitdem den Datenverkehr des Botnetzes ab.

Die Analyse der abgefangenen Daten zeigt, dass Ende Februar an die 4000 Linux-Rechner Teil des Botnetzes waren. Die legitimen Betreiber der gekaperten Server werden inzwischen durch das BSI benachrichtigt. Die Zahl der verseuchten Systeme ist im Laufe des März langsam auf unter 3500 gesunken.

Die Linux-Server wurden wenigstens zum Teil über Sicherheitslücken in veralteten Versionen gängiger CMS-Software wie Wordpress und Joomla oder deren Plug-ins kompromittiert. Den Anfang machte dem Anschein nach allerdings ein Grundstock bereits verseuchter Systeme, die die Täter möglicherweise von anderen Kriminellen gekauft hatten. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, stets aktuelle Versionen der Software einzusetzen, die auf einem Web-Server läuft. Die Hersteller beseitigen bekannt gewordene Sicherheitslücken mit entsprechenden Updates.

ESET hatte bereits im April 2015 eine technische Analyse des Mumblehard-Botnetzes veröffentlicht. Die Botnetzbetreiber hatten darauf reagiert und ihre Aktivitäten auf einem einzelnen C&C-Server (zur Steuerung des Botnetzes) konzentriert. Mit Hilfe der ukrainischen Partner konnte ESET diesen aufspüren und die zugehörige IP-Adresse übernehmen. Damit dürfte Mumblehard Geschichte sein. Was bleibt, ist die Aufgabe die verseuchten Rechner zu bereinigen. ESET hat dazu auf Github ausführliche Informationen bereit gestellt, mit denen eine Mumblehard-Infektion erkannt und beseitigt werden kann.

In einem aktuellen Gerichtsstreit hat der Verlag Sanoma, der das Magazin "Playboy" produziert, die GS Media, die Betreiberin der Webseite GeenStijl, dazu aufgefordert einen Link zu entfernen. Der streitige Link führte wiederum auf eine ganz andere Webseite in Australien, die ohne Zustimmung von Sanoma einige Reportagefotos aus "Playboy" gezeigt hat. Der Verlag beschuldigt GS Media der Urheberrechtsverletzung.

Der Europäische Gerichtshof sieht das aber anders. Der Generalanwalt Melchior Wathelet sieht beim Setzen des Links keine Verletzung der InfoSoc-Richtlinie (Die Richtlinie zur Einhaltung des Urheberrechts in der EU). Sein Gutachten begründet, dass der Link auf eine weitere Seite keine "Zugänglichmachung" der nicht lizenzierten Inhalte ermöglicht, sondern einem schnelleren Auffinden der Inhalte dient. Für die "ursprüngliche Wiedergabe" kann nur die Webseite haftbar gemacht werden, die tatsächlich die Inhalte ohne Erlaubnis der Autoren ins Netz gestellt hat. Es spielt auch keine Rolle, ob der Betreiber der Webseite, die nur einen Link gesetzt hat, von der Rechtswidrigkeit bei der Quellveröffentlichung gewusst hat oder nicht.

Im Wortlaut spricht sich Generalanwalt Wathelet dafür, "...dass jede andere Auslegung des Begriffs „Zugänglichmachung für die Öffentlichkeit“ das Funktionieren des Internets erheblich beeinträchtigen und die Verwirklichung eines Hauptziels der Richtlinie, nämlich die Förderung der Entwicklung der Informationsgesellschaft in Europa, gefährden würde." Vereinfacht gesagt, die Nutzer würden sich fürchten, Links in ihre Texte auf fremde Seiten zu setzen und so das Vernetzungsprinzip des Internets untergraben. Der Schlussantrag des Generalanwaltes ist jedoch für das Gericht nicht bindend.

Quelle: Curia.europa.eu

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