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Morgenmagazin vom Montag, 26. September 2016

26.09.2016 | 06:55 Uhr |

iOS 10.0.2 behebt drei kleine Fehler +++ Apple plant Konkurrenz zu Amazons Echo +++ Kuo über iPhone 7 skeptisch +++ Mysteriöses Apple-Gerät bei der US-Funkbehörde eingetragen +++ Facebook Messenger erhält Abstimmungs-Funktion +++ Minecraft: Education Edition erscheint im November +++ Warnung: Mysteriöse Web-Attacken im Gange

26. September 2016: Kein Kraut gewachsen

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! "Mit Geld, da kann man vieles kaufen / auch Spieler, die dem Ball nachlaufen", dichtete einst Fredl Fesl in seinem Fußballerlied. Schon damals schwang der Unterton mit, das viele Geld könne man auch in weit Sinnvolleres investieren als in Protagonisten des Unterhaltungsbetriebs. Nun haben letzte Woche Facbook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Frau, die Kinderärztin Priscilla Chan gesagt, was sie mit dem aus dem größten Unterhaltungsbetrieb des noch jungen 21sten Jahrhunderts eingesammelten Geld anfangen wollen: Es für medizinische Grundlagenforschung spenden. Zunächst einmal drei Milliarden US-Dollar für zehn Jahre. Das hehre Ziel: Bis zum Ende des Jahrhunderts alle Krankheiten zu besiegen.

Drei Milliarden US-Dollar sind zwar eine Menge Geld, aber womöglich nicht ausreichend, um auch nur ein Medikament gegen eine bisher unheilbare Krankheit zu entwickeln. Immerhin, ein Anfang ist gemacht und andere Spender werden folgen. Dass Geld der Forschung helfen kann, bewies vor zwei Jahren die Ice Bucket Challenge: Die für die ALS-Forschung eingesammelten hunderte Millionen haben die medizinische Forschung in diesem Bereich auf ein ganz neues Niveau gehoben und Hoffnung auf wesentliche Fortschritte in den nächsten Jahren geweckt. Optimismus verbreitet sich derzeit auch in der Erforschung von Alzheimer, einer Krankheit, von der weit mehr Menschen betroffen sind als vom glücklicherweise seltenen ALS: Zur Zeit macht eine Studie die Runde, bei der die Gabe eines Medikaments nachweislich Plaques aus den Gehirnen der Betroffenen aufgelöst hat. Je höher die Dosis, umso höher der Erfolg. Jetzt geht es darum, die Ergebnisse zu bestätigen und die Substanz so weit zu optimieren, dass sie zugelassen werden kann - dazu braucht es Geld. Geld, das auch die Krebsforschung fordert, am meisten Hoffnung darauf, diese Krankheit zu besiegen, machen derzeit Immuntherapien. Nicht Chemikalien oder hochenergetische Strahlen sollen ausgeartete Zellen vernichten sondern der befallene Körper selbst. Vom HI-Virus Infizierte wissen schon seit weit mehr als einem Jahrzehnt von den Segnungen des Geldes zu berichten: Ausgerottet ist der Viruns zwar noch nicht, aber mit immer noch teuren Medikamenten lässt er sich soweit im Griff halten, dass die von ihm verursachte Krankheit erst gar nicht auftritt.

Wird es der Menschheit also doch gelingen, alle Krankheiten bis Ende 2099 auszurotten? Gewiss nicht. Gegen vieles wird nach wie vor kein Kraut wachsen, vor allem nicht gegen die sehr hartnäckigen und biologisch sehr variablen Viren, die uns ein bis zweimal im Jahr - meist in der kalten Zeit - Symptome einer Grippe bescheren. Zwar ist man nach jeder Erkältung um eine Resistenz reicher, die nächste Mutation wartet aber schon auf uns, meist da, wo viele andere unserer Art anzutreffen sind. Jetzt im Herbst vor allem wieder in überfüllten Bussen und Bahnen, auf Volksfesten, in Sporthallen. Eigentlich hat unsere Biologie diese Bedrohung längst besiegt, denn die hartnäckigen Beschwerden wie Husten, Schniefen, Fieber sind die heftigen Reaktionen unseres Immunsystems gegen die Eindringlinge. Es ist also eine Art von Trost: Je kränker Sie sich fühlen, umso gesunder sind Sie. Wenn Sie zum Arzt gehen, haben Sie eine Woche damit zu tun, gehen Sie nicht, ist die Erkältung nach sieben Tagen vorbei. Das wird auch im Jahr 2100 noch so sein, egal, wie viele Milliarden bis dahin in die medizinische Grundlagenforschung fließen. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Update behebt Fehler: Apple hat am Freitag das Wartungsupdate iOS 10.0.2 herausgebracht. Der 56 MB große Patch behebt laut Release-Notes im Wesentlichen drei Fehler. Unter Umständen konnten die Controller an einem Kopfhörer nicht funktionieren, die Fotos-App bei der Nutzung der iCloud-Fotomediathek abstürzen und einige App-Erweiterungen nicht laufen. Neue Funktionen wird es aber erst mit iOS 10.1 geben, unter anderem den Portrait-Modus in der Kamera-App des iPhone 7 Plus.

Seltsame Ergebnisse: Eine praktische neue Funktion von iOS 10 übersetzt Voicemails in Text - man muss also seinen Anrufbeantworter nicht mehr abhören, sondern kann sich einen Text schicken lassen. Laut Apple ist die Funktion noch in Beta und vermutlich wird sie es noch eine ganze Weile bleiben. Erste Ergebnisse der Transkriptionen laden laut unserer Kollegen der Macworld zu heftigen Missverständnissen ein, dagegen ist die Rechtschreibkorrektur richtig akkurat...

Widerhall auf Echo: Amazons smarter Lautsprecher Echo ist in den USA zu einem unerwartetem Erfolg geworden und seit kurzem auch in Deutschland erhältlich. Google will mit einem Gerät namens Home nachziehen, das in die gleiche Kerbe schlagen soll. Und auch Apple verfolgt ernsthaft Pläne. Laut Mark Gurman, der nun für Bloomberg arbeitet, habe Apple einen Prototypen bereit. Apples Antwort auf Echo soll Siri nutzen und nicht nur die von iPhone, iPad und Mac bekannten Funktionen bieten, sondern über den Lautsprecher auch HomeKit-Geräte steuern können. Der Siri-Lautsprecher könnte bis Weihnachten marktreif sein.

Strohfeuer: Apple nennt zwar keine Zahlen für den Verkaufsstart des iPhone 7 (Plus), doch insbesondere das größere Modell scheint gut anzukommen. Aber nur, weil das iPhone 7 schlechter läuft als das iPhone  6S meint nun der Analyst von KGI Securities Ming-Chi Kuo. Diesem sei das Problem Samsungs mit den explodierenden Galaxy Note 7 entgegen gekommen. Insgesamt werde sich Apple weiter auf rückläufige Absätze einstellen müssen.

Weitere Nachrichten:

Mysteriöses Apple-Gerät bei der US-Funkbehörde eingetragen

Das Gerät sollte in der Apple-Nomenklatur die Nummer A1844 erhalten, der Antragsteller hat die Unterlagen am 13. September eingereicht, die Behörde diese eine Woche später, am 20. September veröffentlicht. Viel Einzelheiten sind zu dem neuen Gerät nicht bekannt , außer dass es an der unteren Seite fast genau so wie das aktuelle Apple TV aussieht. Die Stromversorgung und Kapazität unterscheiden sich jedoch leicht von denen des Apple TV. Außerdem an Bord: ein Bluetooth-Modul und ein NFC-Chip. Während die Bluetooth-Verbindung an einem Apple TV gar nicht so abwegig aussieht, haben doch fast alle aktuellen Macs und iPhones, auch die kommenden AirPods einen Bluetooth-Chip eingebaut, wundert das Vorhandensein eines NFC-Chips ein wenig. Diese Technologie ist ab dem iPhone 6 und der Apple Watch dazu da, um an entsprechend ausgestatteten Verkaufsstellen per Apple Pay zu bezahlen. Da jedoch das Apple TV nach dem Kauf nur selten, wenn überhaupt das Wohnzimmer verlässt, müsste sich bei dem Gerät nicht um einen Nachfolger der aktuellen Settop Box handeln. Wahrscheinlicher ist die Möglichkeit, dass Apple hier eine neue Generation des Kassenautomaten vorbereitet, mit denen die Apple Stores ausgestattet werden.

Facebook Messenger erhält Abstimmungs-Funktion

Der Facebook Messenger wird in den nächsten Monaten mehrere neue Funktionen bekommen. Eine dieser Funktionen soll Nutzern von Gruppen-Chats dabei helfen, sich beispielsweise auf einen Kinofilm oder eine gemeinsame Unternehmung zu einigen. Dafür legt einer der Nutzer einfach eine Abstimmung mit mehreren Optionen an. Im Anschluss setzen alle Beteiligten ein Häkchen bei ihrer favorisierten Antwortmöglichkeit.

Das Abstimmungs-Feature wird derzeit mit ausgewählten Messenger-Nutzern auf Android und iOS in den USA getestet. Wann die Funktion nach Deutschland kommt, ist derzeit noch unklar.

Vorerst nur US-Nutzern vorbehalten bleibt eine weitere neue Messenger-Funktion: Die Zahlungserinnerung. Schuldet ein Messenger-Nutzer einem Freund, der ebenfalls den Facebook Messenger nutzt Geld, blendet das Tool einen Zahlen-Button ein. Voraussetzung dafür ist die Erwähnung des geschuldeten Betrags im Chat.

Minecraft: Education Edition erscheint im November

In Minecraft können junge und alte Spieler ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Mit der Minecraft: Education Edition richten sich die Macher nun jedoch konkret an Schulen, Lehrer und Universitäten. Seit dem Sommer steht bereits eine Early-Access-Version zur Verfügung. Nun wurde bekannt gegeben, dass die Vollversion im November erscheint.

Damit verbunden ist eine jährliche Mitgliedschaft von 5 US-Dollar pro Nutzer. Am Testlauf haben laut MinecraftEdu-Team bereits 35.000 Schüler und Lehrer teilgenommen. In der finalen Version wird zudem ein Klassenzimmer-Modus enthalten sein, mit dem Lehrer das Geschehen im Spiel aus der Vogelperspektive überwachen können. Dort haben sie auch Zugriff auf grundlegende Einstellungen der Spielwelt, sie können mit den Schülern reden und Gegenstände teleportieren. Lehrer werden zudem dazu aufgerufen, ihre Ideen mit den Entwicklern zu teilen, um so ständig für einen Ausbau des Programms zu sorgen.

Als Einstieg in die Minecraft: Education Edition bieten die Macher unter education.minecraft.net vorgefertigte Welten, Tutorials und Vorschläge für erste Lernvorhaben. Damit lassen sich beispielsweise Projekte rund um das Erzählen von Geschichten oder zur Städteplanung realisieren. Das Menoting-Programm hingegen dient zur Vernetzung mit anderen Lehrern aus aller Welt. Die Minecraft: Education  Edition läuft unter Windows 10 und OS X El Capitan. Neben dem Abo ist zusätzlich ein kostenloser Office-365-Account notwendig.

Warnung: Mysteriöse Web-Attacken im Gange

Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier ist bei seinen Untersuchungen auf merkwürdige Angriffe auf sensible Netzinfrastrukturen gestoßen. Seit zwei bis drei Jahren seien demnach systematisch Verteidigungsmechanismen erkundet worden. Speziell im Bereich der DDoS-Attacken sei eine starke Zunahme zu verzeichnen. Schneier macht China oder Russland für die Angriffe verantwortlich. Beweisen lassen sich diese Anschuldigungen aber nicht.

Immer wieder komme es zu langsam steigenden DDoS-Angriffen, die dann unvermittelt stoppen, um in der nächsten Woche auf dem hohen Niveau weiterzugehen. Offenbar wollen die Angreifer damit gezielt Schwachstellen sondieren. Darüber hinaus berichten einige Unternehmen, mit denen Schneier gesprochen hat, von manipulierten Webadressen und Routern. Auch VeriSign untermauert mit seinem neuen DDoS Trend Report die Beobachtungen von Schneier. Die Angriffe nach dem DDoS-Muster seien im zweiten Quartal 2016 deutlich angestiegen.

Laut Schneier gibt es dafür nur eine Erklärung: Fremde Staaten testen die Abwehrfähigkeiten von Unternehmen, die systemkritische Dienste im Netz zur Verfügung stellen. Sollte dieses Wissen irgendwann zum Einsatz kommen, so ließen sich damit möglicherweise Teile eines Landes vom Internet abschneiden. Provozierte Störungen im Finanzsektor hätten ebenfalls katastrophale Auswirkungen. Nach Ansicht von Schneier befindet sich die Welt bereits in einem digitalen Rüstungskrieg. Er vergleicht die Situation mit den 1980er Jahren, als USA und Russland mit Spionage-Flugzeugen die Abwehrsysteme ihrer Gegenspieler ausgelotet haben. Gewissheit über die Herkunft der Angreifer hat derzeit wohl nur die NSA, die ihre Erkenntnisse aber nicht öffentlich zugänglich macht.

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