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Morgenmagazin vom Montag, 3. Februar 2020

03.02.2020 | 06:55 Uhr | Peter Müller

Apple schließt Stores und Büros in China +++ Foxconn sieht Produktion durch Corona nicht gefährdet +++ Was Apple Maps fehlt +++ Flash ist tot - nervt aber immer noch +++ Genial: Detailreichstes Video von unserer Sonne +++ Deutsche Konkurrenz für Netflix: Gratis Filme streamen +++ Internet in Deutschland langsamer als bei den Nachbarn: Nur Platz 38

3. Februar: Das Alphabet des Kosmos

Macwelt wünscht guten Morgen! Seit dem gestrigen Mariä Lichtmess ist selbst in den katholischsten Regionen der Alpen und Voralpen die Weihnachtszeit vorbei, und wer auch immer in 10.000 Jahre währenden Zeitschleifen des Groundhog Day gefangen gewesen war, begrüßt den heutigen 3. Februar freudig - trotz der für die Jahreszeit zu hohen Temperaturen.

Wir indes feiern neben dem Montag auch den 99sten Geburtstag von Ralph Alpher. Wie, den kennen Sie nicht? Sollten Sie aber - er gehört zu den wichtigsten theoretischen Physikern des 20sten Jahrhunderts, obwohl er nie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden war, der ihm zweifelsohne gebührt hätte. Womöglich ist er aber vom Komitee in Stockholm nur deshalb übergangen worden, weil sein entscheidendes Papier - gleichzeitig seine Dissertation - wie ein Scherz klang. Nämlich Alpha-Beta-Gamma-Papier. Was ja ungefähr so klingt wie ABC-Pflaster.

Der Urheber des Scherzes war kein geringer als der aus der Sowjetrunion im Jahr 1933 in die USA geflohene Physiker George Gamow (eigentlich: Георгий Антонович Гамов), Alphers Doktorvater. Gamov muss einen gewissen Schalk im Nacken gehabt haben, als Doktorvater hatte er zwar jedes Recht, als Co-Autor genannt zu werden, doch überzeugte er noch den renommierten Hans Bethe - Physik-Nobelpreisträger von 1967 - sich als weiteren Co-Autor auf das Papier schreiben zu lassen, zwischen Alpher und Gamov. Also: Alpher-Bethe-Gamov.

Bethe kannte nicht einmal den Inhalt der 1948 veröffentlichten Arbeit, die aber schlicht und ergreifend revolutionär für unser Verständnis des Kosmos und seiner Ursprünge war. Alpher gelingt darin, von Gamov lediglich ein wenig unterstützt, der Nachweis des später „Urknall“ genannten Phänomens. Aus den Einstein’schen Gleichungen und bekannten Überlegungen zur Kernphysik berechnet Alpher die korrekte Zusammensetzung des Ur-Universums: Hauptsächlich Wasserstoff, etwas Helium und in Spuren auch Lithium und Beryllium. Vor allem aber traf die Theorie konkrete Vorhersagen für den weiteren Verlauf der Expansion.

Der experimentelle Nachweis der Alpher-Theorie gelang Arno Penzias und Robert Woodrow Wilson im Jahr 1964: Die kosmische Hintergrundstrahlung. Sie stammt aus einer Zeit, in der das noch junge Universum durchlässig für Licht wurde und ist nur deshalb erst im relativ energiearmen Mikrowellenbereich zu detektieren, weil sich der Raum seither unfassbar ausgedehnt hatte.  Penzias und Wilson glaubten zunächst an Messfehler, ausgelöst von Taubendreck in ihrer Antenne - doch als sie alle möglichen anderen Erklärungen ausschließen konnten stand fest: Das Universum strahlt mit einer Wellenlänger, die einer Schwarzkörperstrahlung von 3 Kelvin entspricht.

Das Alpha-Beta-Gamma-Papier ist gewissermaßen die Urkunde des Big Bang, der zu seinem Namen aufgrund des beißenden Spots des Astronomen Fred Hoyle kam. Der wollte lieber an ein Universum glauben, das schon immer da war und immer sein wird und nicht an einen Punkt in der Raumzeit, an dem alles begann. Der verächtlich gemeinte Spitzname blieb aber hängen, dabei wäre so etwas wie αβγ trotz des Gamov’schen Scherzes beinahe der bessere Name.

Lesetipps für den Montag

Outbreak : Apple schließt in Folger der Corona-Epidemie alle seine Stores, Büros und sonstige Niederlassung in der Volksrepublik China bis einschließlich 9. Februar, hat das Unternehmen am Sonntag bekannt gegeben. Dies geschehe aus einem starken Maß der Fürsorge heraus und auf den Ratschlag von Gesundheitsexperten. In Wuhan ging Apple sogar einige Schritte weiter und verteilte Gesundheitspakete  an seine Mitarbeiter und kontrollierte regelmäßig die Temperatur - Fieber ist ein erstes Symptom einer Corona-Infektion. Seinen Online-Store in China behält Apple offen.

Produktion: Die Epidemie könnte Apples Produktion und Vertrieb betreffen, hatte Tim Cook letzte Woche in der Bilanzpressekonferenz gewarnt, ohne genaueres zu sagen. Wie die Hindustan Times unter Bezug auf Gizchina nun vermeldet, habe aber Apples Manufaktur Foxconn einen Alternativplan für die Herstellung des iPhone SE 2 oder iPhone 9, das für Ende März erwartet wird. Die Testproduktion sei bereits angelaufen, in dieser werden etwaige Fehler noch ausgebügelt.

Not dead yet : Die Malware Shlayer hat ihren Weg auf Macs gefunden und man muss sich fragen, warum das der Fall sein konnte. Auch wenn Macs keine hundertprozentige Sicherheit gegen Schadsoftware bieten können, sollte man doch erwarten, dass Trojaner, die sich als Flash-Installer tarnen, nicht installiert würden. Doch wie der Hersteller von Antivirensoftware Intego in seinem Blog schreibt, sterben alte Gewohnheiten nicht so schnell aus und die Nutzer würden sich nach wie vor von vermeintlichen Flash-Installern austricksen lassen. Dabei sollte man aber wissen, das mehr als zehn Jahre nach Steve Jobs' "Gedanken über Flash" die einst von Macromedia entwickelte und von Adobe mit übernommene Software tot sein sollte. Adobe selbst will Ende 2020 die Aktualisierungen einstellen, die nächste Version von Safari für den Mac wird kein Flash mehr ausführen, unter iOS war das noch nie der Fall. Auch andere Browserhersteller lassen Flash sein, auf Websites wird das Plug-in nur noch selten benötigt. Sollte in Einzelfällen aber Flash erforderlich sein, gibt es zwei Methoden, um Shlayer und Konsorten zu vermeiden: Entweder einen Brwoser wie Chrome verwenden, der sein Flash-Plug-in automatisch aktualisiert oder direkt bei Adobe die Software laden.

Drei Baustellen : Die nächsten Apple-Produkte kommen bestimmt, vermutlich schon Ende März, man darf ein iPhone SE 2 erwarten und Apple-Tags. Dan Moren richtet sein Augenmerk aber auf drei etablierte Produkte, um die sich Apple im Jahr 2020 kümmern sollte, um ihre Unzulänglichkeiten zu beheben. Da wäre zuerst der HomePod, den Apple nun vor zwei Jahren auf den Markt gebracht hat und der seither im Preis so weit gesunken ist wie kaum ein Apple-Produkt vorher. Wo Apple aber mit dem Homepod hinwolle, sei überhaupt nicht klar, physische Lautstärkenregler statt de Touchscreens wären für Moren aber ein Fortschritt. In iPadOS 14 müsse Apple auch wieder an das Multitasking des iPad heran, das sei noch sehr weit hinter dem Standard zurück, den man vom Mac kenne. Schließlich müsse Apple auch an den iMac ran - und das nicht nur mit einem Prozessor-Upgrade. Seit vor siebeneinhalb Jahren der All-in-One-Desktop das optische Laufwerk verloren hat, gab es keine Designänderungen mehr.

Sechs Vorschläge : Apple hat seine Maps-App in den USA auf ein neues Niveau gehoben, der Rest der Welt soll auch bald von neuen Karten und Funktionen profitieren. Es ginge aber noch besser, mein Michael Simon und weiß auch wie. So sollte Siri innerhalb Maps integriert sein und nicht gleich den gesamten Bildschirm in Anspruch nehmen, wenn man sie aufruft. Ebenso wenig würden Kontrollen für die Musik-App innerhalb Maps nicht schaden, von Waze kann man von der Crowd gespeiste Informationen über Unfälle und Polizeieinsätze übernehmen - im Stau möchte man gerne den Grund dafür kennen. Mitfahrgelegenheiten wie Uber oder Lyft sollten ebenso in der Navigation sichtbar sein und sich Kartenausschnitte herunter laden lassen. Und noch ein etwas abstruser Vorschlag: Apple sollte seine Maps dann auch für Android anbieten.

Spiel der Woche : "Secret Oops!", der jüngste Zugang zu Apple Arcade ist ein Multiplayer-AR-Spiel für bis zu vier Personen, in dem man einen schussligen Agenten auf seiner Spionagemission steuert. Das Geniale daran ist gleichzeitig auch das größte Manko, meint Spieletester Leif Johnson: Denn mit einem 1000-Dollar-Tablet um einen Tisch herumzuhampeln, auf dem die virtuelle Spielfläche aufgebaut ist, hat seine Tücken. So richtig Freude käme wohl erst mit einer AR-Brille auf - die Apple ja möglicherweise schon in Entwicklung hat.

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Genial: Detailreichstes Video von unserer Sonne

So nah ist noch kein Mensch unserer Sonne gekommen. Bildlich gesprochen. Denn ein Video eines erst im Dezember 2019 in Betrieb genommenen Sonnenteleskops zeigt die Oberfläche des Energielieferanten unseres Sonnensystems so detailliert wie keine andere Aufnahme zuvor.

Besagtes Teleskop steht auf Maui, einer Nebeninsel von Hawaii, auf dem Vulkan Haleakalā. Es handelt sich um das Daniel K. Inouye Solar Telescope. Dieses Teleskop soll das derzeit größte und leistungsfähigste Teleskop zur Beobachtung der Sonne sein. Es wird zwar erst im Sommer 2020 komplett fertig gestellt, doch bereits jetzt hat es ein faszinierendes Foto beziehungsweise Video von der Oberfläche der Sonne geliefert. Denn dieser Weltraumspäher hat ein Video von unserer Sonne mit der derzeit höchsten Auflösung gemacht. Die US-Nachrichtenseite The Verge erinnert die darauf erkennbare Oberflächenstruktur der Sonne an aufplatzendes Popcorn.

Für den kurzen jetzt veröffentlichten Videoclip filmte das Teleskop die Sonne insgesamt zehn Minuten lang mit einer Wellenlänge von 705nm. Die wie Popcorn aussehenden Zellen oder Bläschen scheinen sich regelrecht aufzublasen. Dabei handelt es sich um Plasma, das wegen seiner Hitze aus der Sonne aufsteigt, abkühlt und sich dann wieder zurück sinkt.

Um sich die Größenverhältnisse vor Augen zu halten: Jedes „Korn“ entspricht in etwa der Größe des US-Bundesstaats Texas. Auf dem Foto lassen sich Strukturen erkennen, die nur 30 Kilometer groß sind. Das Video zeigt insgesamt eine Fläche von 19.000 x 10.700 km Größe.

Sie können das Video hier sehen

Ab Sommer 2020 soll das neue Teleskop intensiv das Magnetfeld der Sonne erforschen. Damit wollen die Astronomen mehr über das Verhalten der Sonne und über die Sonnenstürme erfahren.

Deutsche Konkurrenz für Netflix: Gratis Filme streamen

Mit Popcorntimes ist ein neues Gratis-Portal für deutschsprachige Spielfilme und Dokumentationen gestartet. Über 1000 Produktionen, darunter viele Film-Klassiker, stehen laut der verantwortlichen Popcorntimes GmbH aus Deutschland kostenlosen zum Anschauen im Browser rund um die Uhr bereit. Weitere Spielfilme sollen in den kommenden Monaten folgen.

Die Filme und Dokumentation auf Popcorntimes stammen aus den 1910er bis 2010er-Jahren, wie die Macher erklären. Die Filme können in Deutschland, Österreich und der Schweiz abgerufen werden.

Zum Angebot gehören zum Beispiel “Superman” aus den 1940er-Jahren, “John Wayne”-Filme aus den 1950er-Jahren wie auch “Charlie Chaplin”-Filme aus den 1920er-Jahren. Dazu Buster-Keaton-Stummfilmklassiker, Edgar-Wallace-Straßenfeger, Bruce-Lee-Kampfsport-Filme, Laurel & Hardy-Komödien und Unterhaltung mit Gerd Fröbe und Alfred Hitchcock warten ebenso auf die Zuschauer wie Dokumentationen, beispielsweise über die Schlacht von Stalingrad. Sie finden also nicht neuesten Kino-Blockbuster und auch nicht Star-Wars- oder Marvel-Spielfime. Doch dafür jede Menge cineastischer Perlen für viele Stunden unbeschwerter Unterhaltung. In einem ersten Kurztest liefen die von uns gestarteten Filme einwandfrei und ohne Aussetzer.

Die Popcorntimes GmbH versichert, dass alle angebotenen Filme und Dokumentationen legal angeboten werden. Die Benutzung ist kostenlos. Das Videoportal arbeitet laut eigenen Angaben mit Werbepartnern zusammen, um Filme aus den 1910er bis 2010er-Jahre werbefinanziert durch mehrsekündige Werbespots den Nutzern gratis bereitzustellen. Wie oft Werbung eingeblendet wird und wie lange die Werbespots dauern werden, sagt der Betreiber nicht.

Live-Ereignisse und Fernsehshows sollen ebenfalls in das Videoportal integriert werden. Die ersten Kooperationen mit Fernsehsendern sollen Anfang 2020 anlaufen. Später sollen auch SmartTVs und Smartphones via Apps unterstützt werden, derzeit können Sie die Filme aber nur im Browser sehen. “Popcorntimes” versteht sich laut Eigenbeschreibung zudem als Filmarchiv, welches Filmproduzenten und Filmverleihern bei der Digitalisierung, Monetarisierung und Erhaltung von älteren Filmwerken unterstützen will.

Hinweis: Das neue deutsche Popcorntimes darf nicht mit dem illegalen Popcorn Time verwechselt werden.

 

Internet in Deutschland langsamer als bei den Nachbarn: Nur Platz 38

Die durchschnittliche Geschwindigkeit, mit der in Deutschland im Festnetz und Mobilfunk gesurft wird, hat sich seit unserem letzten Beitrag zu diesem Thema im August 2019 verbessert. Die schlechte Nachricht: In den anderen Ländern haben sich die Internet-Verbindungen in der gleichen Zeit stärker verbessert, sodass Deutschland noch weiter im internationalen Vergleich abgerutscht ist.

Das ist jedenfalls die Erkenntnis, wenn man sich den Speedtest Global Index vom Dezember 2019 genauer anschaut. Im Mobilfunk landet Deutschland mit 36,41 Mbps auf Platz 46 und verliert damit im Vergleich zum Vormonat drei Plätze. Im Festnetz liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 76,53 Mbps. Wie im Vormonat landet Deutschland damit nur auf Platz 38.

Die globale Durchschnittsgeschwindigkeit liegt im Mobilfunk bei 32,01 Mbps im Download (12,02 Mbps im Upload) und im Festnetz bei 73,58 Mbps (Upload: 40,39 Mbps). Im Dezember 2018 lag die globale Durchschnittsgeschwindigkeit noch bei 25,06 Mbps mobil und 54,33 Mbps im festen Breitband.

Laut dem Speedtest-Ranking surfen die Nutzer mobil in vielen europäischen Ländern weiterhin deutlich schneller als in Deutschland (36,41 Mbps). Etwa in den Niederlanden (Platz 7, 67,08 Mbps), Norwegen (Platz 8, 66,91 Mbps) und Bulgarien (Platz 9: 63,98 Mbps). Auf Platz 1 landet unverändert Südkorea mit 103,18 Mbps.

Im festen Breitband ist Singapur mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 200,12 Mbps unverändert auf Platz 1. Mit etwas Abstand und 164,88 Mbps landet Hongkong auf dem zweiten Platz, gefolgt von Monaco mit 148,91 Mbps. Auch in Rumänien (Platz 4, 144,92 Mbps) wird im Schnitt deutlich schneller als in Deutschland (76,53 Mbps) gesurft.

Die Schweiz landet im Mobil-Ranking auf Platz 11 mit 58,57 Mbps und im Breitband-Ranking sogar auf Platz 6 mit 144,31 Mbps. Österreich kann sich ebenfalls mit Platz 21 (48,94 Mbps) zumindest im Mobil-Internet vor Deutschland platzieren. Im Festen-Breitband-Internet landet Österreich aber mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 51,91 Mbps nur auf Platz 54.

Tipp: Hier finden Sie den schnellsten Internet-Anbieter an Ihrem Wohnort

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