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Morgenmagazin vom Montag, 16. Dezember 2019

16.12.2019 | 07:04 Uhr |

Coltan: Klage gegen Apple und andere +++ Time kürt Gadgets des Jahrzehnts - drei von Apple +++ Neue Dialoge zu notarisierten Apps in Catalina +++ Xbox Series X: Microsoft stellt neue Konsole vor +++ Radarwarn-Apps: 75 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg +++ Spektakulär: NASA-Sonde nimmt im Tiefflug Probe von Asteroiden

16. Dezember

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Langsam findet das Jahr sein Ende, fünf Arbeitstage noch, dann gehen wir von der Macwelt in den Weihnachtsurlaub. Wieder ein interessantes Jahr gehabt, mit viel Berichtenswertem, reichhaltig quasi von A bis Z. Oder gar ZZ. Und ein Top kommt dann noch wie jedes Jahr am Schluss. Man mag es kaum glauben, aber der Gitarrist der texanischen Bluesrockband ZZ Top, Billy Gibbons, wird heute erst 70 Jahre alt. Dabei hatte er schon vor 40 Jahren einen Bart, der gefühlt 70 Jahre lang gewachsen ist. ZZ Top sind indes schon länger in Rente gegangen, oder hat das nur den Anschein? Die letzte "Neuveröffentlichung" der Band in Apple Music ist ein Live-Album mit einem Konzert aus dem Jahr 1980. Nun ja, wir ziehen uns lieber die 85er-Scheibe "Afterburner" rein, in der Gewissheit, uns den 2400 Euro teuren Afterburner für den Mac Pro nicht leisten zu können, weil es schon an der finanziellen Ausstattung für den Rechner an sich mangelt. Bei Apple kam 2019 definitiv das Beste zum Schluss, bei allem Respekt vor den 11er-Phones …

Bevor wir uns die letzte Arbeitswoche des Jahres machen, feiern wir noch einen anderen Jubilar, den am 16. Dezember 1917 geborenen Science-Fiction-Schriftsteller Arthur C. Clarke. Die beinahe biblischen 102 Jahre zu erreichen, war ihm leider nicht vergönnt, doch konnte er, als er 90-jährig im März 2008 verstarb, immerhin noch miterleben, welche seiner Fantasien Realität wurden und welche nicht.

Im Fall von "2001" lag er mit dem Jahr kräftig daneben, aber vielleicht nicht einmal mit den Inhalten der Odyssee im Weltraum. Die künstliche "Intelligenz" der Computer könnte in der Tat noch einmal zur Bedrohung werden, bemannte Flüge in die Jupiter-Laufbahn bleiben indes für Jahrzehnte wenn nicht gar Jahrhunderte unwahrscheinlich.

Wo Clarke aber einen Volltreffer gelandet hatte, war bei seiner Vision der Vernetzung von Computern zu Kommunikationszwecken, man kann sagen, der Physiker und Autor hat gewissermaßen das Internet vorher gesehen. So sehr uns auch die Geschichten aus einer weit, weit entfernten Galaxis von vor langer, langer Zeit erinnern, bei Star Wars sind die Planeten, Spezies und Raumfahrzeuge doch nur Kulisse für bewährte Kriegs- und Familiendramen. Wohingegen in Clarkes Werk noch sehr viel Wissenschaft steckt. Aber irgendwie zieht es uns in dieser Woche dann doch ins Kino, um den Aufstieg Skywalkers zu sehen. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Am anderen Ende : Der Mac Pro ist gewiss ein eindrucksvolles Gerät, doch werden ihn nur wenige Leute kaufen. Auch das zuletzt renovierte Macbook Pro ist ein Laptop für den professionellen Markt. Nun wäre es für Apple wieder an der Zeit, sich um den Consumermarkt zu kümmern, meint Dan Moren in seiner Kolumne "Stay Foolish". Nach dem Aus des 12-Zoll-Macbook im vergangenen Sommer besteht da eine Lücke, die auch das Macbook Air nicht so recht füllen kann. Und schon gar nicht das iPad, denn wer einen Mac wünscht, gibt sich nicht mit einem Tablet zufrieden. Apple hört auf seine Kunden, es bliebe nur zu hoffen, dass es diesmal nicht auch wieder zweieinhalb Jahre dauert.

Klage : Der wunde Punkt der Elektronik sowie der Elektromobilität sind Lithiu-Ionen-Batterien - auch und gerade wegen der bedingen, unter denen das dafür nötige Kobalt gewonnen wird. Das zugrunde liegende Mineral Coltan stammt vorwiegend aus der Demokratischen Republik Kongo und wird dort unter teils fragwürdigen Bedingungen in Minen von Warlords auch von Kindern abgebaut. Apple versucht zwar stets die Herkunft der für seine Produkte notwendigen Rohstoffe zu belegen und besteht darauf, kein Konfliktmaterial zu beziehen, doch das hat nicht verhindert, dass der Mac-Hersteller in eine Sammelklage aufgenommen wurde, die sich auch gegen Microsoft, Tesla, Google und Dell richtet. Der Vorwurf: Die Unternehmen würden es zumindest billigend in Kauf nehmen, Kobalt aus Minen zu beziehen, in denen Kinderarbeit an der Tagesordnung ist und somit von den illegalen Aktivitäten der Warlords profitieren. "Die Kinder, die  Kobalt für die Angeklagten im Bergbau abbauen, werden nicht nur zur Vollzeitarbeit gezwungen, auf Kosten ihrer Ausbildung und Zukunft", heißt es in der Klage, "sie werden regelmäßig auch verstümmelt und durch Tunneleinbrüche und andere bekannte Gefahren getötet, die im Kobaltbergbau in der Demokratischen Republik Kongo üblich sind". Eingereicht hat die Klage der Menschenrechtsanwalt  Terrence Collingsworth von International Rights Advocates im Namen zahlreicher Kläger aus dem Kongo am Bezirksgericht im District of Columbia.

Land : Apple baut einen zweiten großen Campus im texanischen Austin, bis Ende letzten Jahres war aber noch die Gegend zwischen Raleigh, Durham und Chapel Hill im Gespräch, jenem "Forschungsdreieck" in North Carolina. Anscheinend war Apple aber im Vorfeld zu viel Geschnatter über die Ausgestaltung der Pläne, weswegen sich das Unternehmen einen ruhigeren Platz suchte. Endgültig den Rücken gekehrt hat der Mac-Hersteller dem Staat an der Ostküste aber noch nicht, wie Apple Insider berichtet. Das in Frage kommende Land gehört nach wie vor Apple, Details würde der Wirtschaftsminister des Staates Tony Copeland aber erst nennen, wenn sich Apple endgültig dazu entscheiden würde, die Pläne aufzugeben.

Neue Dialoge: In macOS 10.15.2 hat Apple die Dialogboxen überarbeitet, die auftauchen, wenn man eine notarisierte App lädt, die nicht aus dem Mac App Store stand. In den ersten beiden Versionen von Catalina hieß es noch: "Apple hat diese App auf Schadsoftware überprüft und keine gefunden." Nun sagt die Dialogbox wieder zuletzt in Zeiten von Mojave: "Diese App ist aus dem Internet herunter geladen, wollen Sie sie öffnen?". Das ist im Prinzip der gleiche Dialog wie bei nicht notarisierten Anwendungen, es fehlt nur im Gatekeeper-Symbol das gelbe Warndreieck. Die nicht angekündigte (Rück-)Änderung könnte jedoch zu Verwirrung bei Entwicklern und Kunden führen, kritisiert The Eclectic Company - einige könnten nun befürchten, von Malware betroffen zu sein.

Rückblick : Nein, das Jahrzehnt endet erst in etwas mehr als einem Jahr. Dennoch gesellen sich zu den jahreszeitüblichen Jahresrückblicken nun auch Retrospektiven auf die Dekade - zugegebener Weise enden die 10er Jahre in 15 Tagen. Das Time Magazine hat daher die "Gadgets des Jahrzehnts" gekürt, drei von Apples Produkten haben es auf die zehn Geräte umfassende Liste geschafft. Das sind das 2010 vorgestellte iPad, die Apple Watch von 2015 und die AirPods aus dem Jahr darauf. Der Grund, warum das iPhone nicht dabei ist? Das haben wir schon seit den Nullerjahren in unseren Taschen. Mit dabei sind auch das Tesla Model S, der Chromecast, Amazons Echo, die Nintendo Switch, der Raspberry Pi, die DJI Phantom und  der Xbox Adaptive Controller.

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Xbox Series X: Microsoft stellt neue Konsole vor

Aus "Xbox Project Scarlett" wird Xbox Series X: Microsoft hat nun - etwas überraschend - den offiziellen Namen und das Design seiner nächsten Generation der Xbox-Spielekonsole vorgestellt. Als große Bühne für die Ankündigung wurden dabei die von Millionen Gamern weltweit per Stream verfolgte Veranstaltung "The Game Awards 2019" genutzt, die sich in den vergangenen Jahren quasi zu der "Oscar-Preisverleihung" für Spiele gemausert hat und vom Spielejournalisten Geoff Keighley veranstaltet wird.

Mit "The Game Awards 2019" wollte sich Microsoft offenbar eine möglichst große Aufmerksamkeit für die Präsentation seiner nächsten Spielekonsolen-Generation sichern. Schließlich schauen beim Stream auch Nicht-Xbox-Fans zu.

Mit der Vorstellung von "Xbox Series X" (und dem Zusatz "Power your Dreams") endet offiziell auch die Verwendung des Code-Namens "Project Scarlett". In dem Enthüllungstrailer wird die Spielekonsole in einem schwarzen, Obelisk-förmigen Gehäuse gezeigt. Der Name "Xbox Series X" deutet an, dass Microsoft nicht nur eine neue Spielekonsole in das Rennen schicken wird, sondern mindestens zwei Modelle. Zuletzt gab es das Gerücht, dass neben einem äußerst leistungsfähigen Modell auch eine etwas schwächere und dafür günstigere Variante auf den Markt kommen könnte. Die Mehrzahl im Namen "Xbox Series X" bestätigt quasi die Gerücht. Alternativ könnte sich Microsoft aber auch dazu entscheiden, die bereits erhältliche Xbox One X quasi zum kleinen Bruder der neuen, stärkeren Spielekonsole zu küren. Wir werden sehen...

Interessant ist auch das Gehäuse für die Xbox Series X: Im Gegensatz zu allen bisherigen Xbox-Konsolen steckt die Technik für die neue Spielekonsole nicht in einem "Kasten", sondern eher in einem Obelisk-förmigen Gehäuse, welches weniger breit und dafür umso höher ist.

Die Tiefe der neuen Konsole dürfte etwas mehr dem Umfang einer Blu-Ray-Disc entsprechen, denn das Laufwerk ist unten links positioniert und die Disc wird hochkant in das Laufwerk eingelegt. Unterm Strich ähnelt das Gehäuse der Xbox Series X damit eher einem PC-Tower-Gehäuse als einer klassischen Spielekonsole.

Wie groß die Xbox Series X tatsächlich ist und ob man sie auch liegend - quasi wie eine Soundbar - nutzen kann, wird sich wohl zu einem späteren Zeitpunkt zeigen. Denn Microsoft hat sich viele Ankündigungen zur Xbox Series X noch für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben.

Neue Details zum Innenleben gab es beispielsweise noch nicht. Bisher ist nur bekannt, dass Microsoft die AMD-basierte Zen-2- und Navi-Technologien als CPU beziehungsweise GPU nutzt. Von der Leistung her soll die Xbox Series X mindestens vier Mal schneller als die bereits existierende Xbox One X sein.

Bei all den offenen Fragen gab es aber dann noch eine weitere Premiere, denn Microsoft stellt zum ersten Mal in einem Trailer die zu erwartende Spielegrafik in einem Game vor, welches für Xbox Series X erscheinen wird. Gezeigt wurde der Trailer zu Senua´s Saga: Hellblade 2 , welches das mittlerweile zu Microsoft-Games-Studios gehörende Ninja Theory als Nachfolger zu Hellblade entwickelt.

Die im folgenden Video zu sehende Grafik stammt laut den Entwicklern aus der für Xbox Series X entwickelten neuen Spieleengine und nutzt die Fähigkeiten der neuen Spielekonsolen-Generation damit voll aus. Ein optischer Leckerbissen ist der Clip auf alle Fälle.

Radarwarn-Apps: 75 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg

Während des Jahres 2020 treten neue Regeln für die Straßenverkehrsordnung in Kraft. Die Bundesregierung hat den Plänen von Verkehrsminister Andreas Scheuer bereits zugestimmt, die Entscheidung im Bundesrat wurde jetzt wegen der vielen Änderungswünsche der Länder auf Mitte Februar 2020 verschoben.

Auch Smartphone-Nutzer sind von den Änderungen betroffen. Denn ab Inkrafttreten der neuen Regeln im Jahr 2020 sind Smartphone-Apps, die vor Geschwindigkeitskontrollen warnen, explizit verboten. Der ADAC schreibt dazu folgendes: „Blitzer-Apps auf Smartphones und Navigationsgeräte, die auf Blitzer aufmerksam machen, sind genauso verboten wie Radarwarner. Die Geldbuße dafür beträgt 75 Euro. Außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg.“ Damit beendet der Gesetzgeber die bisherige juristische Grauzone. Diese unklare rechtliche Situation haben wir vor längerer Zeit in diesem Ratgeber skizziert: Radarwarner - was ist erlaubt und was nicht?

Auch Google testet bei Google Maps Radarwarner, wie Sie hier nachlesen können Google Maps: Radarwarner werden ausprobiert.

Die weiteren Neuerungen der Straßenverkehrsordnung für das Jahr 2020 umfassen beispielsweise härtere Strafen für Rettungsgassen-Verstöße und vor allem hohe Strafen für das Durchfahren der Rettungsgasse. Das Halten in zweiter Reihe wiederum kostet künftig mindestens 55 Euro, bei Behinderung sogar 70 Euro und man bekommt zusätzlich einen Punkt in Flensburg.

Ebenso bestraft der Gesetzgeber das Parken auf Geh- und Radwegen ab dem Jahr 2020 härter. Außerdem gibt es Neuerungen bei Busstreifen (die für PKWs mit mindestens drei Insassen freigegeben werden können; dafür gibt es künftig ein eigenes Verkehrszeichen), beim Grünpfeil-Schild nur für Radfahrer, bei der Einrichtung von Fahrradzonen, beim Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern, bei Parkplätzen für Carsharing-Fahrzeuge und noch bei einigen anderen Fällen.

Der ADAC hat hier alle Neuerungen zusammengestellt. Dort finden Sie auch einige der ab 2020 gültigen neuen Verkehrszeichen abgebildet.

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Spektakulär: NASA-Sonde nimmt im Tiefflug Probe von Asteroiden

Die US-Raumfahrtorganisation NASA hat jetzt den Krater auf dem Asteroiden Bennu (Durchmesser zirka 492 Meter) festgelegt, in dem die NASA-Sonde OSIRIS-REx eine Probe von dem Asteroiden entnehmen soll. OSIRIS-REx umkreist bereits seit einem Jahr den Asteroiden Bennu. Während dieser Zeit hat OSIRIS-REx die Oberfläche des Asteroiden mit unterschiedlichen Kameras und Instrumenten erfasst. Die Oberflächenstruktur von Bennu sollte damit den Wissenschaftlern einigermaßen bekannt sein. Mit diesem Wissen machten sich die Forscher auf die Suche nach einem geeigneten Standort für die Probenentnahme.

Im Sommer 2020 soll die spektakuläre Aktion dann über die Bühne gehen. Mindestens 60 Gramm Material soll die Sonde dann aufnehmen. Der Zielkrater ist im Durchmesser 140 Meter breit und hört auf den Namen Nightingale („Nachtigall“). Die NASA-Wissenschaftler entschieden sich für diesen Krater, weil sie hoffen, dort am ehesten organisches Material oder Wasser zu finden. Denn der Krater befindet sich relativ weit im Norden des Asteroiden, wo es kühler ist, so dass sich dort eher organisches Material und Wasser erhalten haben könnte. Zudem scheint der Krater vergleichsweise jung zu sein, so dass das darin befindliche Material wohl recht lang geschützt und unverändert im Inneren des Asteroiden war.

Dieses Material könnte aus der frühen Entstehungsphase unseres Sonnensystems stammen. Die NASA will damit also einen Blick zurück auf die Anfänge unseres Sonnensystems vor einigen Milliarden Jahren werfen. Denn Asteroiden gelten als steinerne Zeugen der Entstehung unseres Sonnensystems.

Der Anflug auf den Krater dürfte aber nicht einfach werden. Denn das Zielgebiet ist von hohen Felswänden umgeben, die gesamte Asteroidenoberfläche ist holprig und felsig. Das hatten die Wissenschaftler aufgrund ihrer vorangegangenen Untersuchung des Asteroiden von der Erde aus so nicht erwartet. Sie hatten eigentlich eher mit einer weichen, sandigen Oberfläche mit nur einigen Felsbrocken gerechnet.

Die Sonde setzt im Juli 2020 nicht direkt auf dem Asteroiden auf, sondern fliegt ganz knapp über dessen Oberfläche hinweg. Um die Probe entnehmen zu können, besitzt OSIRIS-REx einen dünnen Roboterarm. Dieser Probenentnahmearm berührt für rund fünf Sekunden die Oberfläche des Asteroiden und saugt dabei Material, das er mit Stickstoff aufwirbelt, in die Sammelkammer hoch. All das passiert vollautomatisch, die Bodenstation kann nicht eingreifen.

Sollte OSIRIS-REx aber einen besonders dicken Brocken erwischen, dann könnte dieser den Probenentnehmer beschädigen oder verstopfen.

Sollte der Versuch in der „Nachtigall“ scheitern, könnte die Sonde zu einem anderen Krater namens Osprey ausweichen.

2021 soll OSIRIS-REx die Umlaufbahn um Bennu verlassen. Im September 2023 soll sich der Sammelbehälter von der Sonde trennen und in der Wüste des US-Bundesstaates Utah landen.

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