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Morgenmagazin vom Montag, 18. April 2016

18.04.2016 | 07:05 Uhr |

Apple hält Hacker für gefährlicher als das FBI +++ Facebook will News-Aggregator werden +++ Was dem Project Titan zum Apple Car fehlt +++ Apple stellt Support für QuickTime unter Windows ein +++ App Store: Entwickler zahlen für prominente Platzierung +++ Microsoft verklagt die US-Regierung wegen Durchsuchungen +++

18. April: Amateurfunker in der Montanunion

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Das Internet hat unsere Leben in den letzten Jahren, gar Jahrzehnten massiv verändert und viel Neues gebracht, aber auch viel von dem Alten, das uns am Herzen lag, in das Museum geschickt. Anlässlich der Gründung der International Amateur Radio Union (IARU) heute vor 91 Jahren in Paris denken wir am heutigen Weltamateurfunktag, wie es noch vor 30 Jahren schwierig war, mit Menschen auf der anderen Seite des Globus zu kommunizieren. Klar, wer Bekannte oder Verwandte in Amerika hatte, konnte zum Telefonhörer greifen und den Gebührenzähler förmlich heißlaufen sehen. Oder einen Brief schreiben, der per Luftpost in den markanten rot-blau-gerandeten Umschlägen schon in ein paar Tagen beim Empfänger war. In näher gelegene östliche Gebiete ließ sich damals weit schlechter kommunizieren, daran erinnert man sich auch noch recht ungern.

Nicht wenig technische Begeisterte schafften sich dann lieber ein Funkgerät an, organisierten sich eine individuelle, weltweit gültige Kennung und durchforsteten das elektromagnetische Spektrum nach Signalen anderer Amateure aus der ganzen Welt. Oder sandten ihre eigenen Botschaften aus. Dieser Art der Kommunikation frönen auch heute noch einige Enthusiasten - es geht dabei wohl weniger um die Kommunikation und über den gegenseitigen Austausch der Lebensgeschichten, sondern um einen gewissen sportlichen Ehrgeiz, etwa Funksignale von den Bermudas oder von der Antarktis aufzuschnappen. Die Süddeutsche Zeitung hat im Januar über Amateurfunker berichtet, die auch in Zeiten des weltumspannenden Kommunikationsnetzes nach dem Rauschen des Himmels suchen. Allzeit gut Funk, oder was man sonst so in Funkerkreisen wünscht!

Amateurfunker haben aber wohl am ehesten realisiert, dass die Welt dank technischer Innovation immer mehr zusammen wächst. Globale Kooperation wird angesichts der von exponentiellen Wirtschaftswachstum ausgelösten Probleme immer wichtiger, es gibt längst kein hier und dort mehr. Einen wichtigen Vertrag zur internationalen Kooperation haben heute vor 65 Jahren - ebenfalls in Paris - Vertreter der Staaten Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden unterzeichnet und die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, auch Montanunion genannt, unterzeichnet. Stahl war somit das erste Wirtschaftsgut, dessen Produktion und die dafür benötigte (Kohle-)Energie von einem supranationalen Gebilde organisiert wurde. Die Montanunion ist zwar nur einer von drei Vorgängern der EU, doch ihr ältester. Dass ausgerechnet Kohle und Stahl die Nationen in Westeuropa zur Kooperation zwangen, die sich kurz zuvor noch spinnefeind waren, ist indes kein Zufall. Sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg lief nicht nur der Wiederaufbau auf vollen Touren, mit dem bewaffneten Konflikt in Korea lief bereits der nächste Krieg, der nach Unmengen von kostengünstig produziertem Stahl rief. Der Krieg, so sagt man, ist der Vater aller Dinge. Ironischerweise aber eben auch der Vater der EU und der europäischen Integration, die weitere verheerende Kriege unvorstellbar werden lassen soll. Der 18. April 1951 war also ein guter Tag. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Gesundheit: Die Apple Watch geht in ihr zweites Jahr und alles, was Apple bisher dazu eingefallen ist, sind neue Armbänder von Hermès, will man meinen. Doch darf man die Apple Watch nicht auf Äußerlichkeiten reduzieren und auch nicht auf die eine "Killer-Anwendung" warten, die alles verändere, sondern die Uhr vor allem unter Gesundheitsaspekten betrachten, meint unsere Macworld-Kollegin Caitlin McGarry. Die Uhr zeigt schon jetzt ihren Nutzen bei der Überwachung des Gesundheitszustands ihrer Träger und ist ein ideales Mess- und Anzeigeinstrument für Apples Medizin-Kits: Das HealthKit, das ResearchKit und das CareKit. Hier werde die Uhr auch noch weitere Verbesserungen bringen, ist sich McGarry sicher.

Alleinvertretungsanspruch : Facebook hat gegenüber Mashable bestätigt, für die iOS- und Android-App mit neuen Sektionen zu experimentieren, in der die Nutzer Nachrichten zu bestimmten Themen finden und diese mit anderen teilen können. Im Großen und Ganzen erinnert das an Facebook Paper, mit dem der Konzern ähnliches bereits anbietet. Das Ziel scheint klar: Facebook will Nutzer im eigenen Universum halten, der Wechsel zu anderen Apps oder auf andere Websites soll dank Instant Articles und Live Videos bald nicht mehr notwendig sein.

Langer Weg bis auf die Straße: Die Gerüchte um ein Apple Car werden immer dichter, Designstudien tauchen auf, die Jony Ive hoffentlich niemals zu Gesicht bekommt. Für ein Apple Auto bräuchte es aber mehr als Sensoren, ihre Vernetzung und einen intelligenten Antrieb. Apple müsste zum Beispiel auch eine Werkstattinfrastruktur aufbringen, die Apple Stores mit ihrer Innenstadtlage können das nicht erfüllen - zumal ein Auto  über seine Lebensdauer gewiss mehr Pflege benötigt als ein Mac oder ein iPad. Ist Apple überhaupt reif, die Automobilindustrie zu stören und auf welche Weise könnte das geschehen? Project Titan lässt noch jede Menge Fragen offen.

Sie waren's: John McAfee glaubt nicht daran, das FBI habe die Hilfe von bezahlten Hackern in Anspruch genommen, um das iPhone des San-Bernardino-Attentäters zu entsperren. Der Sicherheitsspezialist ist davon überzeugt, die israelische Firma Cellebrite, die bereits im Vorfeld des Hacks öfter genannt worden war, hätte für die Behörde den Job erledigt. Bei Cellebrite habe die US-Regierung in den vergangen Jahren schon für Millionen von US-Dollar Software eingekauft, das FBI habe auch von Anfang an gewusst, dass Cellebrites UFED-TOuch in der Lage sei, das iPhone 5C zu entsperren - dennoch aber Apple zu Kooperation zwingen wollen.

Hacker schlimmer als die Regierung: Am Freitag haben Apples Entwickler bekräftigt, zu welchen Zwecken sie die Sicherheitsvorkehrungen des iPhone weiter verbessern: Nicht die Regierung und ihre diversen Behörden stellten eine Bedrohung dar, sondern Hacker, vor denen Apple seine Geräte schützen will. In einem Security White Paper zeigt Apple auf, wie stark Touch ID, Security Enclave, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Verschlüsselung und andere Maßnahmen gegen Angriffe von außen schützen. Wichtig sei für Apple in dieser Sache auch die Chip-Produktion im eigenen Haus zu behalten, so komme iOS mit einem Boot-ROM auf das nur Apple Zugriff habe.

Weitere Nachrichten:

Apple stellt Support für QuickTime unter Windows ein

Apple stellt den Support für QuickTime unter Windows ein, es wird keine neuen Updates und auch keine Sicherheits-Updates mehr geben. Antiviren-Spezialist Trend Micro rät darum zur Deinstallation von QuickTime auf Windows-Rechnern. Mac-OS-X-Nutzer können QuickTime aber weiterhin verwenden, da für sie weiterhin Updates bereitgestellt werden.

Zwei kritische Lücken in QuickTime gefunden

Das Problem wird dadurch verschärft, dass Trend Micro zwei neue kritische Sicherheitslücken für QuickTime unter Windows entdeckt hat. Zwar seien Trend Micro noch keine Angriffe bekannt, welche auf diese Zero-Day-Lücken zurückgreifen. Doch dürfte das nur eine Frage der Zeit sein, da die besagten Lücken nun nicht mehr gepatcht werden.

Beide Lücken gestatten es einem Angreifer, schadhaften Code auf dem Rechner des Opfers auszuführen. Dazu muss das Opfer lediglich eine präparierte Webseite besuchen, auf welche ihn der Angreifer beispielsweise per Link in Facebook oder in einer E-Mail locken kann.

So löschen Sie QuickTime

Sollten Sie QuickTime 7 Pro verwenden, müssen Sie den Registrierungsschlüssel vor dem Löschen sichern. Das geht über "Registrieren" in den Einstellungen vom QuickTime Player. Wechseln Sie nun in die Systemsteuerung und deinstallieren Sie QuickTime. Stellen Sie anschließend sicher, ob auch alle QuickTime-Plugins aus dem Browser entfernt wurden. In Firefox etwa, indem Sie about:addons in die Adresszeile eintippen

Alternative für QuickTime: Der kostenlose VLC Player beherrscht so ziemlich alle denkbaren Multimedia-Dateitypen.

Apples Multimedia-Player ist längst nicht der einzige Oldie, der auf Ihrer Festplatte nichts zu suchen haben sollte. Weitere Software, die nicht mehr gefplegt wird, und die Sie darum deinstallieren sollten: Windows XP und Java 6.

App Store: Entwickler zahlen für prominente Platzierung

Die Suchfunktion in Apples App Store stimmt nicht alle Anwender zufrieden. Laut Bloomberg hat der iPhone-Hersteller daher 100 Mitarbeiter abgestellt, die den Online-Shop für iOS-Apps optimieren sollen. Das Team unter der Leitung von Todd Teresi, der für Apple schon die iAds entwickelt hat, arbeitet jedoch auch noch an einer weiteren Änderung im App Store.

Demnach können App-Entwickler ihre Anwendungen künftig gegen ein Entgelt prominenter platzieren. Konkret lässt sich dann ein bestimmter Suchbegriff wie beispielsweise „Schnäppchen-App“ reservieren, der nach der Eingabe die eigene App weit oben platziert.

Google hat schon länger eine solche Werbemöglichkeit im Angebot, die von den App-Machern gut angenommen wird. Apple erhofft sich offenbar ähnlich hohe Einnahmen durch die Keyword-Reservierung. Für Anwendungsentwickler mit kleinem Geldbeutel könnte es künftig noch schwerer werden, in der Vielzahl der Apps aufzufallen. 

Android 6 vs. iOS 9 vs. Windows 10:  Mobile - Der große Vergleich

Microsoft verklagt die US-Regierung wegen Durchsuchungen

Windows-Hersteller Microsoft hat heute beim Washington District Court Klage gegen die US-Regierung eingereicht . Stein des Anstoßes sind Durchsuchungen von Cloud Daten, über die Microsoft seine Kunden nicht informieren darf.

Liegt ein Gerichtsbeschluss vor, mit dem US-Behörden E-Mails oder in der Cloud gespeicherte Daten lesen dürfen, unterliegt Microsoft der Geheimhaltungspflicht. Das Unternehmen darf den betroffenen Kunden nicht sagen, dass ihre Daten durchsucht wurden. Gegen diese Auflage wehrt sich der Redmonder Konzern nun.

Laut Microsoft sei Abschnitt 2705(b) des Electronic Communications Privacy Act zu breit ausgelegt und gebe der Regierung zu viel Macht. Allein in den letzten 18 Monaten hätten Bundesgerichte 2.600 Geheimhaltungsbefehle gegen Microsoft ausgestellt. Damit muss der Konzern Stillschweigen bewahren, wenn Behörden Nutzerdaten einsehen. Unternehmen und Privatpersonen würden jedoch immer mehr private und empfindliche Daten in der Cloud speichern. Aus diesem Grund sei es mittlerweile unverantwortlich für Microsoft, diese Kunden nicht über Durchsuchungen zu informieren.

Noch besorgniserregender sei, dass die meisten dieser Geheimhaltungsbefehle kein Ablaufdatum enthalten. Somit sei für das Unternehmen unklar, wann es sein Schweigen für mehr Transparenz brechen dürfe. Durchsuchungsbefehle gebe es zur Genüge. Zwischen September 2014 und März 2015 habe Microsoft 5.624 von ihnen erhalten, heißt es in der Klageschrift.

Microsoft verlangt, seinen Kunden gegenüber transparenter sein zu dürfen – beispielsweise durch ein Ablaufdatum für Geheimhaltungsbefehle. Ob das Unternehmen mit seiner Klage Erfolg haben wird, bleibt allerdings abzuwarten.

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