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Morgenmagazin vom Montag, 16. April 2021

16.04.2021 | 07:12 Uhr | Peter Müller

Apple legt Restore Fund auf: 200 Millionen US-Dollar zur Aufforstung +++ Fünf Wünsche für watchOS 8 +++ Gesetz gegen Big Tech auf dem Weg gebracht +++ Chip der US-Armee soll Corona unter der Haut erkennen +++ Blue Origin: Erster bemannter Start in Kürze geplant

16. April: Zwei Tage Premiere

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Am Dienstag also geht es los mit dem Apple-Produktjahr. Das letzte Jahr hat uns gelehrt, nicht zu viele Neuheiten auf einmal zu erwarten, dafür sollte es mehr kurze und knackige Events geben. Keine Keynotes, die über zwei Stunden dauern, sondern 45- oder 60-minüter. Auch nicht schlecht. Eine Vorstellung, die sich über zwei Tage hinzieht, wird es kaum geben.

Damit Apple aber von dem Projekt einiger Nerds innerhalb von nunmehr 45 Jahren zum wertvollsten Unternehmen der US-Börsengeschichte werden konnte, hängt mit einer Produktvorstellung zusammen, die sich eben über zwei Tage hinzog, den 16. und 17. April 1977.

Es war in den Frühzeiten des Unternehmens, als es noch Klingeln putzen gehen musste, etwa bei Händlern und natürlich jede Gelegenheit wahr nahm, sich auf Messen zu präsentieren. Die Keynote halten durfte damals noch kein Steve, weder Jobs noch Wozniak.

Die West Coast Computer Faire war die Gelegenheit für das Startup, sein zweites Produkt zu zeigen, ziemlich genau ein Jahr nach Gründung und Vorstellung des Apple I. Der Apple II wurde schließlich zu dem Gerät, das die Grundlage für Apples Erfolg legte, mehr noch als der legendäre Apple I. Um diesen kreisen sich zwar die besseren Geschichten, schließlich war er nicht viel mehr als ein Bausatz, der gerne in Gehäusen aus Holz zum Einsatz kam, und der heute noch auf Auktionen in funktionsfähiger Form mehrere 100.000 US-Dollar Erlös erzielen kann. Den Apple I hatte Steve Jobs bereits in bedeutenden Stückzahlen an den Computerhändler The Byte Shop verkauft, bevor Steve Wozniak überhaupt sagen konnte, wie viele der Rechner er würde bauen können. Und schließlich der empfohlene Verkaufspreis: 666,66 US-Dollar.

Doch der Apple II wurde erst zum Massenerfolg - und gewissermaßen zu Apples ersten richtigen Computer, zumindest, wie wir uns heute einen Computer vorstellen. Denn das Gehäuse hatte Apple von Anfang an mit konzipiert, in einem für die damalige Zeit unerhörten Farbton: beige. Das Design kam von Jerry Manock, der später auch noch am Macintosh mitarbeitete. Erstmals war der Apple II in der Lage Grafik auszugeben und auch Farbe auf den Bildschirm zu bringen. Vor allem in Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen setzte sich der Apple II durch - mit Variationen behielt ihn Apple noch bis zum Jahr 1993 im Programm. Ein wahrer Dauerbrenner, der dem jungen Unternehmen das Geld einbrachte, das es brauchte, um später mit dem Macintosh die junge PC-Industrie nochmals komplett zu verändern.

In der ersten Staffel von "For All Mankind" auf Apple TV hatte man noch die in anderen Serien wie "The Morning Show" noch allgegenwärtigen Apple-Produkte vermisst, aber die spielte ja in den Jahren vor der von Apple angestoßenen Revolution. Umso schöner, im fiktionalen Jahr 1983 nun einen Apple II bei der Arbeit zu sehen - in der dritten Staffel sollten dann endlich Macs auf dem Plan erscheinen.

Lesetipps für den Freitag

Umwelt: Apple legt mit Partnern den 200 Millionen US-Dollar schweren "Restore Fund" auf, der im Wesentlichen Wiederaufforstungsprojekte unterstützen soll. Das Ziel sei es, pro Jahr mindestens eine Million Tonnen CO 2 aus der Atmosphäre zu holen und sie in Bäumen zu binden. Das Projekt, das Apple zusammen mit Conservation International angeht, ist Teil von Apples Bemühungen, in der gesamten Lieferkette bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden.

Wunschliste: Auch watchOS 8 steht auf dem Plan der WWDC, die in etwas mehr als sieben Wochen beginnen wird. Jason Cross hat einige Features zusammengetragen, welche die Uhr mit dem nächsten Update bekommen sollte, durchaus realistisch, dass einige davon auch tatsächlich kommen werden. So könnte die Apple Watch etwa warnen, wenn sie die Verbindung zum iPhone zu verlieren droht, dieses vergisst man dann weit seltener, mitzunehmen. Ein Facekit für Entwickler könnte die Vielfalt von Zifferblättern erhöhen, diese könnten sich mit einer Einstellung etwa nach Tageszeit automatisch ändern. Weitere Ringe, die man selbst konfigurieren könnte, würden etwa die Schlafdauer oder die Kalorienaufnahme anzeigen. Nicht zuletzt wäre eine native App für Notizen auf der Apple Watch eine willkommene Neuerung.

Trick: Der App Store ist ein sicherer Ort, betont Apple immer wieder und weist darauf hin, dass es mehr als die Hälfte der eingereichten Apps zurückweise. Und doch gelingt es immer wieder einzelnen Entwicklern, die Kontrollmechanismen des App Store zu umgehen. So berichtet Apple Insider über einen neuen Trick: Die App  "Jungle Runner 2k21", die ein harmloses Plattform-Spiel für Kinder zu sein scheint, entpuppt sich in der Türkei oder unter einem VPN, das auf die Türkei weist, als Tor zu einem Online-Casino. Auch in Italien und Kasachstan wird aus dem Kinderspiel ein verstecktes Casino, nur sind es dort andere Anbieter. Apple hat nach Entdeckung des Schlupflochs die App aus dem Store geworfen.

Zufall : Apple setzt sein Vorhaben nun um, Produkten randomisierte Seriennummern zu geben. Aus den zehn- bis zwölfstelligen Seriennummern konnte man bisher Rückschlüsse auf den Produktionszeitpunkt ziehen, mit der neuen Nomenklatur wird das nicht mehr möglich sein. In einem Memo an autorisierte Händler, das Macrumors vorliegt, weist Apple darauf hin, dass die bereits länger geplante Maßnahme nun greifen werde und man seine Inventarlisten entsprechend anpassen muss. In der kommenden Woche dürfte Apple neue Produkte vorstellen und diese zügig in den Handel bringen.

Gesetzgebung : Der Justiz-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hat eine Vorlage für ein Antikartellgesetz verabschiedet, das der Abgeordente der Demokarten aus Rhode Island, David Cicilline eingebracht hat. Der Report kann nun vor beiden Kammern des Kongresses verhandelt werden und als Grundlage eines Gesetzes dienen, das Big-Tech-Unternehmen stärker reguliert. "Amazon, Apple, Google und Facebook haben jeweils Monopolmacht über bedeutende Bereiche unserer Wirtschaft. Diese Monopolstellung muss beendet werden," kommentiert Cicilline die Vorlage. Apple ist vor allem wegen des App Stores in das Visier der Legislative geraten, wobei Apple selbst eine Monopolstellung seines Angebots dementiert.

Rückspiel gewonnen: Der Gerichtsbezirk von Ost-Texas gilt als freundlich den Inhabern von Patenten gegenüber, weshalb die meisten Patenttrolle dort auch gegen Industriegrößen klagen, um Lizenzgebühren und Schadensersatz zu erstreiten. Aber genau dort hat Apple nun eine Berufung gegen Optis Wireless gewonnen, das in erster Instanz von Apple wegen angeblicher Verletzung von Patenten um LTE noch einen Schadensersatz in Höhe von 506 Millionen US-Dollar zugesprochen bekam. Apple, das nie über Lizenzen mit Optis verhandelt habe, konnte nach Ansicht des Gerichts aber nach einer genaueren Untersuchung seiner Hardware beweisen, dass es keines der von Optis beanspruchten Patente verletze.

Weitere Nachrichten:

Chip der US-Armee soll Corona unter der Haut erkennen

Viele Leugner der Coronakrise fürchten sich bei der Impfung vor implantierten Chips, die den Träger permanent überwachen. Einen solchen Chip hat die US-Behörde für militärische Forschung, DARPA, tatsächlich entwickelt. Der Chip soll unter der Haupt angebracht werden und daraufhin regelmäßig das Blut auf eine Erkrankung mit Sars-CoV-2 untersuchen. Mit einem Sender kann der Gesundheitsstatus dann übermittelt werden. Somit könne der Träger schnell vor einer Erkrankung gewarnt werden, sich selbst isolieren und somit weitere Ansteckungen verhindern.

Anlass für die Entwicklung des Chips war die hohe Verbreitung des Coronavirus unter US-amerikanischen Soldaten. Allein auf dem Flugzeugträger Theodore Roosevelt steckten sich knapp 1.300 Besatzungsmitglieder mit dem neuartigen Virus an. Generell sei die US-Armee besonders stark betroffen: Von den 1,3 Millionen Soldaten wurden bereits 250.000 positiv getestet. Das von der DARPA unter der Leitung von Dr. Matt Hepburn entwickelte System soll entsprechend auf US-Schiffen und in ähnlichen militärischen Einheiten eingesetzt werden. Noch stünde jedoch die letzte Testphase bevor, danach sollen die Chips im Einsatz bestehen. Die bisherigen Ergebnisse geben den Forschern recht: Schon einen Tag nach der Warnung traten bei den Probanden erste Symptome auf. Für bereits erkrankte Menschen hat die DARPA ebenfalls ein experimentelles System in Arbeit. Durch einen neuartigen Filter in Dialyse-Maschinen sollen sich die Coronaviren aus dem Blut extrahieren lassen. Der Filter verfüge bereits über eine Notfallzulassung durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA. In 300 Fällen hätten Mediziner bereits auf das System zur Blutreinigung zurückgegriffen.

Blue Origin: Erster bemannter Start in Kürze geplant

Am gestrigen Mittwoch führte das US-Raumfahrtunternehmen Blue Origin einen erneuten Start der Rakete New Shepard durch. Bei dem suborbitalen Flug sollten die wiederverwendbaren Booster sowie das Kapsel-System für bemannte Flüge getestet werden. Die Booster konnten wie geplant einige Kilometer von der Startplattform sanft zu Boden gehen. Auch die Besatzungskapsel landete nach drei Minuten in der Schwerelosigkeit gebremst von drei Fallschirmen zehn Minuten nach dem Start wieder sicher am Boden. 

Der bislang 14. Start wurde wieder unbemannt durchgeführt. An Bord befand sich lediglich die Testpuppe mit dem Namen „Mannequin Skywalker“. Doch dies soll sich laut Firmenchef Jeff Bezos bald ändern: Schon bei diesem Start waren vier Astronauten beteiligt, die alle Startvorbereitungen mit ausführten. Dazu gehörte auch das Platznehmen in der Kapsel sowie das Schließen der Klappe. Die Crew musste die Kapsel aber geplant 15 Minuten vor dem Start verlassen. Wann genau der erste bemannte Start ansteht, bleibt aber noch offen. Man strebe aber „bald“ einen ersten Flug mit Astronauten an. Eigentlich sollten schon vor dem Ende des Jahres 2020 erste bemannte Flüge bei Blue Origin durchgeführt werden. Doch diese Starts mussten immer wieder verschoben werden. 

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