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Morgenmagazin vom Montag, 2. August

02.08.2021 | 07:02 Uhr | Peter Müller

Mac Pro mit Apple Silicon nicht vor November 2022 +++ Apple Watch Series 6 mit Titangehäuse allmählich knapp +++ Apple legt langjährige Anleihen auf +++ Tesla-Update bringt Waschstraßen-Modus und Disney+ +++ Telekom beschleunigt 212.000 Haushalte - die Alternativen +++ ISS: Russisches Modul lässt Station rotieren

2. August: Rohrkrepierer

Macwelt wüncht einen guten Morgen! 28 Jahre sind eine lange Zeit, vor allem für die heute 28-Jährigen, die noch am Anfang ihres Lebens stehen. Ein anderer heute 28-Jähriger weilt nicht mehr unter uns und das ist gar nicht mal so schade.

Wir erinnern uns an den Sommer 1993, speziell an den 2. August. Werder Bremen war kurz davor Deutscher Fußballmeister geworden, Bundeskanzler Kohl brachte sich langsam in Stellung für seine vierte und letzte Wiederwahl (die Rote-Socken-Kampagne...) und der noch frische US-Präsident Clinton hoffte darauf, dass er über sieben weitere Jahre im Weißen Haus leben würde.

Für uns weit Wichtigeres spielte sich aber am nördlichen Ende von "Boswash" ab, dem Städtekonglomerat, das sich an der US-Ostküste von Boston bis Washington zieht. Endlich und mit 16 Monaten Verspätung präsentierte der damalige Apple-CEO John Sculley auf der Macworld Expo am 2. August 1993 den Taschencomputer Newton Message Pad. "Traue niemals einen Computer, den du nicht selbst hochheben kann," hatte Steve Jobs fast zehn Jahre zuvor über den Mac geschwärmt, nun war der Computer so weit, ihm erst dann Vertrauen zu schenken, wenn man ihn in die Hosentasche stecken konnte.

Nein, war er nicht wirklich. Wir können nur ahnen, ob Steve Jobs, wäre er Mitte der Achtziger bei Apple geblieben, ein derartiges Projekt so in den Sand gefahren hätte wie sein Nachfolger und Vor-vor-vorgänger an der Unternehmensspitze in Cupertino. Doch eines meinen wir zu wissen: Der noch junge und unerfahrene Jobs hätte Anfang der Neunziger nicht die gravierenden Fehler von John Sculley begangen.

Hauptproblem war die Kommunikation: Sculley hatte den Newton schon vollmundig angekündigt, als er noch weit von der Fertigstellung entfernt war. Der Newton war zudem ein Gerät, das relativ gut mit sich alleine zurechtkam, aber keine einfache Schnittstelle nach draußen bot. Wie auch, das Internet war noch jung und das mobile Netz nur ein Traum von talentierten Ingenieuren und Produktvisionären. Am meisten Spott bekam aber die Handschrifterkennung des Newton ab: Diese brachte mehr als abenteuerliche Wortvorschläge, dagegen scheinen die heutigen Auto-Correct-Fails fast schon vernünftig. Dabei hatte Sculley genau die Handschrifterkennung als den Unique Sales Point des Newton definiert. Den Taschencomputer zerstörte aber vor allem die Konkurrenz. Diese war vorgewarnt, was Apple da plante und wiederholte die Fehler Cupertinos nicht. So entwickelte etwa Palm eine eigene Kurzschrift für seine Pilots und Tungstens, die zumindest ein paar Jahre lang recht konkurrenzlos waren - dann schlug Apple zurück.

Nicht lang nach dem Desaster musste Sculley seinen Hut nehmen, zu Apple und zu Entscheidungsgewalt dort zurückgekehrt, stellte Steve Jobs das Projekt im Februar 1998 wieder ein. Kohl war damals gerade noch Kanzler, Kaiserslautern schickte sich an, Deutscher Fußballmeister zu werden und Bill Clinton bekam gewisse Probleme im Oval Office.

Im Jahr 2002 führte Apple eine eigene Handschrifterkennung namens Inkwell in Mac-OS 10.2 Jaguar ein, benutzt und verspottet hat auch die kaum jemand. Die Technik scheint komplexer als Spracherkennung, während Siri in den letzten Jahren immer besser verstand, was wir sagten, ist das iPad erst seit letztem Herbst und iPadOS 14 auf dem Weg, unser Gekritzel zu entziffern. Das funktioniert erstaunlich gut, weit besser als mit dem Newton, sodass iPadOS 15  in diesem Jahr mit den Schnellnotizen eine weitere Option bekommt, um Handschriften zu erkennen. Und doch müssen wir uns zu einer einigermaßen leserlichen Schrift zwingen, sonst kommt wieder Unsinn heraus. Wenn wir aber bedenken, dass Notizen, die man mit einem Bleistift auf einem in der anderen Hand frei schwebenden Block hinterlässt, man auch selbst nur noch schwer erkennen kann, ist Apple diesmal auf dem richtigen Weg.

Lesetipps für den Montag

Gerade so: Recht viel Neues berichtet Mark Gurman in seinem Newsletter "Power On" am Wochenende nicht, selbst in den Gerüchteküchen ist Sommerbetrieb. Der Bloomberg-Redakteur fasst lediglich zusammen, wie sich die Roadmap Apples hinsichtlich Umstellung auf Apple Silicon weiter ziehen wird. Das Ziel, innerhalb von zwei Jahren alle Macs auf die eigene Architektur umzustellen, werde Apple demnach gerade so erreichen. M1X-Macs werden später in diesem Jahr kommen, ein neuer Mac Mini bald darauf und bis November 2022 werde dann auch ein Mac Pro mit Apple Silicon erscheinen, kleiner und kompakter als das bisherige Modell, mit einem SoC, das bis zu 40 Rechenkerne in einem Chip vereint. Apple hatte letztes Jahr im Juni  den Umstieg angekündigt und im November die ersten Macs mit M1-Chip herausgebracht.

Auslaufmodell: Auch wenig überraschend dürfte die von Gurman berichtete und von Apple Insider bestätigte Neuigkeit sein, dass das Apple-Watch-Modell mit Titangehäuse, also die "Edition" der Series 6, allmählich nur noch schwer zu bekommen sei. In einigen Apple Stores könne man bei Bestellung des Modells es schon nicht mehr abholen, alles deutet darauf hin, dass Apple die Produktion heruntergefahren oder ganz eingestellt habe und jetzt nur noch Restbestände verkaufe. Im September ist die Series 7 der Apple Watch zu erwarten, ob auch die nächste Generation eine Variante in Titan bekommt, ist fraglich.

Rauswurf: Aluhutträger müssen sich fortan wieder offline daten, die App "Unjected", eine Art "Tinder für Ungeimpfte" ist aus dem Google Play Store und nun auch aus dem App Store geflogen. Grund waren Verletzungen der Richtlinien zu Covid-19, in ihrer App bezeichneten die Macher Impfstoffe als "experimentelle mRNA-Gen-Veränderung" oder "Biowaffen", die "Nano-Chips" injizierten, die Geimpfte in das 5G-Netz einbinden würden. Den gefährlichen Unsinn hatte Apple bereits bei einem ersten Zulassungsversuch im Mai abgelehnt, nach Änderungen in der App diese dann doch zugelassen. Die Falschbehauptungen, die auch Google beanstandete, tauchten aber nach Veröffentlichung der App wieder in ihr auf, weshalb sich Apple genötigt sah, den Regelverstoß mit Ausschluss aus dem App Store zu sanktionieren und damit dem Beispiel des Google Play Stores zu folgen.

Anleihe: Apple nutzt das derzeit niedrige Zinsniveau, um Anleihen im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar aufzulegen. Von den Einnahmen will Apple unter anderem Aktienrückkäufe und Dividenden finanzieren, aber auch etwaige Übernahmen. Die Anleihen liegen in vier Varianten vor, die zwischen 2028 und 2061 fällig werden. 2,3 Milliarden ist der mit 1,4 Prozent verzinste Bond, den Apple 2028 auszahlt, 1,7 Prozent bekommt man für eine Laufzeit bis 2021, 2,7 Prozent für die Anleihe bis 2051 und auf die 40-jährige bis 2061 werden 2,85 Prozent Zinsen fällig.

Weitere Nachrichten:

Tesla-Update bringt Waschstraßen-Modus und Disney+

Tesla hat in dieser Woche mit der Auslieferung des neuen Updates 2021.24 begonnen. Die Firmware bringt einige Neuerungen mit, darunter den Streaming-Dienst Disney+. Dieser kann nun über die Tesla Theater App aufgerufen werden. Dafür müssen Tesla-Besitzer auf das Entertainment-Icon im Application Launcher tippen und den Theater-Tab auswählen, während der Wagen in Parkposition ist.

Eine zweite Neuerung, die mit dem Update Einzug hält, ist der Waschstraßen-Modus. Hier werden per Knopfdruck mehrere Funktionen des E-Autos deaktiviert, die in Waschstraßen zu Problemen oder unerwünschten Warntönen führen können. Der Waschstraßen-Modus schließt alle Fenster, verriegelt den Ladeanschluss und deaktiviert die Scheibenwischer, den Überwachungsmodus, die Türverriegelung und den Signalton der Parksensoren. Bei automatischen Autowaschanlagen mit Förderbändern schaltet die Option "Free Roll" auf Neutral und verhindert, dass die Feststellbremse automatisch angezogen wird, wenn der Besitzer das Fahrzeug verlässt. Der Waschstraßen-Modus kann über „Steuerung“ im „Service“-Menü aktiviert werden.

Zu den weiteren Features im Software-Update zählt die Möglichkeit zur Deaktivierung der automatischen Spiegelabblendung. Die Dashcam kann nun außerdem automatisch Video-Clips lokal abspeichern, wenn der Tesla in einen Unfall verwickelt wurde. Ebenfalls neu ist eine Umschaltfunktion zwischen dem prozentualen Ladezustand und der Restreichweite, wenn Nutzer auf das Batteriesymbol tippen. Wer außerdem im Tesla einen Hotspot für Internet-Funktionen nutzt, bleibt nun beim Einlegen des Ganges und während der Fahrt verbunden. Die Aktivierung für „während der Fahrt verbunden bleiben“ findet sich in den „Wi-Fi-Settings“.

Telekom beschleunigt 212.000 Haushalte - die Alternativen

Die Deutsche Telekom hat laut eigenen Angaben im Juni 2021 für 212.000 Haushalte die Internet-Geschwindigkeit erhöht. Demnach können jetzt im Telekom-Netz 34,2 Millionen Haushalte einen Tarif mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) oder mehr buchen. 26,0 Millionen Haushalte können einen Tarif mit bis zu 250 MBit/s oder mehr buchen.

Die Zahl der Haushalte, die einen reinen Glasfaseranschluss erhalten können, stieg im Juni um 117.000 und beträgt damit 2,5 Millionen. Hier sind laut Telekom Geschwindigkeiten bis zu einem Gigabit pro Sekunde möglich. Falls Sie sich für einen Glasfaseranschluss interessieren, sollten Sie zunächst unseren Ratgeber dazu lesen: Glasfaseranschluss statt DSL - das sind die Vorteile .

Ganz unabhängig von einem Kabelanschluss sind Sie dagegen mit einem Mobilfunkrouter. Die drei großen deutschen Provider bieten alle eine solche kabellose Lösung an. Bei Vodafone ist das der Gigacube. Bei einem Vertragsabschluss bis zum 22.9.2021 bekommen Sie 24 Monate lang 24 Prozent mehr monatliches Datenvolumen. Alle Details zu diesem Angebot lesen Sie hier.

O2 wiederum hält auf diesem Gebiet mit dem " O2 my Internet-to-Go " dagegen. Die Telekom wiederum ist mit der Telekom Speedbox mit von der Partie. Zwischen diesen drei LTE/5G-Routerlösungen gibt es Unterschiede, die wir in diesen beiden Artikel erklären:

Wer sich für einen schnellen Telekom-Anschluss interessiert, kann auf www.telekom.de/schneller recherchieren, welche Geschwindigkeit am eigenen Standort möglich ist. Sie können sich auch in den Telekom-Shops und Fachmärkten sowie an der kostenfreien Hotline (0800 330 1000) erkundigen.

ISS: Russisches Modul lässt Station rotieren

Mit dem russischen Labor-Modul „Nauka“ sollte die ISS gestern um einen weiteren Baustein erweitert werden. Der Andockprozess an die Raumstation verlief planmäßig, die Rechnersysteme des neuen Moduls wurden entsprechend mit denen der ISS verbunden. Dies löste offenbar eine dramatische Reaktion aus: Die Triebwerke der Mehrzwecklabors starteten unvermittelt und sorgten damit für eine Drehung der gesamten Raumstation. Als automatische Gegenreaktion startete die ISS ihre Korrektur-Triebwerke. So arbeiteten beide Antriebe eine Weile lang gegeneinander. Erst nach einer Deaktivierung der Triebwerke durch die russischen Behörden auf der Erde stoppten die Antriebe des Labors „Nauka“. 

Nach Angaben der NASA seien keine Menschen auf der ISS zu Schaden gekommen. Nun müssen Experten aller beteiligten Nationen herausfinden, wie es zur automatischen Aktivierung der Triebwerke kommen konnte. Möglicherweise hatte das angedockte Modul nicht registriert, dass der Kopplungsvorgang schon lange abgeschlossen war. Die in ihrer Position um 45 Grad verschobene ISS konnte mittlerweile durch die Triebwerke des russischen Swesda-Moduls sowie eines angedockten Frachters wieder in ihre Ursprungsposition gebracht werden. Eine Gefahr für die Menschen auf der Raumstation habe laut NASA nicht bestanden. Dennoch sollen die Astronauten an Bord nach Trümmerteilen suchen. Zudem bestehe die Gefahr, dass das russische Modul noch einmal zünden könnte, schließlich seien ihre Tanks noch halb voll. Das russische Labormodul soll sich bereits seit 1995 im Bau befunden haben, der Start war ursprünglich schon für 2007 geplant.

 

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