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Morgenmagazin vom Montag, 18.Mai 2020

18.05.2020 | 07:06 Uhr | Peter Müller

Mini-LED: Das kommt für iPads und Mabooks +++ "Defending Jacob" beliebt bei Apple TV+ +++ TSMC baut 5-nm-Fabrik in Arizona +++ 44-Gigapixel-Foto von Rembrandt-Gemälde online +++ Tesla: Neuer Akku hält 1,6 Millionen Kilometer im Model 3 +++ Corona: Netflix hebt Bitraten-Drosselung auf

18. Mai: In den Wind geschlagene Warnungen

Macwelt wünscht Guten Morgen! Es ist zum Verzweifeln: Da hat man jahrelang studiert und ähnliche Vorfälle bereits in der beruflichen Praxis gehabt, die Leute wollen einem aber nicht glauben. Warum etwas aufgeben, wenn doch die Gefahr unsichtbar ist und einen nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit trifft. Weil das kann der Wissenschaftler auch nicht sagen, dass der Hammer zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort auf einen niederfährt. Zweifel ist Kern der Wissenschaft, Unsicherheit das, was in den besten Modellen immer bleibt. Also bleibt man bequem bei seinen Vergnügungen und die Politiker, die an sich die Macht hätten, die Leute zu einer angemesseneren Verhaltensweise zu bewegen, zögern lieber, denn wenn es nicht so schlimm wird, werden sie ja nicht wieder gewählt.

Derweil wird der Wissenschaftler immer deutlicher und die Leute fragen nur, welche Beweise er habe. Da zeigt der Wissenschaftler Daten und Fakten, welche die Leute nicht verstehen, weshalb sie umso lauter krakeelen, wo er denn nun bleibe, der Beweis. Man sei ja Laie und stolz darauf, noch nie eine Universität von innen gesehen zu haben, weil man ja - auch voller Stolz - in der Schule einfach zu schlecht in Mathe war. Aber eines wisse man genau: Dass die Wissenschaftler korrupt seien und die Politiker unfähige Lügner.

Und dann bricht er doch aus, der Vulkan.

Natürlich hat das Naturereignis von vor exakt 40 Jahren nur bedingt mit der heutigen Situation zu tun, doch an Tagen vor dem Ausbruch des Mount St. Helens warnten Wissenschaftler wie der bei dem Ausbruch letztendlich ums Leben gekommene David A. Johnston vergeblich vor der nahenden Katastrophe. Für diese gab es ausreichende Vorwarnungen, aber niemand konnte  wissen, wann genau der Vulkan explodiert und in welche Richtung er seinen pyroklastischen Strom schicken werde. Nur, dass es dringend sei und höchste Zeit zu handeln. Neben dem Vulkanologen verloren noch weitere 56 Menschen an jenem 18. Mai 1980 ihre Leben - die zu retten gewesen wären, wenn auch unter der Zumutung, Haus und Hof, Hab und Gut für unbestimmte Zeit oder eben für immer aufgeben zu müssen.

Nun ist wieder Vorsicht geboten, aus ganz anderen Gründen. Womöglich ist unsere Wahrnehmung ja nur verzerrt und wir überschätzen die Zahl von Aluhutträgern, Schwurblern und Hedonisten, die nun gar nicht einsehen wollen, dass der grummelnde Vulkan wieder massiv Feuer spucken könnte, das auch sie verschlingen wird. Der Großteil der Bevölkerung scheint sich an die Auflagen zu halten, so dass in der Tat nach und nach Lockerungen der notwendigen und letztlich erfolgreichen Maßnahmen wieder möglich sind. Erste Verläufe der Infektionskurven geben gewisse Resthoffnung, dass die Zahl der Infizierten doch wieder so weit sinken könnte, um die Verfolgung und Isolierung einzelner Fälle möglich zu machen. Alles in allem ist es aber noch zu früh, darüber zu jubeln und schon die Zeit nach Corona konkret zu planen. Die spanische Grippe vor etwas mehr als 100 Jahren hatte nach einem ersten rapiden Anstieg sich so weit wieder beruhigt, bis eine zweite, vielfach tödlichere Welle der Influenza über den Planeten rauschte. Soweit muss es ja nicht kommen, und der Mount St. Helens gibt jetzt auch wieder Ruhe. Nur der Vesuv, der macht Sorgen, an sich ist der überfällig. Aber wann genau ein pyroklastischer Strom auf den Großraum Neapel zurollt, das weiß man trotz der Fortschritte der Geowissenschaften eben nicht.

Lesetipps für den Montag

Prognose: Der in der Regel gut informierte Analyst Ming-Chi Kuo hat in der letzten Woche eine Prognose zu Apples iPad-Reihe gegeben, die Interpretationsspielräume lässt. Den das von Kuo prognostizierte 10,8-Zoll-Modell, das Apple iwie das iPhone SE zu einem günstigen Preis anbieten wolle, würde ja nicht nur das aktuelle 10,2-Zoll-Modell iPad 7 mit seinem A10-Chip ersetzen, sondern auch das iPad Air mit 10,5-Bildschirm und A12 Bionic überflüssig machen. Das iPad Mini könnte indes erhalten bleiben, Kuo rechnet mit einem Gerät mit 8,5-9-Zoll-Bildschirm ebenso in der zweiten Hälfte des Jahres. Der Leaker @l0vetodream, der zuletzt öfter richtig lag, rechnet hingegen mit einem neuen 10,2-Zoll-iPad mit A12-Prozessor.

Technologie : Apple will angeblich schon bald Teile seiner Produktpalette auf Mini-LED umstellen, angefangen bei Macbooks und iPads. Macrumors erklärt im Detial, was das bedeutet: Die größere Anzahl an LEDs kann vor allem größere Kontraste darstellen. Technisch gesehen sind Mini-LEDs den heute verwendeten LEDs zur Hintergrundbeleuchtung von Flüssigkristallbildschirmen ähnlich. Doch während heute die Bidlschirme von Macbook und iPad typischer Weise hunderte von einzelnen LEDs enthalten, wären es mit Mini-LED tausende von Leuchten. Apple arbeitet angeblich auch an Mikro-LED, doch handelt es sich hierbei dann um ein anderes Prinzip. Wie OLED leuchten Mikro-LED von selbst und beleuchten nicht nur eine Zelle, die je nach Schaltung das Licht durchlässt oder blockiert.

Nach und nach: Apple hat nach einem Brief der Retail-Chefin Deirdre O'Brien wieder mehr als 100 seiner Stores weltweit geöffnet, in den USA will Apple in dieser Woche weitere Läden für das Publikum freigeben. Unter Auflagen, die O'Brien auch näher beschreibt. So müssen Mitarbeiter und Kunden Mundschutz tragen, wer keinen dabei hat, bekommt am Eingang einen ausgehändigt. Ebenso wird die Temperatur am Eingang gemessen, oft in Anspruch genommene Bereiche besonders gründlich gesäubert. Um die Anzahl der Kunden in den Läden gering zu halten, bietet Apple nun auch die Lieferung aus dem Apple Store nach Hause an, auf den Store-Seiten zur Abholung in Store bestimmte Ware muss man also nicht mehr selbst holen, ebenso kann man zur Reparatur anstehende Geräte abholen lassen.

Fabrik : Der taiwanische Chip-Hersteller TSMC, der unter anderem für Apple die Prozessoren für iPad und iPhone baut – vieleicht auch bald für den Mac – bestätigt, im US-Bundesstaat  Arizona eine neue Fabrik zu errichten. Der Bau soll im nächsten Jahr beginnen, die Produktion dann ab 2024 laufen. Im 5-Naometer-Prozess will TSMC nach eigenen Angaben bis zu 20.000 Wafer im Monat produzieren, 1.600 Arbeitsplätze sollen entstehen. Die Investition soll 12 Milliarden US-Dollar umfassen, in den Jahren von 2021 bis 2029. TSMC bekommt dabei finanzielle Hilfe des Bundes und des Staates Arizona.

Anders gemacht: Die Serie "Defending Jacob", die im deutschen "Verschweigen" heißt und die sich allmählich ihrem Ende auf Apple TV+ nähert, hätte ursprünglich ein Film werden sollen, wie Produzent und Showrunner Mark Bomback gegenüber Deadline erzählt. Doch sei das Konzept einer abgeschlossenen Serie das bessere gewesen, um dem 2012 veröffentlichten gleichnamigen Roman besser gerecht werden zu können. Die Geschichte in einen Film von etwa zwei Stunden zu packen, wäre mit zu vielen Kompromissen verbunden gewesen. Die Arbeit an der Serie hat sich offenbar gelohnt. Hinter "The Morning Show" ist "Defending Jacob" die zweitpopulärste Serie auf Apple TV+ bisher.

Weitere Nachrichten:

44-Gigapixel-Foto von Rembrandt-Gemälde online

Die Wissenschaftler des Rijksmuseum in Amsterdam haben das bisher größte Foto des Rembrandt-Gemäldes "Die Nachtwache" im Internet veröffentlicht. Das Gemälde aus dem Jahre 1642 kann auf dieser Website in einer Auflösung von 44,8 Gigapixel bestaunt werden, was insgesamt 44.804,687.500 Pixeln entspricht. Man kann an das Gemälde im Browser so nah heranzoomen, dass zwischen den Pixeln nur ein Abstand von 0,02 Millimetern besteht.

Dadurch sind viele Details erkennbar, die man sonst nur sehen würde, wenn man sehr nah am Gemälde steht oder die Leinwand mit einer Lupe betrachtet. Interessierte können in der 44-Gigapixel-Aufnahme selbst die Pinselstriche von Rembrandt begutachten und so seine Maltechnik studieren.

Die 44-Gigapixel-Aufnahme entstand aus insgesamt 528 Einzelaufnahmen, die in 24 Reihen mit je 22 Bildern geknipst wurden. Die Aufnahmen wurden dann mithilfe eines neuronalen Netzwerks zusammengefügt.

Mit der Veröffentlichung des 44-Gigapixel-Fotos wurden auch die Restaurierungsarbeiten an dem Gemälde wieder aufgenommen. Die vorangegangene hochauflösende Digitalisierung des Kunstwerks ist der Teil der "Operation Nachtwache" der Wissenschaftler, die im Juli 2019 gestartet war und während der Coronakrise für zwei Monate unterbrochen worden war.  Sobald wieder das Museum für Besucher geöffnet wird, können diese den Restauratoren bei der Arbeit zuschauen. Dazu wurde eine Glaskammer errichtet. Solange noch die Corona-Hygieneeinschränkungen gelten, sollen maximal 2 Personen in der Glaskammer an den Vorbereitungen für die Restauration des Gemäldes arbeiten, um so den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten zu können. Der Beginn der eigentlichen Restauration wurde aufgrund der Coronakrise von Sommer 2020 auf Anfang 2021 verschoben.

Tesla: Neuer Akku hält 1,6 Millionen Kilometer im Model 3

Ein Bericht von Reuters elektrisiert Fans von Elektro-Autos: Tesla will ab Ende 2020 oder Anfang 2021 Akkus in sein Model 3 einbauen, die eine Lebensdauer von mindestens 1 Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) haben und weniger als 100 Dollar pro Kilowattstunde kosten. Damit sollen die Kosten für ein Elektroauto auf das Niveau eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor fallen.

Durch die lange Lebensdauer der Akkus würde das Model 3 zudem für den Gebrauchtwagenmarkt attraktiver. Da die Angst vor einem vergleichsweise frühen wirtschaftlichen Totalschadens wegen eines Batterieausfalls weg fällt.

Tesla arbeitet bei dem neuen besonders langlebigen Akku mit dem chinesischen Akku-Hersteller CATL zusammen. Mit CATL kooperiert auch BMW bei Akkus für seine Elektro-Autos. Außerdem will Tesla die Akku-Herstellung weiter automatisieren und damit die Produktionskosten senken.

Die neuen Akkus sollen zunächst im Model 3 in China verbaut werden; später sollen weitere Märkte folgen. Tesla produziert das Model 3 in seiner Gigafactory 3 in der Volksrepublik China, genauer gesagt in Shanghai. Die neuen Akkus sollen wenig beziehungsweise gar kein Kobalt enthalten.

Details zu dem neuen Akku will Elon Musk auf einem “Battery Day” Ende Mai 2020 verraten. Reuters will seine Informationen zum neuen Akku von Personen erfahren haben, die mit Musks Plänen vertraut seien. Tesla hat den Bericht von Reuters nicht kommentiert.

Corona: Netflix hebt Bitraten-Drosselung auf

Durch die weltweite Corona-Pandemie und die damit verbundenen Kontakt- und Ausgangssperren bekamen Streaming-Dienste wie Netflix in den vergangenen Wochen erheblichen Zulauf. Um das Internet für Home-Office-Mitarbeiter, weitere Streaming-Nutzer und andere wichtige Dienste zu entlasten, kündigten Netflix, Amazon Video und Co. im März die Drosselung der Bitrate bei der Videoübertragung in Europa an. Bei Netflix wurde die Videoqualität der Inhalte dabei um 25 Prozent reduziert.

Die Einschränkung hatte der Streaming-Dienst vorerst für 30 Tage angekündigt. Diese Frist scheint nun abgelaufen zu sein, denn aktuellen Meldungen zufolge kehrt Netflix in mehreren europäischen Ländern wieder zur gewohnten Bitrate zurück. So bestätigten zahlreiche Nutzer gegenüber FlatpanelsHD , dass bei ihnen die Drosselung aufgehoben wurde. Das scheint aktuell unter anderem für Nutzer in Dänemark, Norwegen und Deutschland zu gelten. Der 4K-HDR-Stream ist somit wieder mit einer Bitrate von bis zu 15 Mb/s möglich. In den vergangenen Wochen waren es nur 7,62 Mb/s. Die Drosselung scheint jedoch noch nicht flächendeckend für alle europäischen und deutschen Nutzer aufgehoben zu sein. Eine offizielle Bestätigung seitens Netflix steht derzeit ebenfalls noch aus.

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