2413155

Morgenmagazin vom Montag, 4. März 2019

04.03.2019 | 07:04 Uhr |

Laurene Powell Jobs investiert in Journalismus: "Integraler Bestandteil der Demokratie" +++ Hollywood hadert mit Apple +++ Comeback: CDs und Vinyls plötzlich beliebter als iTunes Music +++ Amazon liefert in den USA auf Wunsch nur einmal pro Woche +++ Profi-Hacker-Tool für iPhone und Android für 100 US-Dollar

4. März: Stürmische Zeiten

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Zudem Alaaf, Helau und Prost und was man sich sonst noch so im Karneval und Fasching zuruft. Vom Winde verweht könnten heute die meisten Züge werden, der Winter schlägt mit Stürmen noch einmal wild um sich, bevor er sich endgültig bis zur nächsten Saison nach dem 11.11. darniederlegen muss. Schade für die Jecken und auch dem Fernsehzuschauer könnte so manches entgehen. Keine Flachwitze, schlechte Musik oder alkoholisierten Narren, aber doch so mancher spöttisch-bissiger Motivwagen oder andere Elemente des Umzugs, die nicht sturmfest sind. Dann eben nächstes Jahr wieder. Hier im Süden sind wir ohnehin nicht so auf Umzüge aus, wir sehen morgen Vormittag lieber den Marktweibern (die nennen sich selbst so) des Viktualienmarktes bei ihrem alljährlichen Tanz zu und gönnen uns danach ein letztes Weißwurstfrühstück vor der Fastenzeit.

Lang sollte das Apple-Fasten ja nicht mehr dauern, bis Ostern wollen wir gewiss nicht warten. Allmählich könnte sich etwas in Sachen neuer Produkte und Services tun, aber alle Ungeduld hilft ja nichts: In gewisser Weise arbeitet Apple wie ein Uhrwerk. Ende März, wenn der meteorologische Frühling in den kalendarischen übergegangen ist, wird es Neues geben, nicht früher. Marschieren wir am March Forth weiter durch die Zeit, dem ersten Highlight des Apple-Produktjahres entgegen. Peter Müller

Lesetipps für den Montag:

Investition: Steve Jobs' Witwe Laurene Powell Jobs investiert über ihren Think Tank und Risikokapitalgeber Emerson Collective in Journalismus. Dabei hat das Unternehmen die Mehrheitsbeteiligung von Magazinen wie The Atlantic und dem Pop-Up-Magazin sowie der Nachrichtenwebsite Axios übernommen. Auf einer Konferenz in San Francisco erklärte Power Jobs am Freitag gegenüber Recodes Kara Swisher ihre Beweggründe: Sie sei von Sorge über den Journalismus und damit der Demokratie getrieben. Die Attacken auf Journalisten, die etwa der Präsident via Twitter führe, seien wie "aus dem Lehrbuch für Diktatoren". Dies entfalte bereits destruktive Wirkung, das Vertrauen in Zeitungen und Journalisten sei dadurch auf ein historisches Tief gesunken. Journalismus ist für Powell Jobs aber ein integraler Bestandteil der Demokratie. "Die fehlende Möglichkeit der Leute, relevante lokale Nachrichten zu finden, bringt unsere Demokratie in Gefahr, ebenso unsere Fähigkeit zu kontroverser Diskussion und unser Vermögen sich untereinander zu verstehen," warnt Powell Jobs. Die Witwe des Apple-Gründers ist indes nicht die einzige wohlhabende Persönlichkeit, die gleich eines Mäzens in freie Presse investiert. Amazons Jeff Bezos gehört seit geraumer Zeit die Washington Post und Salesforce-CEO Mark Benioff hat das Time Magazine gekauft.

Kulturelle Unterschiede: : Bisher hat man Apples mutmaßlichen TV-Streaming-Dienst, der in diesem Jahr n den Start gehen soll, vor allem aus der Sicht des Tech-Giganten betrachtet, wie der Service etwa neue Umsätze und neues Wachstum generieren könnte und Apple zur Konkurrenz von Amazon Prime Video, Hulu und Netflix macht. Die New York Post sieht sich nun auf der anderen Seite um und beschreibt die Schwierigkeiten, die Kreative, die für Apple neue Serien produzieren, mit den Managern aus dem Silicon Valley haben – allen voran mit Tim Cook. Denn Produzenten, Regisseure und Schauspieler sehen sich mit recht aufdringlichen Managern konfrontiert, die sich in viele Aspekte einmischen. Tim Cook sei öfter auf Sets von Produktionen wie der Sc-Fi-Serie "See" oder dem der Show mit Jennifer Aniston und Reese Witherspoon gewesen, seine Memos an die Beteiligten wie der Ruf nach familienfreundlichen Inhalten oder Anweisungen wie "Seid nicht so gemein!" würden als Einmischung empfunden. Cook wolle nicht nur kontroverse Themen wie Religion aus den Shows heraushalten, sondern fordere auch einen optimistischen Blick auf Technologie. Ebenso klage die Kreativenszene über Mangel an Transparenz und Klarheit in Cupertino, die Zusammenarbeit mit Apple sei generell schwierig und führe daher zu Verzögerungen. Drehbuchautoren und Regisseure seien es aber gewohnt, ohne Einfluss der Firmen zu arbeiten, die den Auftrag erteilt haben.

Subtile Steuerung: Apples Verkaufspersonal in den Stores bekommt keine Provision für die Verkaufstätigkeit, sondern ein Fixgehalt. Das Management der Läden hat aber sehr wohl einen flexiblen Gehaltsanteil, der von der Erreichung der Ziele in dem konkreten Store abhängt, berichtet ZDnet unter Bezug auf ehemalige Apple-Store-Mitarbeiter. Kunden würden daher eher subtil zu den Produkten geleitet, auf deren Verkauf das Management im Augenblick besonders Wert legt. Zudem entstehe auch immer mehr Druck, die Kunden zur Bezahlung via Apple Pay zu bewegen, was nicht nur daran liegt, dass in den überfüllten und engen Stores die Bezahlung per iPhone oder Apple Watch praktisch ist.

Problematik: Wir geben's ja zu - wir sind nicht ganz unschuldig daran, dass die  Initiative Nachrichtenaufklärung e.V. auf ihrem Blog derblindefleck.de das Thema Polizeiliche Hürden bei der Ermittlung von Cyber-Kriminalität als das neunte Thema in den Top Ten der vergessenen Nachrichten listet. Zu unserer Verteidigung sei aber wenigstens angemerkt, dass wir brav über Sicherheitsrisiken und Schutzmaßnahmen dagegen berichten. Doch worauf die Non-Profit-Organisation hinweist: Kaum jemand schreibt dann darüber, was passiert, wenn alle Vorsicht vergebens war und man Opfer von Cyberkriminellen wurde. Denn die Ermittlungen verlaufen gerne im Sande, so lange, bis die Vergehen verjährt sind. Das Problem scheint vielschichtig, den Polizeibehörden fehlt es an technischer Ausstattung und nicht zuletzt an Kompetenz, sprich: an geschultem Personal. Cybercrime passiert dagegen in einer solchen Häufigkeit, dass allein die Fallzahlen bereits eine wesentliche Hürde darstellen. Versprochen: Wir werden das Thema nicht vergessen und darüber berichten, wann immer es angebracht ist.

Anderer Ansatz: Dan Moren hat seinen Mac Mini von 2012 wieder einmal zerlegt, um Probleme mit dem Laufwerk zu beheben und will dabei auch einiges über den für dieses Jahr angekündigten modularen Mac Pro gelernt haben. Denn es ist nicht ein gieriger Wille Apples, der die Reparatur von manchen Geräten schwierig macht, sondern Entscheidungen für das Design. Lötet man Komponenten wie Festplatte/SSD oder RAM fest auf die Platine, spart man jede Menge Platz. Ein modularer Mac Pro, wie auch immer er aussehen möge, wird nun aber nicht nur Profis Optionen für das Upgrade und den Austausch von Komponenten geben, sondern auch Bastler und Mac-Enthusiasten ansprechen, die sich sprichwörtlich gerne die Hände schmutzig machen.

Weitere Nachrichten:

Comeback: CDs und Vinyls plötzlich beliebter als iTunes Music

Streaming-Dienste wie Spotify oder Apple Music dominieren den Musikmarkt. Das war nicht immer so: Noch vor wenigen Jahren war Apples Verkaufsplattform iTunes für einen Großteil der Umsätze verantwortlich. Der ehemalige Platzhirsch iTunes muss sich nun sogar den totgeglaubten Medien Schallplatte und CD geschlagen geben. Laut CNET waren digitale Musikverkäufe im vergangenen Jahr nur für elf Prozent der US-Umsätze verantwortlich. CDs und Schallplatten bestritten zusammen im gleichen Zeitraum zwölf Prozent der Umsätze. Der Übermacht der Streaming-Anbieter, die für 75 Prozent der Einnahmen verantwortlich sind, müssen sich aber alle anderen Vertriebswege für Musik geschlagen geben.

Noch 2015 hielten sich die mit digitalen Downloads und Streaming generierten Umsätze mit knapp 34 Prozent die Waage. Die Beliebtheit von Apple Music oder Spotify sorgte in den vergangenen Jahren zu einem Wechsel hin zu Streaming-Diensten. Dennoch dürften die steigenden Umsätze mit den Verkäufen von Schallplatten und CDs viele überraschen: Allein in USA sorgten beide Medien 2018 für Umsätze in Höhe von knapp 10 Milliarden US-Dollar. Der Verkauf digitaler Musik über das Internet sank hingegen um 26 Prozent auf einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar. Offenbar gibt es ein immer größeres Interesse an Musik, die physisch besessen und genutzt werden kann.

 

Amazon liefert in den USA auf Wunsch nur einmal pro Woche

Ab Dienstag nächster Woche können sich alle in den USA lebenden Prime-Mitglieder ihre Lieferungen von Amazon wahlweise nur einmal wöchentlich zuschicken lassen . Wurde der „Amazon-Tag“ einmal im Profil festgelegt, hält Amazon alle in der Woche aufgelaufenen Bestellungen zurück und stellt sie gesammelt an dem vom Kunden gewählten Tag zu. Durch die Aktion will Amazon einmal die Menge an Verpackungsmaterial reduzieren, die selteneren Lieferungen sollen zudem die Umwelt schonen, da weniger Einzelpakete ausgeliefert werden müssen.

Doch auch für Kunden hat der „Amazon-Tag“ viele Vorteile. Gerade Werktätige werden das Problem der vielen Amazon-Einzelsendungen kennen, die letztlich bei Nachbarn landen. Durch den selbst gewählten Zustellungstag steigt die Chance, dass der Kunde bei der Zustellung selbst anwesend ist. Viele Käufer bestellen zudem Verbrauchsware bei Amazon, die nicht unbedingt so schnell wie möglich zugestellt werden muss. Statt fünf Paketen landet dann nur ein größeres Paket beim Kunden. Daher wäre die Ausweitung dieser Zustell-Option auch hierzulande interessant. Voraussichtlich will Amazon aber zuerst den Start der Aktion in den USA abwarten, bevor der „Amazon-Tag“ auch in Deutschland als Option gewählt werden kann.

 

Profi-Hacker-Tool für iPhone und Android für 100 US-Dollar

Mit dem Cellebrite Universal Forensic Extraction Device (UFED) bietet das gleichnamige Unternehmen aus Israel schon seit einigen Jahren Smartphone-Hacking-Tools an, die von FBI, Homeland Security und anderen Behörden weltweit genutzt werden. Mit dem Werkzeug lassen sich auf Smarpthones gespeicherte Daten absaugen, auch wenn diese eigentlich schon gelöscht wurden. Diese Fähigkeit hat ihren Preis: Zwischen 5.000 und 15.000 US-Dollar kostet ein Neugerät. Auf Ebay finden sich nun aber ältere Geräte für weniger als 100 US-Dollar.

Nach Ansicht von Forbes stammen einige der Geräte aus Polizeibeständen, auf einigen sollen sich sogar noch Daten befinden, die Teil einer Kriminalermittlung waren. Datenschützer warnen als Reaktion vor Datenleaks, die aus den auf den Geräten gespeicherten Informationen resultieren könnten. Der Sicherheitsforscher Matthew Hickey habe auf einer Vielzahl von ersteigerten Geräten Informationen zu den im Vorfeld gehackten Smartphones gefunden, darunter auch IMEI-Nummern und Datumsangaben der Durchsuchungen. Auch Chats oder Adressbücher würden sich nach Ansicht des Forschers extrahieren lassen. Darauf legte er es aber nicht an. Hickey vermutet, dass die Geräte ausgemustert wurden, da sie aktuelle Smartphones nicht mehr knacken können. Das neueste Modell von Cellebrite konnte vor gut einem Jahr ein iPhone X mit iOS 11 entsperren, ob iOS 12 ebenfalls attackiert werden kann, bleibt offen. Tools wie UFED setzen auf Zero-Day-Lücken, die durch Updates immer wieder geschlossen werden, sobald die Hersteller von ihnen erfahren.

2413155