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Morgenmagazin vom Montag, 22. Februar 2021

22.02.2021 | 07:10 Uhr | Peter Müller

Apple ist sich des "Pink Square"-Problems mit Mac Mini M1 bewusst +++ Apples Magsafe-Powerpack verzögert sich weiter +++ Wedbush: iPhone 12 vor neuem Verkaufsrekord +++ John Carmack fordert Auktionssystem für Konsolen und GPUs +++ Polizei warnt: Verbreitung von Fake News ist strafbar +++ Gratis auf Youtube: Netflix-Film "The Trial of the Chicago 7"

22. Februar: Von Würsten und Kräutern

Macwelt wünscht Guten Morgen! Nach unserer kurzen Pause zu Beginn der Fastenzeit, die wir am Faschingsdienstag mit einem zünftigen Weißwurstspätstück eingeläutet und am Aschermittwoch mit jeder Menge an Fischsemmeln ernsthaft begonnen hatten, melden wir uns zurück, an einem ganz normalen Montag zwischen Winter und Frühling, der mit einem spärlichen Mahl beginnt – bis Ostern können wir von Weißwürsten nur noch mehr träumen.

Das bayerische Nationalgericht Weißwurst kann man ja an sich immer und überall verspeisen, sofern man das mit dem Fasten nicht zu streng sieht und  es vor 12 Uhr ist. Die Würste aber bitte niemals paarweise beim Metzger oder bald wieder in der Wirtschaft bestellen, sondern einzeln. Am besten drei davon - dazu zwei rösche Brezn. Und vier Weißbier, natürlich! Am Ende des üppigen Mahls schadet ein Obstler oder Enzian nicht – fertig ist die bayerische Aufstellung im 4-3-2-1. Danach kann man an sich nicht mehr arbeiten, weswegen ein ordentliches Weißwurstfrühstück man besser am Wochenende einnimmt oder gleich abends - mittlerweile ist ja der Kühlschrank erfunden, das Zwölf-Uhr-Läuten dürfen die Weißwürste hören - entgegen einer früheren Rezeptempfehlung.

Das Licht der Welt erblickt hat die Münchener Weißwurst einer Legende zufolge am 22. Februar 1857 in der Gaststätte "Zum ewigen Licht" am Marienplatz - nicht weit weg von dem Ort, an dem Apple vor etwas mehr als zwölf Jahren seinen ersten Store in Deutschland eröffnet hatte. Es war Faschingssonntag und dem „Ewigen Licht“ waren die Saitlinge (Schafsdarm) für die Kalbsbratwürste ausgegangen. Der unnütze Lehrling des Metzgerwirts Joseph Moser soll dann aber fälschlicherweise Schweinedärme besorgt haben, die der Moser Sepp als zu groß und zu zäh für seine Würste befand. Es blieb im nichts anderes übrig, als die recht groß geratenen weißen Würste aus Kalbsbrät, Schweinerückenspeck und einer petersilielastigen Gewürzmischung zu brühen und nicht zu braten. Ein Klassiker war geboren - der aber auch recht verderblich ist, wenn die Kühlkette reißt, daher die Idee, die Würste schon zum Frühstück zu verspeisen.

Sehr wahrscheinlich ist die Geschichte um den Ursprung der Münchener Weißwurst frei erfunden. Denn weiße Würste dieser Art hatte es schon Jahrhunderte vorher in Frankreich gegeben, auch in Bayern waren sie anfangs des 19. Jahrhunderts vermutlich bekannt.


Was hingegen am 22. Februar 2001 in Tokio geschah, ist hingegen einwandfrei belegt. Über die Vorgeschichte der japanischen Macworld Expo von vor 20 Jahren lässt sich reichlich spekulieren, man könnte vermuten, dass da das ein oder andere Weißbier zu viel im Spiel war - das sah aber nur so aus.

Steve Jobs hatte bei der Eröffnung der Messe in Tokio die zweifelhafte Ehre, ein Zwischenmodell des iMac zu präsentieren. Das hatte er sich selbst eingebrockt, denn bei der Entwicklung des iMac G4, der einen Flachbildschirm erhalten sollte, war er mit der heute gängigen Lösung erst einmal nicht einverstanden. Platine, Festplatte, Laufwerk senkrecht hinter dem Monitor montiert, was soll das? Da könnten ja die Magnetonen herunterfallen!


Ganz so simpel war die Argumentation des Apple-Gründers gegenüber seinem Chefdesigner Jonathan Ive dann doch nicht, im Gegenteil überzeugte er ihn davon, Monitor und andere Komponenten ganz sie selbst zu sein – aber die Halbkugel mit Flachbildschirm oder Schneekönigin oder eben iMac G4 sollte noch bis Anfang 2002 warten müssen.

Der iMac G3 war zwar im Februar 2001 auch erst zweieinhalb Jahre alt, aber doch schon überholt, vor allem wegen des Röhrenmonitors und des Fehlens eines Brenners. Letzteres konnte das Modell von 2001 wenigstens ändern, damit sich der neue auch optisch von den alten unterschied, bekam er zwei extravagante Farbvarianten: Dalmation Blue und Flower Power. Mit ersterer sah der iMac wie der unter Blauschimmel leidende 102te Dalmatiner aus, die Blätter und Blüten der zweiteren trieb die Szene alsbald Scherze, die sich um die Frage drehten, welches Kraut Jony Ive da wohl geraucht, respektive welches Bier er da getrunken habe.

Im Jahr 2001 war der Fasching am 22. Februar noch nicht zu Ende, die Weißwürste schmecken vor dem Aschermittwoch immer am besten. Wir wussten also, wie wir uns von den seltsamen Farben der neuen iMacs abzulenken hatten: 4-3-2-1.

Lesetipps für den Montag:

Ausgefallen: Nach einem Bericht von Bloomberg hat Apple wieder Probleme mit einem für das Laden von iPhones gedachten Zubehör. Cupertino habe einen Magsafe-Charger geplant, den man magnetisch an die Rückseite des iPhone 12 koppeln kann und der den Akku des Telefons induktiv mit zusätzlicher Energie versorgt. Doch Probleme mit der Software hätten bisher die Fertigstellung verhindert, laut der Quellen des Berichts würde die Software oft fälschlich eine Überhitzung des Akku-Packs detektieren und somit den Ladevorgang abbrechen. Ein wenig erinnern die Beschreibungen an Apples gescheiterte Ladematte Airpowoer, die letztlich auch an mangelhafter Steuerungssoftware gescheitert sein soll.

Teure Lösung: M1-Macs lassen sich nicht von externen Laufwerken starten, mussten wir feststellen. Es gibt aber eine Methode, mt der das doch gelingt, erklärt Glenn Fleishman auf Macworld. Dazu benötigt man ein Thunderbolt-3-Laufwerk, ein Adpater für USB 2 oder USB 3 reicht nicht aus. Ebenso muss man das Laufwerk löschen und in APFS formatieren, erst dann kann man einen Big-Sur-Installer aufspielen, der den Rechner vom externen Laufwerk startet.

Zuwachs: Apples TV-App ist nun auf Googles Stremingstick Chromecast zu finden. Über die App erhält man unter anderem Zugriff auf Apples Streamingdienst Apple TV+ mit Serien wie "Ted Lasso" oder "For All Mankind": Apple erhöht damit seine Reichweite wesentlich - und wenn nicht gerade die Chromecast-Nuzer noch anderweitig ein Apple-Gerät gekauft haben, was ihnen noch bis Juli Apple TV+ gratis beschert, kann Apple mit Einnahmen von 5 Dollar im Monat pro User rechnen.

Warme Semmeln: Das iPhone ist nach Zahlen des Wedbush-Analysten Dan Ives in diesem Jahr wieder besonders begehrt, offen bar habe nun doch ein neuer Super-Zyklus eingesetzt, der die Verkaufszahlen in die Höhe hebt. Im Verlauf eines Jahres könne Apple mehr als 250 Millionen Geräte verkaufen, womöglich sogar bis zu 260 Millionen Stück. Damit wäre der bisherige Rekord von 251 Millionen iPhones aus dem Jahr 2015 gebrochen. Bis Ende des Jahres könnte Apple an der Börse drei Billionen US-Dollar wert sein.

Problem und Lösung: Schließt man an den Mac Mini M1 einen Monitor per HDMI an, können auf diesem zufällige rosa Quadrate erscheinen. Wenn man per USB oder Thunderbold ein Display anschließt, sind diese nicht zu sehen, entfernt man Audio-Hardware können sie verschwinden, wie einige Anwender berichten. Apple sei sich die Problems bewusst und arbeite an einer Lösung, berichtet Macrumors unter Bezug auf ein internes Memo an Service-Provider, in das man Einblick erhalten habe. Wann genau mit der Fehlerbehebung zu rechnen ist, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Dieses datiert vom 19. Februar, also von nach der Veröffentlichung des letzten Big-Sur-Updates mit der Nummer 11.2.1. Mittlerweile testet Apple macOS 11.3, gerade erst ist die zweite Public Beta erschienen. In zwei bis drei Wochen ist mit der finalen Fassung zu rechnen.

Schnelltest:   Am Ende der zweiten Welle droht wegen der Mutationen, die zuerst in UK, Südafrika und Brasilien entdeckt wurden, sich eine dritte Infektionswelle aufzubauen. Schnelltests könnten helfen - aber auch nur, wenn bei einem positiven Ergebnis Konsequenzen folgen: Isolation, aus der man sich mit einem negativen PCR-Test wieder frei testen kann. Kostenlose Schnelltests für alle soll es in Deutschland ab dem 1. März geben, in der Apotheke oder beim Hausarzt von medizinischem Personal durchgeführt. Tests für den Hausgebrauch sind noch nicht zugelassen, deren Sicherheit und Zuverlässigkeit muss noch bewiesen werden. Tests, die mit einem falsch-positiven Ergebnis oder wegen falscher Anwendung ihre Nutzer in trügerische Sicherheit wiegen, sind dann kontraproduktiv. Ein interessantes Test-Kit liegt aber nun in den USA der dortigen Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) vor: Das Unternehmen Kroger Health hat bereits 1,5 Millionen Exemplare des Gauss COVID-19 Rapid Antigen Home Test produziert, den es online verkaufen und über Kliniken und Apotheken verteilen will. Zum eigentlichen Testkit mit Wattestäbchen und Mini-Labor kommt eine iPhone-App, die Schritt für Schritt die Anwendung erklärt und auf Wunsch der Nutzer bei einem postiven Test die zuständigen Behörden informiert.

Weitere Nachrichten:

John Carmack fordert Auktionssystem für Konsolen und GPUs

Der Mitbegründer von ID Software, John Carmack, will der aktuellen Knappheit von Playstation 5, Xbox Series X und Grafikkarten mit einer ungewöhnlichen Reaktion beikommen: Die Hersteller sollten die Hardware in einem eigenen Auktionssystem ihren Kunden anbieten. Ein transparenter Verkauf an den Höchstbietenden würden den Markt effizienter machen und Scalper in ihre Schranken weisen. Diese kaufen die knappen Kontingente oft in wenigen Sekunden auf, um sie später an anderer Stelle und zu deutlich höheren im Internet wieder zu verkaufen. Mit einem Auktionssystem der Hersteller könnte dem Unmut der Käufer laut Carmack entgegengewirkt werden.

Der Wegfall der Zwischenhändler in Form der Scalper würde gleichzeitig zu niedrigeren Preisen führen. Teilweise zahlen Kunden für eine Playstation 5 aktuell über 1.000 Euro, eine RTX 3080 von Nvidia schlägt teilweise mit dem doppelten Verkaufspreis zu Buche. Die Situation dürfte auch noch mehrere Monate anhalten: Microsoft warnte bereits davor, dass die Xbox Series X noch bis zum Juni schlecht verfügbar sein könnte, auch Nvidia geht davon aus, dass die Nachschubprobleme noch bis Mai andauern werden. Um erfolgreich gegen Scalper zu wirken, müssten aber wohl fast alle Hersteller an diesem Auktionssystem teilnehmen. Ob sich dies realisieren lässt, bleibt fraglich.

Polizei warnt: Verbreitung von Fake News ist strafbar

Die Polizei Baden-Württemberg und die Polizei Reutlingen warnen in dieser Woche über Facebook vor der Verbreitung von Fake News. Anlass dafür ist ein folgenschwerer Scherz, den sich vor einigen Tagen ein Unbekannter erlaubt hat. Über eine Online-Plattform, die auf Wunsch täuschend echt aussehende Zeitungsartikel und Ähnliches generiert, hat der Unbekannte eine gefälschte Fahndungsmeldung zu einem angeblich gesuchten Vergewaltiger erstellt. Der Tatverdächtig benutzte dafür das Foto eines real existierenden Mannes und verbreitete die Fake-Fahndungsmeldung in den sozialen Netzwerken. Dort wird der Beitrag noch immer rege von den Nutzern geteilt.

Über Facebook erklärt die Polizei, dass mit der Erstellung eines solchen Beitrags gleich mehrere Straftatbestände erfüllt wurden. So hat der Tatverdächtige das Recht am eigenen Bild des Mannes verletzt. Dem Unbekannten kann außerdem "Beleidigung" und "Üble Nachrede" oder "Verleumdung" zur Last gelegt werden. Die Polizei mahnt außerdem, dass das Opfer in einem solchen Fall der Verunglimpfung einen immensen persönlichen Schaden erleiden kann.

Nutzer sollten sich ihrer Reichweite im Internet immer bewusst sein und darüber nachdenken, welche Auswirkungen ihr Handeln haben kann. Internet-Nutzer sollten aus diesem Grund die Finger von dubiosen News lassen, wenn sie sich nicht sicher sind, aus welchen Quellen diese stammen. Wenn die Polizei öffentlich nach Personen fahndet, seien diese Fahndungsmeldungen immer auf den offiziellen Seiten in den sozialen Medien sowie auf den Webseiten der Polizei zu finden. Tipps, wie Nutzer Fake News erkennen können, fasst die Polizei auf einer Beratungsseite zusammen.

Gratis auf Youtube: Netflix-Film "The Trial of the Chicago 7"

Der im Oktober 2020 erschienene äußerst sehenswerte Netflix Original Film "The Trial of the Chicago 7" (IMDB-Wertung: 7.8) ist für 48 Stunden in kompletter Länge kostenlos auf Youtube erhältlich. Das Justiz-Drama von Aaron Sorkin (Regie und Buch) wird über den Netflix-Youtube-Kanal allen Nutzern verfügbar gemacht. Mit der Aktion will Netflix laut eigenen Angaben an den "Jahrestag des monumentalen Prozesses gegen Tom Hayden, Abbie Hoffman, Jerry Rubin, Rennie Davis, David Dellinger, John Froines und Lee Weiner" erinnern. Der Netflix-Film ist auf Youtube in 1080p in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln verfügbar.

Der Film erzählt die Geschichte der "Chicago Seven": Was als friedlicher Protest auf dem Parteitag der Demokraten in Chicago im Jahr 1968 begannt, entwickelte sich zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit der Polizei und der Nationalgarde. Anschließend wurden die sieben Organisatoren des Protests wegen Anstiftung zum Aufruhr angeklagt und es folgte ein Prozess, der als einer der berüchtigtsten der US-Justizgeschichte gilt.

Netflix fordert im Zusammenhang mit der Aktion dazu auf: "Unterstützen Sie den anhaltenden Kampf für Gerechtigkeit, Gleichheit, Gleichberechtigung und Wahrheit."

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