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Morgenmagazin vom Montag, 22. Juni 2020

22.06.2020 | 06:59 Uhr | Peter Müller

Apple vor der WWDC: Mac zieht auf ARM um, fragt sich nur, wann die Hardware kommt +++ Tim Cook im CBS-Interview über soziale Verantwortung +++ Covid19: Einige Apple Stores schließen wieder ++ Keen: Google launcht Pinterest-Rivalen +++ Mozilla VPN: Mozilla startet eigenen VPN-Client +++ Gefährliche Asteroiden mit Kabel einfangen: Astronomen wollen die Erde retten +++

22. Juni: 90 Minuten und mehr

Macwelt wünscht Guten Morgen! An sich ist Mitte bis Ende Juni ja die Zeit, in der sich die Welt um   den Fußball dreht, das war für 2020 auch nicht anders geplant. Sehen wir mal die historischen Kalenderblätter des 22. Juni an. Im Jahr 1974: Das berühmte Sparwasser-Tor in Hamburg. Im Jahr 1980: Zwei Tore von Horst Hrubesch machen Deutschland zum zweiten Mal zum Europameister. 1986: Diego Armando Maradona narrt in Mexico City zunächst den Schiedsrichter und dann ein halbes Dutzende Engländer mit der "Hand Gottes" und einem Jahrhunderttor.

Und nun? Die Bundesliga 19/20 ist noch nicht ganz zu Ende, aber schon bis auf Nebenstränge auserzählt, Premier League, La Liga und Serie A haben gerade erst wieder angefangen, während Nationaltrainer weiter zum Nichtstun gezwungen sind. Mal sehen, ob und wie das im September weiter geht.

Was Apple und den 22. Juni betrifft: Bisher keine wesentlichen Ereignisse. Vielleicht das eine: Seit dem 22. Juni 2012 gibt es das iPhone auch mit Prepaid-Tarifen, seinerzeit bei Cricket Wireless die Modelle 4 und 4s. Sonst war die letzten Juni-Dekade ja auch die Zeit nach der WWDC und vor Veröffentlichung der Public Betas. In diesem Jahr fängt der Spaß aber am 22. Juni überhaupt erst an. Und wir sind natürlich mittendrin, statt nur dabei.

Nun ja, auch wir werden die Keynote heute Abend aus der Ferne verfolgen, wie die letzten Jahre auch. Aber planen wir, uns nicht nur den Abend über an Neuigkeiten für iPhone, Mac, iPad und den ganzen Rest zu erfreuen, sondern wir werden uns auch noch die halbe Nacht um die Ohren schlagen, um alles einzuordnen und zu erklären.

Verbringen Sie also heute mit uns den Abend auf macwelt.de, wenn die Welt sich wieder um einen angebissenen Apfel dreht.

Lesetipps für den Montag:

Los geht's: Der Analyst Ming-Chi Kuo von TF Securities rechnet mit ARM-Macs zur WWDC, Apple werde heute zwei Rechner vorstellen, die auf selbst entwickelten Prozessoren aufsetzen, die im 5nm-Verfahren produziert wurden. Dabei handele es sich um ein Macbook Pro 13,3 Zoll, das wie sein Intel-Pendant aussehe - und das Apple erst vor Kurzem erneuert hatte. Der zweite ARM-Mac werde ein iMac mit neuem Formfaktor sein. Ab dem Jahr 2021 werde Apple nur noch neue Macs mit ARM-Chip bringen, der Umstieg werden 12 bis 18 Monate dauern. In der Sache des Umstiegs auf ARM einig zeigt sich Bloombergs Mark Gurman , im Detail widerspricht er aber Kuo. Apple werde den Plattformwechsel ankündigen und die Software vorstellen, erste Hardware werde es aber nicht vor Ende 2020 oder Anfang 2021 geben.

Neben der Hauptspur: Vor der WWDC hat es allerlei Spekulation über Neuerungen gegeben, die Apple heute Abend vorstellen dürfte - oder auch nicht. Michael Simon hat nch ein paar Prognosen an der Hand, die nicht unbedingt zu den Highlights zählen, aber durchaus ihren Weg in die Öffentlichkeit finden könnten. So wäre etwa eine Software wie Facetime Meetings in der Pandemiezeit durchaus sinnvoll, mit mehr als 32 Teilnehmern, einer Variante für den Browser und einer Gitteransicht der Teilnehmer. Ein neuer iMac steht angeblich auch auf dem Programm, aber wie wäre es mit einem auf 32 Zoll vergrößerten iMac Pro? Das Pro Disply XDR würde sich in Look und Dimension als Basis für den neuen Profirechner anbieten. Kleiner hingegen darf ruhig das Apple TV werden, als Apple TV 4K Stick. Seine Services wie Apple TV+, News+ oder Arcade könnte Apple durchaus auch auf Android ausdehnen - und für Time Machine in der Cloud ist es an sich schon höchste Zeit.

Rückschlag: Das stabile Genie im Weißen Haus hat einen Vorschlag, wie sich der jüngste Anstieg der Infektionszahlen in den USA wieder stoppen lässt: Einfach langsamer und weniger testen. Glücklicherweise werden Unternehmen wie Apple der Verantwortung gerecht, die der POTUS nicht in der Lage oder nicht willens ist zu tragen. Die vorsichtige Wiedereröffnung seiner Stores, die Apple außerhalb Chinas am 13. März alle geschlossen hatte, kommt in einigen Bundesstaaten der USA wieder zum Erliegen, im Gegenteil schließen einige Stores in besonders betroffenen Gebieten wieder auf unbestimmte Zeit. Dabei handelt es sich um sechs Niederlassungen in Arizona, deren zwei in Florida und North Carolina sowie einem in South Carolina."Wir gehen diesen Schritt mit großer Vorsicht an, da wir die Situation genau beobachten, und wir freuen uns darauf, unsere Teams und Kunden so bald wie möglich zurück zu haben," heißt es in einem Statement des Unternehmens. 

Interview: Im Vorfeld der WWDC hat Tim Cook dem Fernsehsender CBS ein Interview gegeben, das am Sonntag ausgestrahlt wurde. Andeutungen über die Inhalte der Keynote am heutigen Montag ließ er sich nicht entlocken, obwohl vor Neuigkeiten schier platzen wollte, aber er sei ja in der Zurückhaltung trainiert. Wesentlicher war daher der Teil über die soziale Verantwortung Apples, das die Technologie schaffen half, mit der Vorfälle wie der Mord an George Floyd von Passanten überhaupt erst dokumentiert werden konnten. Eine der dramatischsten gesellschaftlichen Änderungen seien ausgelöst worden, weil jemand ein Vidoe aufgenommen habe, man sei sehr stolz bei Apple, den Leuten Kameras in die Taschen gesteckt zu haben, so dass nun niemand mehr wegschauen könne.  Zum Thema Steuern zog sich Cook wieder auf die Position zurück, Apple würde genau das bezahlen, was es schulde. Doch leiste das Unternehmen nicht nur Steuerzahlungen für die Gesellschaft, in der Corona-Pandemie habe man die Firma auf den Kopf gestellt und auch Abermilionen für Material an medizinisches Personal gespendet.

Weitere Nachrichten:

Keen: Google launcht Pinterest-Rivalen

Area 120 - ein Google-Entwicklerteam, das sich mit experimentellen Diensten und Apps befasst - hat in dieser Woche mit Keen einen neuen Service gestartet . Der Funktionsumfang ist an die Online-Pinnwand Pinterest angelehnt. Keen setzt auf kuratierte Themen und die Machine-Learning-Erfahrungen von Google. Der Dienst ist ab sofort als Web-Version sowie als App für Android verfügbar. Laut Gründer CJ Adams ist Keen eine Alternative zum "hirnlosen" Browsen in Online-Feeds.

Einen sogenannten Keen - das Äquivalent zu Pinterests Pinboards - können Nutzer zu allen erdenklichen Themen erstellen, beispielsweise Grillen, Zeichnen, Mode oder Fotografie. In diesem Keen können dann unterschiedliche Artikel und Ratgeber zu diesem Thema gesammelt werden. Andere Nutzer können zum Keen eigene Artikel hinzufügen und dem Thema folgen. Strukturieren lässt sich der Keen außerdem mit zusätzlichen untergeordneten Themengebieten. Laut Google soll Keen im Vergleich zu Pinterest bessere Empfehlungen in Bezug auf frühere Suchanfragen und Interessen liefern. Ob das der Fall ist und ob sich Keen auf lange Sicht zur besseren Online-Ideensammlung wird aufschwingen können, muss sich aber erst noch zeigen.

Mozilla VPN: Mozilla startet eigenen VPN-Client

Im September 2019 kündigte Mozilla mit Firefox Private Network einen eigenen VPN-Client als Browser-Erweiterung an. Das Tool startete damals exklusiv für US-Nutzer im Rahmen des Mozilla Test Pilot Programms. Anfang 2020 folgte dann eine eigene App für Android, iOS, Windows und Chrome OS, die im Rahmen einer Beta-Phase getestet werden konnte - ebenfalls nur für US-Nutzer.

Heute hat Mozilla mit Mozilla VPN schließlich das finale Produkt vorgestellt , das in den nächsten Wochen launchen soll. Der Client wird im Launch-Zeitraum als Angebot für 4,99 US-Dollar monatlich erhältlich sein. Mozilla VPN soll auf bis zu fünf Geräten mit Android, Windows und Chrome OS genutzt werden können. Zum Launch ist das Tool ebenfalls nur in den USA erhältlich, weitere Länder sollen jedoch noch in diesem Jahr folgen. Auch an einer macOS-Version arbeitet Mozilla eigenen Angaben zufolge bereits, auch eine Version für Linux ist bereits in Planung.

Mozilla VPN leitet den Datenverkehr der geschützten Geräte über die Proxy-Server der schwedischen Firma Mullvad VPN, die dafür ihren WireGuard-Dienst zur Verfügung stellt. Beim Datenschutz müssen sich Nutzer für Mozilla VPN also auf mehr als nur ein Unternehmen verlassen.

Gefährliche Asteroiden mit Kabel einfangen: Astronomen wollen die Erde retten

Wenn in Science-Fiction-Filmen oder in Stammtischdiskussionen von der Abwehr gefährlicher Asteroiden die Rede ist, dann fallen meist Begriffe wie „sprengen“, „Raketen“ oder „Atomwaffen“ und man hat Bruce Willis aus dem Film Armageddon vor Augen. Mit anderen Worten: Der im Anflug befindliche Felsbrocken soll gesprengt oder durch eine Explosion zumindest in seiner Flugbahn verändert werden.

Doch laut einem Bericht von Dailymail entwickeln Forscher der University of Central Florida ein neues Abwehrverfahren: Die gefährlichen Asteroiden sollen mit sehr langen Kabeln an kleinere kosmische Objekte angebunden und so von ihrer für die Erde potenziell gefährlichen Flugbahn abgelenkt werden.

Hierzu müsste rechtzeitig ein Raumschiff von der Erde starten und mit den auszulegenden Kabeln Richtung Asteroid fliegen. Mit den Kabeln soll dann der Asteroid, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet, mit einem anderen, kleineren Asteroiden verbunden werden. Dieser andere Asteroid soll dann den gefährlichen Asteroiden ein klein wenig aus dessen ursprünglicher Flugbahn ziehen. Schon mit einer minimalen Abweichung wäre so die Erde zu retten.

Die Astronomen haben ein derartiges „Abschleppverfahren“ am Beispiel des Asteroiden Bennu bereits theoretisch durchgespielt. Allerdings nur in einer Computersimulation. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass dieses Asteroiden-Abwehr-Verfahren wohl durchführbar sei.

Bennu wählten die Forscher unter anderem deshalb aus, weil er als potenziell gefährlich gilt und der Erde relativ nah kommt. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts könnte Bennu sich der Erde besonders stark nähern und dann könnten die Forscher ihr Schutzsystem mit den Kabeln ausprobieren, falls Bennu tatsächlich gefährlich werden sollte. Dazu müsste natürlich erst einmal ein anderer Asteroid in relativer Nähe gefunden werden, mit dem man Bennu verbinden könnte.

Der Asteroid Bennu wird bereits intensiv von Weltraumwissenschaftlern beobachtet. Mehr zu Bennu lesen Sie in diesen Meldungen:

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