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Morgenmagazin vom Montag, 12. April 2021

12.04.2021 | 07:15 Uhr | Peter Müller

Warum Apples Produkte in diesem Jahr später kommen +++ Weißes Haus: Anhörung zu Engpässen bei Chips +++ Microsoft will Nuance kaufen +++ AMD Radeon Pro: Neue Workstation-Grafikkarte +++ Starlink: Elon Musks Überall-Internet mit einfachem Preismodell

12. April: Kosmonaut #1

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Der Weltraum - unendliche Weiten. Lebensfeindliche Umgebung, in die noch nie ein Mensch vor jenem Tag heute vor 60 Jahren gelangen konnte. Nur einen Orbit – also eine Umlaufbahn um die Erde – nahm der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin an jenem 12. April 1961, aber hey - auch eine Reise von 1000 Kilometern beginnt mit dem ersten Schritt.

Schon zuvor hatte die Sowjetunion die andere Weltmacht USA herausgefordert, indem sie einen ersten künstlichen Satelliten in das All schoss - jener Sputnik-Schock und der mit dem Oberst der Roten Armee, der gut sieben Jahre später bei einem Übungsflug als letztlich ungeklärten Umständen tödlich verunglückte, veranlasste die USA und deren damals recht frisch ins Amt gekommenen jungen Präsidenten zu einer wahnwitzigen Anstrengung, an deren Höhepunkt der Astronaut Neil Armstrong die von Arthur Miller geschriebenen Worte von dem kleinen Schritt und dem großen Sprung per Funk vom Mond auf die Erde übermittelte.

"Sputnik" heißt so viel wie Weggefährte oder Begleiter, schlicht auch Trabant oder Satellit, ist also ein beschreibender Begriff wie auch "Windows".  Ein weiterer Sputnik-Schock scheint aber den sogenannten Westen durchzuziehen, der Name des Vektorimpfstoffes ist gewiss nicht von ungefähr gewählt. Wenn's denn zielführend ist: In einer schier wahnwitzigen Anstrengung lassen die USA in Drive-Through-Stationen ihre Bürger mit Stoffen impfen, die vielleicht besser aber sicher anders sind als das russische Vakzin. Gleichzeitig unterbinden die Staaten den Export heimischer Produktion, die Verbündeten überlegen nun, ob sie ihrem eigenen Impfstoffmix noch einen Schuss aus Russland hinzugeben, sofern dieser Sputnik seine Wirksamkeit und Sicherheit beweist. Wie auch immer: Vakzine sind für die gesamte Menschheit gedacht und nicht für einzelne Nationen, das Virus hält sich auch nicht an Grenzen. "For All Mankind" gewissermaßen, im Guten wie im Schlechten.

Es war etwas  Zufall, dass die USA am 12. April 1981, exakt zwanzig Jahre nach Juri Gagarins Pionierflug, ihr erstes Shuttle namens Columbia in das All schossen und bei dieser alle Astronauten auch wohlbehalten zurückbekamen - zwei der rund 150 Shuttle-Missionen gingen bekanntlich brutal schief. Technische Probleme hatten den für den 10. April geplanten Start des ersten Shuttles verzögert.

Das Shuttle war an sich schon bei seinem ersten Start technisch veraltet, nicht von ungefähr erzählt die Apple-TV+-Serie "For all Mankind" im fiktiven Jahr 1983 die fiktive Geschichte des renovierten Nachfolgers "Pathfinder" und seiner Crew für den Jungfernflug. In dieser alternativen Realität waren "die Russen" nicht nur die Ersten mit dem Satelliten, dem Hund und dem Mann im All, sondern auch mit dem Mann und selbst der Frau auf dem Mond. Die derart gereizte und angespornte NASA hat in dieser Serie daher Ziele formuliert, die so oder so ähnlich auch schon eine Figur eines Pixar-Films aussprach: "Bis in die Unendlichkeit und weiter!"

Aber all das ist Fiktion, in die wir am Ende der Arbeitswoche gerne wieder per TV eintauchen. Am Anfang dieser Woche erscheint uns die hiesige Problemlösungsstrategie eher kleingeistig und borniert, anstatt von einer Moonshot-Vision wie NoCivid geprägt. Ceterum censeo, Covid esse delendam.

Lesetipps für den Montag:

Eindeutig : Im letzten November 60 Jahre alt geworden, denkt Apple-CEO Tim Cook allmählich an den Ruhestand. Zumindest werde er zu seinem 70sten nicht mehr Chef in Cupertino sein, verriet er letztens einen Teil seiner Pläne im Interview mit Kara Swisher. Unsere Kollegen der Macworld haben nun ihre Leser auf Twitter gefragt, wen sie sich am ehesten als Nachfolger vorstellen könnten. Die Nummer zwei des Unternehmens, COO Jeff Williams kam dabei auf magere 8,8 Prozent der Stimmen, Greg Joswiak mit 6,7 Prozent noch weniger. Klar vorne in der Gunst der Follower liegt Software-Chef Craig Federighi, mit 46,3 Prozent. So ganz ernst darf man das Ergebnis aber nicht nehmen, erhilet die Option "Zombie Steve Jobs" immerhin 38,2 Prozent der Stimmen. Und die Besetzung des Chef-Postens wird Apple nach anderen Kriterien als Sympathie vornehmen, wenn das irgendwann im Lauf der nächsten zehn Jahre notwendig sein wird.

Später: Man kann zwar nicht behaupten, neue iPads Pro und Macbooks Pro würden sich verspäten, da Apple keinerlei Ankündigungen gemacht und Termine genannt hat. Aber in der Tat sind im Jahr 2021 auch nach der ersten April-Dekade keine neuen Produkte herausgekommen, solang Zeit hat sich Apple noch nie gelassen. Dabei dachte man nach den drei virtuellen Herbst-Keynotes, im Frühjahr würde es so oder so ähnlich weitergehen. Michael Simon versucht zu ergründen, woran der relativ ruhige Frühling liegt - und verweist dabei auf einen Nikkei Asia, nachdem Apple mit Komponenten-Knappheit zu kämpfen habe. Es fehle an DIsplays für die neuen iPads, Macbooks würden an Fertigungsproblemen mit den Schaltkreisen leiden. Das Format der virtuellen Keynote hat Apple aber gewisse Flexibilität eingeräumt - womöglich gibt es bereits ein fertig produziertes Video, das man eben erst dann sende, wenn man endlich etwas zu zeigen habe - anstatt einen angekündigten Termin nicht halten zu müssen. Die weltweiten Probleme in der Chip-Produktion würden letztlich auch Apple betreffen, selbst das iPhone 13 könnte in Gefahr geraten, später als sonst zu kommen. Apple werde daher sich auf den A15 konzentrieren und eventuell für 2021 geplante Macs mit Apple Silicon auf das Jahr 2022 verschieben.

Anhörung : Die Chip-Knappheit hat die US-Regierung dazu veranlasst, für den heutigen Montag eine virtuelle Anhörung zu kritischen Lieferketten einzuberufen. Teilnehmen werden hochrangige Vertreter von Google, Intel, AT&T und Samsung, Apple ist via TSMC, das für iPhones, iPads und Macs die Chips herstellt, mit dabei. Durch den Lieferengpass, der zu einem einstweiligen Produktionsstopp bei Ford und GM führte, sieht die Regierung Gefahren für die nationale Wirtschaft und Sicherheit.

Update: Im März hatte Macworld-Autor Jon Jacobi eine Antwort auf den exzessiven Verbrauch von SSDs auf M1-Macs gesucht und daraus eine Gefahrenabschätzung für die Lebensdauer abgeleitet. In der Zwischenzeit haben sich neue Hinweise darauf ergeben, dass vor allem die Übersetzungsschicht Rosetta 2 für die Auslagerung von Arbeitsspeicher auf die SSD Verantwortung tragen könnte. Die Beweise seien zwar nicht eindeutig, die Theorie klingt aber plausibel, dass nicht für M1-Macs angepasste Programme für eine große Anzahl von Schreib- und Lesezyklen auf der SSD der M1-Macs sorgen würden.

Selten: Briefmarken werden erst so richtig wertvoll, wenn sie aus einem Fehldruck stammen. Ähnliches ist angeblich mit einem iPhone 11 Pro in Mitternachtsgrün passiert, auf dessen Rücken das Apple-Logo nicht mittig prangt, sondern leicht recht versetzt und etwas schief. Dafür gebe eine Chance von eins zu 100 Millionen oder noch schlechter, behauptet der Twitterer @Archiveinternal und auch, dass der "Fehldruck" für 2700 US-Dollar den Besitzer gewechselt habe - was im Vergleich zu Schwarzen Einsern und Blauen Mauritius geradezu ein Schnäppchen ist. Die Behauptungen lassen sich aber kaum verifizieren, mit Photoshop kann man Logos ja recht gut verschieben …

Übernahme: Laut Bloomberg will Microsoft den Spezialisten für Spracherkennung Nuance übernehmen, die Rede ist von einem Kaufpreis von 16 Milliarden US-Dollar oder 56 US-Dollar pro Aktie - 23 Prozent mehr, als das Papier zu Börsenschluss am Freitag wert war. Eine mögliche Akquise könnte auch Apple betreffen, ist Nuance doch der Technologiepartner hinter der digitalen Sprachassistenti Siri, was Sprecherkennung und -ausgabe betrifft. Zumindest hatte Nuance das im Jahr 2013 noch so bestätigt, wie weit sich Apples eigene Technik auf Nuance-Vorlagen aufbauend seither entwickelt hat, ist offen.

Weitere Nachrichten:

AMD Radeon Pro: Neue Workstation-Grafikkarte

Mit der RX-6000-Reihe hat AMD derzeit Grafikkarten im Angebot, die gegenüber der Konkurrenz von Nvidia durchaus punkten können. Doch genau wie die Karten des Gegenspielers sind auch die Modelle von AMD nur schwer zu bekommen. AMD will sich aber auch weiterhin nicht nur auf den Spieler-Markt konzentrieren, sondern die Neuerungen der RX-6000-Reihe auch in Profi-Grafikkarten für Workstations einfließen lassen. Im Forum von Chiphell.com sind Fotos einer Radeon Pro-Karte aufgetaucht, die wohl bald in den Handel kommen könnte. Die besagte Karte verfügt über 16 GB VRAM und soll genügend Leistung für den Einsatz in Workstations mitbringen.

Dem Aufkleber auf der Karte zufolge handelt es sich bei dem Modell um ein Produkt namens „Full Secure TT GLXL“. Details über die genauen Spezifikationen sind nicht bekannt. Interessant ist jedoch das Kühlkonzept in Form einer Blower-Kühlung mit einem einzelnen Lüfter. Inwieweit die geringere Anzahl an Lüftern Einfluss auf die Taktung hat, bleibt offen. Im Vergleich zu den Gaming-Modellen gibt es auch Änderungen am Board-Design. So wurden die Stromanschlüsse verlagert und einige MOSFETs umplatziert. Die Kondensatoren hinter dem Grafikchip deuten jedoch darauf hin, dass auch hier eine Navi 21-GPU zum Einsatz kommt. Wann die neuen Profi-Grafikkarten von AMD in den Handel kommen, bleibt unklar. 

 

Mit Starlink will Elon Musk einen weltweiten Satelliten-basierten Internetzugang anbieten. Damit soll die Internetnutzung endlich auch in Gebieten möglich werden, in denen bisher mangels Kabel- oder Mobilfunkverbindung kein Internet verfügbar war. Jetzt hat eine führende Starlink-Managerin verraten, wie einfach das Preismodell für Starlink sein soll.

CNBC berichtet , dass Gwynne Shotwell, Präsidentin von Space X (Elon Musks Raumfahrtunternehmen Space X ist auch für das Starlink-Programm verantwortlich) für den Internetzugang via Starlink von einem Einheitspreis für alle Nutzer ausgeht.

Derzeit zahlen alle Nutzer 99 US-Dollar pro Monat für Starlink. Und bei einem Preis, der für alle Nutzer identisch ist, soll es auch künftig und nach Ende der Betaphase bleiben. Also ein Preis für das komplette Angebot. Space X will also kein abgestuftes Tarifmodell mit unterschiedlichen Preisen anbieten. Space X will ein so einfaches und transparentes Preismodell wie nur möglich anbieten, so die Begründung von Shotwell. Zu dieser monatlichen Gebühr kommen noch 499 Dollar als Einmalzahlung für das Starlink-Kit mit dem Terminal und dem Wlan-Router.

Aktuell können ausgewählte Nutzer in den USA, Kanada, Großbritannien und Neuseeland Starlink für genau diese 99 Dollar im Rahmen des im Oktober 2020 gestarteten Beta-Testprogramms ausprobieren. Auch in Deutschland soll die Teilnahme am Betaprogramm wohl möglich sein, hier können Sie testweise Ihre Adresse eingeben . In der Eurozone werden die Dollarpreise 1:1 in Europreise umgewandelt.

Bis jetzt hat Space X über 1200 Starlink-Satelliten ins All geschossen, die um die Erde kreisen. Die Betaphase dauert noch immer an und Space X hat sich noch nicht dazu geäußert, wann die Testphase beendet werden soll. Laut Shotwell habe Space X noch viel zu tun, um Starlink absolut zuverlässig zu machen. Space X plant darüber hinaus langfristig, dass Starlink nicht nur bei den Benutzern zu Hause, sondern auch in sich bewegenden Fahrzeugen wie zum Beispiel in Flugzeugen oder LKWs nutzbar sein soll. Vorerst allerdings stehen die Endverbraucher im Fokus. Allein in den USA sieht das Unternehmen 60 Millionen potenzielle Kunden in den ländlichen Gegenden der USA.

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