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Morgenmagazin vom Montag, 11. Mai 2021

11.05.2021 | 07:12 Uhr | Peter Müller

Apple investiert 45 Mio. USD in Corning +++ Kuo: Apples 5G-Modem nicht vor 2023 +++ iPhone 13 soll ein wenig dicker werden +++ Betrügereien mit Coronatests: So schützen Sie sich +++ Amazon beschlagnahmt zwei Millionen Produktfälschungen +++ Weiteres Sicherheits-Update für Chrome

11. Mai: Schmutzige Telefone und harte Drinks

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Seit Newton ist bekannt, dass sich der Raum verändert, wenn man sich durch die Zeit bewegt. Seit Einstein wissen wir, dass Zeit relativ ist, wenn man sich mit hoher Geschwindigkeit durch den Raum bewegt. Douglas Adams schließlich hat die These aufgestellt, dass Zahlen relativ sind, wenn man sich in Raum und Zeit durch ein Restaurant bewegt.

Das ist Ihnen bestimmt in den Zeiten vor der Pandemie auch schon aufgefallen: Bestellt eine Gruppe einen Tisch für sieben Personen um acht Uhr, kann man davon ausgehen, dass es weder sieben Personen sein werden, noch die Gruppe um acht Uhr erscheint. Douglas Adams hat dafür im dritten Teil seiner fünfbändigen Trilogie das "Reziproperversexkluson" erfunden. Eine Zahl, die so definiert ist, dass sie jede andere Zahl ist, nur nicht sie selbst. In der Raumfahrt in Douglas' Universum ist diese "Bistromathik" wichtig, um noch schnellere Raumschiffe anzutreiben als solche mit unendlichem Unwahrscheinlichkeitsdrive. In denen als Bistros getarnten Raumschiffen spielt ein zweites bistromathisches Phänomen eine Rolle, eine Art Massendefekt. Denn die Rechnung beträgt dort laut Adams immer mehr als die Summe ihrer Einzelteile.

Heute vor 20 Jahren verstarb der britische Autor beim Fitnesstraining in einem Studio bei Los Angeles. In die Nähe Hollywoods war Adams gezogen, um die Verfilmung des Beginns der fünfbändigen Trilogie "Per Anhalter durch die Galaxis" voranzutreiben, die Premiere im Jahr 2005 sollte er also nicht mehr erleben.

Dabei wären Stimmen wie die Adams heute so wichtig, um den Unfug von Leerdenkern als solchen zu enttarnen. Allen Ernstes lehnen einige von denen die Impfung, die uns alle aus der Krise bringen sollte, mit dem Argument ab, ihre Astralkörper könnten dann nicht mehr zurück zu ihren außerirdischen Ursprüngen. Douglas Adams würde freundlich lächelnd nicken und auf die letzten Kapitel des zweiten Buches jener fünfbändigen Trilogie verweisen. Demnach hat ein Raumschiff von Golgafrincham kommend nach einer Kollision mit dem Planeten, der eigentlich ein riesiger Computer war, den eigentlichen Sapiens aus der Evolution gekickt. Wir sind also alle Nachfahren jener Telefondesinfizierer und Friseure der Arche B, die man auf Golgafrincham nicht mehr zu benötigen meinte. Klar, wer lässt sich den Bären von einer planetenfressenden Ziege aufbinden, kann doch nur ein Leerdenker sein. Unglücklicherweise sind aber die Intellektuellen und Künstler sowie die einfachen Arbeiter von Golgafrincham alle an einer Seuche gestorben, die sie sich an einem schmutzigen Telefon geholt haben. Es hatte seinen Grund, warum die Arche B mit dem Planeten kollidierte, anstatt nur auf ihm zu landen, aber ihre Besatzung hatte ihn vergessen. Sie waren eben ein Haufen nichtsnutziger Idioten – genau das war der Grund!

Womöglich ist Douglas Adams gar nicht gestorben, sondern ins Restaurant am (zeitlichen) Ende des Universums einfach nur vorausgegangen, wo er auf seine Leser wartet, um mit einem pangalaktischen Donnergurgler anzustoßen – an solch eine Verschwörungstheorie würden wir nur allzu gerne glauben. Sei's drum: Wir werden auf das Treffen im Restaurant gerüstet sein und immer wissen, wo unser Handtuch ist. Das ist aber eine andere Geschichte, die Douglas Adams an einer anderen Stelle erzählt hat.

Zwanzig Jahre länger her als Adams' ist der Tod des Reggea-Musikers Bob Marley, der nach einem letzten Behandlungsversuch seines Krebses am Tegernsee zum Sterben in seine jamaikanische Heimat unterwegs war und es nur bis Miami schaffte. Am selben Tag hatte übrigens in London das Musical Cats Welturaufführung. Na toll - wir verlieren Bob Marley und bekommen Andrew Lloyd Webber. Das Leben schreibt manchmal derart unwahrscheinliche Geschichten, die sich nicht einmal Douglas Adams auf einem hätte ausdenken wollen.

Lesetipps für den Freitag

Gesundheit: Schon seit März 2019 angekündigt, hat die von Oprah Winfrey und Prince Harry produzierte Dokuserie über mentale Gesundheit nun einen Namen und einen Starttermin: "The Me You Cant' See" wird ab dem 21. Mai, dem Freitag der nächsten Woche, im Stream bei Apple TV+ zu sehen sein. In der Dokumentation kommen Sportler oder Größen aus dem Show-Geschäft zu Wort und erklären, wie sie um ihre mentale Gesundheit kämpfen. Die Produzenten haben dabei mit 14 weltweit renommierten Experten zu mentaler Gesundheit kooperiert, der Start der Serie war ursprünglich für das Jahr 2020 geplant, musste wegen der Covid-Pandemie verschoben werden - die aber nun neues Material zum Thema beigetragen haben dürfte.

Nummer drei: Apple hat gestern Abend für Entwickler die dritte Beta-Version von iOS 14.6 und den verwandten Systemen veröffentlicht, heute sollte die Public Beta Nummer drei folgen. Eine kleine Änderung ergibt sich in der App "WO ist?": Wenn man ein Airtag oder ein anderes kompatibles Gerät in den "Verloren"-Modus setzt, kann man nun auch eine E-Mail-Adresse angeben, über die man sich vom Finder benachrichtigen lassen kann. Weitere neue Funktionen sind bis dato nicht bekannt. Die letzte größere Fassung vor iOS 15 sollte auch mehr auf Stabilität und Sicherheit ausgerichtet sein, eine Reihe neuer oder lange angekündigter Funktionen hatte Apple mit iOS 14.5 erst kürzlich auf das iPhone gebracht wie das Entsperren mit Hilfe der Apple Watch oder die Ad Tracking Transparency.

Dauert noch: Apple entwickelt auf der Basis der von Intel übernommenen Modem-Sparte eigene 5G-Chips, diese werden nach Ansicht des Analysten Ming-Chi Kuo aber noch nicht so bald fertig sein. Vor 2023 sei nicht damit zu rechnen, dass Apple erste iPhone-Modell mit den eigenen Funk-Chips ausstatten werde. Cupertino macht kein Geheimnis draus, die Bande zum Zulieferer Qualcomm kappen zu wollen, dieser ist aber derzeit der einzige, der Chips in der Größenordnung, wie Apple sie benötigt, liefern kann. Für Qualcomm steht indes viel auf dem Spile, werde man Apple als Kunden verlieren, müsse man weit mehr im Low-End-Markt von Android-Phones verkaufen, um das zu kompensieren.

Vorschuss: Wie Apple bekannt gibt, investiert der iPhone-Hersteller 45 Millionen US-Dollar in den Zulieferer Corning, der für sein bruchfestes Gorilla-Glas bekannt ist, das Apple seit jeher für das iPhone bezieht. Mit der Finanzspritze soll Corning seine Produktionskapazitäten in den USA ausbauen und mehr Glas mit "Ceramic Shield" für das iPhone 12 produzieren. Das Geld stammt aus Apple fünf Milliarden US-Dollar schweren Advanced Manufacturing Fund, mit dem Apple vor allem in Zulieferer inden USA investiert und damit ein Vorgriffsrecht auf kritische Komponenten sichert. Zuletzt hatte Apple in den Hersteller von Infrarotlasern für das iPhone II-VI investiert.

Kein Weg zurück : Erst in der letzten Woche hatte Apple mit iOS 14.5.1 ein Update gebracht, das eine kritische Lücke in WebKit schloss und daher allen iPhone-Anwendern dringend zu empfehlen ist. Ziemlich genau eine Woche danach hat Apple den Weg zu iOS 14.5 zurück verbaut, indem das System nicht mehr signiert ist. Das ist eine übliche Vorgehensweise nach der Veröffentlichung neuer Systemversionen.

Dicker : Für das iPhone 13 wird man im Herbst womöglich wieder neue Schutzhüllen benötigen, denn die Modelle sollen etwas dicker werden - und das Kameramodul ein wenig mehr hervorstehen. Der Unterschied betrage aber nur 0,17 Millimeter, berichtet Macrumors unter Bezug auf ein geleaktes Gehäuseschema. Deutlicher werde aber das Kameramodul hervorstehen, bei den iPhone 12 sind da derzeit zwischen 1,5 und 1,7 Millimeter gegeben, beim iPhone 13 Pro könnte der Bump bis zu 3,5 Millimeter hervorstehen - ähnlich wie beim neuen iPad Pro. Die Quelle der Informationen ist jedoch weitgehend unbekannt und ihre Zuverlässigkeit damit schwer einzuschätzen.

Betrügereien mit Coronatests: So schützen Sie sich

Die Coronakrise eröffnet Cybergangstern neue Angriffsmöglichkeiten. Betrüger bieten zum Beispiel gefälschte Impfnachweise an oder versuchen mit Fotos von echten Impfpässen, die in den sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, Identitätsdiebstahl zu begehen.  

Das Sicherheitsunternehmen Bitdefender Labs warnt wiederum vor Spammails, in denen falsche Coronatests zu günstigen Preisen angeboten werden. Mehr als 300.000 Mails wurden im Rahmen der Kampagne versandt.

In den Mails werden handelsübliche Corona-Speicheltest angeboten. Die Absenderadressen und Betreffzeilen variieren. An die Mails ist das Bild einer Verpackung und eine Dokumentation des Testverfahrens angehängt. Auch das Logo des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ist in die Mails integriert. Das alles soll die Mails seriös und glaubhaft wirken lassen. Der wichtigste Trick der Betrüger ist aber, dass sie zunächst „Lieferung auf Rechnung“ anbieten. Doch in den Mails fehlt jeder Hinweis auf einen Online-Shop und es gibt auch keinen weiterführenden Link. Stattdessen läuft die gesamte Kommunikation über E-Mail ab.

Interessenten, die auf das Mailangebot antworten, bekommen eine weitere Mail, in der sie zur Zahlung aufgefordert werden. Von der Zahlung auf Rechnung ist nun nicht mehr die Rede, jetzt wollen die angeblichen Anbieter Vorkasse. Fallen die Angeschriebenen darauf herein, ist das Geld weg. Im schlimmsten Fall stehlen die Betrüger auch noch persönliche Daten der Kunden, mit denen weitere Betrügereien möglich sind.

Warnung: Reagieren Sie nie auf solche Mailangebote, sondern kaufen Sie nur in verifizierten Onlineshops. Diese erkennen Sie an den entsprechenden, anklickbaren Prüfsigeln. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat hier zusammengestellt, woran Sie einen betrügerischen Onlineshop erkennen. Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat ebenfalls eine Liste mit Tipps zusammengestellt, an denen Sie Fakeshops erkennen.


Amazon beschlagnahmt zwei Millionen Produktfälschungen

Amazon hat in dieser Woche erstmals einen „Comprehensive Brand Protection Report“ veröffentlicht . Der Bericht zum Kampf gegen Produktpiraterie zeigt, dass Amazon allein im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen gefälschte Artikel in seinen Lagern beschlagnahmt und vernichtet hat. Laut dem Online-Händler habe es jedoch nur bei 0,01 Prozent aller über Amazon verkauften Produkte Kundenbeschwerden wegen Fälschungen gegeben.

Amazon hat bereits seit einigen Jahren Probleme mit seiner Händlerplattform Amazon Marketplace. Dort versuchen Betrüger immer wieder, gefälschte Produkte zu verkaufen. Ihrem Treiben wirkte das Unternehmen unter anderem mit höheren Hürden für die Anmeldung eines Händleraccounts entgegen. Diese Hürden im Verifizierungsprozess hätten laut dem Bericht im vergangenen Jahr nur sechs Prozent der Versuche überwinden können. Sechs Millionen Versuche von Betrügern, sich für einen Händleraccount zu registrieren, habe das Unternehmen vereitelt. Für die Anmeldung müssen die Händler unter anderem eine von Amazon gesendete Postkarte zurückschicken oder sich per Live-Video verifizieren. Amazon nutzt außerdem Software um gefälschte Angebote auf seiner Plattform ausfindig zu machen. Hierbei sucht das Unternehmen etwa nach Auffälligkeiten in den Produktbeschreibungen oder Bewertungen.

Weiteres Sicherheits-Update für Chrome

Mit dem Update auf Chrome 90.0.4430.212 für Windows, macOS und Linux beseitigt Google weitere Sicherheitslücken in seinem Browser. Im Chrome Release Blog führt Srinivas Sista diejenigen 15 der insgesamt 19 behobenen Schwachstellen auf, die durch externe Sicherheitsforscher entdeckt und an Google gemeldet worden sind. Darunter sind 13 Lücken, die als hohes Risiko ausgewiesen sind. Die Höhe der an die Entdecker auszuschüttenden Prämien hat Google in den meisten Fällen noch nicht festgelegt oder veröffentlicht.
 

Die Schwachstellen mit hohem Risikopotenzial betreffen zahlreiche Browser-Komponenten. Es handelt sich meist um Pufferüberläufe oder Use-after-free-Lücken. Angriffe, bei denen einer der Schwachpunkte ausgenutzt würde, sind laut Srinivas Sista bislang nicht bekannt. Über die intern gefundenen Sicherheitslücken gibt Google wie immer keine Auskunft. Chrome aktualisiert sich in der Regel zeitnah automatisch, wenn man es lässt.

Die Hersteller anderer Chromium-basierter Browser werden hoffentlich bald nachziehen. Zumindest bei Brave und Microsoft Edge darf noch in dieser Woche mit entsprechenden Updates gerechnet werden. Beide basieren, wie inzwischen auch Opera und Vivaldi, auf Chromium 90.0.4430.93, der Vorversion.

Google will am 25. Mai Chrome 91 veröffentlichen.



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