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Morgenmagazin vom Montag, 3. Mai 2021

03.05.2021 | 07:18 Uhr | Peter Müller

Kuo: Faltbares iPhone bis 2023 +++ Apple Watch könnte ab 2022 Blutzucker messen +++ Facebook mit Framing gegen Ad Tracking Transparency +++ Intel & Microsoft: Gemeinsam gegen verstecktes Mining +++ Mobilfunk: Vodafone startet 5G-Standalone-Netz

3. Mai: Freiheit

Macwelt wünscht einen Guten Morgen! Heute vor 30 Jahren hat eine UNESCO-Konferenz in der namibischen Hauptstadt Windhoek die "Deklaration von Windhoek" verabschiedet, welche die Rolle einer freien und pluralistischen Presse als "Eckstein für Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung" lobpreist - der 3. Mai ist seither der Tag der Pressefreiheit.

Und um die ist es 30 Jahre nach der Deklaration weltweit nicht besonders gut bestellt. Sogar Deutschland, in dem Pressefreiheit ein hohes Gut ist, fiel letztens im internationalen Ranking zurück - und belegt seither nur noch einen Platz im Mittelfeld. Der Grund: Immer mehr Angriffe von so genannten Querdenkern auf Journalisten, gerne auch aufgehetzt von Revolverblättern mit großen Buchstaben, die ihre Leser vor allem mit Empörung locken - und es eben mit Fakten nicht so genau nehmen. Denn das haben Facebook und Co auch nur von Maxwell, Murdoch und Springer gelernt: Mit negativen Gefühlen kann man seine Leser und Nutzer besser an sich binden, mit einfachen Verdrehungen eher als mit einer komplexen Nachrichtenlage. Die - nach eigenen Angaben - beste Band der Welt hätte es nicht besser sagen können: "Angst, Hass, T* und der Wetterbericht" - ist das, was viele Leute mittlerweile für Bildung halten. Kein Wunder, dass da sachlich informierende Journalisten von Qualitätspresse oder öffentlichem Rundfunk den Leuten, die beim Denken einfach Pech haben, wie Feinde erscheinen.

Aber nicht nur eine von Geschäftemachern zu deren eigenen Nutzen mit ihren Boulevardblättern angeheizte Empörungslage erschwert die Freiheit der Presse, auch die Digitalisierung ist eine Herausforderung, auf die man noch nicht ausreichend Antworten gefunden hat, will man informieren und nicht empören. Dabei ist es an sich eine vielversprechende Idee, dass der Leser vom bloßen Konsumenten zu einem selbstbewussten Rückkanal wird. Insbesondere Veröffentlichungen, die mit dem Verkauf von gut aufbereiteter Informationen oder der Vermarktung von Leserkontakten sich finanzieren, müssen wissen, wofür sich ihre Leser wirklich interessieren und ihnen das dann auch bieten. Aber das hat seine natürlichen Grenzen. Was gestern interessierte, muss heute nicht mehr das Knüllerthema sein und kann morgen dem Vergessen anheimgefallen sein. Und die scheinbare Randgeschichte überrascht dann Sender wie Empfänger positiv.

Wir von der Macwelt wissen, was wir an Ihnen haben: Gut informierte und kritische Geister, die sich kein X für ein U vormachen lassen und die etwas komplexere Erklärungen vergnüglichen Katzenbildern vorziehen - oder er Empörung darüber. Wenn sich aber aufwendige Recherchen nicht mehr finanzieren lassen, wird sich kaum noch jemand durch Terabytes von geheimen Dokumenten wühlen oder hartnäckig um Einsicht in Dokumente bemühen, deren Verfasser wohl wissen, warum sie nur einen sehr eingeschränkten Personenkreis unter hartnäckigen Auflagen lesen lassen. Sprich: Um die Pressefreiheit aufrechtzuerhalten, benötigt es nicht nur die Abwesenheit von politischer Einflussnahme oder gar Zensur, sondern auch die Möglichkeit, von Recherchen und den Aufbereitungen der Informationen zu leben. Vielen Dank für Ihren Beitrag!

Lesetipps für den Montag

Faltigkeit : Der Analyst Ming-Chi Kuo prognostiziert, dass Apple bis zum Jahr 2023 ein faltbares iPhone auf den Markt bringen werde. Dieses werde im ersten Jahr zwischen 15 und 20 Millionen mal verkauft, ist sich Kuo sicher. Zulieferer für den faltbaren Bildschirm, der ausgeklappt zwischen 7,5 und 8 Zoll in der Diagonale messen werde, sei Samsung, das bisher die meisten Erfahrungen mit faltbaren OLEDs gemacht hat. Lösungen wie das Galaxy Fold und konkurrierende Geräte können bisher wenig überzeugen, Apple sei aber aufgrund seines Ökosystems und der vielfältigen Systemwelten im Vorteil: "Zurzeit ist die Produktposition von faltbaren Smartphones hauptsächlich die Integration von Smartphone und Tablet. Aber wir glauben, dass das faltbare Smartphone nur eine der Anwendungen des faltbaren Designs ist. Wir sagen voraus, dass faltbare Geräte in Zukunft die Produktsegmentierungen zwischen Smartphones, Tablets und Laptops verwischen werden. Mit seinen produktübergreifenden Ökosystemen und Hardware-Design-Vorteilen wird Apple der größte Gewinner des neuen Trends der faltbaren Geräte sein."

Game-Changer: Womöglich erhält die Apple Watch schon im kommenden Jahr ein bahnbrechendes neues Feature, das sie von einem begehrten zu einem unerlässlichen Gesundheitsmonitor für eine Vielzahl von Personen machen könnte. Denn Diabetiker warten schon seit Jahren darauf, ein Gerät am Handgelenk zu haben, das ohne Blutstropfen zu analysieren, den Blutzuckergehalt messen kann. Die dafür notwendigen Sensoren, die mit Infrarotlicht den Glukosewert aber auch den Blutalkohol bestimmen können, baut das britische Startup Rockley Photonics, das derzeit seinen Börsengang in New York vorbereitet. In den an die Börsenaufsicht SEC gesandten Dokumenten über die Finanzen der Firma steht, dass Apple ein wesentlicher Kunde des Unternehmens sei, beziehungsweise einer von nur zweien, die den kompletten Output kaufen würden. Es bestehe auch eine umfangreiche Vereinbarung über Entwicklung und Belieferung, Rockley-CEO Andrew Rickman ist der Überzeugung, dass im Jahr 2022 die Sensoren seiner Firma in einem Produkt für Endverbraucher auftauchen könnten.

Framing: Facebook mag die Ad Tracking Transparency nicht, die Apple mit iOS 14.5 und iPadOS 14.5 eingeführt hat, muss nun aber seine Nutzer auf das Tracking hinweisen und darum bitten, es einzuschalten. Zwar ist auch Apple der Ansicht, dass die Akzeptanz von Tracking umso höher wird, je besser die App-Anbieter es erklären, von impliziten Drohungen war aber nicht die Rede. Darauf scheint aber Facebook setzen zu wollen, wie der Entwickler Ahskan Soltani entdeckt haben will. Denn in den Informationsbildschirmen von Facebook und Instagram steht, dass man mit der Zustimmung von Tracking dabei helfen würde, die Dienste weiter kostenlos zu halten.

Cat-Content : Katzenbesitzer respektive das feline Personal weiß, dass die Fellnasen gerne den Cursor auf dem Mac-Bildschirm jagen oder auch Bewegungen auf dem iPad verfolgen und mit ihren Tatzen danach haschen. In der Tat gibt es sogar eine App, die der Tierfutterhersteller Purina speziell für Katzen hat entwickeln lassen: Cat-Fishing 2. Auf dem iPad bewegen sich Fische und anderes Aquariengetier, die Katze "angelt" mit ihrer Pfote danach. Wie unser Macworld-Kollege Adam Patrick Murray feststellte, kann das Katzen sogar begeistern, seine Mitbewohnerin BB gab dem Spiel fünf von fünf Mäusen.

Besser finden: Apple führt im App Store endlich Suchvorschläge ein, die zu besseren Ergebnissen führen sollen. Tippt man ein Stichwort in das Suchfeld, erscheinen darunter etliche Begriffe, die mit dem gesuchten zusammenhängen, bei "Baseball" etwa "Stars", "Game" oder "Manager". Einige der Filter lassen weiter Unterfilter zu. Bisher sind die Suchvorschläge aber nur in den USA, Kanada, UK und Australien aktiviert.

Weitere Nachrichten:

Intel & Microsoft: Gemeinsam gegen verstecktes Mining

Wer seinen Computer für das Mining von Kryptowährungen einspannt, um damit Geld zu verdienen, hat jedes Recht dazu. Doch immer häufiger landen auch Schadprogramme auf dem Rechner, die diesen ungewollt zu einem Mining-Sklaven machen. Microsoft und Intel wollen gemeinsam gegen dieses auch „Cryptojacking“ genannte Problem vorgehen . Auf der einen Seite soll der in Windows 10 integrierte Microsoft Defender entsprechende Malware besser erkennen, dazu kommt die in Intel-Prozessoren verbaute Lösung „Threat Detection Technology“.

Intel will hierfür die in Prozessoren mit vPro enthaltene iGPU einspannen, die über Machine Learning Telemetriedaten auswerten soll. Damit könnten versteckte Schürf-Programme enttarnt werden. Wird „Cryptojacking“ erkannt, so erfolgt automatisch ein Hinweis an das Betriebssystem. Der in Windows 10 enthaltene Microsoft Defender schickt den Prozess daraufhin in Quarantäne oder beendet diesen komplett. Die Erkennungsmöglichkeit ist seit der Skylake-Generation in Intel-CPUs enthalten. In Notebooks kommt sie hingegen erst seit der 10. Generation der Core-Prozessoren (Ice Lake) zum Einsatz. Auch die „Threat Detection Technology“ ist erst seit der 10. Generation enthalten. Eine Nachrüstung in ältere Prozessoren ist nicht möglich. Für alle Nutzer steht die Erkennung von „Cryptojacking“ also nicht zur Verfügung, da Microsoft diesen Schutz auf die Unternehmenslösung von Microsoft Defender („Microsoft Defender for Endpoint“) beschränkt. Wer nur Windows 10 Home verwendet, der kann den Schutz nicht aktivieren und sollte weiterhin im Task-Manager nach Prozessen mit sehr hoher CPU-Auslastung Ausschau halten.

Mobilfunk: Vodafone startet 5G-Standalone-Netz

Mobilfunk-Anbieter Vodafone startet am Wochenende sein 5G-Standalone-Netz. Im Gegensatz zu 5G Non-Standalone kommt das "reine" 5G-Netz ohne LTE-Unterstützung aus. Die "5G Core Network-Option" kann bei Vodafone in den gängigen 5G-Tarifen kostenlos hinzugebucht werden - über die MeinVodafone-App oder telefonisch. "Wir haben 5G zum ersten Mal in Europa auf eigene Beine gestellt und das neue Echtzeit-Netz mit einer kostenfreien Option in unsere Tarifwelt gebracht. Heute bringen wir es zum ersten Mal auf die Smartphones unserer Kunden" , so Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter.

Bei den "Smartphones der Kunden" handelt es sich aktuell lediglich um ein einziges Modell, das mit einem Firmware-Update fit für 5G-Standalone gemacht wird - das Oppo Find X3 Pro 5G. Entsprechende Firmware-Updates sind in Kürze unter anderem auch für die Samsung-Smartphones der Galaxy-S21-Serie geplant. "Vereinfacht gesagt müssen Smartphones eine komplett neue Sprache lernen, damit wir sie draußen im Alltag auch im komplett eigenständigen 5G-Netz nutzen können. Und noch viel mehr: Sie müssen die Sprache sekündlich wechseln können und die Worte fließend und ohne jeden Aussetzer wiedergeben" , erklärt Vodafone Technik-Chef Gerhard Mack.

Für das 5G-Standalone-Netz wurden 1.000 Antennen an 300 Standorten im 3,5 Gigahertz-Bereich an das erste 5G-Rechenzentrum in Frankfurt am Main angebunden. Durch eine komplett virtuelle Verarbeitung der Daten wird ein Datenaustausch in Echtzeit möglich. Latenzzeiten von 10 bis 15 Millisekunden werden derzeit jedoch nur im Großraum Frankfurt an den 3,5 Gigahertz Stationen erreicht.

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