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Morgenmagazin vom Montag, 26. April 2021

26.04.2021 | 07:13 Uhr | Peter Müller

TU Darmstadt entdeckt Sicherheitslücke in Airdrop +++ Sammelklage gegen Apple: Wasserdichtheit der iPhones +++ Rezept für das Shortbread von Ted Lasso entdeckt +++ Apple TV+ kündigt Musikdokumentation über 1971 an +++ Premiere: NASA-Mars-Rover erzeugt atembaren Sauerstoff +++ Sparkassenkunden per SMS angegriffen: Vorsicht vor Cybergangster

26. April: Der Wind trägt's weiter

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Die Sonne mag heute wieder recht viel scheinen, aber ein strahlender Morgen wird es dann hoffentlich nicht. So wie der heute vor 35 Jahren. Ein paar Ingenieure verfolgten in der Nacht vom 25. auf den 26. April in einem Kernkraftwerk im Norden der ukrainischen Sowjetrepublik einen nur unzureichend vorbereiteten und überstürzt angesetzten Versuch, der sich als eine verdammt schlechte Idee erwies: Wie wäre es, wenn man mal einen Stromausfall simuliert und den Reaktor abschaltet?  Würde die restliche Leistung des Kernkraftwerks ausreichen für die Notstromaggregate? Und bekommt man den erwarteten Leistungsabfall wieder schnell hoch, lässt man die Steuerstäbe wieder zwischen die Brennelemente gleiten? Das Ergebnis war dann nicht einmal so überraschend ein echter Notfall, dessen Folgen  auch 35 Jahre später ganze Landstriche in der heute unabhängigen Ukraine und dem Nachbarland Weißrussland unbewohnbar machen. Die Fehler waren mannigfaltig und auch für die Reaktorart typisch. Die Steuerstäbe, welche den plötzlichen Leistungsanstieg wieder bremsen sollten, waren dann aber gewissermaßen der letzte Sargnagel für das Lenin-Kraftwerk zwischen Tschernobyl und Pripjat, denn deren Grafitspitzen ließen die Leistung zunächst noch weiter ansteigen. Der in den Brennelementen in der Zeit des Leistungsabfalls frei gesetzte Wasserstoff reagierte mit Sauerstoff  in einer Knallgasreaktion: dem Block 4 der Anlage flog buchstäblich das Dach in die Luft.

In Folge des strahlenden Samstagmorgens - an sich der erste echte Frühlingstag des Jahres 1986 - lernten wir plötzlich ganz neue Elemente kennen, Strontium 90 etwa, oder Cäsium 137. Letzteres ist nach jetzt 35 Jahren erst zu etwas weniger als der Hälfte zerfallen, weitere 30 Jahre werden vergeben, bis nur noch die Hälfte davon und damit etwas weniger als ein Viertel des ursprünglich frei gewordenen Materials in leichtere und nicht mehr strahlende Elemente übergegangen ist. Angesichts von Geisterstädten wie Pripyat mag es zwar wie ein Luxusproblem klingen, aber ja: Jedes in Bayern geschossene Wildschwein muss erst zur Strahlenmessung, bevor es der Metzger in die Auslage stellen kann. Tschernobyl wirkt auch hierzulande fort.

Wie Hohn klangen die beschwichtigenden Worte des seinerzeit auch für Strahlenschutz und Reaktorsicherheit zuständigen Innenministers nur zwei Tage nach der Katastrophe. Das Nest im Südwesten der UdSSR sei nun wirklich so weit weg, dass uns das in Deutschland nicht beträfe, außerdem sei bekannt, wie im Sozialismus gepfuscht werde. Was Friedrich Zimmermann im Mai 1986 unterschlug: Sieben Jahre vor Tschernobyl wäre im US-Staat New York beinahe der Reaktor Three Mile Island explodiert, die ebenso fahrlässigen Ingenieure dort hatten aber einfach mehr Glück als ihre ukrainischen Kollegen. Erst 25 Jahre nach diesem Super-GAU löste der nächste schwere Unfall endlich ein Umdenken aus: In Fukushima bestand der Pfusch „nur“ darin, das Kernkraftwerk in ein Erdbebengebiet gebaut zu haben - es kann also jede technisierte Zivilisation mit einem GAU treffen.

Das Umdenken der letzten zehn Jahre zeigt nicht überall in Europa solche Konsequenzen wie in Deutschland. Die Kernkraftwerke in Belgien und Frankreich sind vermutlich nicht wesentlich besser in Schuss, als es das in Tschernobyl vor 35 Jahren war, liefern aber immer noch Strom. Nun gut, meist herrscht Westwind. Also bekommen Aachen und Köln mehr Fallout ab als die Landstriche, in denen die Reaktoren stehen.

An sich unverständlich, eine radioaktive Wolke macht vor Landesgrenzen nicht Halt, warum aber die Gesetze zur Reaktorsicherheit, die Energiepolitik und damit verbunden auch die Finanzpolitik? Mag die Katastrophe von Tschernobyl den Zerfall der Sowjetunion beschleunigt und damit das Ende des Kalten Krieges mit herbeigeführt haben, Europa - vom Atlantik bis zum Ural - droht wieder in die Kleinstaaterei zurückzufallen und nationale Egoismen über globale Problemlösungsansätze zu stellen. Sieht man nicht nur an der Energie- und Klimapolitik. Dabei ist das die wesentliche Lehre des 26. April 1986: Wenn Ingenieure, Architekten und Techniker in den USA, in Japan, in Deutschland oder in der Ukraine eine verdammt schlechte Idee haben, geht das alle etwas an.

Lesetipps für den Montag

Dokumentation : Apple kündigt für den 21. Mail den Start der achtteiligen Dokumentation  "1971 - Das Jahr, in dem Musik alles veränderte" an. Regie führte Asif Kapadia, der  auch Dokumentationen wie "Senna", "Amy" oder "Maradona" verantwortete. Kapadia ist auch ausführender Produzent.  Die Dokumentation zeige "wie die Musik-Ikonen dieser Zeit von den sich verändernden Gezeiten der Geschichte beeinflusst wurden und wie sie wiederum ihre Musik nutzten, um Hoffnung, Veränderung und die Kultur um sie herum zu inspirieren. Die Doku-Serie wird die ikonischsten Künstler und Songs untersuchen, die wir noch 50 Jahre später hören, darunter The Rolling Stones, Aretha Franklin, Bob Marley, Marvin Gaye, The Who, Joni Mitchell, Lou Reed und viele mehr", heißt es bei Apple.

Lücke : Computerforscher der TU Darmstadt haben nach eigenen Angaben eine Sicherheitslücke in Airdrop identifiziert, über die Angreifer Telefonnummern und E-Mail-Adressen von beteiligten iPhones abfangen können, wenn sie sich in der Nähe aufhalten. Dabei müssten die Angegriffenen nicht einmal Daten austauschen. Das Problem sei darauf zurückzuführen, dass Apple nicht sauber genug mit Hashwerten arbeitet und die Daten sicher verschleiert. Schon vor zwei Jahren habe man die Ergebnisse der Untersuchung an Apple gemeldet, der Fehler bestehe aber weiterhin. Eine Lösung zum sicheren Datenübertrag haben die Forscher aber auch bereits entwickelt.

Eingesetzt: Seit dem Freitag kann man bei Apple Airtags bestellen, war man schnell genug, kann man die Geräte am Freitag dieser Woche im Apple Store abholen, sonst muss man noch ein wenig warten. Erste Tests sind indes bereits erschienen, einige Medien hat Apple offenbar vorab mit den Airtags versorgt, etwa The Verge. Dieter Bohn zeigt sich dort beeindruckt von den Airtags, mit denen man Gegenstände selbst auf abgelegenen Wegen mit wenig Fußgängerverkehr wieder aufspüren könne, offenbar reiche es, wenn iPhones, die das Signal anonym orten, einfach nur vorbeifahren. Weniger schön: Die Airtags mit ihrer an den klassischen iPod erinnernden Oberfläche würden leicht verkratzen, wenn man sie so in die Tasche steckt, ein Anhänger sei zu empfehlen. Jacob Krool lobt bei CNN den Datenschutz der Airtags, der weit besser sei, als man von anderen Geräten gewohnt ist, das Warten habe sich auf alle Fälle gelohnt. Der Ton, den die Airtags von sich geben, sei aber ein wenig leise, mokieren mehrere Tester.

Klage: Das iPhone wird immer sicherer gegen Flüssigkeiten, das iPhone 12 soll in bis zu sechs Metern Wassertiefe eine halbe Stunde den Druck standhalten. Das sei aber nur ein Laborwert, beschwert sich eine am Samstag eingereichte, die offen ist, eine Sammelklage werden zu können. Denn was nun im Kleingedruckten stehe, könne die Situation in einem Pool mit Chlorwasser, im Meer oder in einem bewegten Gewässer eine andere sein - zudem seien Wasserschäden von der Garantie nicht gedeckt.

Keine Kannibalen: Mac und iPad sind laut Apples Marketingchef Greg Joswiak und dem für Hardware zuständigen Vizepräsidenten John Ternus an "gegenüberliegenden Enden eines gedachten Spektrums" angesetzt, würde sich also zu keiner Zeit gegenseitig stören. Man denke immer darüber nach, das Beste iPad und den Besten Mac zu machen, keine der Innovationen für das eine Produkt würde sich negativ auf das andere auswirken, erklären die beiden Apple-Top-Manager im Interview mit TechCrunch. Die Fähigkeiten des iPad habe man über die Zeit so weit vorangetrieben, dass Entwickler diese Vorlagen nutzen konnte, etwa Adobe, das nun Photoshop auf das Tablet brachte. Apple wollte auch immer den bestmöglichen Bildschirm für das iPad haben, mit dem Umstieg auf Mini-LED im 12,9-Zoll-Modell gehe man einen weiteren wesentlichen Schritt.

Aufgedeckt : "Ted Lasso", jene Comedyserie über einen Football-Trainer aus Kansas, der ein Fußballteam aus London trainiert, geht im Juni in die zweite Staffel, hatte Apple letzte Woche auf seinem Event "Spring Loaded" verraten und den ersten Trailer gezeigt. An dessen Ende ist ein Osterei versteckt, nämlich das Rezept des Shortbreads, mit dem Ted Lasso die Club-Besitzerin Rebeccca täglich beeindruckt. David Smith hat den Schmierzettel entziffert und ausgehend davon gesucht, welches Rezept aus der Realität dem aus der Fiktion gleicht, dabei fand er eines von Melissa Clark über ein Bittersweet Brownie Shortbread. Die aus Schottland (und nicht aus Kansas) stammende Köstlichkeit aus Mürbeteig (short dough) wird in UK gerne zur Tea Time gereicht.

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Premiere: NASA-Mars-Rover erzeugt atembaren Sauerstoff

Nach dem ersten Helikopter-Flug von Ingenuity auf dem Mars, dem ein zweiter Flug folgen wird, feiert die NASA in dieser Woche auch noch einen weiteren Erfolg: Zum ersten Mal wurde direkt auf dem Mars atembarer Sauerstoff erzeugt, wie die NASA meldet. Der im Februar gelandete sechsrädige Roboter Perseverance trägt ein "toastergroßes" experimentelles Instrument, welches auf den Namen "Mars Oxygen In-Situ Resource Utilization Experiment" getauft wurde. Oder kurz: MOXIE.  

Die NASA weist darauf hin, dass der Begriff "Moxie" auch ein alter Begriff in der englischen Sprache für eine Persönlichkeitseigenschaft sei. Jemand mit "Moxie" gelte als mutig, abenteuerlustig, abgehärtet und temperamentvoll.

Am 20. April wurde ein Experiment durchgeführt, bei dem aus der aus 96 Prozent Kohlendioxid bestehenden Mars-Atmosphäre insgesamt fünf Gramm Sauerstoff erzeugt wurde. Dieser würde dazu ausreichen, um einen Menschen 10 Minuten lang mit atembaren Sauerstoff zu versorgen. Laut der NASA könne MOXIE um die 10 Gramm Sauerstoff pro Stunde auf dem Mars erzeugen, im Rahmen der aktuellen Mars-Mission seien in den nächsten zwei Jahren noch neun weitere Experimente geplant, bei denen MOXIE zum Einsatz kommen soll. Das erste kurze Experiment habe vor allem dazu gedient festzustellen, ob MOXIE die Reise von der Erde zum Mond gut überstanden hat. Bei den nächsten Experimenten werden dann unter anderem Betriebsmodi und die Effizienz zu verschiedenen Tageszeiten und atmosphärischen Bedingungen getestet.

Die NASA sieht das erste gelungene Experiment mit MOXIE als historisch an. Immerhin sei es der erste Schritt dahin, dass irgendwann mal Menschen den Mars betreten können. Und vor allem nicht dauerhaft dort bleiben müssen, sondern auch wieder zurück zur Erde fliegen können.

"MOXIE hat noch mehr Arbeit vor sich, aber die Ergebnisse dieser Technologiedemonstration sind vielversprechend, da wir uns unserem Ziel nähern, eines Tages Menschen auf dem Mars zu sehen. Sauerstoff ist nicht nur das Zeug, das wir atmen. Raketentreibstoff hängt von Sauerstoff ab, und zukünftige Entdecker werden darauf angewiesen sein, Treibstoff auf dem Mars zu produzieren, um die Reise nach Hause zu schaffen", erklärt Jim Reuter von der NASA.

Die NASA rechnet vor, dass bei künftigen Missionen insgesamt 7 Tonnen Raketentreibstoff und 25 Tonnen Sauerstoff nötig seien, um vier Astronauten, die sich auf der Marsoberfläche befinden, zurück auf die Erde zu bringen. Pro Jahr auf dem Mars würden die vier Astronauten etwa 1 Tonne Sauerstoff verbrauchen. Der Transport einer solchen großen Menge von Sauerstoff von der Erde zum Mars wäre eine äußerst beschwerliche Aufgabe. Viel wirtschaftlicher und praktischer wäre es dagegen, eine XXL-Variante von MOXIE auf den Mars zu transportieren. Ein 1-Tonnen-Sauerstoffkonverter könnte dann den Sauerstoff direkt auf der Marsoberfläche produzieren.

Die NASA erklärt auch, wie genau MOXIE funktioniert. Das etwa 17 Kilogramm schwere Gerät innerhalb des Mars-Rovers "saugt" die aus 96 Prozent Kohlenstoffdioxid bestehende Mars-Atmosphäre auf und trennt die Sauerstoffatome von den Kohlendioxidmolekülen. Als Abfallprodukt entstehe dabei Kohlenmonoxid, dass MOXID in die Atmosphäre emittiert.

Für die Umwandlung ist eine Hitze von etwa 800 Grad Celsius notwendig, weshalb MOXIE aus hitzebeständigen Materialien besteht."Dazu gehören 3D-gedruckte Teile aus einer Nickellegierung, die die durchströmenden Gase erwärmen und kühlen, sowie ein leichtes Aerogel, das hilft, die Wärme zu halten", so die NASA. An der Außenseite von MOXIE ist eine dünne Goldschicht aufgebracht, die die Infrarotwärme reflektiert und so verhindert, dass durch die Hitze andere Teile des Mars-Rovers Perseverance beschädigt werden.

Sparkassenkunden per SMS angegriffen: Vorsicht vor Cybergangster

Das Nachrichtenportal Mimikama warnt vor fiesen Kurznachrichten, mit denen Cybergangster Sparkassenkunden in die Falle locken wollen.

„Sehr geehrter Sparkassen Kunde, Ihr TAN-Verfahren ist abgelaufen! Bitte erneuern Sie Ihr TAN-Verfahren direkt unter: [LINK]“.

Derartige SMS verschicken Betrüger derzeit gehäuft. Dieses „Sparkassen-SMS“ stellen sozusagen eine neue Variante der seit einiger Zeit verstärkt kursierenden gefälschten Versandmitteilungen dar. Die darin versteckte Bedrohung ist aber bei „Sparkassen-SMS“ und „Versandmitteilungen“ identisch: Der Empfänger soll auf eine von den Angreifern präparierte Webseite gelockt werden. Dort soll er zum Beispiel seine Zugangsdaten eingeben, damit die Angreifer diese stehlen können. Eine andere Möglichkeit ist, dass von der gefakten Webseite Malware auf den Rechner des Opfers heruntergeladen wird.

In dem konkreten Fall der oben beschriebenen „Sparkassen-SMS“ versuchen die Betrüger wohl ersteres: Der Empfänger soll sich auf der verlinkten Webseite registrieren. Wobei es denkbar ist, dass die Angreifer statt der Sparkasse auch den Namen einer anderen weit verbreiteten Bank verwenden, um die potenzielle Zahl ihrer Opfer zu erhöhen.

Bei derartigen betrügerischen SMS mit gefährlichen Links darin spricht man von " Smishing ". Dabei handelt es sich um das altbekannte Phishing, nur eben nicht mit Mails, sondern per Kurznachrichten/SMS. Erst vor wenigen Wochen waren Sparkassenkunden aber auch das Ziel von Phishingmails.

Warnung: Ihre Bank wird Ihnen nicht eine SMS mit einem Link schicken, über den Sie Ihre Logindaten eingeben sollen. Löschen Sie derartige Kurznachrichten also sofort, ohne den Link anzuklicken.

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