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Morgenmagazin vom Montag, 5. August 2019

05.08.2019 | 07:16 Uhr |

Digitimes: Macbook ab 2020 mit 5G +++ Tim Cook zeigt sich über Massenmorde in El Paso und Dayton betroffen +++ Intels zehnte Core-Generation und der Mac +++ Nach Urteil: Telekom ändert "StreamOn"-Angebot +++ Minderjährige „verspielt“ 1.400 Euro im Google Play Store +++ Auto- und Motorradfahrern drohen tödliche Unfälle mit Mähdreschern

5. August: Sie haben Post!

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Das Wochenende war sicherlich schön und die neue Woche fängt fängt hoffentlich gut an bei Ihnen. Das elektronische Postfach, in dem ganz oben das Macwelt-Morgenmagazin gelegen hatte, ist nicht allzu sehr gefüllt, so dass Sie Ihren Arbeitstag mit der Erledigung der Korrespondenz starten, nicht aber schon gegen Mittag völlig erledigt von den tausenden Mails sind. Die E-Mail soll ja angeblich an Bedeutung verloren haben, aber das mag nur in einigen Kommunikationsfällen so sein, dass man besser WhatsApp, iMessage oder andere Messengersystem verwendet. Im Büro ist vom angeblichen Bedeutungsverlust nichts zu spüren, auch am Wochenende werden wir von allerlei elektronischen Schreiben geplagt. An diesem Samstag war es auf den Tag genau 32 Jahre her, dass die erste E-Mail einen Computer in Deutschland erreichte. Und wie es in früheren Zeiten so war, brauchte diese Post etwas länger - im Vergleich zur Luftpost aber um viele Größenordnungen weniger.

Der erste Empfänger einer E-Mail in Deutschland war der Wissenschaftler Michael Rotert von der Universität Karlsruhe (TH), der eine tags zuvor über die Plattform CSNET in Cambridge (Massachusetts) verfasste Nachricht erhalten hat. Zu Beginn der Technikrevolution, die viel von uns noch heute in Atem hält, waren die Server nicht ständig mit dem Austausch von Nachrichten beschäftigt sondern nur zu bestimmten Zeiten am Tag. Das Internet, wie wir es heute kennen, war 1984 noch längst nicht existent, doch begann an jenem Tag im August kräftig zu wachsen. Das Wort E-Mail war gar nicht so abwegig, schließlich war die Deutsche Bundespost für ihre Zustellung zuständig. Welche technischen Hürden zu beseitigen und welche neuen Methoden zu entwickeln waren, beschreibt eine Geschichte unserer Kollegen der PC-Welt recht schön . Damals hatte man es als Fortschritt betrachtet, dass für die Übertragung der Daten beim Empfänger niemand einen Telefonhörer abnehmen musste, um ihn mit einem Akustikwandler zu koppeln...

Ein andere bahnbrechende Technik feiert heute ihren halbrunden Geburtstag: Die Verkehrsampel. In Cleveland, Ohio, stand ab dem 5. August 1914 die erste elektrisch betriebene ihrer Art, damals nur mit den beiden Farben rot und grün ausgestattet. Die heute bekannte dreifarbige Ampel ist zu einem derartigen Allgemeingut geworden, dass ihre Symbolik weit über den ursprünglichen Einsatzzweck hinausreicht. Sogar in macOS ist die Ampel zu finden, links oben, in jedem Fenster, zumindest, solange man nicht über den grünen Punkt in den Vollbildmodus gewechselt ist, der auch auf dem Mac immer prominenter wird.

Auf die Ampel wird unser Lieblingssystem noch lange nicht verzichten und dass man sie auf Straßen weglassen kann, weil alle Verkehrsteilnehmer so klug miteinander vernetzt sind, dass sie in Echtzeit aushandeln können, wer denn nun fahren oder gehen darf und wer stehen bleiben muss, dauert es noch viel länger. Vermutlich ist dieses Szenario ohnehin nie zu erreichen, der ein oder andere lästige Fußgänger wird auch in 105 Jahren noch völlig analog unterwegs sein und auf eine gnädige Ampel hoffen. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Mehr Power: Intel hat Ende letzter Woche seine zehnte Generation von Core-Chips angekündigt, die den Codenamen Ice Lake tragen. Intel setzt erstmals auf das 10nm-Fertigungs verfahren und die Architektur Sunny Cove. Bisher sind sieben Prozessoren angekündigt, einige davon seien auch für den Mac interessant, führt Jason Cross aus. Doch deutliche Sprünge darf man nicht erwarten, trotz der laut Intel um 18 Prozent gestiegenen Performance. Im alltäglichen Gebrauch in Macbooks werde man kaum Unterschiede spüren, da die Chips wegen ihres höhere TDP und niedrigeren Taktraten ausgebremst würden. Beim Komprimieren großer Dateien und beim Videencding in bestimmte Formate sollte man aber dennoch einen Unterschied spüren können. In Sachen Grafik hingegen könnten die Intel-Chips viel ändern, erste Benchmarks zeigen etwa die doppelte Performance im Vergleich zur Vorgängergeneration. Macbooks mit Intel-Core-Chips der zehnten Generation sollten auch in der Lage sein, das neue Pro Dispaly XDR anzusteuern, mit an Bord ist auch der neue WLAN-Standard Wi-Fi 6, der früher als 802.11ax bezeichnet wurde. Allzu bald darf man aber keine Macbooks mit den neuen CPUs erwarten, Intel will die Chips im vierten Quartal liefern. Apple baut in der Regel neue Prozessorgenerationen in seine Mobilrechern erst ein, wenn Windows-Laptops mit diesen bereits seit drei bis sechs Monaten auf dem Markt sind.

Ginge auch anders: Apple hat sein Programm vorerst gestoppt, in dem Menschen überprüfen. ob Siri auf Anfragen korrekt geantwortet hat. In einem künftigen Softwareupdate wird es eine Möglichkeit geben, die teilanonymisierte Übertragung von Konversationsdaten zu unterbinden, dann wird Apple die Überprüfung wieder aufnehmen. Ganz ohne wird es auch nicht gehen, meint Jason Cross, und auch Ortsdaten werden mit den Sprachschnippseln verknüpft sein müssen, dass die Zuhörer erkennen, ob denn Siri nun wirklich einen Ort in der Nähe korrekt verstanden hat. Es gäbe dazu aber eine Alternative, erklärt unser Kollege von der Macworld: Auf dem Gerät selbst könnten die User nach jeder von Siri erledigten Aktion bestätigen, ob der Sprachassistent alles richtig verstanden und korrekt gehandelt habe. Diese Daten könnten dann in der Tat völlig anonymisiert an Apple gesandt werden, um die Algorithmen zu verbessern. Das wäre aber ein bedeutend höherer Aufwand.

Funky : Im Jahr 2020 werde Apple nicht nur seine iPhones mit 5G-Chips ausstatten, sondern auch Macbooks, berichtet die taiwanische Publikation Digitimes. Um durch das Aluminiumgehäuse funken zu können, benötige es eine Antenne aus Keramik, was ein wenig teurer würde, heißt es weiter. Apple hat kürzlich die Smartphonemodemsparte von Intel übernommen, ein Zusammenhang mit Funkmodems für Laptops besteht nicht zwangsweise. Auch sind Berichte von Digitimes immer mit Skepsis zu betrachten, die Vorhersagen des Blattes treffen nicht immer ins Schwarze.

Wenig hilfreich: Man kann gar nicht genügend Backups seiner Daten erstellen und pflegen, es gibt aber eine Grenze, wie Glenn Fleishman auf Macworld erklärt. Denn von Time-Machine-Volumes sollte man keine weiteren Onlne-Backups bei Unternehmen wie Backblaze, Carbonite oder Code42 erstellen. Der Grund sind die Hardlinks, die Time Machine erstellt, Verweise auf Dateien, die mit der Zeit immer öfter auftreten, auch wenn sie nur auf eine einzelne Datei führen. Im Time-Machine-Backup eines Volumes stören diese nicht weiter, wenn man das aber auf eine anderes Volume - offline wie online - kopiert, kann das Backup über die Maßen anwachsen - gerade bei langsamer oder teurer Leitung ein Problem. Für redundante Backups gibt es andere Lösungen, Dateien, die man online sichern will, sollte man auf einen anderen Container verlagern.

Betroffen: In der Mall in El Paso, in der am Wochenende ein texanischer Terrorist 20 Menschen erschoss, die er für Lateinameriker hielt, ist aucn ein Apple Store untergebracht, der jedoch nicht Tatort war. Nichtsdestotrotz zeigt sich Apple-CEO Tim Cook auf Twitter betroffen, von diesem Vorfall und jenem ähnlichen in Dayton, Ohio. Seine Gedanken und Gebete seien bei den Opfern und Angehörigen, doch geht Cook auch einen Schritt weiter in seiner Aussage. Es sei nun endlich an der Zeit, dass gegenseitige Schuldzuweisungen von politischen Akteuren aufhörten und die Verantwortlichen das Problem der Hassverbrechen und Massenschießereien ernsthaft angingen. Wie genau, dazu macht Cook keine Vorschläge. Strenge Waffenkontrollgesetze wären aber gewiss eine Möglichkeit  - und die hetzerische Rhetorik aus dem Weißen Haus gegen Migranten trägt ja nu auch nicht wirklich zur Befriedung bei. Das kann Tim Cook aber in dieser klaren Weise nicht sagen.

Weitere Nachrichten:

Nach Urteil: Telekom ändert "StreamOn"-Angebot

Jetzt also doch: Die Deutsche Telekom kündigt am Freitag eine Änderung ihres StreamOn-Angebots an. Damit reagiert die Telekom auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts NRW von Mitte Juli. Die gute Nachricht: Für Verbraucher wird der Dienst besser. Die noch bessere Nachricht: Die Telekom hält ihr Versprechen und erhöht nicht den Preis für StreamOn.

Wie die Telekom mitteilt, werde das StreamOn-Angebot gemäß den von der Bundesnetzagentur geforderten Vorgaben geändert. So werde bereits in der kommenden Woche die bisher geltende "Bandbreitenoptimierung" aufgehoben. Zusätzlich wird das StreamOn-Angebot ab September auch innerhalb aller EU-Länder verfügbar sein. "Wir haben von Anfang an betont, dass wir StreamOn weiter anbieten werden und dass es nicht zu Preiserhöhungen für die StreamOn-Optionen kommen wird", heißt es in der äußerst knapp gehaltenen Mitteilung.

Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen hatte Mitte Juli entschieden, dass die Deutsche Telekom ihr StreamOn-Angebot nicht mehr in der bisherigen Form anbieten dürfe und eine Frist für die Umsetzung der Änderungen gesetzt.  Damit wurde eine erstinstanzliche Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln vom November 2018 bestätigt (wir berichteten).

Geklagt hatte die Bundesnetzagentur, weil es aus ihrer Sicht StreamOn in seiner bisherigen Form rechtswidrig War. Konkret bemängelte die Behörde die Drosselung der Video-Übertragungsrate, die bei einigen Telekom-Tarifen in Verbindung mit StreamOn bisher galt. Dadurch konnten Videos mancher Anbieter nur noch in maximal SD-Qualität betrachtet werden. Damit, so die Ansicht der Bundesnetzagentur, verstoße die Telekom gegen ihre Verpflichtung zur Netzneutralität. Hinzu käme auch noch ein Verstoß gegen das "Roam Like at Home"-Prinzip, weil im EU-Ausland bei Videostreaming der anfallende Verkehr dem Datenvolumen angerechnet wurde.

Das Oberverwaltungsgericht des Landes NRW folgte in seinem Urteil vom Juli der Sicht der Bundesnetzagentur und kritisiert konkret: "Für bestimmte Mobilfunktarife willigt der Kunde (...) in eine generelle Bandbreitenbegrenzung für Videostreaming auf maximal 1,7 Mbit/s ein, was für eine Auflösung in HD-Qualität nicht mehr genügt. Eine Nutzung von 'StreamOn' ist zudem nur innerhalb Deutschlands vorgesehen. Im Ausland wird der Datenverkehr für Audio- und Videostreaming immer auf das Inklusivdatenvolumen angerechnet."

Außerdem stellte das Gericht beim "StreamOn"-Angebot der Telekom sowohl einen Verstoß gegen den "europarechtlich verankerten Grundsatz der Netzneutralität" als auch einen Verstoß gegen "europäische Roaming-Regelungen" fest.

Die Telekom verstoße gegen die Netzneutralität. weil die Übertragungsgeschwindigkeit für Videostreaming gegenüber anderen Diensten oder Anwendungen gezielt gedrosselt werde. Der Grundsatz schütze bei sämtlichen Nutzern "ein grundlegendes Funktionsprinzip" des Internets. Daher sei es unerheblich, dass die Kunden vor der Buchung des StreamOn-Dienstes der Drosselung zustimmen müssen. Außerdem sei es nach den geltenden Roaming-Regeln verboten, für Roaming-Dienste im europäischen Ausland ein zusätzliches Entgelt gegenüber dem inländischen Endkundenpreis zu verlangen.

Im Juli hatte die Deutsche Telekom noch nach Bekanntwerden des Urteils gegenüber der PC-WELT erklärt: "Wir werden jetzt prüfen, wie wir mit dem Urteil umgehen. Wir erwarten, dass die BnetzA (gemeint ist die Bundesnetzagentur, Anm. d. Redaktion) durch eine angemessene Umsetzungsfrist die nun erforderlichen Anpassungen ermöglicht. Von der Rechtmäßigkeit von StreamOn sind wir weiterhin überzeugt und werden auch zukünftig alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen."

Betont wurde in der Stellungnahme, dass die Telekom StreamOn auch weiterhin anbieten werde und es für dieses Angebot auch weiterhin keinen Aufpreis geben wird.

Minderjährige „verspielt“ 1.400 Euro im Google Play Store

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat über ihre Website in der Rubrik „Fall des Monats“ ein besonders schockierendes Kostenfallen-Beispiel aus Osnabrück vorgestellt . Dabei erhielt ein Verbraucher eine Mobilfunkrechnung mit Drittanbieterforderungen von Google in Höhe von 1.431,84 Euro. Wie sich herausstellte, war die minderjährige Tochter für die stattliche Rechnung verantwortlich. Sie durfte das Handy für Online-Spiele nutzen. Damit sie nicht in eine Kostenfalle tappt, hatten die Eltern ihr Guthaben über eine Google Play Karte geschenkt und diese auf ihr Google-Konto aufgeladen. Als das Guthaben aufgebraucht war, konnte die Tochter jedoch auch weiterhin In-App-Käufe tätigen. Der Grund: Bei aufgebrauchtem Guthaben war als zusätzliche Zahlungsweise die Zahlung per Mobilfunkrechnung hinterlegt.

Die Eltern blieben laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen jedoch nicht auf der überhöhten Handy-Rechnung sitzen. „Wenn Minderjährige ohne Genehmigung der Eltern In-App-Käufe durchführen, sind die Chancen gut, sich erfolgreich gegen die Forderungen zu wehren“ , erklärt Kathrin Körber, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Da die Eltern selbst nicht aktiv einen Vertrag mit dem Spieleanbieter abgeschlossen hatten, konnten sie auch nicht für alle auf dem Smartphone ausgeführten Handlungen verantwortlich gemacht werden. Im vorliegenden Fall hat Google einen Großteil der Forderungen – insgesamt 1.389,90 Euro – erlassen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt Eltern, bei allen Mobilgeräten, die auch von Minderjährigen genutzt werden, eine Passwortsperre für jeden Kauf einzurichten. Beim Mobilfunkanbieter kann außerdem kostenlos eine Drittanbietersperre eingerichtet werden. Diese verhindert, dass Drittanbieter-Dienste ihre Leistungen über die Mobilfunknummer abrechnen können.

 

Auto- und Motorradfahrern drohen tödliche Unfälle mit Mähdreschern

Seit den 1970er Jahren sank die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten fast kontinuierlich. So starben Anfang der 1970er Jahre über 20.000 Menschen pro Jahr auf Deutschlands Straßen. Im Jahr 2012 waren es noch 3606 Tote und 2013 forderte der Straßenverkehr sogar „nur“ noch 3300 Menschenleben. 2015 stieg die Zahl der Verkehrstoten dann auf 3459 Menschen. Experten machen dafür die zunehmend Ablenkung durch Smartphones verantwortlich. 

2016 waren es 3206 Verkehrstote und 2017 starben laut ADAC etwa 3215 Menschen bei Verkehrsunfällen. Wobei die Erfolge im Kampf gegen den Tod im Straßenverkehr weltweit nicht gleich verteilt sind: So sind Autofahrer in Deutschland deutlich weniger vom Tod bedroht als beispielsweise Autofahrer in Lateinamerika. Doch zuletzt stiegen die Zahlen wieder: 2018 starben im Verkehr aber wieder mehr Menschen als im Vorjahr. Vor allem kamen mehr Radfahrer ums Leben, insgesamt starben 3275 im Jahr 2018 im Straßenverkehr.

Warum sterben heute weniger Menschen im Straßenverkehr als in den 1970ern?

Nein, Deutschlands Autofahrer fahren nicht etwa besser oder rücksichtsvoller. Das merkt jeder, der im Straßenverkehr unterwegs ist. Sondern die Autos selbst sind schlicht sicherer geworden. Zunächst verbesserten die Automobilhersteller die passive Sicherheit ihrer Fahrzeuge deutlich, in den letzten Jahren steht nun die Verbesserung der aktiven Sicherheit im Mittelpunkt. Also Sicherheits-Assistenzsysteme wie ABS, ESP, Notbremsassistenten und Spurverlassenswarner – moderne Elektronik und Computertechnik rettet Menschenleben, indem sie Unfälle von vornherein verhindert und so die notorischen Fahrfehler der Menschen ausgleicht. Radar, Lidar, Kamera - die Augen der neuen Sicherheits-Assistenten helfen Unfälle zu vermeiden. Zusätzliche Fahrerassistenzsysteme machen das Autofahren sicherer. Wobei immer noch der gute alte Gurt der Lebensretter Nummer 1 ist. Trotz der vielen IT im Auto.

Übrigens: Die tödlichsten Straßen sind die Land- und Bundesstraßen.

Einen Nachteil hat die viele IT und Sensorik in modernen Autos aber – sie macht die Fahrzeuge schwerer. Was wiederum den Kraftstoffverbrauch in die Höhe treibt. Viele Autofahrer sind von den Vorteilen moderner Assistenzsysteme längst überzeugt und bestellen diese bei einem Neuwagenkauf mit.

Die Erntezeit überfordert Assistenzsysteme und moderne Autos

Die Erntezeit stellt eine besondere Herausfoderung für Verkehrsteilnehmer dar. Denn dann kreuzt besonders oft landwirtschaftliches Großgerät die Wege von Autofahrern und Motorradfahrern. Auto- und Motorradfahrer sollten in den kommenden Wochen also besonders gut aufpassen, wenn Landwirte mit Mähdreschern und anderem Großgeräte auf den Straßen unterwegs sind.

Die Dekra hatte bereits 2014 drei spezielle Crashtests durchgeführt, die zeigen sollen, welche fatale Folgen ein Zusammenstoß zwischen einem Mähdrescher – mit und ohne Mähwerk – und einem PKW beziehungsweise Motorrad hat. Die Ergebnisse lassen einen schaudern - sie beweisen, dass selbst modernste Hightech-Sicherheits- und Assistenzsysteme keine tödlichen Unfälle verhindern können..

Crashtest Nummer 1: Motorradfahrer gegen Mähdrescher ohne Mähwerk

Ein Motorradfahrer prallt mit Tempo 60 seitlich gegen den Reifen des Mähdreschers. „Wäre das ein realer Unfall gewesen, hätte der Motorradfahrer schwerste, wenn nicht tödliche Verletzungen erlitten“, so Jörg Ahlgrimm, Leiter der Unfallanalyse bei der Dekra.

Crashtest Nummer 2: VW Golf gegen Mähdrescher

Dasselbe gilt für den frontalen Aufprall eines Autos (im Testszenario ein alter VW Golf) mit 67 Stundenkilometern im zweiten Crashtest bei abgebautem Mähwerk. „Hier unterfährt der Pkw die feste Struktur der Erntemaschine, steife Bauteile dringen im Oberkörper- und Kopfbereich der Insassen in den Fahrgastraum ein. In einem solchen Fall bringen alle passiven Sicherheitseinrichtungen bis hin zu Airbag und Sicherheitsgurt praktisch nichts mehr“, wie der Dekra-Experte erklärt. Auch bei einem modernen PKW mit höherer Crashsicherheit wäre das Überlebenspotenzial für die Insassen minimal.

Crashtest Nummer 3: Mähwerk spießt Motorradfahrer auf

Das absolute Worst-Case-Szenario stellt der dritte Crashtest dar. Dabei kollidiert ein Motorradfahrer mit eigentlich moderaten 65 km/h im Gegenverkehr mit einem Mähdrescher, der – entgegen der Vorschrift – mit angebautem Mähwerk auf der Straße unterwegs ist. „In diesem Crash wurde der Dummy auf dem Motorrad buchstäblich vom Mähwerk aufgespießt“, schildert Jörg Ahlgrimm die Szene. „Ein Mensch hätte hier mit Sicherheit keine Überlebenschance.“

Deshalb ist die Erntezeit gefährlich

Gefahren im Zusammenhang mit Mähdreschern und anderen Erntemaschinen entstehen aus mehreren Gründen. Zum einen sind sie – schon ohne Mähwerk – sehr breit und zugleich oft auf relativ schmalen Landstraßen unterwegs. Erntemaschinen sind außerdem langsam und oft nicht gut erkennbar. Gerade in der heißen Phase der Ernte sind sie auch in der Dämmerung oder bei Dunkelheit im Einsatz. Auch das kann zu gefährlichen Situationen führen.

Eine Lösung der Probleme auf Seiten der Konstruktion von Mähdreschern und ähnlichen Geräten gibt es aus Sicht des Experten praktisch nicht. Sicherheitseinrichtungen wie etwa ein Unterfahrschutz lassen sich an Mähdreschern und ähnlichen Geräten nicht anbringen, ohne den eigentlichen Zweck, den Arbeitseinsatz auf dem Feld, zu beeinträchtigen. „Im Grunde sind das eben keine Fahrzeuge, sondern Arbeitsmaschinen. Sie sind konstruiert für den landwirtschaftlichen Arbeitseinsatz und nicht regelmäßig auf Straßen unterwegs. Eine Struktur zum Schutz von anderen Verkehrsteilnehmern müsste ständig an- und wieder abgebaut werden.“

Nur besondere Vorsicht schützt

Die Dekra-Experten rufen während der Erntesaison alle Verkehrsteilnehmer dazu auf, speziell in ländlichen Gebieten besonders vorsichtig zu fahren. „Wichtig ist, dass Sie in diesen Wochen jederzeit mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen rechnen, die langsam auf Landstraßen unterwegs sind, die einbiegen oder queren“, so Ahlgrimm. „Das gilt nicht nur für Mähdrescher, sondern natürlich auch für Ackerschlepper mit Anhängern, die das Getreide transportieren.“

An die Betreiber der Erntemaschinen appelliert der Unfallexperte, immer die entsprechenden Sicherheitsvorschriften zu beachten, auch wenn es sich nur um kürzeste Fahrstrecken auf Straßen handelt. „Spätestens ab einer Breite von 3,50 Metern müssen Schwertransporte in ganz Deutschland mit einem Begleitfahrzeug unterwegs sein. Diese Vorgabe gilt auch für Mähdrescher und andere Erntemaschinen“, so Ahlgrimm. „Zwischen 3,00 und 3,50 Metern sind in vielen Bundesländern spezielle Genehmigungen notwendig.“ Mit angebautem Mähwerk auf der Straße unterwegs zu sein, hält der DEKRA Experte für absolut tabu. „Unser Crashtest mit dem Motorradfahrer hat deutlich gezeigt, wie lebensgefährlich ein solches Verhalten ist.“
 

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