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Morgenmagazin vom Montag, 22. Juli 2019

22.07.2019 | 07:10 Uhr |

Wünsche an ein neues Apple TV, Träume vom iPhone 9 +++ 20 Jahre iBook +++ Pegasus spioniert iCloud aus +++ Vodafone muss Preis für DSL-Anschluss erhöhen +++ Test: Hitze macht 5G-Smartphones zu schaffen +++ Face App: Aufregung um die russische App wohl etwas übertrieben +++

22. Juli: Nahe des Irrationalen

Wir wünschen allseits einen Guten Morgen! Die Woche fängt ja gut an, schon heute nähern wir uns dem Irrationalen, dem Transzendenten gar.  Thema ist die irrationale und sogar transzendente Zahl π, die das Verhältnis des Kreisumfangs zu seinem Durchmesser beschreibt. Dieser Zahl kann man sich mit rationalen Zahlen nur nähern, am dichtesten dran ist der Bruch 22/7, etwa 3,14286. Sehen Sie auf das Symbol der App Rechner in ihrem Dock, dies zeigt die ersten Ziffern der unendlichen Reihe an: 3,141593.

Dass 22/7 π ganz gut beschreibt, hatte in der Antike bereits Archimedes herausgefunden, sich damit aber nicht zufrieden gegeben. Es müsse doch einen Bruch natürlicher Zahlen geben, der das Verhältnis von Kreisumfang zu Kreisdurchmesser besser wenn nicht gar exakt beschreibt. Dabei war in der Antike bereits bekannt, dass es Zahlen gibt, die sich nicht als Bruch darstellen lassen. Die Quadratwurzel aus zwei ist so eine oder die dritte Wurzel aus neun.

Euklid etwa konnte schon per Widerspruch beweisen, dass es für die Quadratwurzel aus zwei keine rationale Entsprechung geben kann, also kein Verhältnis zweier natürlicher Zahlen. Archimedes war das vermutlich bekannt und doch träumte er davon, π sei anders und somit fassbar. Die Quadratur des Kreises gelang ihm nie und nicht nur, weil jemand seine Kreise störte. Der endgültige Beweis der Irrationalität von π gelang erst im 19. Jahrhundert.

Nun ist das mit der Rationalität aber so eine Sache, dass π und √2 keine solche besitzen, ist zweifelsfrei widerlegt. Doch bedeutet "ratio" im mathematischen Sinne einfach nur "Verhältnis". Während die aus dem lateinischen abgeleitete Ratio vorwiegend "Vernunft" bedeutet. Wenn also heute Mathematikfans ob des Datums 22/7 den Pi Approximation Day feiern, geschieht das zwar zu Ehren einer an die Irrationalität und Transzendenz angelegte Berechnung aber eben nicht aus Unvernunft. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Spekulation : Dan Moren freut sich schon auf das Ende des Sommers, wenn Apple neue iPhones auflegen wird. Dabei hofft er auch auf eine Vereinfachung des Angebots - gleichzeitig aber auf mehr neue Modelle. Unbestritten sein dürfte, dass Apple iPhone XS und XS Max weiter entwickelt, die heute verfügbaren Geräte zugunsten der Nachfolger vom Markt nimmt. Am unteren Ende der Preisskala und auch der Gerätegröße muss aber Apple noch etwas tun. Moren schlägt zweierlei vor: Ein iPhone 9 im Gehäuse des 7ers oder 8ers, aber mit aktueller Technik - das iPhone SE grüßt aus seinem Alteisenbehälter – und ein iPhone XR mit kleineren Ausmaßen. Das macht das Angebot nicht unbedingt übersichtlicher, aber man kann nicht alles in eine 2x2-Matrix stecken. Aber den meisten Käufern dürfte so klarer werden, welches iPhone das richtige für sie ist.

Gut gelandet: Steve Jobs' Rückkehr zu Apple bedeutete die Vereinfachung des Mac-Angebots, die sich Dan Moren nun für das iPhone wünscht. Mitte der Neunziger war die Palette unübersichtlich geworden, dabei hätte es doch nur vier Geräte mit unterschiedlichen Farben und Ausführungen gebraucht: Desktops und Laptops für Profis und Einsteiger. Gestern war es 20 Jahre her, dass Apple die 2x2-Matrix komplettierte, mit dem Laptop für Einsteiger, dem "iMac zum Mitnehmen": dem iBook. In Blueberry und Tangerine kamen die Farben, die wesentliche Neuheit bestand aber in der drahtlosen Schnittstelle, die Apple als "Airport" vermarktete. Phil Schiller führte die Fähigkeit des iBook, überall in Reichweite einer Basisstation auch ohne Kable Verbindung zum Netz zu haben, mit einem kühnen Sprung aus etwa drei Metern Höhe auf eine Schaumstoffmatte vor - passend zum 30sten Jahrestag der Mondlandund.

TV-Hardware : Das aktuelle Apple TV 4K wird nun auch schon bald zwei Jahre alt. Kein Grund zur Hektik, technisch ist die Box für ihre Zwecke nach wie vor auf dem aktuellen Stand der Technik. Angesichts des für den herbst angekündigten Service Apple TV+ wäre es aber allmählich wieder Zeit für ein Update, meint Jason Cross und schlägt im Wesentlichen sechs Maßnahmen vor. Da wäre zum einen die Fernbedienung, die ruhig wieder etwas mehr in die Richtung der Hardware vergangener Tage zurückgehen könnte: Pfeiltasten und Eingabeknopf statt Touchpad. Das Design könnte man auch mal wieder anpassen, warum bei der Gelegenheit nicht gleich aus dem Apple TV ein weiteres Gerät für direkte Spracheingabe und -ausgabe machen und das Konzept von Apple TV und HomePod in eine Art HomePod Mini mit HDMI-Ausgang verschmelzen? Dann wäre aber auch ein USB-C-Anschluss eine gute Idee, um externe Speicher mit abspielbaren Medien anhängen zu können. Freilich benötigte das Ganze auch eine modernere CPU, Cross schlägt hier den A12 vor. Aber warum bringt Apple nicht einfach dem Vorbild von Amazon und Google folgend einen einfachen Streaming-Stick? Dieser würde das Apple TV nicht ersetzen, könnte es aber ergänzen.

Voller Zugriff: Nach einem Bericht der Financial Times verkauft die israelische NSO Group nun eine verbesserte Version seiner Spionagesoftware Pegasus, mit der man nicht nur Daten von iPhones und Android-Handys einsammeln kann, sondern auch Zugriff auf Daten bekommt, die auf den Servern von Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Google lagern. NSO lässt sich das Tool teuer bezahlen, Kunden sind daher vor allem Regierungsbehörden. Die Infektion des Smartphones passiert über einen per SMS verschickten Link, selbst die Zwei-Faktor-Authentifizierung wird beim Zugriff auf die iCloud umgangen. Ein Apple-Sprecher reagiert auf den Bericht mit einer entwarnenden Bestätigung: "Während es einige teure Tools geben mag, mit denen man gezielt Angriffe auf iPhones ausführen kann, glauben wir nicht, dass diese  für großangelegte Angriffe auf Verbraucher geeignet sind."

Weitere Nachrichten:

Vodafone muss Preis für DSL-Anschluss erhöhen

Vodafone-Kunden müssen ab dem 1. September 2019 für ihren DSL-Anschluss pro Monat 1,39 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) mehr zahlen. Das hat Vodafone nun mitgeteilt . Die Preiserhöhung sei notwendig, weil die Deutsche Telekom ihre Leitungsmiete zum 1. Juli 2019 erhöht habe und Vodafone die "letzte Meile" bei der Telekom mieten müsse, um ihren Kunden einen DSL-Anschluss anbieten zu können. Die Höhe dieser Miete unterliegt der Preisaufsicht durch die Bundesnetzagentur. Von der Erhöhung der Leitungsmiete, so Vodafone, seien so viele ihrer Kunden betroffen, "dass wir leider die Mehrkosten nicht für Sie auffangen können."

Alle Vodafone-Kunden, die nicht mit der Preisanpassung um 1,39 Euro pro Monat einverstanden sind, dürfen ihren DSL-Vertrag vorzeitig kündigen. Wer zu einem anderen Anbieter wechselt, kann auch seine Rufnummer mitnehmen, weil die dreimonatige Kündigungsfrist in diesem Fall nicht gilt. "In diesem Fall reicht es, wenn wir den Antrag Ihres neuen Anbieters bis zum 31. August 2019 vorliegen haben", erklärt Vodafone auf dieser Info-Seite.

Wer seinen Anschluss komplett kündigen möchte, der kann seinen Kündigungswunsch bis zum 31. August 2019 äußern und sich dabei auf sein Sonderkündigungsrecht beziehen. Wird kein Wunschtermin genannt, dann wird die Kündigung zum 31. August 2019 wirksam. Dabei warnt Vodafone: "Bitte beachten Sie, dass Ihre Kündigung kurzfristig nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Daher kündigen Sie bitte nur, wenn Sie sich sicher sind."

Vodafone weist auch darauf hin, dass die Preisanpassung beim ersten Mal nur anteilig als "Zuschlag Leitungsmiete" berechnet wird, je nach dem Rechnungszeitraum. Erst auf der nächsten Rechnung erscheine dann der gesamte Betrag von 1,17 Euro netto beziehungsweise 1,39 Euro brutto.

Allen Kunden, die mit der Preiserhöhung für den DSL-Anschluss unzufrieden sind, empfiehlt Vodafone außerdem, einen Wechsel zu Highspeed-Internet über Kabel. In 13 Bundesländern biete Vodafone dies als Alternative zu DSL an und setze dabei auf die eigene Kabeltechnologie. Vodafone verlegt das Kabel dabei direkt bis ins Haus, wodurch auch keine Mitzahlung an die Deutsche Telekom für die "letzte Meile" notwendig sein. Wer einen Wechsel zu Kabel in Betracht zieht, erhält auf vodafone.de/dslalternative weiter Informationen dazu.

Test: Hitze macht 5G-Smartphones zu schaffen

Das Wall Street Journal hat in einem aktuellen Test die Performance und Zuverlässigkeit von 5G-Smartphones unter die Lupe genommen. Dafür testete Redakteurin Joanna Stern Geräte mehrerer Hersteller bei sommerlichen Temperaturen in den USA. Hier wurde schnell klar: Viele 5G-Smartphones haben ein Hitzeproblem. Bei Sonnenschein und ab 28 Grad Außentemperatur überhitzen die Geräte laut Stern sehr schnell und schalten die 5G-Funktion ab. Bei 32 Grad waren laut dem Wall Street Journal in der Regel nur noch zwei 5G-Downloads möglich. Innerhalb kurzer Zeit wurden die Smartphones dabei so heiß, dass sie die Nutzung des schnellen Mobilfunkstandards deaktivierten. Abhilfe kann nur eine zusätzliche Kühlung schaffen. Alternativ müssen Nutzer warten, bis sich das Gerät von allein soweit abgekühlt hat, dass 5G wieder nutzbar wird.

Angesprochen auf das Problem beim Galaxy S10 5G bestätigte eine Samsung-Sprecherin gegenüber dem Wall Street Journal, dass das Problem bekannt sei. Bei der Nutzung des 5G-Netzes überträgt das Mobilgerät mehr Daten mit höheren Geschwindigkeiten, wodurch der Prozessor mehr Energie verbraucht und wärmer wird. Samsung steuert hier gegen und regelt die Leistung des Smartphones beim Erreichen einer Grenztemperatur ab. Aber auch das funktioniert nur eine Weile, bis das Smartphone überhitzt. Für Abhilfe können langfristig nur die Weiterentwicklung der 5G-Technologie und des zugehörigen Ökosystems sorgen. Kurzfristig können Kühlakkus helfen, das Smartphone wieder auf Normaltemperatur zu bringen. Laut dem Wall Street Journal sei das 5G-Netz in den USA aktuell noch sehr dünn. Geschwindigkeitsvorteile würden sich zudem nur beim Download sehr großer Datenmengen bemerkbar machen.

Face App: Aufregung um die russische App wohl etwas übertrieben

„Lässt Putin uns alle alt aussehen“ titelte die Bild-Zeitung und warnte, wie viele andere Medien vor der App Face App aus Russland - eine beliebte App von Wireless Lab , mit der man sein Porträtfoto künstlich altern oder verjüngen kann. Bei der Nutzung erlaube man den Betreibern der App allerdings besonders weitgehende Nutzungrechte. Diese Woche sorgte das zu starker Kritik in sozialen Medien und Nachrichtenseiten. Ein US-Senator befürchtete sogar, Daten von US-Bürgern könnten in die Hände des russichen Staates geraten. Auch wir berichteten. 

Nicht nur Danny Bradbury von der Sicherheitsfirma Sophos wundert sich allerdings, wie es zu diesem großen Aufsehen kam. Probleme mit zu weitgehenden Nutzungsbedingungen sind nicht neu. So sind laut Bradbury die Datenschutzbestimmungen der App Accuweather ähnlich weitgehend, sammelt die Wetter-App doch sogar Standortdaten seiner Nutzer und darf laut seinen AGB Geräte-IDs und persönliche Daten sammeln. Die Auswertung von Privatfotos ist ebenfalls kein Einzelfall: Auch Youtube und IBM nutzten schließlich Millionen an Personenfotos für die Weiterentwicklung ihrer Anwendungen, IBM etwa Fotos von Flickr für das Trainieren der firmeneigenen Gesichtserkennung. Facebook kann Nutzerbilder für für Anzeigen und gesponserter Inhalte verwenden.

Wie Veit vermutet, hat das große Aufsehen andere Ursachen: Die Geschäftsbedingungen sind ungewöhnlich krass formuliert, so verlangt die App eine „perpetual, irrevocable, nonexclusive, royalty-free, worldwide, fully-paid, transferable sub-licensable license“ und das Herkunftsland der App ist eben Russland. Dabei hat das Unternehmen mittlerweile gegenüber der Presse mitgeteilt, dass Bilder meist nach 48 Stunden automatisch von den Servern gelöscht werden. Für die Bearbeitung müssen die Fotos aber hochgeladen werden, da die Umwandlung per Serverdienst erfolrt. Die Daten selbst werden außerdem gar nicht in Russland verarbeitet, sondern auf den Servern von Google Cloud und Amazon AWS.

Bei einem ersten Blick in die Geschäftsbedingungen der App ist man zu Recht geschockt, wenn auch von der App offensichtlich keine echte Gefahr für die Daten der Nutzer ausging. Offenbar wurden die Fotos ja nicht ausgewertet, sondern zumeist nach der Bearbeitung automatisch wieder von den Servern gelöscht. Beim Thema persönliche Daten ist die Öffentlichkeit aber offensichtlich etwas sensibler geworden – was wir als ein gutes Zeichen sehen.

Huaweis großer Bluff: Keine Alternative zu Android

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass Huawei entgegen aller bisherigen Berichte doch keine ernsthafte Alternative zu Android für seine Smartphones besitzt. Aufgrund der von der US-Regierung verhängten Sanktionen könnte Huawei langfristig den Zugriff auf Android verlieren, wenn die USA und China ihren Handelskrieg nicht beenden. Bisher hatte Huawei beschwichtigt und darauf verwiesen, dass man im Ernstfall mit Hongmeng OS (hierzulande ArkOS genannt) bereits an einer Alternative arbeite, die bei Huawei-Smartphones zum Einsatz kommen. Vereinzelt war sogar zu hören, dass das Betriebssystem in China bereits in diesem Jahr und später dann auch weltweit an den Start gehen könnte.

Laut aktuellen Medienberichten hat allerdings die Huawei-Vizepräsidentin von Huawei, Catherine Chen, gegenüber Journalisten in Brüssel erklärt, dass Hongmeng OS nicht für den Einsatz auf Smartphones konzipiert worden sei. Das Betriebssystem sei deutlich schlanker und damit auch schneller, weil es für den Einsatz in der Industrie gedacht sei. Vermutet wird, dass damit IoT-Geräte gemeint sind. Jedenfalls erklärte Chen auch, dass das eigene Betriebssystem auch darauf spezialisiert sei, effizient eine hohe Menge an Daten zu verarbeiten. Hongmeng OS besitze außerdem nur einen Bruchteil des Codes, der normalerweise bei Smartphone-Betriebssystemen benötigt werde.

Hat Huawei einfach geblufft, um Google & Co. dazu zu animieren, bei der US-Regierung ein gutes Wort für Huawei einzulegen?

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