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Morgenmagazin vom Montag, 18. März 2019

18.03.2019 | 06:57 Uhr |

Jury: Apple verletzt Qualcomm-Patente und schuldet 31 Millionen US-Dollar +++ Neue Herzstudie beweist Nützlichkeit der Apple Watch +++ Spotify legt mit Vorwürfen nach +++ Kadrilj und Fyrtur: Smarte Rollos von Ikea verspäten sich +++ Tumblr verliert durch Pornofilter 30 Prozent seiner Nutzer +++ Bericht: Huawei hat Ersatz für Android und Windows entwickelt

18. März: Gefährlicher Effekt

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Noch eine Woche, dann lernen wir die Zukunft des Fernsehens, des Zeitunglesens und überhaupt des Medienkonsum kennen. Zumindest stellt Apple sich das so vor. Doch hat das Unternehmen in seiner Geschichte schon oft gezeigt, das nicht die erstbeste Lösung den Erfolg bringt, sehr selten die erste, aber fast immer die beste. Apple hat weder das Smartphone erfunden, noch den Musikplayer oder den persönlichen Computer mit grafischer Benutzeroberfläche, aber was vor iPhone, iPod oder Mac war, war entweder noch lange nicht ausgereift oder einfach nicht erfolgreich - und nun vergessen. In Sachen Musik- und TV-Streaming sowie der Zeitschriftenflatrate wird sich Apple vermutlich deutlich schwerer tun, das Rad neu zu erfinden oder den bestehenden Markt völlig auf den Kopf zu stellen, man darf aber auf die Lösungen gespannt sein, die Apple in einer Woche präsentieren wird. Neue Hardware wird es vermutlich auch geben, wie beinahe jedes Jahr um diese Zeit. Dass sich Apple bezüglich "future products" noch mehr zurückhält als über "future services", hat auch seinen Grund im sogenannten Osborme-Effekt, der angeblich einen der frühen Konkurrenten der Firma mit dem Apfel den Garaus gemacht hat.

Die Geschichte geht wie folgt: Die Firma britische Firma Osborne hatte mit ihrem Rechner Osborne 1 anfangs der Achtziger zwar einen großen Erfolg, doch verrieten die Entwickler zu früh etwas über den Osborne 2, der schneller, besser, leichter und womöglich auch noch günstiger zu haben wäre. Potentielle Käufer des Osborne 1 stellten daraufhin ihre Pläne zurück, der Umsatz schrumpfte, die Banken gaben keine Kredite mehr, der Osborne 2 konnte nie fertig gestellt werden.

So weit, so falsch. Denn Osborne litt vor allem an starker Konkurrenz, unter anderem von Apple. Der Osborne 1 gilt zwar als erster Laptop der Welt, doch musste man sehr starke Oberschenkel haben, um ihn als solchen einzusetzen. Immerhin war mit seinen 11 Kilogramm halbwegs tragbar, aber unterwegs nicht nutzbar, denn eine Batterie fehlte. Die hatte wenig später bekanntlich der Mac Portable, sein Gewicht mit Bleiakku betrug aber immer noch stolze neun Kilogramm: Dennoch hatte Apple auch hier zwar nicht das erste Produkt, aber zumindest zu seiner Zeit das beste.

Nicht also die zu frühe Ankündigung eines Nachfolgers hat Osborne aus dem Geschäft gedrängt, sondern zu starke Konkurrenz und zudem Managementfehler. Heute vor 16 Jahren verstarb der Computerpionier Adam Osborne, dem trotz dieses Scheiterns der Titel "Vater des Laptop" gebührt, die Powerbooks späterer und die Macbooks heutiger Zeiten erweisen ihm die Ehre.

Es ist aber nicht so, dass der Osborne-Effekt nicht existiert, nur weil er nicht die alleinige Verantwortung am Scheitern des Herstellers trägt. Auch Apple kennt ihn zu gut, wie sagen nur: Newton. Den hatte Apples damaliger CEO John Sculley viel zu früh und viel zu vollmundig angekündigt, die Konkurrenz war schneller und besser auf dem Markt. Ein ähnliches Schicksal könnte der Ladematte AirPower drohen: Anderthalb Jahre nach deren Ankündigung gibt es sie immer noch nicht zu kaufen, wohl aber einige Nachahmerprodukte. Wäre schade drum, aber auf dieses Produkt hat Apple nicht die ganze Firma verwettet.

So wie es beim iPhone der Fall war. Auch dieses brauchte noch von Vorstellung bis Erstverkaufstag, fast ein halbes Jahr. Das war aber zu kurz für die Konkurrenz etwas Vergleichbares zu schaffen, die Marktführer der Prä-iPhone-Ära waren sich sicher gewesen, derartiges könne niemand bauen. So ging Apple mit einem wesentlichen Vorsprung in das Rennen, was sich auch heute noch auszahlt. Dennoch leidet mittlerweile auch das iPhone an einer schwachen Variante des Osborne-Effekts, denn die Modelle von heute mögen zwar sehr, sehr gut sein, was aber schon bald auf den Markt kommt, wird noch viel, viel besser. Sagt Apple ja selbst, jedes Jahr im September.

So ist ein Ende des iPhones zwar noch in weiter Ferne, die auf das Smartphone folgende Gerätekategorie allenfalls vage zu erkennen. Wird wohl irgendwie mit Brillen und anderen Wearables und deren kluger Vernetzung zu tun haben, aber wie genau? Das ist nun wirklich ein Produkt der Zukunft.

In der Zwischenzeit wird Apple also mit Services Wachstum suchen, das ist auch bestimmt eine kluge Idee, aus der installierten Basis von mehr als einer Milliarde Apple-Geräte weltweit wiederkehrende Umsätze heraus zu holen. Vielleicht erfindet Apple zwar nicht das Rad, aber die Kundenbindung neu? Wir sind auf kommende Woche gespannt. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Eskalation : Nachdem Apple am Freitag auf Spotifys Vorwürfe ausgiebig geantwortet hatte, legt der Streamingdienst aus Schweden im Kampf der Worte noch einen drauf, berichtet Variety. Jeder Monopolist würde behaupten, den Wettbewerb zu achten und die Konkurrenz noch zu behindern, Apples Einlassungen seien also nichts Neues und genau das, was man erwartet habe, erklärt ein Vertreter des Unternehmens. Über die eingereichte Beschwerde werde nun die EU-Kommission befinden müssen.

Beweis: Die Apple Watch kann unregelmäßigen Herzrhythmus respektive Vorhofflimmern erkennen, zeigt eine weitere Studie, die Forscher am American College of Cardiology  in New Orleans vorgestellt haben. Teilgenommen an der von Apple finanzierten und vom Medizin-Department der Universität Stanford durchgeführten Untersuchung haben 400.000 Träger einer Apple Watch. Rund 2000 von ihnen haben von ihrer Uhr einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten erhalten, im deshalb veranlassten EKG wurde tatsächlich bei einem Drittel davon Vorhofflimmern festgestellt.

Vorfreude : In der am Freitag erschienenen neuen Folge des  Accidental Tech Podcast der Entwickler Marco Arment, Casey Liss und John Siracusa schwärmt Apples Marketingchef Phil Schiller etwa eine Stunde von der für den Juni angekündigten WWDC. Dies sei die Veranstaltung, die man bei Apple am meisten schätze. Sie richte sich an Entwickler, ihre Kunden und auch die Presse, die Freude sei immer groß, die Dinge, die man ein Jahr lang im Stillen entwickelt habe, endlich zeigen zu können. Schiller verriet in dem rund einstündigen Gespräch auch, wie Apple das Feedback seiner Kunden  registriert, man treibe sich viel in Apple-Foren und auf Apple zentrierten Websites herum und höre sehr genau zu.

Urteil: Eine Jury in San Diego hat befinden, dass Apple drei Patente seines Zulieferers Qualcomm verletze und dem Chip-Hersteller daher 31 Millionen US-Dollar schulde. Qualcomm sieht sich durch die Entscheidung Rückenwind verliehen, "die Technologien, die Qualcomm und andere erfunden haben, ermöglichten Apple erst seinen schnellen Erfolg. Wir sind zufrieden, dass Gerichte weltweit Apples Strategie zurück weisen, nicht für unser geistiges Eigentum zahlen zu wollen, " freut sich Qualcomms Anwalt Dan Rosenberg. Apple zeigt sich indes von der Entscheidung enttäuscht. Qualcomm lenke mit seinen Patentprozessen nur vom eigentlichen Thema ab, nämlich seinen unfairen und illegalen Praktiken bei der Lizenzierung, heißt es in einem Statement des iPhone-Herstellers.

Weitere Nachrichten:

Kadrilj und Fyrtur: Smarte Rollos von Ikea verspäten sich

Obwohl die smarten Rollos bereits im Online-Shop von Ikea gelistet waren und der Verkauf bereits im Februar starten sollte, hat Ikea nun offiziell bestätigt, dass sich die Rollos verspäten. Schuld soll dabei die Software sein.

Die Rollos sollen nämlich erst durch die Software richtig „smart“ werden. Bisher plante Ikea, für die Smart-Home-Eigenschaften die nötige Software erst nach dem Marktstart nachzuliefern. Der neue Plan ist nun wohl, dass die Rollos schon mit diesen Funktionen ausgeliefert werden sollen. Ohne die Software würden sich die smarten Rollos Fyrtur und Kadrilj nur mit der Fernbedienung steuern lassen.

Wie lange die Arbeiten an der Software dazu noch andauern werden, ist derzeit nicht abzusehen, ebenso wenig gibt es kein Datum für einen Verkaufsstart in Deutschland. Es könnten jedoch noch einige Monate vergehen, denn auf die Nachfrage eines Nutzers gab Ikea Frankreich bei Twitter an, dass man mit einem Erscheinen im August 2019 rechne.

Tumblr verliert durch Pornofilter 30 Prozent seiner Nutzer

Die Blogging-Plattform Tumblr hat seit Dezember 2018 rund ein Drittel ihrer Nutzer verloren. Das bestätigte das Statistik-Unternehmen SimilarWeb gegenüber dem IT-Blog The Verge . Lagen die Nutzerzahlen im Dezember noch bei rund 521 Millionen, waren es im Januar nur noch 437 Millionen. Der Sinkflug setzte sich im Februar fort. Im vergangenen Monat besuchten nur noch 370 Millionen Nutzer die Plattform. Verglichen zum Tumblr-Allzeit-Hoch im Juli und März 2018 haben sich die Nutzerzahlen mittlerweile fast halbiert.

Schuld an der wachsenden Unbeliebtheit von Tumblr ist ein so genannter Pornofilter , den das Unternehmen Mitte Dezember 2018 aktivierte . Seit 17. Dezember sind „Erwachseneninhalte“ auf der Plattform nicht mehr erlaubt. Zu diesen „nicht jugendfreien Inhalten“ zählen laut der Plattform Fotos, Videos und GIFs, die „Genitalien von echten Menschen oder entblößte weibliche Brustwarzen zeigen“. Ebenfalls verboten sind Inhalte, die Sexualakte zeigen. Da Tumblr eine der letzten großen Plattformen war, auf der erotische Inhalte erlaubt waren, löste der Pornofilter in der Community einen Sturm der Entrüstung aus. Das Angebot von CEO Jeff D‘Onofrio, Nutzer, denen die Umstellung nicht gefalle, könnten ja einfach die Plattform wechseln, scheinen nun viele Mitglieder angenommen zu haben.

Bericht: Huawei hat Ersatz für Android und Windows entwickelt

Bereits im April 2018 berichteten wir (siehe unten), dass Huawei ein eigenes Betriebssystem als Ersatz für Android und wohl auch für Windows vorbereitet. Für den Fall, dass die USA Huawei den Zugriff auf Googles mobiles Betriebssystem sowie auf Microsoft Windows untersagen sollten.

Jetzt sollen Huaweis Betriebssysteme anscheinend fertig sein und könnten im Notfall sowohl Android als auch Windows ersetzen, wie die Welt online berichtet. Demnach soll Huawei seit 2012 an einem eigenen OS gearbeitet haben. Huawei-Manager Richard Yu betont aber, dass Huawei es bevorzugen würde, wenn es weiterhin die Betriebssysteme von Google und Microsoft verwenden könne.

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