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Morgenmagazin vom Montag, 23. September 2019

23.09.2019 | 06:59 Uhr |

Apple setzt Handelserleichterungen für importierte Komponenten durch +++ Patenttroll verklagt Apple wegen Shortcuts +++ Wenn die Apple Watch keine Mitteilungen mehr anzeigt +++ Gerichtsurteil: Steam muss Weiterverkauf von Spielen erlauben +++ 100.000 von KI erzeugte Porträts zur freien Nutzung +++ Minecraft bekommt Charakter-Editor

23. September: Born to run

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Herbst ist es schon in der Nacht geworden, also, was das Wetter betrifft. Das ist aber ebenso wenig mit dem Klima zu verwechseln wie mit dem Datum des astronomischen Herbstanfangs: Heute um 9.50 Uhr MESZ steht die Sonne am Äquator senkrecht am Himmel, in den nächsten sechs Monaten wird sie dort nur noch südlich davon zu sehen sein. Dunkle Jahreszeit im Norden.

Lassen wir uns vom Herbst aber nicht betrüben, auch wenn es immer schwerer fällt, ausreichend Licht für die Produktion von Vitamin D auf die Haut zu bekommen. Beginnen wir die Woche lieber mit einer "Wall of Sound". Genau einen solchen Effekt wollte Bruce Springsteen für die ersten Takte des Titelsongs seines 75er-Albums "Born to Run". Voller Inbrunst setzt die gesamte E-Street-Band ein, ohne jedwede Vorankündigung, gewissermaßen mit der Tür ins Haus fallend. Aber wenn der Song davon erzählt, dass man eigentlich nur weg will aus der öden Provinz, ist das ja ein nachvollziehbarer Weg, das so zu sagen.

Heute wird Bruce Springsteen 70 Jahre alt und man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass er bereits im Herbst seines Lebens stehen soll. Die von seiner Musik begleitete Lesung aus seiner Autobiographie "Born to run" (sic!) lief erfolgreich als "Springsteen On Broadway", wer gerne Podcasts und/oder Sprachplatten hört, dem sei das gleichnamige Album empfohlen. Wer lieber Musik ohne viel Gerede zwischen den Titeln mag, der ist mit "Western Stars" von Springsteen bedient, das erst im Juni diesen Jahres erschienen war. Die Texte weiter sehr politisch, die Musik aber etwas kontemplativer, ruhiger, ja, durchaus ein wenig herbstlicher als die Klangeruptionen des jungen Musikers. Aber auch wen der "Boss" – für Demokratie innerhalb seiner Band war er nicht gerade zu haben, daher der Spitzname – auch nächstes Jahr wieder die Stromgitarren auspacken wird: Die E-Street-Band ist nicht mehr dieselbe, ohne Clemons "The Big Man" Clarence und Danny Federici, die bereits in der Big Band im Jenseits spielen. Auf die Tour freuen wird uns dennoch, und wer weiß, ob der Boss mit oder ohne E-Street im Januar 2021 bei der Inauguration von POTUS 46 spielt, wie dann zwölf Jahre zuvor beim Amtsantritt von Nummer 44.

Der Boss erfreut sich  hoffentlich dann auch noch im Rahmen seiner Möglichkeiten bester Gesundheit. Die vom Vater geerbte Depression hat ihm Zeit seines Lebens schwer zu schaffen gemacht. Depression, nicht Trübsal. Gegen Herbst-Trübsal helfen vielleicht Gedanken an den nächsten Frühling und gute Musik, gegen Depression nur richtig dosierte Medikamente. In diesem Sinne: Happy Birthday, Boss! Möge die Biochemie weiter mit dir sein! Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Neu aufgesetzt: Schon seit Freitag sind zahlreiche neue iPhones bei den Kunden angekommen, aber auch im Laufe der nächsten Wochen werden noch Geräte per Post bei den Käufern ankommen, die vor etwas mehr als einer Woche nicht sofort bestellen konnten. Ob man nun ein iPhone als neues Gerät einrichtet oder die Daten vom bisher genutzten iPhone überträgt - für beide Fälle stellt iOS adäquate Hilfsmittel bereit. Jason Cross erklört auf Macworld genau, wie sie Ihre Daten vom alten Gerät auf das neue bekommen, auch wenn sie dabei einen Versionssprung des  Betriebssystems berücksichtigen müssen. Denn dieses ist seit letzter Woche final, und schon morgen steht das Update auf iOS 13.1. an.

Vergleich: Wer erstmals damit liebäugelt, sich eine Apple Watch ans Handgelenk zu binden, hat die Wahl zwischen der neuen Apple Watch Series 5 und der vor zwei Jahren herausgekommenen Series 3, die mit einem Preis ab 199 US-Dollar so günstig ist wie nie zuvor. Abstriche muss man zwar machen, die Series 5 lockt mit ihrem Always-on-Display, einem größeren Bildschirm, der mehr Platz für Informationen bietet und mehr Speicher. Die Series 3 kommt aber beinahe mit den gleichen Sensoren, nur der für EKG fehlt - den hatte es erst mit der Series 4 gegeben. Aber mit watchOS 6 bekommt beinahe eine neue Uhr und für den Einstieg ist die Series 3 gewiss eine gute Idee. Im kommenden Jahr könnte die Apple Watch einen weiteren großen Sprung machen, dafür hätte man dann jetzt Geld gespart.

Ausnahme: Apple ist es gelungen, Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China abzumildern, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die zuständigen Behörden hätten die Beschränkungen beim Import von  teilweise vorgefertigten Komponenten wie Mainboards oder Grafikkarten gelockert.  Apple benötigt diese speziell für die Fertigung des neuen Mac Pro in Texas, aber auch andere Hersteller profitieren davon. Die fraglichen Komponenten enthalten Chips von Intel, Nvidia oder AMD und sind typischer Weise die teuersten in einem Rechner.

Klage: Der Patenttroll Aftechmobile verklagt Apple am Gerichtsbezirk von Nordkalifornien. Der iPhone-Hersteller soll mit seiner Shortcuts-App das US-Patent No 10,133,558 verletzten, in dem Aftechmobile Methoden beschreibt, vorgefertigte Softwarekomponenten in Applikationen einzubinden. Der Kläger, der selbst keine Software oder Services verkauft, verlangt Lizenzen in angemessener Höhe. Haken an  der Sache: Apples Shortcuts, seit iOS 13 und iPadOS 13 fester Systembestandteil und im letzten Jahr noch als separate App erhältlich, basiert auf der im Jahr 2014 erstmals im App Store aufgetauchten Anwendung Workflow, die Apple mitsamt ihren Entwicklern aufgekauft hat. Das Patent jedoch hat Aftechmobile erst im November 2018 gewährt bekommen.

Stumm geblieben : Zunächst hat man sich am Wochenende ja gefreut, dass nicht so viele Mails, Nachrichten und WhatsApps auf dem Handgelenk eintrudelten, die Leute haben wohl das schöne Wetter genossen. Als es in der Bundesliga zur Halbzeitpause aber scheinbar in allen Stadien noch 0:0 stand, wurde man doch stutzig. Und siehe da: Tore waren gefallen, der Toralarm in der passenden App aktiviert, und in Form von Benachrichtigungen auf dem iPhone auch tatsächlich angekommen. Nur die Apple Watch hatte nichts davon mitbekommen. Sicher ein Bug und kein Feature, aber wie beheben? Auf das angekündigte Update auf iOS 13.1 warten oder hoffen, dass ein watchOS 6.0.1 das Problem behebt? Dieses war bei vielen anderen Leuten auch aufgetreten, die unterschiedliche Lösungansätze wählten, die zum Ziel führten. Meist hat es ein Neustart von Apple Watch und iPhone getan, damit man die Zwischen- und Endstände der Sonntagsspiele wieder auf das Handgelenk bekam. Andere entkoppelten ihre Uhr vom iPhone und koppelten sie neu - auch gut. Nebeneffekt: Auch die lästigen Benachrichtungen über Mails, Nachrichten und WhatsApps waren wieder da, aber in der App Watch auf dem iPhone kann man diese Mitteilungen ja App für App ausschalten.

Weitere Nachrichten:

Gerichtsurteil: Steam muss Weiterverkauf von Spielen erlauben

Wer auf der Download-Plattform Steam ein Spiel erwirbt, muss auch die Möglichkeit bekommen, dieses Spiel in „gebrauchtem“ Zustand an andere Nutzer weiterzuverkaufen – ganz wie bei physischen Datenträgern. Diese Meinung vertritt zumindest die französische Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Choisir, die bereits 2015 gegen Valve geklagt hatte. Steam-Betreiber Valve will sich dieser Einstufung durch seine Abonnentenvereinbarung entziehen. Das US-Unternehmen argumentiert, dass auf Steam keine Spiele, sondern Abos für Spiele verkauft würden. Nutzer seien also genau genommen nach dem Kauf nicht im Besitz des jeweiligen Spiels und dürften dieses dann auch nicht weiterverkaufen.

Das Pariser Gericht Tribunal de Grande Instance fällte in dieser Woche ein erstes Urteil zum Rechtsstreit zwischen Valve und den Verbraucherschützern – zugunsten von UFC-Que Chosir. Die Tatsache, dass ein Weiterverkauf von Spielen in den Steam-Nutzungsbedingungen nicht vorgesehen sei, verstoße gegen geltendes EU-Recht, urteilte das Gericht. Valves Abo-Argument ließ das Gericht nicht gelten. Nutzer würden keine Abo-Gebühren zahlen, sondern die jeweiligen Spiele kaufen. Im Europäischen Binnenmarkt müssen diese auch weiterverkauft werden dürfen. Valve will nun in Berufung gehen und das Urteil anfechten. Auswirkungen auf Steam-Nutzer hat das Urteil derzeit also noch nicht.

100.000 von KI erzeugte Porträts zur freien Nutzung

Von künstlicher Intelligenz erzeugte Fotos von Personen, die es in Wahrheit gar nicht gibt, kursieren schon lange im Netz. Oft lässt sich schnell erkennen, dass hier eine KI am Werk war, teilweise wirken die Fotos aber absolut echt. Wie weit diese Entwicklung schon fortgeschritten ist, beweist ein neues Angebot auf dem Marktplatz Icons8.com . Dort stehen 100.000 von einer KI erzeugte Porträtfotos zum kostenlosen Download bereit. Da es sich nicht um echte Personen handelt, ist für die Nutzung der Fotos auch keine Lizenzgebühr fällig.

Einige der Bilder sind schnell als Fake erkennbar, andere wiederum lassen sich nicht von echten Fotos unterscheiden. Sie lassen sich frei auf Webseiten, für Präsentation oder in mobilen Apps verwenden. Lediglich einen Link zur Ursprungsseite wünscht sich der Autor. Im Gegenzug erhalten Nutzer endlose Fotos mit unterschiedlicher Beleuchtung, verschiedenen Blickwinkeln, allen Altersgruppen, Ethnien und Gesichtsformen. Teilweise treten jedoch noch Fehler auf, mal ist eine verformte Hand zu sehen oder im Gesicht tauchen merkwürdige Leerstellen auf. Künftig will der Autor sogar eine API anbieten, mit der sich neue Fotos mit zahlreichen Voreinstellungen errechnen lassen. Als Grundlage für die erstellten Fotos dienten mehrere Tausend echte Porträts, die für das Projekt eigens erstellt wurden. 

D

Minecraft bekommt Charakter-Editor

Wer seine Spielfigur in Minecraft individualisieren will, musste bislang auf Skin-Pakete zurückgreifen. Eine freie Möglichkeit zum Anpassen gab es nicht, bzw. erforderte dies viel Geschick mit Grafikprogrammen und dem Import ins Spiel. Microsoft arbeitet nun an einem vollwertigen Charakter-Editor, wie man ihn aus Rollenspielen kennt. Im Rahmen der Beta-Version 1.13.9.15 lässt sich der Baukasten für Spielfiguren in Minecraft schon ausprobieren. Allerdings ist dies nur für Spieler möglich, die am Xbox-Insider-Programm teilnehmen.

Im Charakter-Editor von Minecraft lassen sich Körpergröße und Körperform, die Form und Anzahl der Augen, Frisuren, Bärte, Münder und Kleidungsstücke anpassen. Einzelne Gliedmaßen können dabei ersetzt werden: Ein Roboterarm und eine Blume in der zweiten Hand – alles möglich. Dafür stehen zahlreiche Items wie Rucksäcke, Augenklappen, Brillen oder Masken zur Verfügung. Viele Individualisierungen lassen sich ohne zusätzliche Kosten nutzen, für andere muss man mit Coins bezahlen. Mit einem Maximalpreis von zwei Euro halten sich die Kosten jedoch in Grenzen. Von Beginn an sind 100 unterschiedliche Gegenstände gratis nutzbar. Die Verwendung von fertigen Skins sei laut Microsoft auch weiterhin möglich. Wann der Charakter-Editor in die Live-Version von Minecraft Einzug halten wird, ist derzeit noch unklar.

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